Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2003  |  von Uwe Decker

Natitingou - Cotonou


Dienstag, 18.03.2003:

Der Abstecher nach Natitingou und dem Pendjari-Nationalpark, dazu der gestrige Besuch beim Voodoo-Mann werden bestimmt zu den Höhepunkten meiner Tour gehören. Nun geht es aber wieder zurück Richtung Küste, nach Cotonou, wieder mit dem Africaliner.

Der Bus, wie er so da steht morgens um 6, sieht passabel aus. Die Aufschrift "Climatisé" lässt kühne Träume in mir aufkommen. Ich habe nämlich etwas Bedenken, noch einmal solche Horrortrips wie in den letzten Tagen unternehmen zu müssen. Und der Weg zurück nach Cotonou ist weit.

Die gute Nachricht zuerst: er fährt pünktlich um 7 Uhr ab. Nun die schlechten: Die Aircon ist völlig überfordert bei der Hitze, die Straßen sind auf der zweite Hälfte schlecht, er hält nur einmal kurz, so dass ich kaum Zeit habe, meine, leider lauwarme Cola ganz auszutrinken, während der ganzen Zeit laufen in ohrenbetäubender Lautstärke entsetzlich schnulzige nigerianische und senegalesische Seifenopern und die Fahrt durch die Vororte von Cotonou zieht sich wie Kaugummi, weil an jeder Ecke jemand aussteigen will, so dass die Fahrt doch wieder 8 Stunden dauert.

Ich beziehe Quartier im Hotel de L'Union, von dem wegen seines jämmerlichen Services in meinem Reiseführer abgeraten wird. Aber es liegt zentral und die Wege mit dem zemi-jan sind nicht weit. Denke ich. Doch allein, ohne Nateki, habe ich nun Schwierigkeiten, mich verständlich zu machen. Selbst bekannte Straßen und Plätze verstehen die Fahrer falsch, statt zu meinem Hotel de L'Union fährt mich einer zum Hotel de la Nation, statt beim Hotel Concorde lande ich beim Cinema Concorde, in einem ganz anderen Stadtteil. Aber ich füge mich in mein Schicksal, steige dann ab, als wenn alles in bester Ordnung wäre und versuche es mit dem nächsten Moto-Taxi.

In Cotonou bin ich allein. Leute, mit denen man am leichtesten Kontakt aufnehmen kann, fallen hier aus. Die Rezeptionisten sind nicht sehr freundlich, andere Hotelgäste, die oft in der Lobby herumsitzen wenig vertrauenserweckend, einige Weiße darunter, aber ziemlich wilde Gestalten, ich würde gerne wissen, was die hier treiben.

Passieren kann mir aber hier im Hotel nichts. Dafür sorgt schon Katherine. Die passt gut auf mich auf. Katherine ist schon etwas älter, Baujahr 1967, hat sich aber sehr gut gehalten. Ich mochte sie sofort, als ich sie sah. Ich hoffe, sie mich auch. - Katherine ist ein Krokodil, das sein Bassin direkt neben meiner Zimmertür hat ...

Im "Costa Rica", einem beliebten und sehr schön eingerichteten Lokal in der Nähe des Hotels esse ich Pizza, mein Appetit kommt anscheinend langsam wieder, dazu Bier vom Fass, hinterher einen frisch gepressten Orangensaft. Danach fühle ich mich bereit für den Härtetest, einmal allein durch die Rue des Cheminots, an den ganzen Lokalen und Mädels vorbei. Nateki hatte am ersten Abend in Cotonou bei diesem Gedanken gelacht: "Die werden dich zerreißen !"

Als Weißer bist du hier Freiwild und Hauptgewinn zugleich. Nach den ersten Kontakten gehe ich etwas schneller, irgendwo anhalten will ich sowieso nicht. Als ich die ca. 500 Meter zurückgelegt habe, habe ich einige Schrammen an den Armen, vielleicht auch ein paar blaue Flecken, aber meine Kleidung ist wenigstens noch ganz. - Um hier aber keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen, nicht überall geht es so zu. Ich bin gerade in Cotonou auch abends viel zu Fuß unterwegs. Nirgends fühle ich mich übermäßig unsicher oder unwohl, nirgendwo sonst werde ich angesprochen oder groß angeguckt. Man nimmt wenig Notiz von mir und das ist auch sehr angenehm so.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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