Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2003  |  von Uwe Decker

Pendjari-Nationalpark


Sonntag, 16.03.2003:

Mit 30 Minuten Verspätung brechen wir auf. Wir kaufen noch schnell einige Liter Wasser sowie Baguettes im Ort, dann brausen wir in Marcels Jeep, zusammen mit Richard, seinem Gehilfen, aus dem Ort. Die Fahrt zum Park-Eingang soll etwa zwei Stunden dauern. Die geteerte Straße hört kurz hinter dem Ortsrand auf, dann fängt die abenteuerlichste Piste an, die ich bisher erlebt habe. Beim kleinsten Regenguss geht hier gar nichts mehr. Mit dem Jeep kommen wir gut voran, im Gegensatz zu den meisten anderen Verkehrsteilnehmern, besonders die Laster haben zu kämpfen, etwa jeder vierte ist bereits liegengeblieben, mit Platten oder steckt in tiefen Löchern fest. Alle paar Hundert Meter stehen Autowracks am Straßenrand, wir kommen an 6 bis 8 Lastern vorbei, die wohl vor kurzem umgekippt sind, die Ladung liegt daneben, Männer hocken unter Bäumen und warten darauf, dass ein anderer LKW kommt und sie umgeladen werden kann.

Es ist die Hauptstrecke nach Burkina Faso und an einigen Stellen sind gerade Bautrupps mit dem Ausbau beschäftigt. Es wird aber sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis hier einmal ein vernünftiger Verkehr möglich ist.

Der Pendjari-Nationalpark ist zwar durch Wege erschlossen, es handelt sich hier aber meist um Wellblechpisten, die selbst im Jeep entsetzlich ruckeln und krachen. Der Tierreichtum ist nicht mit dem von ost- oder südafrikanischen Parks zu vergleichen, aber es ist meine erste Safari und es macht mir Spaß, die Tiere nicht einfach präsentiert zu bekommen, sondern sie meist suchen zu müssen. Am Anfang sehen wir kaum welche, eine Antilope, zwei Wasserbüffel.

Dann aber kommen wir zum Mare Bali, einem Wasserloch, an dem ein Hochstand zur Beobachtung gebaut wurde. Wir sind die ersten heute, später kommen noch zwei weitere Jeeps an. Das Bild, das sich hier bietet, ist ein Traum. Viele Tierarten haben sich hier eingefunden, um zu trinken oder in der Nähe zu weiden. Wasserbüffel, Antilopen, Gnus, Warzenschweine, auch Affen, auf den Bäumen sitzen Geier und im See schwimmen Krokodile. Ca. 100 Meter vom Hochstand entfernt sitzen zwei Löwen, die einen Wasserbüffel erlegt haben und sich nun eigentlich unter einem schattigen Baum ausruhen wollen, ihre Beute aber mühsam gegen Hunderte von Geiern verteidigen müssen, die immer dann, wenn sich die Löwen unter den Baum legen, über die Beute herfallen. Ich steige vom Beobachtungsstand herunter und gehe etwas auf die Löwen zu, um noch besser Fotos machen zu können. Dass irgendeine Gefahr von ihnen ausgehen könnte, kommt mir nicht in den Sinn, wie sie so träge daliegen. Aber die guides, die hier für jedes Fahrzeug vorgeschrieben sind, bremsen mich und winken mich wieder hoch.

Ein Affe im Pendjari-Nationalpark.

Ein Affe im Pendjari-Nationalpark.

Ein Löwe im Pendjari-Nationalpark.

Ein Löwe im Pendjari-Nationalpark.

Wir bleiben lange hier, essen Baguette mit Ölsardinen und trinken Wasser. Bevor wir weiterfahren kommen auch noch drei schräge Typen mit einem Jeep an. Sie sind seit Monaten unterwegs, haben die Sahara durchquert und wollen nun ihr Fahrzeug bald verkaufen. Marcel, ganz Geschäftsmann, will gleich in die Verkaufsverhandlungen eintreten. Die Drei verneinen meine Frage, ob sie aus Spanien kommen, sie seien Basken und weigern sich entschieden, Spanisch zu reden. Da sie kaum Englisch und kein Französisch sprechen, gestaltet sich die Verständigung natürlich äußerst schwierig.

Ein Blick in ihr Auto wirft für mich die Frage auf, was sie denn mit ihren vielen Sachen machen wollen, wenn das Auto verkauft ist. Es ist bis unters Dach voll beladen. Auch ihr Essen haben sie dabei, Lebendfutter. Zwei Hühner und ein Ferkel blicken mich neugierig an. Oder sind die Drei etwa dem Voodoo-Kult verfallen und halten mit ihnen blutige Messen ab ?

Ein Elefant im Pendjari-Nationalpark.

Ein Elefant im Pendjari-Nationalpark.

Im weiteren Verlauf des Tages sehe ich zum ersten Mal live auch Elefanten, aber recht weit entfernt, an einem weiteren See Hunderte von Nilpferden und Krokodilen, später viele weitere Affenarten, zwischendurch immer wieder Büffel, Warzenschweine und verschiedene Antilopenarten. Wir sind nun direkt am Pendjari-Fluß, der die Grenze zu Burkina Faso bildet, und fahren über weite, bereits abgebrannte Felder. Dabei sind es eigentlich noch drei Monate bis zum Ende der Trockenzeit. Auf der anderen Seite des Flusses wüten heftige Waldbrände, so nah, dass ich die Hitze spüren kann. Die Rauchschwaden ziehen zu uns herüber und rauben uns auf Hunderten von Metern die Sicht. Ich sitze mittlerweile nicht mehr im, sondern auf dem Jeep, zusammen mit Richard (s. Bild). Abgesehen davon, dass wir durch den Rauch heftige Hustenanfälle haben, ist das ein Heidenspaß. Man kann von hier oben natürlich viel besser Tiere entdecken und beobachten. Und es macht Spaß, mit 60, 70 Sachen durch die Gegend zu düsen. Allerdings muss man aufpassen, dass man rechtzeitig vor herabhängenden Ästen und Zweigen den Kopf einzieht.

Insgesamt wieder ein anstrengender, aber ereignisreicher, toller Tag. Abends fahren wir dann ins Camp, hier kann ich noch etwas im Swimming-Pool planschen. Während Marcel und Richard im bzw. auf dem Auto schlafen, beziehe ich mein Bungalow mit Moskitonetz, ohne Aircon. Es ist hier drinnen entsetzlich heiß, ich hätte gerne mit dem Schläfer auf dem Autodach getauscht.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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