Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2003  |  von Uwe Decker

Cotonou - Parakou


Donnerstag, 13.03.2003:

Als wir um 6 Uhr die Disco verlassen, sind wir noch lange nicht die Letzten. Wir holen unser Gepäck und fahren zum Bahnhof. Noch einmal versucht es Nateki. Sie würde so gern weiter mitkommen, es kostet ja auch nicht viel mehr, zu zweit zu reisen, die Hotelkosten wären die gleichen, die Verkehrsmittel billig und essen würde sie eh nur einmal am Tag. Und behilflich sein im Alltag könne sie auch, sie spricht ja viele Dialekte und könne sich überall verständigen. Alles richtig, aber das Ganze ist mir zu delikat. Es bleibt dabei, sie fährt zurück. Ich verspreche aber, dass wir uns in Accra wiedertreffen werden. Aber eines möchte sie noch. Sie ist noch nie mit dem Zug gefahren. Wir überlegen kurz. Es würde klappen. Sie fährt bis zur nächsten Stadt mit, dort steigt sie aus, fährt mit dem Bus zurück nach Cotonou und dann weiter nach Accra. Auch so kann sie heute abend noch zu Hause ankommen.

Wir fahren im 1.Klasse-Wagen, er ist hier noch relativ leer, wird sich später aber allmählich füllen. Die Sitze sind weich und bequem, insgesamt macht der Zug einen viel besseren Eindruck als der letzte, mit dem ich in Burkina Faso unterwegs war.

Er fährt auch pünktlich um 8.30 Uhr ab. Nateki freut sich wie ein kleines Kind, als er sich in Bewegung setzt. Ich habe, ehrlich gesagt, etwas Bedenken, ob sie auch wirklich in Bohicon wie vereinbart aussteigt. Sie tut es aber tatsächlich und mit ihrer Rückfahrt klappt auch alles prima, wie sie später berichtet. Damit hat sie sich zumindest im Hinblick auf die Zugfahrt einige Strapazen erspart.

Für die 450 km bis Parakou, einer Provinzhauptstadt auf dem Weg Richtung Niger, benötigt der Zug laut Fahrplan 9 Stunden, Preis ca. 8 Euro in der 1. Klasse. Ich fand es ja gleich etwas übertrieben, dass am Aushang im Bahnhof in Cotonou die Ankunftszeiten exakt in Minuten angegeben waren: Bohicon 11.19, Dassa 13.01, Save 14.15, Parakou 17.25. Ungefähre Stundenangaben würden völlig reichen.

Die Verspätung summiert sich bis zur Endstation auf mehr als 3 Stunden, es sind genau diese 3 Stunden, um die mir diese Fahrt zu lang ist. So interessant wie ich es mir erhofft habe, ist solch eine Zugfahrt in Afrika schon. Man sieht viel von der Landschaft, wie sie sich allmählich verändert, sieht unzählige Dörfer, einige Städte, viele, viele Menschen unterwegs. Ganz besonders unterhaltsam sind die vielen Stopps an den Bahnstationen, wenn die Ladung, die u.a. aus Mopeds, Möbeln, Benzinfässern und Lebensmitteln besteht, ein- und ausgeladen wird und unzählige Händlerinnen auf den Zug losstürmen und vor allem Nahrungsmittel anbieten, Hähnchen, Bananen, Erdnüsse, Yam, Trinkwasser in Tüten und vieles, vieles mehr, oft Dinge, die ich noch nie gesehen habe.

Am Bahnhof von Parakou.

Am Bahnhof von Parakou.

Man kann sich gar nicht satt sehen an diesen Bildern, aber die Fahrt wird durch die Hitze zunehmend anstrengend, ich schütte mir auf jeder zweiten Station einen Beutel Wasser über den Kopf, das lindert zumindest für die nächsten Minuten. Als wir endlich gegen 20.30 Uhr im Dunkeln Parakou erreichen, fühle ich mich zum ersten Mal gesundheitlich nicht gut, ich habe Magenkrämpfe. Vielleicht habe ich ja irgend etwas unterwegs nicht vertragen oder es ist allgemein die Anstrengung der letzten Tage mit den vielen Fahrten und dem zermürbenden Klima.

In Parakou angekommen suche ich mir schnell ein gutes Hotel, La Princesse, Kostenpunkt 40 Euro, stelle die Aircon und den Fernseher an und verschwinde dann für längere Zeit auf die Toilette.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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