Tibet - Ein Traum wurde wahr

Tibet-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2004  |  von Monika Rück

Drepung - das ehemals größte Kloster Tibets

Mehr als leicht angeschlagen stieg ich in den Jeep, der uns zur Drepung Monastery brachte. Drepung heißt übersetzt aus dem Tibetischen "Reishaufen" aber warum das Kloster diesen Namen bekommen hat ist nur eine Vermutung. Vielleicht liegt es daran, dass es von Weitem so aussieht, als wenn weiße Reiskörner auf die Berge gestreut worden wären.

Drepung - Man kann sich diesem Ort nicht entziehen.

Drepung - Man kann sich diesem Ort nicht entziehen.

Ungefähr 8 Km westlich von Lhasa in herrlicher Hanglage gelegen, soll dieses Kloster zu damaligen Zeiten, mit bis zu 10.000 dort lebenden Mönchen, eines von den größten der Welt gewesen sein und Hauptsitz der Gelben Sekte des Lamaismus.
Überfälle der Könige von Tsang und auch die Mongolen trugen dazu bei, dass dieses einst so stolze Kloster dem Verfall preisgegeben wurde. Zum Glück konnte die Kulturrevolution nicht noch mehr zerstören, obwohl die Chinesen in diesem Kloster auch Soldaten einquartiert hatten.

Seit einiger Zeit wird hier sogar der Wiederaufbau vorangetrieben und zwar wesentlich intensiver als in den anderen ansässigen Klöstern von Lhasa (Von ursprünglich 6.400 Klöstern wurden bis heute erst knapp 2.000 in ganz Tibet wieder aufgebaut). Das hat aber nichts mit den Chinesen zu tun, sondern ist auf den Einfluss der dortigen Gemeinden zurückzuführen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit scheint hier wesentlich stärker verankert zu sein.

Den Grundstein für Drepung legte 1416 der Mönch Jamyang Choeje und innerhalb eines Jahres nach Fertigstellung beherbergte das Kloster bereits 2.000 Mönche. 1530 wurde dann vom zweiten Dalai Lhama der Ganden Palace errichtet. Dieser Palast war Sitz, bis der fünfte Dalai Lhama (der mächtigste der Dalai Lhamas ... er hatte nicht nur die religiöse Macht, sondern auch die Politische Gewalt inne) den Potala erbauen ließ. Hier liegen auch der zweite, dritte und vierte Dalai Lhama begraben. Man bezeichnet Drepung als Mutter-Kloster, da von dort aus die ersten Dalai Lhamas regierten. Im frühsten 17. Jahrhundert beherbergte das Kloster zeitweise zwischen 7.000 und 10.000 Mönche, heute nur noch bis zu 600.
Was ich als sehr interessant fand, dass man nur ins Kloster kommen kann, um Mönch zu werden, wenn man schon einen Fürsprecher im Tempel hat. Am Besten, der ist auch noch ein Verwandter. Die Jungen werden im Alter von ca. 7 Jahren in das Kloster aufgenommen und dienen ihrem Mäzen bis zum 15. Lebensjahr. Natürlich müssen sie während dieser Zeit fleißig studieren, um die Prüfungen zu bestehen, die schließlich darüber entscheidet, ob man geht oder bleibt.

Durch wie viel Kapellen und Kapellchen wir durchgeschleust wurden, ich kann es nicht mehr beschreiben. Es waren einfach zu viele. In Erinnerung geblieben ist mir jedoch, dass man in jeder Kapelle bezahlen muss, sofern fotografiert werden möchte. Preise reichen zwischen 20 und 40 Yuan (also zwischen 2 und 4 Euro), teilweise noch darüber. Selbstredend kostet der Eintritt in das Kloster auch extra.

Bei dieser Gelegenheit kann ich gleich das Thema "Eintritt" zur Sprache bringen. Sicherlich wird der eine oder andere sich darüber aufgeregt haben, dass man als Tourist nicht ohne Bezahlung die Klöster betreten darf, die Pilger schon.
Diese Menschen kommen oft von weit her um die Butterlampen mit Yak-Butter bzw. Yak-Öl am Brennen zu halten, damit die Seelen ihrer verstorbenen Angehörigen den Weg durch die Dunkelheit finden.

Aus ganz Tibet machen sich die Pilger auf,  um ihren Verstorbenen zu helfen, den Weg aus der Dunkelheit zu finden.

Aus ganz Tibet machen sich die Pilger auf, um ihren Verstorbenen zu helfen, den Weg aus der Dunkelheit zu finden.

Teilweise stehen Mönche da und schöpfen das Zeug wieder ab, da es sonst überlaufen würde. Durch verschüttetes Öl ist der Boden an manchen Stellen rutschig und es ist ratsam auf seine Schritte zu achten. Gerade bei den vielen schmalen ausgetretenen Holzstufen oder Leitern findet man sich sehr schnell ein Stockwerk tiefer. Manche Treppen kosteten mich mehr als Überwindung hinauf zu krabbeln, aber wie sagte mein Mann immer wieder um mir Mut zu machen: "That's Part of the Game!" Was so viel heißt wie " an den Strand kann sich jeder legen"
Noch eine weniger schöne Erinnerung sind Ratten welche aufgrund der Opfergaben (es wird nicht nur Geld und Yak-Butter dargeboten, sondern auch alle möglichen Arten von Körnern) überall in den Kapellen zu finden sind. Teilweise laufen sie zwischen den Besuchern herum und keiner scheint sich daran zu stören. Zum Glück bin ich nachtblind und habe bei dem herrschenden Zwielicht nur wenige Nager entdeckt. Mein Mann konnte sich nicht verkneifen mir davon zu erzählen ... was meine Freude an den Besichtigungen etwas dämpfte. Dann gibt es dort doch wirklich eine Kapelle wo man uns Frauen nicht erlaubt einzutreten ... das steht sogar groß über der Tür ... zur Freude meiner Begleiter. Dann eben nicht. Angeblich soll in dieser Kapelle eine männliche Gottheit "wohnen" die sehr eitel ist. Wenn nun eine Frau eintritt könnte er sehr böse werden und ihr Schaden zufügen ... sozusagen "Zickenalarm" auf männlich.

Zickenalarm auf männlich. Angeblich will man uns Frauen vor diesem eitlen Gott schützen.

Zickenalarm auf männlich. Angeblich will man uns Frauen vor diesem eitlen Gott schützen.

Was mich noch fasziniert hat, waren die hingeworfenen Geldscheine. Egal in welcher Kapelle ... überall, teilweise sogar auf dem Boden verstreut. So etwas habe ich bisher wirklich noch nie gesehen. Da kommen die Pilger manchmal mit Bündeln von kleinen Scheinen, andere wiederum (und das war wirklich sehr beeindruckend) haben einen größeren Geldschein in die Opferschale oder den Schrein geworfen und sich einfach das Wechselgeld wieder heraus genommen. Oder aber, es steht ein Mönch parat der wechselt und gegebenen Falls auch die Sache mit dem Fotografieren regelt.
Bei den Massen an Geld lag natürlich die Frage nahe, wie oft im Jahr werden die Opfergaben zusammen gesammelt? Ich konnte es fast nicht glauben, aber das geschieht täglich. Unsummen die hier zusammen kommen, wobei nicht alles davon den Klöstern gehört. Sechzig Prozent muss an die Regierung abgegeben werden.

In jedem von uns besuchten Kloster überrannten uns die Pilger. Ich sage extra "rannten" denn die Gläubigen rennen wirklich die meiste Zeit durch die Gegend, zwar organisiert, aber ohne Rücksicht auf Verluste. Wurde mehrfach gezwickt und geknufft, allerdings mit einem Lächeln des Verursachers, wenn ich nicht schnell genug aus dem Weg ging. In der einen Hand oft die Thermoskanne mit flüssiger Yak-Butter wird in der anderen fleissig die Gebetsmühle gedreht und dabei "Om Mani Padme Hum" vor sich hingemurmelt. Die Pilger können sich auch keine Zeit lassen ... bis sie alle Kapellen durch haben dauert es oft bis zu einem ganzen Tag. Wir dürfen zum Glück einige "Heiligtümer" in Drepung auslassen, so nicht
die Pilger.

Und schon wieder geht es den Berg hoch!

Und schon wieder geht es den Berg hoch!

Überall Buddhas ... jeder hat etwas das ihn von den anderen unterscheidet.

Überall Buddhas ... jeder hat etwas das ihn von den anderen unterscheidet.

Die hätte ich am Liebsten eingepackt.

Die hätte ich am Liebsten eingepackt.

Man möge mir verzeihen, wenn ich nach einer Weile von Buddhas und Protectors nichts mehr wissen wollte und mich nur noch nach frischer Luft sehnte. Auf dem Weg zurück zum Jeep wieder vorbei an Scharen von Bettlern, die sich teilweise auf jeder Stufe bis hinauf zum Kloster versammelt haben. Manchmal sind es Kinder die als Gruppe gemeinsam singen und sich gegen einen kleinen Obolus gerne fotografieren lassen.
Bettler, auch etwas an das man sich nur schwer gewöhnen kann. Nicht das Betteln welches im Moment etwas zurück schrecken lässt, sondern die massive Art mit der vorgegangen wird. Teilweise hilft nur die Flucht zurück ins Auto, da den "grabschenden" Händen kaum auszuweichen ist. Viele stehen aber auch nur vor dir und murmeln "guchi guchi" (please, please).

Natürlich gibt es auch in Tibet Händler an allen Ecken und Enden, besonders vor den Eingängen der Klöster bieten sie ihre Waren an. Dort werden Decken ausgelegt und darauf alles Mögliche ausgebreitet. Mit den Worten "Looky Looky ... very cheap" werden die Touristen aufgefordert stehen zu bleiben. Man wird belagert, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt, als wenigstens mal zu schauen.
Keine Ahnung wie geschehen, aber meine Füße waren noch nicht richtig zur Ruhe gekommen, da hatte ich schon die ersten "Kunstgegenstände" in den Händen. Jeder wollte mir natürlich gleich versichern, das gibt es in ganz Tibet nicht mehr und sicherlich war daher auch der genannte Preis so astronomisch hoch. Uns ist fast die Luft weggeblieben und ohne zu zögern wurde dieser von uns (ohne rot zu werden) um ein vielfaches reduziert. Nachdem die Händlerin am Schluss noch ein Armband als Freundschaftsgeschenk um mein Handgelenk gebunden hat und mir ganz viel gute Wünsche mit auf den Weg gab, kann der Verdienst nicht so schlecht gewesen sein. Am Anfang hatte ich wirklich ein schlechtes Gewissen beim Handeln, aber unser Guide bestärkte mich darin. Im Gegenteil wird es sogar erwartet, nicht überall, aber das findet jeder schnell heraus. Nur eine einzige Regel ist zu beachten, immer freundlich bleiben. Die Tibeter sind recht geschäftstüchtige Kaufleute, genau wie die Chinesen und deshalb kann sich ein Einkauf etwas in die Länge ziehen. Nur nicht schwach werden, gegebenenfalls einfach desinteressiert weiter gehen ... erst wenn niemand folgt, dann ist die Geduld des Händlers erschöpft. Ist der verlangte Preis immer noch zu hoch, gibt es den gleichen Artikel sicherlich ein paar Stände weiter. Man darf nicht vergessen, sobald wir Touristen aufkreuzen blinken die Dollarzeichen in den Augen der Tibeter auf.

Die erste größere Besichtigung hatten wir hinter uns gebracht und jetzt war Zeit etwas für den Magen zu tun. Unser Guide fuhr mit uns in ein Chinesisches. Restaurant, welches in der Innenstadt von Lhasa zu finden ist. Nach einem sehr guten Essen konnte es mit den Besichtigungen weitergehen. So gut wie keine Beschwerden mehr zu spüren, genoss ich den anschließenden Bummel über den einheimischen Markt und konnte mich überhaupt nicht an den vielen Dingen satt sehen.

© Monika Rück, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon immer träumte mein Mann davon, irgend wann einmal nach Tibet zu reisen und mit den Jahren wurde es auch mein Traum. Letztes Jahr wurde er dann Wirklichkeit. Wir flogen von Kathmandu aus nach Lhasa und fuhren anschließend mit einem Jeep wieder zurück. Eine unvergessliche Reise die mich teilweise an die Grenzen meiner Kraft brachte.
Details:
Aufbruch: 26.10.2004
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 05.11.2004
Reiseziele: Tibet
Der Autor
 
Monika Rück berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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