Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Tafraoute


Donnerstag, 22. März: تفراوت (Tafraoute) ► أيت منصور (Âït-Mansour-Tal) ► Timguelchte-Schlucht ► تفراوت (Tafraoute), 96 km

Strahlender Sonnenschein und der Wind hat sich gelegt. Der Bäcker kommt mit dem Fahrrad und ist rundherum mit duftenden warmen Baguettestangen bepackt. So fängt der Tag schon gut an. Zuerst fahren wir in den Ort. Frank will nach Babuschen schauen, die werden hier gemacht. Wir werden auch fündig. Der Verkäufer gibt sich große Mühe mit Franks verschieden großen Füßen. Das Ergebnis: zwei Paar, einmal in gelb und einmal in blau.
Wir kaufen Arganöl in einer Kooperative. Die Frauen in dem Laden sind sehr nett und lustig.

Als Frank die Frau an der Röstpfanne fragt, ob er sie fotografieren darf, zieht sie sich erst ein schwarzes Tuch über den Kopf. In Tafraoute gibt es auch arabische Frauen, zuvor sind wir durch Gegenden gekommen in denen die Berber absolut dominieren.
Nun sind wir in einer Gasse mit Werkzeug- Kessel-, Antik- und Schmuckhändlern. Ein lustiger Verkäufer zieht uns in seinen Bann und wir verschwinden mit ihm in seinen kleinen dunklen Kabuff, der als Laden dient. Den dargebotenen Tee lehnen wir dankend ab, wir kommen gerade vom Frühstück. Er breitet seine Schätze aus und erzählt, er spricht etwas deutsch, von seinen Kindern und sich. Nach einigen Preisverhandlungen erwerben wir eine schöne Kette.

Gemeinsam machen wir einige Fotos mit ihm, auch wir arabisch verhüllt. Er gibt uns seine E-Mail-Adresse. Wir werden ihm ein Bild schicken. Jetzt machen wir uns aber in die Spur.
Nach einigen Kilometern erblicken wir phantastische geformte Felsen überall verstreut Palmengruppen und im Hintergrund die hohen wie aufgemauert wirkenden braunen Felstürme. Die Kämme der grob gegliederten Formationen sehen auch bizarr aus, dort stehen oft kleinere und größere runde Brocken drauf, die aussehen, als ob sie jeden Moment herunterkullern könnten. Aber sie liegen schon so lange da oben.

Eine Felsgruppe sieht aus wie der Hut Napoleons und heißt auch so. Bei Aoussift stehen besonders schöne einzelne große Steine. Dann geht es aufwärts weiter hoch in die Berge. Die Aussichten werden immer spektakulärer. Unendliche steinige Weiten tun sich auf. So etwas haben wir noch nicht gesehen, sagen wir hier öfter. Wir halten ständig an.

Bei Tasrirte gabelt sich die Straße. Wir bleiben auf dem Asphalt, der Abzweig ist Lehmpiste. Unterwegs treffen wir immer wieder zwei kleine französische PKWs, weiß und gelb, deren Besatzungen auch öfter staunend in der Landschaft stehen. Ich erinnere mich, die Autos gestern Abend auf Anhängern hinter großen Wohnmobilen gesehen zu haben.
Links von uns tut sich ein Abgrund auf. In atemberaubenden Serpentinen fahren wir hinunter. Da begegnet uns ein großes Wohnmobil. Wie ist das möglich, der Fahrer scheint ein großer Künstler zu sein. Unten beginnt die kleine Palmoase in diesem engen tiefen Felsental.

Die schmale Straße schlängelt sich um die Palmen. Die Palmwedel entstauben ab und an mit raschelnden schleifenden Geräuschen unser Autodach. Kleine Bewässerungskanäle begleiten unseren Weg. Viele Kinder sind mit Schulsachen unterwegs.

Das Palmental öffnet sich, die Landschaft wird wieder kahler. Wir halten am Straßenrand, um Mittag zu machen. Ein Junge kommt zu uns ans Auto, er präsentiert ein wenig seine Englischkenntnisse. Wir schenken ihm Schokolade.
Wieder unterwegs, passieren wir den Abzweig der zu einer Goldmine führt. Wir biegen ab in eine andere, nicht so spektakuläre Palmoase. Nach ein paar kleinen Dörfern hört die schöne neue Asphaltstraße auf wir fahren auf einer Kies- und Geröllpiste durch die Timguelchte-Schlucht. Immer wieder scheuchen wir Atlashörnchen auf, die sich durch uns gestört fühlen und über das Geröll zum nächsten Versteck flitzen. Die Pistenfahrt gestaltet sich sehr rumpelig durch phantastische unbewohnte Landschaften, die Möbeleinbauten knarzen gequält. Ab und an verläuft die Spur im ausgetrockneten Flussbett. Laut unserer Karte wäre hier Asphaltstraße.

Nun führt der Weg auch noch steil bergauf, mit losem Geröll in der Fahrspur. An der einzigen Ausweichmöglichkeit der an der Bergflanke klebenden einspurigen Piste wartet ein einheimischer Mercedes-Transporter auf uns. Der Fahrer versichert, wir wären richtig und oben gäbe es wieder richtige Straße.

Auf dem Plateau angelangt erwartet uns Lehmpiste. Die ist zum Glück wie glatt poliert und bis zur Straße bei Tisrirte gut zu befahren. Wir machen uns auf den Rückweg nach Tafraoute. An der Stelle mit den großen roten Felsknollen knipsen wir noch einige Fotos.

Kurze Zeit später kommt uns der silberne Unimog aus Saarbrücken, dessen Besatzung wir auf der Fähre kennengelernt hatten, entgegen. Wir halten und jeder erzählt, was er so erlebt hat in den vergangenen Tagen. Wie klein ist doch die Welt.

Unser Übernachtungsplatz von gestern ist leider von einem unfreundlichen Holländerpaar belegt. Man möchte ungestört sein und dulde niemanden in der Nähe. Wir fahren auf die andere Seite und finden einen schönen Platz an den Felsen. Etwas weiter steht die Wagenburg einer geführten Wohnmobil-Gruppe, neun Autos, Schweizer und Deutsche. Wir kommen mit dem Tourguide, einem Deutschen, ins Gespräch. Er kennt Land und Leute, hat schon viele Gruppen in nordafrikanischen Ländern geführt. Er versichert: Frank hat heute die richtigen authentischen Babuschen gekauft. Drüben an einem Mobil aus der Gruppe ist gerade ein Maler mit einem Marokko-Heckbild beschäftigt. Dann schwatzt Frank noch lange mit einem Schweizer aus der Gruppe.
Wie gestern auch, treibt uns in der aufkommenden Dämmerung der eiskalte Wind ins Auto.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.