4 Monate als Backpacker durch China

China-Reisebericht  |  Reisezeit: April - August 2012  |  von Anja & Wolfgang

Anhui 23.5 bis 2.6.: Alte Dörfer, schöne Berge 23.5. bis 26.5

Nach Huangshan Stadt in der Provinz Anhui

23.05.2012
Tagesziel: Huangshan Stadt Fähre Km 5, Bus Km10+225+20+250
Wetter: Nieselregen bis bewölkt ,<25°

Heute , Morgen um 6h klingelt schon wieder einmal der Wecker, gegen 6:45 verlassen wir bei leichtem Nieselregen die Pension und um 7:15 sind wir bereits auf der Fähre. Mit der ablaufenden Flut geht die Überfahrt besonders schnell und um 7:30 sind wir bereits im Stadtbus der uns zum Busbahnhof auf der Insel Zhoushan bringt. Hier wird erst einmal eine kleine Verschnaufpause eing des elegt, ein paar Nudeln in der Brühe werden verfrühstückt und dann kaufen wir uns die Ticktes für die erste 225km lange Überlandfahrt nach Hangzhou Süd (RMB 80). Um 8:40 verlassen wir Zhoushan in einem top--modernen Reisebus (Video am Platz, Toilette an Bord....),

überqueren nochmals die 5 Brücken bis wir dann wieder das Festland erreichen. Vorbei an Ningbo führt und der Weg ziemlich direkt westwärts nach Hangzhou zum Busbahnhof Süd, den wir nach 2 Videofilmen und einem 15 Minuten Stopp an einem Autobahnraststätte

erreichen. Bei einer Agentur neben dem Busbahnhof besorgen wir uns die Tickets für die Weiterfahrt nach Huangshan Stadt (RMB 95) und werden dann mit einem Minibus quer durch die Stadt zu einem anderen Busbahnhof gefahren

wo wir erst mal über eine Stunde auf die Ankunft unseres nächsten Busses warten. Zum Zeitvertreib besichtigen wir einen der Schlafwagenbusse die hier auf Langstrecken-Nachtfahrten eingesetzt werden.

Also unbequemer als ein Hardsleeper sieht das nicht aus,

vielleicht probieren wir das auch einmal aus.
Kurz vor 15:00 sitzen wir wieder im Bus, diesmal einer von der normalen Sorte, der uns die nächsten 250km nach Huangshan Stadt bringen soll. Wir durchqueren Huangzhou in Ost-West Richtung und haben den Eindruck, die Stadt will überhaupt kein Ende nehmen. Endlich um 16:30 sind wir wieder auf einer Autobahn und es geht etwas schneller vorwärts. Seit 18:40 bummeln wir wieder über Land, Fahrgäste steigen aus, Fracht wird entladen. Um 19:10 hat der Bus seine Endstation erreicht, genau 50m von unserem Hotel entfernt. Also nur schnell das Gepäck auf das Zimmern geschafft, in einem kleinen Restaurant gegenüber eine Kleinigkeit gegessen und dann verschwinden wir wieder einmal im Netz. Wetterbericht, Reisebericht, Mail lesen, weitergehende Planungen.....

Zur Namensentwirrung:
Huangshan ist sowohl der Name für ein Bergmassiv (Shan = Berg), das wir in den nächsten Tagen erwandern wollen, als auch der Name für den (Land-)Kreis in dem dieses Bergmassiv liegt.
Mit Huangshan Gipfel ist in diesem Bericht die Gipfelregion dieses Bergstocks gemeint,
Huangshan Stadt ist die Kreisstadt, etwa 60km vom Berg entfernt-
Tunxi, ist der zentralen Stadtteil von Huangshan Stadt, in dem sich auch der Bahnhof befindet-
Tangkou, die Kleinstadt am Fuss des Berges, gehört bereits zur Huangshan Scenic Area , obwohl die Seilbahnen / Einstiege von hier immer noch 15km entfernt sind.

Ho(s)tel: Yuntian (=wolkiger Himmel) Huishang(= Hui Fashion) Hotel in Huangshan Stadt

Alte Dörfer zum ersten

24.05.2012
Tagesziel: Shexian Bus Km 60, 7,5h Dorfbesichtigung
Wetter: bewölkt bis leichter Regen, >20°

Heute lassen wir uns mit einem Kleinbus nach Shexian fahren, einer Provinzstadt hier in der Nähe, einst Zentrum der Huizhou Kultur, deren alter Stadtkern noch recht gut erhalten ist bzw. sehr schön renoviert wurde.
Kaum hat man das Tor in der Stadtmauer (wird z. Zt. renoviert) durchquert (E=RMB 60, in Kombination mit Yuliang RMB 80), steht man vor dem Xuguo Shifang(=Xuguo Ehrenbogen).

Dieser vierseitiger Schmucktorbogen mit seinen 18 Löwen und unzähligen Basreliefschnitzereien ist der letzte seiner Art in China. Wendet man sich hier nach links so kommt man in die bestens renovierte Altstadt, hier wurde der ehemalige Hauptstadtkomplex nachgebildet und ein kleines Museum mit alten Hausratsgegenständen eingerichtet.

Mädchenzimmer

Mädchenzimmer

Geht man am Xuguo Ehrenbogen geradeaus weiter, so kommt man in die Doushan Jie, eine Gasse die durch den alten Wohnbezirk führt.

Grosse, reichverzierte Häuser mit Pferdekopfgiebeln sind teilweise für den Besucher geöffnet. Geht man hier einfach weiter (<2km) gelangt man irgendwann nach Yuliang (E=RMB 30), dem historischen Flusshafen am Liang Jiang. Über diesen Fluss wurden früher von hier aus Holz, Salz und Tee nach Nordchina verschifft - und entsprechend reich war die Bevölkerung hier. An der gepflasterten Yuliang Jie

befinden sich mehrere Häuser die besichtigt werden können. Darunter eine alte Apotheke oder in Nr. 87 dieses Wohn-/Lagerhaus.

In der Nähe der aus der Tang Zeit stammenden Löwenbrücke

gehen wir kurz runter zum Fluss und finden am Damm, der zur Tang Zeit erstmals hier angelegt wurde, also an der ehemaligen Anlegestelle eine kleine Flotte von Bambusbooten,

die kurze Fahrten flussauf anbieten.
Ungefahren kehren wir zurück zur Hauptstrasse von Shexian, von wo wir einen kleinen Minibus bis zur Abzweigung nach Tangyue nehmen. Hier gehen wir noch 2 km zu Fuss bis wir Tangyue Paifangqun (die sieben Ehrenbögen und den Garten der Familie Bao) erreichen (E=100).

Der Pateivorsitzende Jiang Zi Min hat sich hier in 2001 verewigt

Der Pateivorsitzende Jiang Zi Min hat sich hier in 2001 verewigt

Obwohl wir schon vor dem Eingangstor waren,

haben wir unser Besuch dieser weitläufigen Gartenanlage wegen einsetzendem Regen ausfallen lassen.
Wir gehen zurück zur Hauptstrasse und winken einen Kleinbus heran und lassen uns bis in die Nähe unseres Hotels bringen.
Ho(s)tel: Yuntian (=wolkiger Himmel) Huishang(= Hui Fashion) Hotel in Huangshan Stadt

Alte Dörfer zum Zweiten

25.05.2012
Tagesziel: Hongcun Bus Km 135, 6h Dorfbesichtigung
Wetter: bewölkt bis leichter Regen, <25°
Um den Ort Yixian, etwa 55km westlich von Huangshan Stadt gruppieren sich 5 über 1000 Jahre alte Dörfer. Zwei davon Xidi und Hongcun wurden mittlerweile zum Unesco Weltkulturerbe erklärt. Man könnte eine Woche hier verbringen und hat immer noch nicht alles gesehen, für unseren Tagesausflug haben wir uns auf den Besuch von Hongcun (E=104) beschränkt. Das Dorf ist in der Form eines Ochsen angelegt, Mittelpunkt des Dorfes ist der halbmondförmige Mondteich.

Magen des Ochsen

Magen des Ochsen

Vom West-Fluss leiten offene Kanäle (die Eingeweide) die neben den schmalen Gassen verlaufen

das Wasser in den Mondteich und von dort weiter in den Süd-See

an dessen Ufer sich auch die Süd-See Schule befindet. Das Dorf war einst sehr reich und davon zeugen eine Menge von grossen ehemaligen Wohnhäusern. Teilweise wurden Ehrenbögen die in Hauseingänge integriert,

an sehr filigranen Holzschnitzereien wurden genauso wenig gespart

eine Wandverkleidung

eine Wandverkleidung

ein Deckenbalken

ein Deckenbalken

wie an reichhaltigen Steinmetzarbeiten.

ein Fenster

ein Fenster

Details einer Gartenmauer

Details einer Gartenmauer

Auch die noch erhaltene Inneneinrichtung spiegelt den ehemaligen Reichtum seiner Besitzer wieder.

Zum Abschluss unserer Runde durch das Dorf steigen wir noch auf den nahegelegenen Leigang Shan um von dort oben einen letzten Blick auf das Dorf zu werfen, was aber in diesem Bambuswald nur schwer möglich ist, dafür gelang uns dieses Foto:

Bambusriese im Vergleich zu einer 0,5l Wasserflasche

Bambusriese im Vergleich zu einer 0,5l Wasserflasche

Beim Rückweg mussten wir, genauso wie schon beim Hinweg 2* den Bus wechseln, konnten dabei den Reisbauern nochmals beim Stecken ihrer Pflanzen zusehen und Ihren heute gemachten Fortschritt bewundern. Wir gönnten uns zur Belohnung heute Abend eine gebratene Ente, die vorher in Bier mariniert wurde und hoffen, dass der Wetterbericht für morgen recht hat, denn wir wollen wieder mal auf einen Berg.

Ho(s)tel: Yuntian (=wolkiger Himmel) Huishang(= Hui Fashion) Hotel in Huangshan Stadt

Wandern am Qiyunshan

26.05.2012
Tagesziel: Qiyunshan Bus Km 70, 6h Wanderung, 600 Hm, 5h Stadtbesichtigung
Wetter: L. Regen bis sonnig, <25°

Während wir mit einem kleinen Bus Richtung Westen fahren wird das Wetter immer besser und als wir nahe der Dengfeng Brücke aussteigen sind am Horizont bereits die ersten blauen Stellen am Himmel zu sehen.

Wir überqueren auf dieser alten Brücke den Fluss, gehen durch ein altes Dorf und stehen dann am Fusse des Qiyunshan, eines der vier heiligen Berge des Taoismus. In dieses dicht bewaldet rote Sandsteingebirge haben sich vor Jahrhunderten Mönche zum Meditieren zurückgezogen und in den natürlichen Grotten Tempel gebaut. Heute ist dies ein viel besuchter Nationalpark, die Tempel werden weiterhin von hier lebenden taoistischen Mönchen gepflegt. Wir steigen im Treppenhaus steil bergauf, bis wir nach ca. 1 Stunde den Eingang zum Park (E=RMB 75) erreicht haben,

in dessen Nähe sich auch die Bergstation der Seilbahn befindet, die den 'Normaltouristen' als Aufstiegshilfe dient. Schluss mit der Ruhe, denn neben den allgegenwärtigen Tourguides sind am Wegesrand diese Lautsprecherboxen aufgestellt,

aus denen wir mit meditativer Musik berieselt werden.
Andachtsvoll durchschreiten wir das Erstes Himmelstor

und stehen vor der Zhenxian-Höhle, einem Komplex von taoistischen Schreinen

in teils natürlichen, teils auch aus dem Fels herausgehauenen Höhlen und Grotten. Bei alten Frauen kann man hier Räucherstäbchen kaufen, von Mönchen kann man sich hier für den weiteren Lebensweg beraten lassen.
Wir gehen einfach weiter, durchschreiten das zweite und das dritte Himmelstor, besichtigen den riesigen, mittlerweile ganz gut renovierten Taisu Gong

mit Zhengwu Dadi, einer taoistischen Gottheit, im Innenraum. Auf unserem weiteren Weg finden wir unter einem über 200m langen Sandsteinfelsen den Yuxu Gong

mit Zhengwu Dadi und Laotse im Innenraum. Kurz danach teilt sich der Weg. Die meisten Touristen biegen hier nach rechts zum Dorf Yuxu Gong ab um sich dort in einem der Restaurants beim Essen von den Strapazen Ihrer 90 minütigen Wanderung zu erholen, bevor sie zur Seilbahn zurückkehren. Wir wählen hier den linken Weg, verlassen den Park 'am hinteren Kassenhäuschen' und gehen nun auf alten mehr naturbelassenen Wegen weiter. Plötzliche Stille kehrt ein, wir überqueren diese alte Brücke,

finden kleine alte Tempel am Wegesrand,

und später dann den Haus über Haus Tempel.

Der untere (ältere?) Teil hier ist total verfallen, dient jetzt mehr als Lagerraum, während der obere Tempel sich noch in einem ganz guten Zustand befindet. Hier haben wir unsere erste Begegnung mit einer Schlange in China, die neben einem Bambuswäldchen ihr Sonnenbad nimmt.

Wir haben keine Ahnung ob die harmlos oder giftig ist - würden uns über Aufklärung darüber im Gästebuch sehr freuen.
Hinter dem Feen Bild Tempel

geht es nun in einem alten Treppenhaus erst durch Teeplantagen, dann entlang einem Bachbett steil bergab, bis wir die Talsohle erreichen. Wir überqueren den Fluss, schauen einem der Bauern beim Pflügen seines Reisfeldes zu

und stehen dann wieder an der Strasse wo wir einen der Kleinbusse herbeiwinken, der uns gegen 16h zurück nach Huangshan Stadt bringt, früh genug um hier noch die Lao Jie (Alte Strasse) zu besichtigen.

Eine Strassenzug mit hölzernen (Tee-)Läden,

mit restaurierten Huizhou-Gebäuden im Ming Stil,

mit Souvenierläden, Restaurants und Bars, die bis spät in die Nacht geöffnet haben. Der Hot-Spot von Huangshan Stadt eben und an einem Samstag Abend entsprechend gut besucht.
In den kleinen Restaurants abseits der Lao Jie gönnen wir uns heute Abend gegrillte Austern, scharf gewürzte Herzmuscheln und zum Abschluss noch eine Portion feurig gewürzte Flusskrebse (Erinnerungen an New Orleans werden wach), bevor wir uns zum Hotel zurückziehen.

Ho(s)tel: Yuntian (=wolkiger Himmel) Huishang(= Hui Fashion) Hotel in Huangshan Stadt

© Anja & Wolfgang, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diesmal ohne WoMo, dafür ca. 120 Tage lang mit Bahn, Bus und Rucksack von Ho(s)tel zu Ho(s)tel quer durch die Mitte Chinas. Wie immer freuen wir uns über alle virtuell Mitreisenden - und Gästebucheinträge sind natürlich herzlichst willkommen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 10.08.2012
Reiseziele: Deutschland
Vereinigte Arabische Emirate
China
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.