I R A N mit dem Wohnmobil

Reisezeit: März 2015  |  von Peter & Elisabeth WULLSCHLEGER

Provinz Isfahan

Unsere Reise geht weiter nach Isfahan 300 km. Unterwegs machen wir Mittagshalt in Mohammadiyeh in unmittelbarer Nähe von der Stadt Nain. Im Zentrum des Dorfes mit mehreren Windtürmen hat es kleine Erdkuppeln mit Holztüren, welche den Zugang zu unterirdischen Kammern sind, wo noch heute Kamelhaarwolle gewebt wird, weil es dort im Sommer kühler ist. Wir besuchen einige dieser Webkeller und freuen uns, dass diese Tradition noch erhalten ist.

Isfahan

Die Millionenmetropole Isfahan liegt im Zentraliran, rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran auf einer Seehöhe von 1500 Metern, in einer Fluss Oase im fruchtbaren Tal des Flusses Zazandeh Rud, am Rande des Zagrosgebirges. Das moderne Isfahan ist eine Universitätsstadt und verfügt über einen eigenen Flughafen. Es finden sich Fabrikationsstätten der Nahrungsmittel-, Stahl-, Öl- und Textilindustrie. Auch das Kunstgewerbe ist verbreitet. Isfahan ist ausserdem ein Zentrum der iranischen Atomindustrie. Nach der Stadt ist auch der feine handgeknüpfte Perserteppich Isfahan benannt.
Während unserer Stadtführung besuchen wir zuerst den Pavillon Hasht Behesht. Im Zentrum des früheren Nachtigallen Gartens liegt dieses Gebäude, welches auf Deutsch „Die acht Paradiese“ heisst. Angeblich trägt er seinen Namen wegen der neben dem königlichen Mittelsaal, acht Räume auf zwei Etagen für die acht Lieblingsdamen des Herrschers. Errichtet um 1670 stellt er einen reinen Zentralbau mit vier offenen Hallen dar, die in einen vierflügeligen überkuppelten Raum mit Wasserbecken im Zentrum führen. Seit den 1979er Jahren wurde Hasht Behesht gemäss den originalen Vorlagen renoviert.

Als nächstes wandern wir zum 40 Säulen Palast. Das Gebäude ist in der Zeit Shah Abbas der I., als Königsgarten gebaut und in der Herrschaftszeit seines Enkels König Abbas der II. als Empfangspalast erweitert worden. Das Schloss hat einen grossen Saal mit 20 Säulen, welche sich im Wasserbecken spiegeln, deshalb der Name 40 Säulen-Palast.

Meydan-e Imam

Bald danach stehen wir auf dem Grossen Platz Meydan-e Imam. Für die Bewohner von Isfahan ist dieser Platz der Inbegriff ihrer Stadt.
Schon vor der Anlage der Residenz von Shah Abbas befand sich hier eine Art Marktplatz am Eingang zum Bazar, der Naqsh-e Jahan „Abbild der Welt“ genannt wurde. Abbas liess ihn ausbauen und bedeutend vergrössern auf die gigantischen Ausmasse von 524 x 160 m. Rings um den Platz verlaufen doppelstöckige Arkaden mit einem gleichmässigen Bogenmass. Im Untergeschoss waren und sind noch heute die Arbeitsstätten der Handwerker und Geschäfte. Die Obergeschosse tragen Blendarkaden und wurden nur wegen des räumlichen Eindrucks angebracht.
Ursprünglich lief ein 3 m breiter Wassergraben um den gesamten Platz herum, mit dem früher Platanen bewässert wurden. Heute beherrscht ein grosses Wasserbecken mit Fontänen die südliche Hälfte in seinem Zentrum. Jeder der vier Seiten wird von einem hervorstechenden Bauwerk beherrscht. Im Süden die Moschee des Königs, Masdjed-e- Imam, im Norden das Eingangsportal zum Bazar, im Westen der frühere Eingangspalast zur königlichen Residenz „Ali Qapu“ und im Osten, auf einer Achse mit Ali Qapu, die kleine Lotfollah-Moschee.
Wir lassen uns Zeit, all diese wunderschönen Bauten zu besichtigen.

Heute steht ein weiterer Besichtigungstag bevor. Zuerst machen wir Halt bei der Pol-e Khadjou Brücke die wohl schönste der Isfahaner Brücken. 1630 auf Befehl von Shah Abbas II. an der Stelle eines älteren Baus errichtet. Im Vergleich zu ihr sind die anderen Brücken von Isfahan geradezu schlicht. Über 23 Bögen aus Stein und Ziegeln wird der Zayandeh Rud von einem Staudamm von 26 m Breite überspannt, der wie eine Schleuse wirkt. Die Felder über den Bögen der Brücke sind mit farbigen fliesen verziert, der obere Teil der ca. 130 m langen und 12 m breiten Brücke ist auf beiden Seiten mit überwölbten Galerien versehen, die Fussgänger vor Sonne schützen. Die Brückenköpfe sind durch kleine Pavillons betont, die nur übertroffen werden von dem Pavillon in der Mitte der Brücke, der wie ein halbes Achteck aus beiden Seiten des Brückenkörpers herauswächst.

Weiter geht es ins Armenier Viertel Jolfa. Zwar umfasst die armenische Gemeinde in Isfahan nur noch wenige tausend Menschen, trotzdem gibt es noch einige armenische Kirchen. Wir besuchen in der Vank-Gasse die ehemalige Klosteranlage mit der Erlöserkirche im Zentrum. Links des Eingangs erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Völkermords von 1915 an den Armeniern im Osmanischen Reich. Bei dem vollständig aus Ziegeln erbauten Kirchenbau lässt erst einmal nichts ausser dem separat stehenden Glockenturm zur Rechten und den dezenten Dekorationen mit dem Kreuz im oberen Teil der Fassade an eine christliche Glaubensstätte denken. Die Kirche, die heute als Museum dient ist im Innenraum bis unter die Kuppel vollständig ausgemalt, den ganzen Raum umlaufen Fliesenfelder nach iranisch-islamischen Vorbildern. Dennoch ist das eigenständige Armenische deutlich sichtbar, vor allem in Form der Wandgemälde mit Szenen aus dem Neuen Testament und der Kirchengeschichte der Armenier, die stolz darauf sind, als erstes Volk in der Geschichte das christliche Bekenntnis übernommen zu haben.

Gleich in der Nähe befindet sich die Masdjide – Jamee – Atiq, die vollkommene Antike Moschee. Der Kern dieser Moschee als eine der grössten und geheimnisvollen Moschee der islamischen Welt ist auf dem Rest eines alten Gebäudes errichtet. Diese vier-Iwan Moschee repräsentiert die 13 Jahrhunderte iranische Architektur nach Islam. Unter Dialame, Seldschuken, Safawiden und Qudjaren war sie vollständig erweitert, ausgebaut und restauriert worden. Diese 22‘000 m2 Moschee wird als Enzyklopädie der Architektur und Verzierungen angesehen, deren Schönheit und Einfachheit noch heute gut erhalten ist.

Nach der Mittagspause besuchen wir noch die schwingenden Minarette beim Grabmal des Sufi-Scheichs Amu Abdullah aus dem 14. Jh. Der mit tiefblauen Fliesen geschmückte, offene Bau mit zwei Stummelminaretten ragt im Vergleich zu anderen Grabbauten Isfahans kaum hervor, die Iraner jedoch bewundern ihn als die „Schwingenden Minarette“. Wie bei vielen Ziegelbauten aus dem Mittelalter wurden Holzbalken zum Schwankungsausgleich in die Mauern eingelassen. Mit solchen sind die beiden Minarette verbunden, sodass, wenn man das eine in Schwingungen versetzt, sich das andere auch bewegt.

Zum krönenden Abschluss unseres Isfahan-Aufenthalts gehen wir ins bekannteste und sehenswerteste Hotel Abbasi essen. Eine frühere Karawanserei beherbergt seit gut 30 Jahren das schönste Hotel Irans. Die prächtige Innendekoration der Lobby nach safavidischen Vorbildern, der grosse Speisesaal, insbesondere aber der Innenhof mit Gartenanlage, Wasserbecken und Teehaus, der früher das Personal der Karawanen beherbergte, machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Auf der Hinfahrt besuchen wir noch ein Teppichgeschäft und lassen uns die verschiedenen Teppicharten erklären.

Natanz

Bei schönem aber kaltem Wetter verlassen wir Isfahan und fahren nach Natanz, am Fusse des knapp 3900 m hohen Kuh-e Karkas. Schon in sassanidischer Zeit war es ein beliebter Jagdgrund für die damaligen Herrscher. Heute ist Natanz ein beliebter Marktfleck in einer Höhe von 1565 m. Unweit des Zentrums, schon von weitem sichtbar, liegt die Freitagsmoschee mit ihrem hoch aufstrebenden Minarett. Das Portal vom Anfang des 14. Jh. besitzt besonders schöne Fliesenpartien und Schriftbänder.

Abyaneh

Anschliessend fahren wir nach Abyaneh über eine kurvenreiche Strasse, welche in Abyaneh endet. Der Ort ist in ganz Iran wegen seiner Einwohner bekannt, die auch lange nach der Islamisierung der Lehre Zarathustras treu blieben. In ihrer Abgeschiedenheit am Nordabhang des Karkas-Gebirges haben die Bewohner ihre Eigenheiten behalten. Sie sprechen einen altertümlichen Dialekt; die Frauen tragen keinen Chador. Die Häuser winden sich den Berg hinauf, die Dächer der unten liegenden bilden die Wege der darüber gebauten. Die Menschen vor Ort sind freundlich und auch ein wenig geschäftstüchtig. Sie verkaufen gern selbst gebastelte Gegenstände und getrocknetes Obst.

Nach der Besichtigung fahren wir wieder zurück um in Kashan zu übernachten. Unterwegs passieren wir die nukleare Aufbereitungsanlage, die in keinem Fall fotografiert werden darf!!!

Die Stadt Kashan bietet viel Sehenswertes, so dass wir den ganzen Tag unterwegs sind. Zuerst besuchen wir das Hamam-e Mir Sultan Ahmad, ein renoviertes Badehaus mit sehr schönen Kuppeln und fliesenarbeiten im Innern. Vom Dach haben wir einen wunderschönen Blick über die Stadt mit den Bergen im Hintergrund.

Direkt nebenan folgt das Khane-ye Boroudjerdiha, das Herrenhaus einer Kashaner Kaufmannsfamilie aus dem 19. Jh. Um einen Innenhof mit Wasserbecken und kleiner Gartenanlage gruppieren sich die zweistöckigen, teils offenen Gebäudetrakte, die mit Holztüren verschliessbar sind. Der überkuppelte Hauptempfangssaal ist besonders aufwendig dekoriert, auf die Kuppel ist eine kunstvolle Kombination von Lichtöffnung und Wind Turm aufgesetzt.

Beim Hinausgehen lernen wir dank unserem Begleiter Cirus, den 84 jährigen Schwiegersohn, des früheren Besitzers dieses Herrenhauses kennen. Er erzählt uns, dass Fhara Diba, die frühere Kaiserin vom Iran, das Haus gekauft habe. Nach der Revolution ging es an den Staat über. Er lädt uns ein, zum Imamzade Mir Sultan Ahmad Mausoleum, wo seine verstorbene Frau begraben liegt.

Nach der Durchquerung des Innenhofes wenden wir uns nach rechts und erreichen nach 50 m das Khane-ye Tabataba’i, das Haus eines wohlhabenden Kashaner Kaufmann, welches im 19. Jh. erbaut wurde. Auch hier folgt die Anordnung der Gebäude dem bekannten Plan, ein öffentlicher, ein privater und ein Trakt für das Personal bilden das knapp 5000 m2 grosse Ensemble. Auch hier hinterlassen die erlesenen Dekorationen aus Stuck, Spiegeln und Fenstern einen bleibenden Eindruck bei uns.

Auf dem Weg zum Basar machen wir noch Halt beim grossen Komplex, bestehen aus einer Medrese und einer Moschee, beide in der zweiten Hälfte des 19. Jh. erbaut für den Religionsgelehrten Mullah Naragi II. dessen Beiname Aqa Bozorg „der grosse Herr“ lautete. Der Zugang durch ein zweistöckiges Portal mit Doppelminarett und drei Eingängen liegt an der Nordseite. Von hier aus gelangt man in den Moscheehof mit zwei Iwanen und einem tiefer angeordneten Innenhof, um den sich die Wohn- und Unterrichtsräume der Medrese gruppieren. Eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen der überwiegenden Naturfarbe der Ziegel und den sparsam, aber effektvoll eingearbeiteten Fliesenpartien mit ungewöhnlich dezenten blau-, Gelb und Rottönen.

Der Bazar von Kashan ist einer der architektonisch sehenswerteste im Iran. Hier geht es betriebsam, aber nicht hektisch zu und auf gar keinen Fall ist er touristisch ausgerichtet und lädt deshalb zu einem entspannten Rundgang ein. Danach fahren wir hinaus zum Garten Baq-e Fin. Der Garten wird von einer ausgiebigen Quelle bewässert, welche im Anschluss durch das Dorf Fin fliesst und zahlreiche Obstgärten mit Wasser versorgt. Ab 1590 liess Shah Abbas den Garten nach dem Vorbild eines persischen Paradiesgarten ausbauen und mit einer umlaufenden Mauer versehen. Der Pavillon im Zentrum ist mit schönen Wandgemälden ausgestattet.

Etliche Läden am Ausgang des Gartens bieten Rosenwasser an, für dessen Produktion Kashan bekannt ist. Zentrum der Herstellung ist der Ort Qamsar, gut 30 km südlich von Kashan in den Bergen. Im Mai und Juni werden dort die Blütenblätter der Rosen gepflückt und destilliert. Auch wir lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen und kaufen einen Liter Rosenwasser.
Zum Schluss fahren wir noch 8 km nach Nushabab nördlich von Kashan. Der Ort mit alten Lehmbauten und zahlreichen Windtürmen besitzt ein weit verzweigtes unterirdisches Labyrinth, in das sich die Einwohner in früheren Zeiten bei feindlichen Angriffen zurückziehen konnten. Die dort aufgefundenen Einrichtungen weisen darauf hin, dass man auch auf längere Aufenthalte eingestellt war. Die Gänge liegen über 3 Stockwerke 28 m tief übereinander. Ein langer Besichtigungstag geht somit zu Ende und wir sind froh wieder in unser Haus auf Rädern zu gehen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach einer Rundreise durch die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman, kehren wir durch den Iran zurück nach Europa.
Details:
Aufbruch: 09.03.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 31.03.2015
Reiseziele: Iran
Der Autor