Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2003  |  von Uwe Decker

Cotonou - Accra


Freitag, 21.03.2003

Ich schlafe leider ein wenig zu lange heute morgen. Daher treffe ich auch mit dem Moto-Taxi erst nach 9 Uhr am Markt ein. Der Fahrer hatte meine Reisetasche zwischen die Beine geklemmt, ich hatte meinen Rucksack auf dem Rücken. So bin ich leicht als Reisender zu erkennen, und sofort stürmt ein Mann auf mich zu. "Lome ? Lome ?" Zwei Minuten später sitze ich in einem Peugeot, in dem gerade noch ein Fahrgast gefehlt hat. Die Taxi-Brousse, so heißen die Buschtaxis in den frankophonen Ländern, fahren erst los, wenn sie voll sind. Voll heißt, 6 Leute plus Fahrer. Wenn man bequemer sitzen will, muss man halt mehr Tickets kaufen, oder gleich alle, wie wir auf der Hinfahrt.

Dieses Mal kaufe ich aber nur eins, und habe Glück im Unglück. Wir sitzen vorne zu zweit neben dem Fahrer, ich an der Tür und neben, manchmal auch auf mir eine durchaus nicht unattraktive Beninoise. Wir kommen uns körperlich während der dreistündigen Fahrt zwangsläufig sehr nahe, seelisch nicht so, die Leute schweigen sich an, es ist halt sehr heiß und ungemütlich im Wagen und jeder ist froh, wenn die Fahrt zu Ende ist. Ein Tourist im Auto bedeutet allerdings für die Mitreisenden längere Wartezeiten an der Grenze. Das Taxi fährt ja erst weiter, wenn alle Insassen die Grenze passiert haben, und das dauert bei mir am längsten.

Nateki wartet seit Stunden. Dass sie mich in dem Gewühl überhaupt findet, ist schon ein Wunder. Sie freut sich überschwänglich, ich freue mich auch. Ich habe beschlossen, gleich weiter durchzustarten nach Accra. Das ist aber leichter gesagt als getan. Erst einmal werden wir auf togolesischer Seite von allen möglichen Leuten heftig bedrängt. Wir wählen zwei aus, eine Kofferträgerin und einen jungen Mann, der mir erst einmal zu einer eisgekühlten Cola verhilft, dann die noch fehlenden als Souvenir gedachten Bierflaschen aus Togo besorgt und auch den Geldumtausch CFA in Cedi vornimmt.

Während ich mir meine Aus- und Einreisestempel besorge, verschwindet mein Gepäck mit der Trägerin im Gewühl. Es wäre ein Leichtes, sowohl hier wie auch bisher an jeder Grenze sich mit dem Gepäck aus dem Staub zu machen. Aber das passiert nicht. Die allermeisten Leute sind ehrlich. Im Gegenteil, als wir auf ghanaischer Seite wieder zusammentreffen, erzählt die Trägerin, die bereits mein Gepäck durchgecheckt hat, dass sie Schwierigkeiten bekommen hatte, weil man die Voodoo-Figuren gefunden hatte und sie Schmiergeld zahlen musste. Auch Nateki wurde heute mehr los als üblich, es sei Freitag und die Beamten bräuchten ja Geld fürs bevorstehende Wochenende.

Das Musterland Ghana empfängt mich mit einem unbeschreiblichen Chaos hinter der Grenze und mit der Tatsache, dass der STC-Bus vor unseren Augen losfährt. Ich hätte wohl eher ein Privat-Taxi genommen, aber Nateki will Geld sparen und verfrachtet uns in einen bereits hoffnungslos mit Menschen und Waren überladenen Minibus. Immerhin bekommen wir die besten Plätze zugewiesen, vorne neben dem Fahrer. Die Fahrt wird mal wieder zur Tortur. Schuld daran sind neben der sengenden Sonne und dem unmöglichen Straßenzustand die vielen Straßenkontrollen, die wir über uns ergehen lassen müssen, hinter der Grenze ca. alle 20 Kilometer, durch Polizei, Militär, Zoll, dann wieder Polizei. Immer heißt das Aussteigen, zu Fuß durch die Kontrolle, während das Gepäck abgeladen und gefilzt wird. Bei einer dieser Kontrollen werden mir zwei volle Bierflaschen geklaut, eine geht zu Bruch und das Bier durchtränkt meine gesamte Kleidung. Meine Reisetasche ist außerdem mit Löchern übersät.

Es dauert endlos, bis wir in Accra eintreffen. Der einzige Lichtblick auf der Fahrt ist, dass wir bei den zahlreichen Stopps massenhaft leckere und spottbillige Krabben und Riesengarnelen kaufen, Nateki diese während der Fahrt abpult und mir unablässig in den Mund schiebt. So sparen wir uns heute das Abendessen.

In Accra besorgt Nateki mir ein billiges, aber gutes Hotel in der Nähe ihrer Wohnung, 15 Euro mit Aircon und TV. Interessant hier, dass sie nie Probleme hat, ohne Kontrolle ins Hotel zu gelangen. Einmal bekommt sie sogar den Zimmerschlüssel, als sie auf mich wartet, während ich unterwegs bin.

Statt süßem Nachtleben ist für Nateki erst einmal Wäsche waschen angesagt. Meine Sachen stinken ja nach Bier, daher entferne ich erst einmal alles von den Glassplittern, dann packt sie alles zusammen, fährt nach Hause und wäscht.

Später am Abend gehen wir gleich um die Ecke ins "Moving Pick", einem Open Air-Lokal im 1. Stock mit Blick auf die Straße, Fast Food und DJ. Daddy Lumba wird gespielt, mein Lieblingssänger hier. Danach dann ins "Macoumba", der immer noch angesagtesten Disco, Eintritt am Wochenende 30.000 Cedi, das entspricht dem Schulgeld für ihren Sohn für eine Woche. Auch hier ist es eher angenehm, mit Partnerin aufzulaufen.

Wieder im Hotel denke ich nach, ob es richtig war, doch schon so früh wieder in Accra zu sein. Ich wollte mich ja ursprünglich dort nicht mehr lange aufhalten. Aber ich kann mir Schlimmeres vorstellen als das Wochenende gerade in Accra zu verbringen. Außerdem hat mich der Urlaub bisher doch sehr angestrengt. Ich habe bisher genau das erlebt, was ich mir vorher erhofft hatte, vielleicht sogar mehr als das. Es war interessant, aufregend, teils abenteuerlich. Aber die Umstände, das Klima, die fehlende Infrastruktur in Form von schlechten Verkehrsverbindungen, katastrophalen Straßen usw. haben mich ausgelaugt, ein Erholungsurlaub war das sicherlich nicht, den hatte ich mir aber auch gar nicht erwartet. Nun möchte ich aber die letzten Tage nicht mehr groß herumreisen, zumindest aber von einem Ort aus starten.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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