Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Essaouira


Sonntag, 18.März: أسفي (Safi) ► الصويرة (Essaouira), 145 km

Grau ist es heut am Morgen, es regnet etwas aber es ist nicht kalt. Die Steile Straße vom Campingplatz hinunter geht der Blick zu den Mauern der Altstadt und auf die See, die enorm kocht und tobt.

Eigentlich wollten wir die Straße direkt an der Küste bis nach Essaouira fahren, aber mit Blick auf den wellenzerwühlten Atlantik, ändern wir den Plan und verlegen die Route etwas weiter ins Landesinnere. Bevor wir aus Safi herauskommen, halten wir an einer Tankstelle und einem Supermarkt. Der junge Tankwart fängt auch gleich ein Gespräch an. Er liebt Fußball, Bayern München ist sein Favorit. Fußball ist nicht unseres, da müssen wir dem Gespräch eine andere Richtung geben. Zeit zum quatschen haben wir, die 100 Liter Diesel laufen extrem langsam. Wir fragen noch ob der Supermarkt heute am Sonntag offen hat. Hat er, warum sollte er nicht?
Stadtauswärts eine Riesenmüllhalde mit Qualm und Gestank. Wir kommen durch ein paar sehr belebte Ortschaften mit sehr viel Verkehr.
Dann erreichen wir einen Aussichtspunkt hoch über Essaouira.

Phantastische Ausblicke eröffnen sich über die Stadt und das Meer. Es sind hier sehr viele Einheimische unterwegs und picknicken. Zwei Kamele stehen bereit für Fotoshootings mit Panoramakulisse. Die Kamelmänner kommen auch sofort auf uns zu, aber wir lehnen dankend ab. Nachdem auch wir das Panorama abgelichtet haben rollen wir stadteinwärts. Die neue breite und lange Strandpromenade entlang. Nach unserem ersten Besuch vor Jahren, hat sich auch hier einiges getan.
Der breite Sandstrand bevölkert sich zunehmend, je näher man der Altstadt kommt. Eine Menge Surfer sind auf den Wellen. Wir suchen einen Parkplatz, hier steht schon alles dicht an dicht. Dann kommen Schilder mit Wohnmobil-Parkverbot, aber wir fahren weiter bis zum alten Hafen, das haben wir von unserem letzten Besuch noch so in Erinnerung.
Der Parkplatz dort ist zwar noch da, sieht aber schon sehr voll aus. Doch der Parkplatzwächter winkt uns heran, fragt ob wir auch über Nacht hier bleiben wollen. Ja, möchten wir. Für 60 Dirham dürfen wir das auch. Damit das auch seine Ablösung erfährt, macht er mit Kreide sein Signum auf unseren Vorderreifen. Danach wird es interessant. Der Parkplatzwächter kommt mit einem großen Drahtring mit vielen aufgefädelten Autoschlüsseln. Es wird wie in einem Tetrisspiel mit mehreren Autos rangiert um für uns Platz zu schaffen. Dafür gibt es extra einen Einweiser, alles ist echte Maßarbeit. Es ist ein guter Einweiser und Frank ein guter Einparker. Ich wäre hier gescheitert. Nun hält der gute Mann nochmal seine Hand auf. Wir geben ihm 20 Dirham.
Sofort steht auch gleich der Autowäscher da. Die Salzkruste die wir von Safi mitgebracht haben, könnte schon mal vom Blech, aber die vielen Möwen, die uns umfliegen, werden noch manchen Treffer landen. So verhandeln wir den Preis auf 70 Dirham und bestellen ihn für morgen neun Uhr.

Zwei Minuten später tauchen wir schon ein in das Menschengewühl der Altstadtgassen. Schön ist es hier, deshalb sind wir zum zweiten Mal hergekommen. Es wimmelt aber auch von europäischen Touristen und zwar sehr blaßhäutigen. Wir streifen durch die Gassen mit ihren vielfältigen afrikanischen Waren.
Gassen rauf und runter, überall wird geschaut. An Anfang hebe ich gleich Postkarten und Briefmarken gekauft. Vor dem Laden steht auch gleich ein Briefkasten, aber ich muss ja erst einmal schreiben. Ich suche noch etwas für unsere Tochter. Die Auswahl fällt auf ein schönes gewandartiges Kleid, das ich im Schneiderladen einer Frauenkooperative kaufe. Frank stöbert in der Ausstellung einer Tischlerwerkstatt und ist fasziniert von der hochwertigen Arbeit und den vielen verschiedenen Hölzern.

Später landen wir noch in einem Trödelladen. Hier gibt es unter anderem handgeschmiedete Nachbauten alter Werkzeuge zu kaufen. Der Verkäufer versucht Frank zu überzeugen, dass seine Schafscheren alte Originale sind. Wir kommen nicht ins Geschäft.
Der Rundgang führt uns auch in den alten Hafen. Die berühmten blauen Fischerboote von Essaouira liegen dicht an dicht m Hafenbecken. Hier wird auch Fisch und allerlei Meeresgetier fangfrisch verkauft. Wir staunen immer wieder, was der Ozean so alles zu bieten hat. Neben fast jedem Verkaufsstand steht ein Mann mit einer langen Holzlatte und muss die Möwen vertreiben, die mit viel Geschrei in dichten Schwärmen ganz frech direkt über den Fischstiegen kreisen. Trotz der Vertreibungsaktionen gelingt es den dreisten Viechern so manches Stück direkt aus den Kisten zu rauben. Auch das, was hinten rauskommt bei diesen Vögeln ist nicht unerheblich.

Zwischendurch machen wir Pause, setzen uns vor ein Restaurant zum Tee und Kaffee. Beim Weiterlaufen in die nächste Gasse, kaufe ich Tücher in sehr schönen Farben als Geschenk. Als wir fast alle Altstadtgassen und auch die Markthalle abgeklappert haben gehen wir zur Festungsmauer und schauen durch die Öffnungen aufs Meer.

An den Fischbrätereien entlang laufen wir hin zu unserem Auto. Wir gönnen uns ein Ruhestündchen und ich schreibe Postkarten.
Es ist Abend geworden, das Gewusel hier in der Altstadt nimmt noch einmal zu. Auch uns treibt es wieder durch die Gassen. Die marokkanische SIM-Karte muss wieder geladen werden, die 100 Dirham gestern waren zu wenig. In einem Internetcafé bekommen wir das erledigt. Zu Abend essen wir in dem Restaurant, in das wir schon zum Nachmittagstee eingekehrt waren. Zwei Tische stehen auf der Gasse, man sitzt hier gut und kann das Treiben beobachten. Die Menüs klingen sehr vielversprechend, zu einem Preis von umgerechnet vier Euro. Ich esse gebratene Sardinen, Frank Tajine. Zu uns an den Tisch setzen sich zwei Britinnen aus London, die für 10 Tage mit einer Flugreise in Essaouira sind. Sie sind auch begeistert von dem Flair dieser Stadt.
Auf dem Rückweg, es ist nach 21.⁰⁰Uhr, begegnen uns immer noch sehr viele Menschen, hier geht es jetzt erst richtig los.
Nach diesem anstrengenden Stadttag brauchen wir nicht lange um einzuschlafen. Gerade so in der ersten Dämmerphase rumpelt und klopft es am Autoblech. Einbrecher? Nein, Möwen, ausgerechnet die größte Sorte. Die Mistviecher haben natürlich uns als höchstes Fahrzeug inmitten dieses nur mit PKWs bestandenen Parkplatzes als Landestelle auserkoren.

Die fast hühnergroßen Vögel latschen mit ihren Schwimmfüßen über die Dachluken und picken auf Dachblech und die Solarzelle. Ein Schlag von unten gegen die Dachluke vertreibt die Bande. Wir sind gerade wieder selig am dahindämmern, da beginnt das Ganze von Neuem.
Ein paar Mal machen wir das Spiel mit und vertreiben sie, dann geben wir auf. Wir haben die Hoffnung, dass auch Möwen sich in der Nacht irgendwann zur Ruhe begeben. Was wir bis dahin nicht wussten: Möwen arbeiten im Dreischichtsystem und über uns hockt die Nachtschichtbrigade. Das Getrampel, Picken und auch die spitzen Schreie reißen nicht ab. Es wird eine schrecklich unruhige Nacht.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.