In einem Land das es gar nicht gibt

Somalia-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2018  |  von Uwe Decker

Sheik, Berbera – Tag 3

Manchmal ist der Weg das Ziel. Und dieses Ziel für den späten Vormittag heißt Sheikh, ein Ort in den Sheikh Mountains. Dazu müssen wir uns in zahlreichen Serpentinen die Berge hochschrauben. Ja, auch sowas gibt es in Somaliland. Viele LKWs zeugen davon, dass Sheikh und die weiteren Orte in und hinter den Bergen ganz gut versorgt werden. Familien und Gruppen von Männern in ihren eigenen Fahrzeugen machen an den Lookouts Halt, um sich die Landschaft anzuschauen.

Auf 1.470 Meter Höhe ist das Klima in Sheikh bedeutend kühler und angenehmer als unten in Berbera.

Sheikh besitzt keine Sehenswürdigkeiten, die man erwähnen müsste. Das wird mir bei einer Fahrt durch den Ort klar. Dafür ist die Atmosphäre relaxt. Eile ist hier ein Fremdwort, wie eigentlich in ganz Somaliland.

Was bleibt mir in Erinnerung von Sheikh ?

- der Halt an einem der typischen Holzstände an der Straße, wo wir Rast machen und ich meinen ersten somalischen Tee trinke (zum Frühstück habe ich immer Kaffee bestellt, tagsüber und abends gab es Wasser, süße einheimische Limonadengetränke und Cola). Der Tee, der mit viel Milch getrunken wird, schmeckt aber eher wie Kaffee.

Natürlich lade ich Bedri, Absame und alle Herumsitzenden ein. Das sprengt auch nicht mein Reisebudget, schließlich kostet solch ein Glas Tee, das mit zwei oder drei Fingern oben und unten gehalten wird, umgerechnet nur wenige Cent.

- die verfallenen Bauten aus der britischen Kolonialzeit, die ich mir mit Bedri, der sie mir zeigt und ein paar frei umherlaufenden Kamelen teile.

- und natürlich der Lastwagenfahrer, der mitten auf der Straße anhält und mich aus seinem Fenster wild beschimpft, als er mich mit meiner Digicam sieht. Bzw. sind es eigentlich eher die schwarz gewandeten Frauen und älteren Mädchen, die aus der Uni kommen und auf dem Heimweg sind. Manche halten sich ihre Tücher als Schleier vors Gesicht, als sie mich bemerken, nachdem mein Freund, der LKW-Fahrer, weiterfährt, manche schauen aber ganz keck und neugierig herüber, als ich dann doch aus der Entfernung, links ein Kamel, rechts Bedri, ein paar Fotos mache.

Wir fahren auf demselben Weg zurück, auf dem wir gekommen sind, zunächst nach Berbera, dann wieder nach Hargeisa. In Berbera stoppen wir am Fischerhafen für ein spätes Mittagessen. Bedri bestellt mir Reis, Nudeln und dazu Chicken und eine Flasche Wasser, verschwindet dann aber eine Weile. „Meine Bewaffnung“ wartet draußen in der Nähe des Wagens und trifft dort einige Kollegen.

Ich setze mich auf eine Bank an einen der langen und klapprigen Holztische -nur aus diesem Inventar besteht das auch jetzt noch gut besuchte Lokal-, bin nur durch einen Drahtzaun vom Wasser getrennt, mampfe vor mich hin und schaue vor allem den anderen Gästen zu, wahrscheinlich Fischer, deren Handlanger und Leute aus der Fischmarkthalle. Die sitzen an ebensolchen Tischen und bekommen ebenfalls Reis und Nudeln auf Plastiktellern sowie riesengroße Teller mit Fisch bzw. Fischresten hingestellt, von denen sich alle bedienen und die bis auf die Gräten abgenagt werden. Besteck Fehlanzeige. Gegessen wird in Somaliland mit der rechten Hand, dazu gibt es Wasser oder -hier mehr als Nachtisch- Tee. Auch eine Touristin sitzt etwas weiter entfernt in dem Open Air Lokal. Die reist offensichtlich ebenso wie ich.

Dann geht es wieder zurück in die Hauptstadt, vorbei an bzw. durch ärmliche Dörfer und einer kargen, mit dem schon erwähnten Plastikmüll übersäten Landschaft.

Verkehr herrscht keiner. Wir kommen gut auf der Asphaltstraße voran und sind wieder so zeitig in meiner Hotelanlage, dass es für mich in der großen Empfangshalle mit vielfältigen Sofas und anderen Sitzgelegenheiten zu einem großen Stück Torte und einer Fanta reicht. Das ist der Vorteil.

Nachteilig ist … siehe oben. Ich bin wieder am „Arsch der Welt“, hatte vorhin Bedenken, dass ich nicht mehr zurückkomme zum Hotel, wenn ich mich hätte im Zentrum absetzen lassen und kann am Abend nur noch eine Runde in meinem Viertel drehen. Zeitig geht zurück in mein Chalet, dasselbe wie am ersten Tag.

© Uwe Decker, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es gibt sicherlich diverse Möglichkeiten, um heutzutage nach SOMALIA zu kommen und dort seine Fußstapfen zu hinterlassen. Es ist lediglich eine Frage des Geldes und der Strapazen, die man bereit ist, auf sich zu nehmen. Ich wähle den einfachsten Weg und möchte -ohne mich in irgendeine Gefahr begeben zu müssen- einfach gerne mal schauen, was in diesem Teil der Welt so los ist. Im Nachhinein würde ich sagen: Nicht Viel. Aber der Reihe nach.
Details:
Aufbruch: 12.03.2018
Dauer: 4 Tage
Heimkehr: 15.03.2018
Reiseziele: Somalia
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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