Indien-Reisebericht :Zum Jahreswechsel nach Südindien

Mysore

Von Kannur aus folgte eine 7stündige etwas holprige Busfahrt nach Mysore. Die Stadt mit knapp einer Million Einwohner kommt im Reiseführer recht gut weg, europäische Touristen sind keine Seltenheit. Einem deutschen Ehepaar das ich schon von Madurai her kannte bin ich hier seltsamerweise gleich in 3 verschiedenen Lokalen wieder begegnet. Mein günstigstes Mittagessen inklusive Getränke kostete 90Rs (ziemlich indisch), das teuerste ca. 400Rs. Aus Bequemlichkeit hatte ich alsbald ein Dach-Restaurant zu meinem Stammlokal gemacht, auch wegen der chinesischen Nudelsuppe. Als ich seinerzeit im Religionsunterricht vom Paradies gehört habe (Gott schafft die Pflanzen als Nahrung für den Menschen, die Tiere als seine Gefährten gegen das Alleinsein), hatte ich mir die Konsequenzen einer solchen Welt wohl nicht so ganz durchdacht - also da läuft so ein Krabbeltier am Boden herum, die Inder lassen es gewähren, dasselbe kann man auch mit den Hunden und Kühen auf der Strasse beobachten...

Meine Tage in Mysore verliefen recht ruhig. Meist in der Gegend des Palastes. Den schon 1892 gegründeten Zoo in Mysore habe ich leider verschlafen wie ich hinterher feststellte, dieser ist nur 2km vom Palast entfernt. Ein Autorikscha-Fahrer überredete mich zu einer Fahrt auf den Chamundi-Hill - ein in der Nähe gelegener Hügel - redete was von Festival. Das war auf Neujahr, starker Besucherandrang, irgendwann dann völlig verstopfte Strassse. Mein Fahrer wollte im Stau wieder umkehren, er schien kein Anhänger Ganesha's zu sein, der hätte ihm sonst wohl eingeflüstert dass zuweilen zur Überwindung eines Hindernissen auch Anstrengung erforderlich ist um sein Ziel zu erreichen. Also zahlte ich ihm etwas widerwillig und verärgert den ausgemachten Preis und lief wie viele andere auch das letzte Stück. Da tauchte ein Mopedfahrer auf der anbot mich mitzunehmen. Er konnte zwar kein englisch war aber ein ganz ein Gutmütiger, ich durfte mich sogar am Fahrzeuglenker festhalten, sozusagen als 2.Steuermann. „slowly“ rief ich ihm öfters ins Ohr. Weiß nicht wo all die Fahrzeuge hin sind, auf dieser Straße gab es zum Glück kaum Verkehr.

Endlich angekommen kam bei dem Trubel und den vielen Verkaufsständen bei mir keine so richtige Tempelstimmung auf, eine Flasche Wasser, eine Kokosnuss mit Strohhalm, eine gesalzene Gurke. Danach begleitete ich meinen Fahrer, der sich mit einer Opferschale auf den Weg zum Tempel machte. Im Innern ging es etwas beengt zu. Wieder nutzen die Inder eine solche Tempelbegehung um sich dem Göttlichen zu nähern, für mich immer ein eindrucksvolles Schauspiel.... Später lief ich über eine lange Treppe nach unten, begegnete dabei einem Belgier mit dem ich in Mysore noch auf Fototour ging. So hatte der etwas unschöne Start auf den Berg ein gutes Ende.

Der Tourismus spielt für Mysore eine grössere Rolle, manche Teile wirken fast europäisch, z.B.die breiten Fußgängerwege neben der Fahrbahn im Palastbereich, etwas was ich in Delhi oft vermisste. in anderen Stadtteilen geht es aber wieder recht indisch zu, auch das überqueren der Strasse bleibt ein Abenteuer. Neue Hausfassaden und Lichtreklamen zeigen dass in den letzten Jahren einiges gebaut wurde. Das ist mir unterwegs in Indien schon öfters aufgefallen.

ich bastle mir einen Neujahrsgruß

ich bastle mir einen Neujahrsgruß

Dasselbe Motiv bei Tag. Als ich nach dem Anlass dieser Blumen-Dekoration fragte, wurde mir geantwortet:
„because the Queen like flowers“ - weil die Königin Blumen mag. Ich nehme an damit ist die junge Frau des Königs von Mysore gemeint, die erst im letzten Jahr geheiratet haben. Sie selber wiederum entstammt einer königlichen Familie aus Rajasthan.. das geht also hier ähnlich zu wie in Europa's Adelshäusern.

Nicht nur die Königin mag blumen

Nicht nur die Königin mag blumen

Auf dem Palastgelände wurde viel fotografiert, hier habe ich mich an ein Gruppenfoto mit Indiens hoffnungsvoller Jugend drangehängt... “cheeeese“

Auf dem Palastgelände wurde viel fotografiert, hier habe ich mich an ein Gruppenfoto mit Indiens hoffnungsvoller Jugend drangehängt... “cheeeese“

Als sich rausstellte, dass der Herr, zu dem diese Damen gehören, auch Turnierschach spielt, drückte man mir dieses Kind in die Hand

Als sich rausstellte, dass der Herr, zu dem diese Damen gehören, auch Turnierschach spielt, drückte man mir dieses Kind in die Hand

Auch Ausländer zahlen nur 50rs Eintritt zum Palast, beim Lesen anderer Berichte scheint aber der Betrag in der Vergangenheit zu variieren. Schuhe müssen abgegeben werden. Es wurde reichlich fotografiert, bin noch nie auf sovielen selfies gelandet. Bei meinem 1.Besuch lief ich nach der Schuhabgabe in die falsche Richtung und landete bei einem älteren Teil des Palastes. Dachte dies sei der Palast und war verwundert dass man schon wieder Eintritt verlangte, diesmal für Foreigners sogar 285rs.War nicht so mein Fall, es gab nicht allzuzviel zu sehen, erinnnere mich an ein paar alte Waffen, dazu war fotografieren in diesem Teil untersagt.

Auch Ausländer zahlen nur 50rs Eintritt zum Palast, beim Lesen anderer Berichte scheint aber der Betrag in der Vergangenheit zu variieren. Schuhe müssen abgegeben werden. Es wurde reichlich fotografiert, bin noch nie auf sovielen selfies gelandet. Bei meinem 1.Besuch lief ich nach der Schuhabgabe in die falsche Richtung und landete bei einem älteren Teil des Palastes. Dachte dies sei der Palast und war verwundert dass man schon wieder Eintritt verlangte, diesmal für Foreigners sogar 285rs.War nicht so mein Fall, es gab nicht allzuzviel zu sehen, erinnnere mich an ein paar alte Waffen, dazu war fotografieren in diesem Teil untersagt.

Der "neue" Palastteil war ansprechend, keine Gefahr sich zu verlaufen, man folgt einfach dem Besucherstrom

Der "neue" Palastteil war ansprechend, keine Gefahr sich zu verlaufen, man folgt einfach dem Besucherstrom

Auf den  Wandgmälden sieht man historische Ereignisse oder Szenen die an die einstige Macht der Herrscher erinnern

Auf den Wandgmälden sieht man historische Ereignisse oder Szenen die an die einstige Macht der Herrscher erinnern

Abends ab 7:00 wird der Palast für eine Stunde von 100000 Lampen beleuchtet, zumindest Sonntags und an 'public holidays'.
Ein technikinteressierter Raja hat schon vor vielen Jahren diese Glühbirnenketten anbringen lassen. Früher soll damit die Anwesenheit des Maharajas im Palast angezeigt worden sein.

Abends ab 7:00 wird der Palast für eine Stunde von 100000 Lampen beleuchtet, zumindest Sonntags und an 'public holidays'.
Ein technikinteressierter Raja hat schon vor vielen Jahren diese Glühbirnenketten anbringen lassen. Früher soll damit die Anwesenheit des Maharajas im Palast angezeigt worden sein.

In Mysore gibt es eine der grössten katholischen Kirchen Indiens. immerhin sind 18% der Einwohner Keralas Christen, in Mysore selber sind es jedoch nur 2,7%. Die Kirche ist der heiligen Philomena geweiht. Die Inder lassen auch vor dem Betreten einer Kirche ihre Schuhe am Eingang stehen.

© Walter Wolf, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Beeindruckende Tempelbauten und 30 Grad im Januar. Dazu die Aussicht auf ungewohntes Essen und wohl auch seltsame Bräuche weckten mein Interesse für den Süden Indiens.
Details:
Aufbruch: 13.12.2017
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 08.02.2018
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Walter Wolf berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Walter über sich:
Jetzt in der Rente habe ich Zeit zum Reisen. Dies kombinier ich meist mit einem Schachturnier.