Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Ghana-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2003  |  von Uwe Decker

Akosombo


Sonntag, 23.03.2003

Wenige Stunden später sind wir auf dem Weg nach Akosombo. Kurz hinter der Stadtgrenze von Accra die nächste Polizeikontrolle. Ein finster dreinblickender Beamter beanstandet die Wagenpapiere unseres Fahrers. Nach 20 Minuten Palaver und Zahlung von 10.000 Cedi sind sie plötzlich doch in Ordnung. Das Ganze hat vermutlich mit dem Weißen zu tun, der ja heute morgen irgendwo hin will und vermutlich irgendwann darauf dringt, weiterfahren zu können.

Wir kommen viel zu früh in Akosombo an. Von hier startet jeden Sonntag die "Dodi Princess", ein Schiff im Stile eines Mississippi-Dampfers, nur ohne Schaufelräder, zu einem 6-stündigen Ausflug auf dem Volta-See, mit Essen, genug kalten Getränken und einer Band, die tatsächlich die gesamte Zeit nonstop durchspielt. Das Boot ist gut gefüllt mit vielen Weißen, die allermeisten arbeiten hier in Hilfs- oder kirchlichen Projekten sowie einheimischen, gut situierten Familien, die sich einmal einen schönen Sonntagsausflug gönnen. Unterwegs wird die "Dodi Island" angesteuert, hier kann man in einer schönen Sandbucht auch baden. Für Nateki ist dies nach ihrer ersten Zugfahrt in Benin nun auch ihre erste Fahrt mit einem Schiff.

Auf dem Volta-See.

Auf dem Volta-See.

Obwohl es selbst auf dem See sehr heiß ist, wird es ein schöner und auch erholsamer Ausflug. Auf dem Rückweg steigt die Stimmung und das Tanzdeck ist gut gefüllt. Die Band spielt die gängigen einheimischen Hits. Es ist schade, dass ich diese Musik so selten in den Discos höre.

Abends suchen wir uns ein Straßenlokal in Adabraka, Hähnchen mit Reis vom benachbarten Straßengrill, dazu ein großes "Star", zusammen 2 Euro. Nateki ist müde vom Ausflug und geht früh schlafen, ich bleibe in der City und gehe bewusst noch einmal die Straße entlang, wo der Überfall am ersten Abend passierte, dann noch etwas weiter. Bald bin ich in einer stockfinsteren Gegend, nur schemenhaft heben sich Gestalten gegen den dunklen Hintergrund ab. Ich habe mich verlaufen, versuche, schnell irgendwo ein Taxi aufzutreiben und zahle einen Mondpreis, um nur schnell in eine belebtere Ecke zu kommen. Zum Abschluß des Abends setze ich mich an einen Tisch am Nkrumah Circle, neben dem "Waikiki", einer anderen bekannten Disco. Es dauert keine Minute, bis jemand in gebrochenem Englisch fragt, ob der Stuhl neben mir noch frei ist, Mariam, atemberaubend hübsch, aus Burkina, seit letzter Woche in Accra. Warum wohl ? Sie freut sich, etwas französisch sprechen zu können, aber ich verstehe sie schlecht. Sie sucht jemandem, mit dem sie ins Waikiki gehen kann, wahrscheinlich auch später dann ins Hotel. Ich stehe dafür nicht zur Verfügung, morgen komme ich wieder, Montags hat nur das Waikiki auf, aber dann habe ich meine Begleitung dabei. Mariam akzeptiert das, bleibt nett, lächelt und verabschiedet sich mit Handschlag.

Das wäre wohl die andere Alternative gewesen, denke ich mir, wenn man in einem solchen Urlaub nicht jeden Abend auf dem Hotelzimmer stupide TV-Programme glotzen will. Sich irgendwo hinsetzen, von jungen Männern angesprochen zu werden, die jemanden suchen, der ihnen hilft, nach Deutschland zu kommen oder schwarzen Ladies, die anderes im Sinn haben, und zu versuchen, später heil zurück ins Hotel zu kommen. Ich bin mir spätestens jetzt sicher: so wie es bisher gelaufen ist, ist es am besten. Aber auch das wirft Probleme auf. Die kommen noch ...

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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