Pakistan, China, Nepal 2007 alleine als Frau

Pakistan-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli / August 2007  |  von Annette W.

Ein Bericht über Menschen, Abenteuer, Geschichten, Gedanken und wie es ist, als Frau alleine diese Länder zu bereisen.

Islamabad und Peshawar

Zuerst einmal möchte ich euch die gesamte Route - insgesamt 5 1/2 Wochen, davon 2 1/2 Wochen Pakistan, 1 Woche China, 1 1/2 Wochen Nepal, aufzeigen:

Route in Pakistan:

Germany (Flug)
Islamabad (Bus)
Peshawar (Bus)
Khyber Pass (privates Taxi mit Bodyguard)
Chitral (Flug)
Kalash Valley (Jeep)
Mastuj (Jeep)
Shandur Pass (Bus)
Gilgit (Bus)
Nanga Parbat (Bus,Jeep,Trekking)
Karimabad-Hunza Valley (Bus)
Shimshal Valley (Jeep, Trekking)
Passu (Bus)
Khunjerab Pass (Bus)
Sost (Bus)

Route in China und Nepal:

Chinesische
Grenze (Bus)
Tashkurgan (Bus)
Kashgar (Bus)
Urumqi (31 Stunden Liegebus)
Chengdu (Flug)
Kathmandu,Nepal(Flug)
Pokhara,Nepal (Bus)
Kathmandu,Nepal (Bus)
Germany (Flug)

Where are you going, Madam? Ein überaus höflicher Mann auf dem Flughafen in Islamabad wundert sich über eine alleinreisende, rucksackschleppende Frau, die sich zielstrebig auf ein Taxi zubewegt. Ich lasse mir meine Unsicherheit nicht anmerken und antworte, dass ich nichts anderes möchte, als nach 24-stündigem Flug- und Wartemaraton endlich ein Plätzchen zum Ablegen zu finden. "You will have problems, bemerkt er seelenruhig weiter. Na, toll, denke ich, das fehlt mir gerade noch, dass mir einer Angst macht, obwohl ich bei meinen ersten Schritten in ein neues Land nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotze. Ich antworte schroff: I don't have any problems. Mein gutmeinendes Gegenüber: No, but this country will have problems with you. Ich muss zugeben, das sitzt! Schlagartig wird mir klar: ich bin in der islamischen Republik Pakistan, von Terrorismusexperten durch den Mix aus islamischen Extremisten, Nuklearwaffen und unberechenbarem Militär oft als "gefährlichstes Land der Welt" tituliert. Aber da mich Gefahren bekanntlich nur noch beflügeln in meinem immer wilder werdenden Reiseleben, schmeiße ich mich in ein Taxi und lasse mich in ein sauberes, ruhig gelegenes, von Grün umsäumtes Hotel (Asia-Hotel) bringen. Ich weiß, die aktuelle Situation durch die Besetzung der Roten Moschee von islamischen Fundamentalisten ist nicht gerade prickelnd. Aber hier vor Ort merke ich davon nichts.

Mit solch einer netten Bewachung kann einem ja gar nichts passieren
Islamabad - erster Abend in Pakistan

Mit solch einer netten Bewachung kann einem ja gar nichts passieren
Islamabad - erster Abend in Pakistan

Ich staune, wie sauber, ordentlich und grün das moderne Islamabad ist - im Gegensatz zum alten Teil Rawalpindi, den man eigentlich in diesen unruhigen Zeiten meiden sollte. Aber - siehe unten, grins.

Ich staune, wie sauber, ordentlich und grün das moderne Islamabad ist - im Gegensatz zum alten Teil Rawalpindi, den man eigentlich in diesen unruhigen Zeiten meiden sollte. Aber - siehe unten, grins.

Und was ich für ein Glück habe mit diesem tollen Hotel und dem freundlichen Besitzer!

Und was ich für ein Glück habe mit diesem tollen Hotel und dem freundlichen Besitzer!

Am ersten Morgen will ich unbedingt im Sereena-Hotel frühstücken, es ist berühmt für sein phantastisches und eimaliges Buffet. Taxifahrer wollen mich nicht dort hin fahren, da es im gefährlichen, abgeriegelten Gebiet an der Roten Moschee liegt. Aber ich wäre nicht Annette, wenn ich es nicht schaffen würde, dort hin zu kommen. Ein Privatauto bringt mich hin und ich schwelge nach flughafenähnlichem Sicherheitscheck im angenehmen Ambiente dieses tollen Hotels und genieße den ersten Morgen in Pakistan.

Am ersten Morgen will ich unbedingt im Sereena-Hotel frühstücken, es ist berühmt für sein phantastisches und eimaliges Buffet. Taxifahrer wollen mich nicht dort hin fahren, da es im gefährlichen, abgeriegelten Gebiet an der Roten Moschee liegt. Aber ich wäre nicht Annette, wenn ich es nicht schaffen würde, dort hin zu kommen. Ein Privatauto bringt mich hin und ich schwelge nach flughafenähnlichem Sicherheitscheck im angenehmen Ambiente dieses tollen Hotels und genieße den ersten Morgen in Pakistan.

Sereena-Hotel, Islamabad

Sereena-Hotel, Islamabad

Mit meinem neuen Shalwar Kameez, ein längeres, seitlich geschlitztes Hemd über einer Pluderhose und einer Dupatta, ein langer, breiter Schal, unternehme ich erste Erkundungsgänge und stelle sofort fest: Ich liebe dieses Land! Obwohl ich weit und breit die einzige europäische Reisende bin, erlebe ich KEINE penetranten Kontaktversuche, respektvoller, vorsichtiger, nicht aufdringlicher Umgang mit Frau, recht gute Englischkenntnisse, alles in allem, NUR positiv.

Ich treffe Atussa und ihren Freund Markus. Sie schreibt über Projekte der GTZ in Pakistan, er seine Dissertation über den Iran. Auch Holger ist dabei, der gerade erst vor 3 Wochen mit schusssicherer Weste und ebensolchem Jeep über den Khyber Pass aus Afghanistan gekommen ist. Er erzählt von seinem enormen, persönlichen Einsatz für dieses Land und über die aktuelle Situation. Er genießt es, jetzt in einem ruhigen Teil von Islamabad zu wohnen (seine Haus kostet sage und schreibe 1000 Euro Miete pro Monat!). Das Wort "ruhig" klingt in der aktuellen "Roten Moschee-Besetzung" von Rawaldpindi allerdings wie der reinste Hohn!

Mautstelle auf 6-spuriger Autobahn von Islamabad nach Peshawar 
Wenn die Schrift nicht wäre - man könnte glatt glauben, man wäre in Frankreich

Mautstelle auf 6-spuriger Autobahn von Islamabad nach Peshawar
Wenn die Schrift nicht wäre - man könnte glatt glauben, man wäre in Frankreich

Traue ich wirklich meinen Augen - eine saubere, ordentliche Shell-Tankstelle auf dem Weg Richtung Afghanistan? Haben wir alle vielleicht eine falsche Vorstellung von Pakistan?

Traue ich wirklich meinen Augen - eine saubere, ordentliche Shell-Tankstelle auf dem Weg Richtung Afghanistan? Haben wir alle vielleicht eine falsche Vorstellung von Pakistan?

In dieser Stadt beginnt das Abenteuer Pakistan erst richtig

In dieser Stadt beginnt das Abenteuer Pakistan erst richtig

Netter Empfang in Peshawar auf dem Busbahnhof

Netter Empfang in Peshawar auf dem Busbahnhof

Eine 4-spurige Autobahn mit Mautstelle führt mich per Bus nach Peshawar. Bin überrascht. Was für ein modernes Land! Und endlich die bunt-geschmückten LKW's, ich kriege mich kaum ein vor Begeisterung. Ich gewöhne mich daran, immer die einzige Frau zu sein. Mein Gefühl sagt mir, dass es in dieser Region besser ist, - aus Respekt vor der Religion - meinen Schal um den Kopf zu hüllen. Alle Männer behandeln mich mit dem nötigen Respekt, ich verliere mehr und mehr meine Unsicherheit.

Ich habe die Ehre, im Haus meines Freundes, Prof. S. von der Universität Peshawar  wohnen zu dürfen - mit allen Annehmlichkeiten, die man sich vorstellen kann: Mit eigenem, klimatisierten Zimmer, eigener Terrasse, kleinem Garten und Hausdiener. Welch ein Luxus!

Ich habe die Ehre, im Haus meines Freundes, Prof. S. von der Universität Peshawar wohnen zu dürfen - mit allen Annehmlichkeiten, die man sich vorstellen kann: Mit eigenem, klimatisierten Zimmer, eigener Terrasse, kleinem Garten und Hausdiener. Welch ein Luxus!

Sollte man nicht glauben, aber das sind alles Professoren von der besten Universität in Peshawar. Da ich auch mal vorhabe, hier zu arbeiten, habe ich gute Kontakte, die ich sicher nutzen werde.

Sollte man nicht glauben, aber das sind alles Professoren von der besten Universität in Peshawar. Da ich auch mal vorhabe, hier zu arbeiten, habe ich gute Kontakte, die ich sicher nutzen werde.

Ich bin bei Shajahan, einem fließend deutschsprechenden pak. Journalistik-Professor an der örtl. Uni, den ich durch eine Freundin per Mail vorab kennengelernt hatte. Er hat in den wilden 68igern in Berlin studiert, Laster nach Nepal gebracht, natürlich geraucht wie wir alle und anschließend eine Karriere in Pakistan verwirklicht, die seinesgleichen sucht. Eine Aura des Respekts umweht ihn, anders kann ich es nicht sagen. Sofort bekomme ich eine große Zuneigung zu ihm und fühle mich wie zu Hause. Ich lebe wie im Märchen, habe ein klimatisiertes Zimmer mit Terrasse und eigenem Diener. Abends verbringe ich interessante Abende mit anderen befreundeten Professoren. Seine Frau ist gerade im Sommerhaus in den Bergen und Tochter und Sohn studieren in Berlin, so dass ich die Restfamily leider nicht kennenlerne.
Durch Shajahan's Einfluss bekomme ich auch das ersehnte Permit für den Khyber-Pass.

Trotz der Temperaturen von sage und schreibe 49 Grad im Schatten, kann man es hier wirklich gut aushalten.

Trotz der Temperaturen von sage und schreibe 49 Grad im Schatten, kann man es hier wirklich gut aushalten.

Schaut mal alle her, da ist eine Ausländerin - und dann noch eine Frau alleine, unglaublich!

Schaut mal alle her, da ist eine Ausländerin - und dann noch eine Frau alleine, unglaublich!

Die Goldgasse lädt zum Kaufen ein

Die Goldgasse lädt zum Kaufen ein

Die immer wieder herrliche Welt der Gewürze

Die immer wieder herrliche Welt der Gewürze

Was für ein Ereignis! Endlich mal Frauen auf der Straße zu sehen. Sie sitzen am Rande des Geschehens und "erlauben" sich, heimlich schnell ein Brot zu verschlingen.

Was für ein Ereignis! Endlich mal Frauen auf der Straße zu sehen. Sie sitzen am Rande des Geschehens und "erlauben" sich, heimlich schnell ein Brot zu verschlingen.

Auf dem Markt sehe ich nur ab und an eine Frau in einer Burka (ein großes Stofftuch, in dem oben eine flache Kappe vernäht ist. Im Bereich der Augen befindet sich ein Sichtfenster, in dem eine Art Gitter aus Stoff eingesetzt ist). Der afghanische Einfluss ist unübersehbar. Natürlich bin ich als emanzipierte Frau nur entsetzt über dieses Kleidungsstück und beschäftige mich noch viel mit dem Frauendasein in Pakistan.

© Annette W., 2008
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: Juli 2007
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: August 2007
Reiseziele: Pakistan
China
Nepal
Der Autor
 
Annette W. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Annette sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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