Benin-Reisebericht :Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Cotonou


Mittwoch, 19.03.2003:

Heute mache ich das, was ich am liebsten in einer fremden Stadt mache, sie zu Fuß erwandern, auch wenn das bei dem Klima sehr anstrengend ist. Ich lasse mich zum Dantopka-Markt fahren, von dort starte ich meinen Fußmarsch. Noch einmal kreuz und quer durch den riesigen Markt, über die Brücke der Lagune, unterwegs mal eine Cola oder Sprite an einer Straßenbude, dann weiter, Leute angucken, Atmosphäre schnuppern und genießen - und Abgase einatmen. Die Luft ist wie in allen Großstädten blau von den vielen Abgasen, hier natürlich besonders von den Mopeds, noch etwas schlimmer wie anderswo. Mittags komme ich durch Zufall, mein Mopedfahrer hat sich mal wieder verfahren, an einem Neubaukomplex mit Lokalen und Bars vorbei.

Das Restaurant Berlin hat anscheinend gerade eröffnet, man kann draußen im Schatten fast direkt an der Mündung der Lagune ins Meer sitzen, kann ein paar Fischern zuschauen und die Wellen des Atlantiks sehen und hören. Meine Bestellung ist am Ende wohl recht außergewöhnlich: 1 Pizza und 8 Cola. Hier werden meine Träume von vor ein paar Tagen im Landesinnern Wirklichkeit: 1 Glas voll mit Eiswürfeln, oben drauf eine Limonenscheibe und eine Flasche Cola. Ich gieße das Glas voll, lausche zwei Minuten dem Knacken und Zischen der Eiswürfel, warte, bis die Cola schön kalt ist, trinke ohne abzusetzen aus und bestelle die nächste Flasche. Herrlich !

Dann komme ich endlich meinen Urlaubspflichten nach und kaufe Ansichtskarten. Die in Togo habe ich Nateki für mich schreiben lassen, hier muss ich nun selber ran. Ich tue das auf der Terrasse meines Hotels, schaue dem Feierabendverkehr auf dem Bd. St. Michel zu und frage mich, was ich eigentlich an solch einer chaotischen Stadt wie Cotonou finde. Eine Antwort darauf zu geben ist schwierig, aber eines weiß ich: wenn mir nächstes Jahr jemand zwei Flugtickets unter die Nase hält und mich fragt, wo ich lieber hin möchte, nach Los Angeles oder nach Cotonou, die Wahl fiele mir nicht schwer.

Abends wieder das Standardprogramm im "Costa Rica" mit Pizza, Bier und O-Saft. Die schwarzen Ladies in der Rue des Cheminots müssen heute und in Zukunft allerdings ohne mich auskommen.


Donnerstag, 20.03.2003:

Es hat heute Nacht geregnet, nicht viel, aber trotzdem stehen viele Straßen unter Wasser. Wie muss es hier erst in der Regenzeit aussehen ? Ich bin auf dem Weg nach Ganvie, der größten Pfahlbausiedlung Afrikas. Sie war früher ein Zufluchtsort vor den kriegerischen Nachstellungen verschiedener Stämme, die den Kontakt mit Wasser aus religiösen Gründen mieden. Heute leben hier bis zu 30.000 Menschen, die dort alles finden, was sie zum Leben brauchen. Es gibt Schulen, Kirchen, Restaurants, auch Übernachten kann man hier. Um nach Ganvie zu gelangen, fährt man zunächst mit dem Taxi in einen Vorort, von dort kann man dann entweder mit einer Piroge oder einem Motorboot über den Nokoue-See weiterfahren.

Bei Ganvie mit Booten über den Nokoue-See.

Bei Ganvie mit Booten über den Nokoue-See.

Ich entscheide mich für eine Piroge, das ist gemütlicher, billiger und dauert länger. Der Fährmann steht hinten und stakt mit einem langen Stock durch den See. Es ist noch recht früh und viele Frauen kommen uns mit Booten entgegen, um ihre Waren auf dem Festland zu verkaufen. Die Männer betreiben Lagunenfischerei. Das Leben in Ganvie selber mag sicherlich für die Leute sehr bescheiden und anspruchslos sein, auf den durchschippernden Touristen wirkt es aber durchaus idyllisch. Die Kanäle haben hier alle Namen, besonders faszinierend und sehenswert ist der Schwimmende Markt, wo die Händlerinnen auf Booten ihre Nahrungsmittel anbieten. Die Preise sind gepfeffert, zumindest für Touristen, die Bananen sollen das Fünffache des normalen Preises kosten.

Das Wetter ist zwar schlecht für die Fotos, aber ansonsten sehr angenehm. Nach dem Regen der letzten Nacht ist der Himmel noch bedeckt, und es ist noch nicht so heiß wie sonst. Fotos zu machen ist aber sowieso sehr schwer, zumindest Nahaufnahmen sind unmöglich. Die Leute verlangen astronomische Summen dafür, jede vorbeikommende Frau und jedes Kind bettelt um Geld. Das sind die Folgen des Fremdenverkehrs, der Ganvie -in bescheidenem Rahmen natürlich- überlaufen hat. So extrem habe ich das selten erlebt, und in einem Land, in dem bettelnde Einheimische, es sei denn, es handelt sich um Alte oder Behinderte, kaum vorkommen, fällt das natürlich besonders auf.

Mittags bin ich wieder zurück in der Stadt. Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, also wieder ins Restaurant Berlin, Pizza essen, aber dieses Mal weniger Cola, danach mal wieder ins Internetcafe, aber die langsamen Verbindungen nerven doch gewaltig.

Auf dem Rückweg versuche ich herauszubekommen, wie denn der Transport nach Lome funktioniert, aber in dem Chaos, der auf dem Markt herrscht, wo auch der Busbahnhof sein soll, finde ich mich überhaupt nicht zurecht.

Abends ruft tatsächlich Nateki an. Ich hatte ihr mein wahrscheinliches Hotel genannt. Ein Zufall, dass sie mich erwischt, dass sie bei dem Telefonnetz überhaupt durchkommt. Ich habe mich eigentlich noch nicht entschieden, ob ich noch in Lome einen Zwischenstopp mache oder direkt nach Accra durchfahre. Sie sagt, egal, was ich mache, sie kommt auf jeden Fall nach Lome und wartet dort auf mich. Wie sie mich dort abfangen will, bleibt mir unklar.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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