4 Monate als Backpacker durch China

China-Reisebericht  |  Reisezeit: April - August 2012  |  von Anja & Wolfgang

Shaanxi 7.7. bis 11.7.

Bus(s)fahrt nach Xian

Bus(s)fahrt nach Xian
07.07.2012
Tagesziel: Xian Bus Km 360
Wetter: bedeckt, >30°

Heute Morgen gehen wir zum (alten) Busbahnhof von Wudang Shan, ein neuer ist in Planung und die gezeigten Bilder lassen ein weiteres Monumentalobjekt vermuten, um von dort mit einem grossen Reisebus nach Xian zu fahren. Von 8:30 bis 10:00 fahren wir über Landstrassen, laden weitere Bekannte des Fahrers ein und kommen dann am Busbahnhof von Shiyan an. Hier ist erst einmal 30 Minuten Pause, bevor es dann auf der Autobahn relativ zügig weitergeht. Um 11:30 überqueren wir die Grenze zu Provinz Shaanxi. Von 12:20 bis 12:45 eine kurze Mittagspause an einer Autobahnraststätte und von 13:15 bis 14:00 stehen wir im Stau. Unser Fahrer wurde von einem Kollegen der auch feststeckt schon vor 2 Stunden vorgewarnt, dass irgendwo weit vor uns in einem der vielen Tunnels ein Lastwagen liegengeblieben / verunfallt? ist und die Beseitigung dieses Hindernisses dauert. Den Fahrzeugresten am Strassenrand nach zu schliessen, muss dies hier eine ganze Serie von Unfällen gewesen sein. U.a.sehen wir einen Kleinbus von vorn und hinten jeweils um ca. einen halben Meter verkürzt.
Um 16h kommen wir endlich in Xian am Busbahnhof an, stellen uns dann in eine lange Schlange am Hauptbahnhof gegenüber um die Zugtickets für übermorgen zu kaufen und machen uns dann auf die Suche nach einem Bus, der uns in die Nähe unseres Hotels bringt. Gegen 18h sind wir endlich im Hotel und da wir Xian von früheren besuchen her sowieso schon recht gut kennen, streichen die geplante Stadtbesichtigung für heute und gönnen uns dafür mal einen 'ruhigen Samstag Abend'.

Ho(s)tel: 7Days Inn, Xian

Bei den Terrakotta Kriegern

08.07.2012
Tagesziel: Xian Bus Km 90, 3 Std. Terrakotta Krieger, 5 Std. Stadtbesichtigung
Wetter: bedeckt bis l.Regen, >30°

Heute Morgen fahren wir mit einem Stadtbus zurück zum Bahnhof, von wo aus die Buslinien 306 und 914 zu den Terrakotta-Kriegern starten. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit können wir dort unsere Eintrittskarten kaufen (E= RMB 150) und wieder einmal staunend bewundern,wie sich der Eingangsbereich hier in den letzten 15 Jahren verändert hat - und weitere grosse Gebäude sind noch im Bau. Wir gehen zuerst einmal in das neu erbaute Museum - ein moderner Bau, der innen hallt und dröhnt wie eine Glocke. Man versuche sich einmal den Geräuschpegel vorzustellen, wenn 1000 laute Touristen von ihren Fremdenführen mit Mikrophon und Minilautsprecher gleichzeitig 'unterrichtet werden' und dabei keinerlei erkennbare Schalldämmung vorhanden ist - der Architekt gehört hier mal zur Hochsaison für 4 Wochen eingesperrt, vielleicht erinnert er sich dann wieder daran, was er eins über Akustik hätte lernen sollen.
Die Hauptattraktion des Museums sind zwei bronzenen Wagen

die hier gefunden wurden. Daneben sind vor allem noch Bronze-Pfeile und Lanzenspitzen der Terrakotta-Krieger zu sehen.
Wir beginnen unsere Runde durch die Ausgrabung in Halle 2,

in der immer noch aktiv ausgegraben wird und in der hauptsächlich zerbrochenen Krieger zu sehen sind.
In Halle 3 neben an, der Kommandozentrale der Armee,

ist ein Gespann aus 4 Pferden und mehrere (restaurierte?) Krieger zu sehen.
In Halle 1 dann, das bekannte Bild,

kampfbereite Terrakotta Soldaten

in Reih und Glied aufgestellt.

Wir beenden unsere Runde hier, fahren mit dem Bus zurück zum Bahnhof von Xian und machen uns daran die Stadt erneut zu erkunden. Entlang geschäftiger Einkaufsstrassen kommen wir zum Glockenturm,

beobachten all die Langnasen, die sich hier in 'westlichen Lokalen' einen gemütlichen Sonntag Nachmittag machen, gehen weiter zum Trommelturm

und finden dahinter das moslemische Viertel mit der alten Moschee (E=RMB 25) und einer Einkaufszone,

die uns sehr stark an den alten Seidenmarkt in Peking erinnert. Hunger setzt ein, wir finden in einer Essengasse dort ein paar lokale Kleinigkeiten zum Abendessen und gehen dann gemütlich zurück zum Hotel.

Ho(s)tel: 7Days Inn, Xian

Im Neuen 'Alten Xian'

09.07.2012
Tagesziel: Hua Shan Bus Km 15, 2 Std. Stadtbesichtigung, Zug Km 265, Bus Km 7,5
Wetter: L.Regen bis bedeckt, >25°

Heute Morgen machen wir uns mit dem Bus auf dem Weg zur 'Grossen Wildgans Pagode',

einem Tempel Park mitten in der Stadt, der uns bei unserem letzten Besuch hier so gut gefallen hat. Aber wie wir schon gestern in der Innenstadt bemerkt hatten, war auch hier kräftig der Bagger am Werk, wird mit musikalischen Springbrunnen verschönert', eine 9,5 Km lange Monorail ist im Bau um verschiedene neu erstellte 'Scenic Points' miteinander zu verbinden und von der Pagode Richtung Süden wurde die 'Da Tang All Day City' aus dem Boden gestampft.

Eine Prachtstrasse, in der Mitte mit riesigen in Bronze gegossenen Kaisern

und anderen Persönlichkeiten aus der Tang Dynastie dekoriert, an deren linken Seite diese Monorail entlanglaufen wird. Eine Strasse, die beidseitig von den selben Designer Shopping Malls flankiert wird, die wir in der Innenstadt schon bewundern durften und in denen sich vereinzelte Kunden verlieren. Was die Planer sich bei diesem Projekt wohl gedacht haben? Am Strassenrand kaufen wir uns ein paar dieser kandierten Äpfeln

und fahren dann mit dem Bus zurück zum Hotel, holen dort unser Gepäck ab und mit dem nächsten Bus geht es weiter ins Chaos am Bahnhof. Der Vorplatz gleicht immer noch einem Heerlager, Tausende von Fahrgästen warten dort auf ihre Weiterfahrt, vor der 'Sicherheitskontrolle' eine endlos erscheinende Warteschlange und der relativ kleine Warteraum total überfüllt. Unser 'K'-Zug, der hier in Xian startet, hat ungewohnte 40 Minuten Verspätung, andere Züge werden vor uns abgefertigt, so ist dann die Schlange vor der Fahrkartenkontrolle zu den Bahnsteigen etwas kürzer. Am alten Bahnhof von Hua Shan angekommen (es gibt auch einen neuen für 'D'-Züge), kaufen wir uns erst einmal die Fahrkarten für Übermorgen, die Weiterfahrt nach Luoyang. Eigentlich hatten wir vor, uns ein nochmaliges Umsteigen mit Gepäck zu ersparen und die letzten paar km zum Hotel mit einem Taxi zu fahren, aber nachdem ein Taxifahrer meinte mit uns das Geschäft des Tages machen zu können und den doppelten Fahrpreis (Fremdenzuschlag??) verlangen zu müssen, fahren wir zu seiner grossen Enttäuschung einfach mit dem Bus weiter zur Scenic Area und von dort aus mit einem kostenlosen Shuttlebus weiter direkt vor unser Hotel.

Ho(s)tel: Huayang Hotel in Hua Shan Ort

Fünf Gipfel auf einen Streich

10.07.2012
Tagesziel: Hua Shan Gipfelregion Bus Km 7,5, 8 Std. Wanderung, Aufstieg 1540m, Abstieg 325m
Wetter: sonnig, >30°

Hua Shan, einer der fünf heiligen Berge des Taoismus, ein von Gletschern geschliffener Granitklotz mit 5 Gipfeln (Nord-Ost-Süd-West und Mittelgipfel) und über 1000m hohe Steilwänden, sofort werden Erinnerungen an Yosemite wach. Hua Shan könnte das Paradies für Free-Climber sein, aber anscheinend wird dieser Sport hier nicht ausgeübt. Hua Shan hat den Ruf ein gefährlicher Berg zu sein, aber mittlerweile sind die kritischsten Stellen wie die 50m hohen senkrechten Aufstiege am Weg der Soldaten und der Aufstieg mit leichtem Überhang durch neu an den Fels betonierte Treppenhäuser entschärft, (Bilder dazu weiter unten) für den Abstieg zum Chess-Pavillion und zum Plank-Walk muss ein einfacher Brustgurt mit 2 Karabinerhaken (jedoch ohne Sturzbremse wie bei einem echten Klettersteigset) gemietet werden. Bei starken Regen wird der Berg gesperrt, bereits gelöste Eintrittskarten werden dann ggf. zurückerstattet. Um die Massen auf dem Berg besser zu verteilen ist derzeit eine zweite Seilbahn mit einer Bergstation zwischen Süd- und Westgipfel in Bau, Fertigstellung am 01.10.2012.
Der Berg wird eben, dem Publikumsgeschmack entsprechend mehr und mehr Badelatschentauglich gemacht.

Kundenfreundlichkeit vor Kommerz

Hier in dieser Scenic Area stimmt eigentlich fast alles:
Vom Management des Tourist Service Centers vorgegebene und öffentlich publizierte Qualitätsziele in Bezug auf Service und Kundenzufriedenheit - und alle Mitarbeiter mit denen wir zu tun hatten halten sich daran. Hier wird beraten und nicht weg-geschaut falls ein Kunde eine Frage hat, kostenlose Schuttlebusse fahren wenn sie voll sind und zusätzlich im Halb-Stunden Takt. Falls der Bus zum Ziel A keine Fahrgäste hat, dafür aber zum Ziel B sich eine Schlange gebildet hat und noch kein Bus da ist, so wird kurzerhand umgeroutet. Da der Park 24 Stunden geöffnet ist, fahren auch die Busse bei Bedarf rund um die Uhr. Für die Fahrt zur Seilbahn gibt es einfache Fahrkarten. Dazu hin fehlt vor der Empfangshalle die sonst so übliche hundert Meter lange Gasse mit Ramschläden, die alle die selben 'Souvenirs' verkaufen.
Unserer Meinung nach ist diese Scenic Area für China absolut vorbildlich - und wenn es jetzt noch gelänge die Hoteliers im Tal und die 'Hüttenwirte' auf den Gipfeln in dieses Konzept einzubinden.....

Rauf auf den Berg:

Derzeit führen drei Wege auf den Nordgipfel, der leichte mit der Seilbahn, der schweisstreibende 'Weg der Soldaten' - unterhalb der Seilbahnstrecke in zwei Stunden nach oben und den 6km langen Weg, vom Dorf Hua Shan aus erst einmal 4km leicht bergauf, bis dann die Treppenhäuser beginnen. Diese dritte Variante dauert in der Regel 3-5 Stunden und wird gerne von Sonnenaufgangsbewunderen benutzt, die gegen 23h in Hua Shan losgehen um dann vor Sonnenaufgang am Ostgipfel zu sein.
Da wir heute noch alle 5 Gipfel besuchen wollen, haben wir uns als Aufstieg für den Weg der Soldaten entschieden. Dazu fahren wir erst einmal mit dem Shuttlebus zurück zum Service Center, kaufen unsere Eintrittskarten (E=RMB 150) und die Fahrkarten mit dem Bus zur Seilbahn (RMB 20 einfach) und fahren dann mit einem kleinen Bus zur Talstation der Seilbahn (RMB 80/150 einfach / hin-rück) zum Nordgipfel.

Dort geht es dann gleich einmal in 3999 Stufen um 845Hm steil bergauf. Die einst kritische Stelle dieses Weges, ein 50m hoher senkrechter Felsen mit schmalen, in den Fels gehauenen Stufen und Kettensicherung - unten links im Bild - wurde mittlerweile durch dieses neue, an den Fels geklebte Treppenhaus - rechts im Bild - entschärft,

und so stehen wir nach knapp 2 Stunden den Nordgipfel

und geniessen das Wetter und die Aussicht. Vorbei am Fischmaul

geht es nun mit all den seilbahnfahrenden Buntkappen auf den Grat des blauen Drachen,

ein knapp 2m breiter Felsgrat in den dieses Treppenhaus geschlagen wurde, zum Mittelgipfel.

Alter Tempel am Mittelgipfel

Alter Tempel am Mittelgipfel

Von hier aus dann gibt es drei parallele, direkt nebeneinander liegende Wege zum Ostgipfel,

wir wählen die Steinstufen mit leichtem Überhang, ein bisschen Abenteuer muss doch sein, direkt links davon kann man auf einer relativ steile Eisentreppe diesen Felsen überwinden und nochmals direkt links daneben ein neues betoniertes Treppenhaus, ähnlich dem am Weg der Soldaten.
Vom Ostgipfel schauen wir hinunter zum Chess-Pavillion,

ein perfekter Platz um ungestört eine Runde Schach zu spielen, vor allem auch dadurch, dass der Abstieg hier nur noch mit zu mietenden Brustgurt und Sicherheitskarabinern (RMB 30) erlaubt ist.
Wir gehen weiter Richtung Südgipfel, kommen hier am Plank Walk vorbei,

wo ebenfalls mit obligatorischem Brustgurt nach kurzem Abstieg etwa 50m weit auf Holzbohlen an der nahezu senkrecht abfallenden Felswand entlang gegangen werden kann.
Um 16:50 erreichen wir endlich den Südgipfel, mit 2155m der höchste Punkt auf Hua Shan.

Nun nochmal kurz bergab und auf dem nächsten Grat wieder bergauf zum Westgipfel auf 2082,6m,

unserem Tagesziel für heute. Dort droben im West Peak Hostel, Teil eines alten taoistischen Tempels haben wir uns für heute Nacht zwei Betten im Schlafsaal vor-reserviert.
Es ist kurz vor 18h, was bleibt noch zu tun ausser die Gipfelregion mit Ihren Felsformationen zu erkunden,

auf den Sonnenuntergang zu warten,

und dann gemeinsam mit 8 weiteren Zimmergenossen/innen relativ früh zu Bett. Leider wollen die im Gegensatz zu uns den Sonnenaufgang sehen, also diese Nacht wird schon wieder mal kurz.

Ho(s)tel: West Gipfel Hostel

Zurück ins Tal
11.07.2012
Tagesziel: Hua Shan 4 Std. Abstieg, 1600Hm, 2 Std. Klammwanderung, 150Hm
Wetter: sonnig, im Tal >35°

Wie erwartet beginnt ab 4:30 die grosse Unruhe, alles bricht auf zum Sonnenaufgang - und als um 6h die grosse Rückkehr eintritt stehen auch wir auf. Nach einem leichten Frühstück dann machen wir uns an den Abstieg.
Vom Westgipfel Richtung Mittelgipfel, den Grat des Blauen Drachen hinunter zum Nordgipfel und von dort dann links auf dem 'langen Weg Richtung Tal'.
An zwei Stellen ist das Treppenhaus so schmal und so steil, dass Einbahnregelung angesagt ist,

also rechtes Treppenhaus runter, linkes Treppenhaus hoch. Irgendwann wird der Weg eben, wir überqueren die fünf Drachen Brücke

und erreichen nach 3 ½ Stunden den Parkausgang.

Der weitere Weg führt uns nun quer durch den Yuquan Tempel

zu unserem Hotel in Hua Shan zum Zimmer beziehen, Duschen, Umpacken und ein bisschen Ausruhen.

Am frühen Nachmittag fahren wir dann mit einem Shuttlebus zu einem weiteren neu angelegten Scenic Spot (Eintritt im Ticket bereits enthalten), der Xian Yu (=Feen Klamm). Nach unserem Verständnis soll dies zu einem weiteren Zugang zum Hua Shan ausgebaut werden, sobald die Seilbahn zum Westgipfel in Betrieb ist.
Wir gehen einfach die Klamm hoch, schauen Badenden im erstaunlich warmen Wasser zu, erfreuen uns an der Betonbrückenbaukunst,

der Wegführung,

an den Auswaschungen, die das Wasser hier im Laufe der Zeit hinterlassen hat

und kehren mit einem der letzten Busse zum Hotel zurück.

Ho(s)tel: Huayang Hotel in Hua Shan Ort

© Anja & Wolfgang, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diesmal ohne WoMo, dafür ca. 120 Tage lang mit Bahn, Bus und Rucksack von Ho(s)tel zu Ho(s)tel quer durch die Mitte Chinas. Wie immer freuen wir uns über alle virtuell Mitreisenden - und Gästebucheinträge sind natürlich herzlichst willkommen.
Details:
Aufbruch: 10.04.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 10.08.2012
Reiseziele: Deutschland
Vereinigte Arabische Emirate
China
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.