Reise ans Ende der Welt: Neuguinea,von Walhaien und Steinzeitmenschen...

Indonesien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli / August 2016  |  von Thalia&Christine R

22.07.2016: Sowa-Nuburi-Nabire

Um 4 Uhr ist die Nacht zu Ende. Dann krähen die Hähne und die kleinen Kinder fangen schon wieder an rumzukrakelen.
Das Licht war heute die ganze Nacht an. Loisa hat mit ihrer Familie draußen unter dem Vordach geschlafen.
Die Familie hat gestern mit ihren Gästen wohl tüchtig gezecht. Loisa macht immer verächtliche Zeichen—sie ist sowieso perfekt in der Gebärdensprache—Mit Hand- und Fuß- und ein paar Brocken Englisch kann sie uns vieles gut rüberbringen.
Ich bin so in froh , wenn ich in Nabire bin.

Aber...es kommt wie es kommen muss: Wir starten um 6.45 Uhr.Diesmal ist der bullige Chef, der etwas an einen Gorilla erinnert, unser Bootsfahrer.
Wir fahren ca eine halbe Stunde in Höchstgeschwindigkeit , dann muckt der Motor. Einmal bekommt er ihn noch in Gang, dann gibt er wieder den Geist auf.
Er zieht unzählige Male an der Strippe, aber der Motor geht immer wieder aus.
Wir können nur so viel erkennen, dass die Zündkerzen total heiß sind und die Drosselklappen dauerhaft geöffnet sind und sich kein Stück bewegen.
Er kippt Meerwasser über die heiße Zündkerze und es zischt. Aber so oft er diese aus und einbaut, es wird nix. Der Motor stottert noch nicht mal mehr.
Zum Glück sehen wir immer noch Land—so wirkt die Situation nicht allzu dramatisch.
Kritisch wird es erst, als irgendwann unsere Blase anfängt zu drücken. Ist zwar etwas peinlich, aber wir müssen ins Wasser. Für Thalia nicht so das ganz große Problem, sie kann sich leicht wieder an Bord ziehen—ich jedoch muß mich wie ein Wal von den anderen reinziehen lassen.
Nach einer Stunde vergeblichen Reparaturversuchen, wedelt der Gorilla mit seinem weißen Shirt—denn in weiter Ferne ist eine Fischerplattform zu sehen.
Vergebliche Liebesmüh...schlimmer noch: trieben wir doch zuerst noch langsam Richtung Land, entfernen wir uns jetzt immer mehr. Endlich wird auch mal der Papa von Sharon aktiv-er steht auf und geht zum Motor. Beide kramen im Rucksack, holen Zigaretten raus und rauchen erstmal eine. Danach wird der komische Kautabak rausgekramt und das weiße Pulver und nun sind alle am Schmatzen. Inklusive Loisa.
Ich rechne in Gedanken unsere Vorräte durch: 2 Liter Wasser und 6 Müsliriegel. Das reicht eine Weile.
Wir holen unser weißes Bettuch aus dem Rucksack und wedeln nun auch—Die Männer fangen an zu rudern.
Da es nur 1 Paddel gibt, wurde eine Planke aus dem Boden genommen und Papa rudert damit. Sie steuern auf eine Miniinsel zu, was wir überhaupt nicht verstehen, denn diese scheint unbewohnt—
Aber egal—das Boot bewegt sich eh keinen Millimeter. Genausogut hätten sie auch mit Strohhalmen paddeln können.
Die Zeit vergeht und keine Rettung in Sicht. Zum Glück ist die kleine Sharon so ein friedliches Kind. Sie schläft und brabbelt, aber ist kein bischen unzufrieden.
Immer wieder die aussichtslosen Versuche des Gorillas den Motor anzuwerfen, die Zündkerzen sind komplett schwarz verkohlt und seine Hand ist schon blutig gescheuert.
Unentwegt wird das komische Zeug gekaut und dann die rote Flüssigkeit ins Meer gespuckt.
Nach 3 langen Stunden hören wir Motorengeräusche. Ein motorisiertes Longboat hat unser Signal gesehen. Es dauert bis es uns erreicht hat. Darauf sitzt ein uralter Mann, 2 jüngere Männer und ein Junge. Der Gorilla schildert ihm den Fall—und was passiert nun? Papa kramt im Rucksack und holt ZIGARETTEN raus!!!!Ja—jetzt wird erstmal geraucht!!
Die vom anderen Boot haben Ersatzkerzen, aber auch hier erfolgen vergebliche Reparaturversuche.
Schließlich werden wir abgeschleppt und im Schneckentempo gehts zu der Miniinsel.

Das Longboat schleppt uns ab

Das Longboat schleppt uns ab

Eine Trauminsel...

Eine Trauminsel...

Beim Näherkommen erkennen wir, dass diese doch bewohnt ist. Mehr noch, es ist ein kleines Paradies. Nur eine Familie lebt hier in einem großen Zelt.
Hier hören wir lauten Vogelgesang, es ist wirklich paradiesisch.Diese Insel heißt übrigens „Nuburi“

Naja, nun haben wir noch etwas Gutes an dem ganzen Unglück und lernen diese schöne Insel kennen

Naja, nun haben wir noch etwas Gutes an dem ganzen Unglück und lernen diese schöne Insel kennen

Loisa holt von einem Fischerboot ein paar Fische ab und ihr Bruder Alfa brutzelt sie auf einem Blech.

So wird hier gelebt. Im Zelt gibt es keine Privatsphäre...

So wird hier gelebt. Im Zelt gibt es keine Privatsphäre...

Der Gorilla telefoniert mit jemanden von seiner Insel, hier gibt es tatsächlich an einer Stelle ein winziges Signal. Aber wohl ein ganz schwaches, denn er brüllt ins Telefon....Keine Ahnung was er nun macht, aber wir essen erstmal und warten ab.
Komisch—eigentlich sollten wir um 8 Uhr schon in Nabire sein und hätten sogar gleich nach Jayapura fliegen können.

Ein Traumstrand....

Ein Traumstrand....

...und sauber!!

...und sauber!!

..mit riesigen Muscheln...

..mit riesigen Muscheln...

Alfa brät die Fische...

Alfa brät die Fische...

Diese Insel ist nur ein Katzensprung von Sowa entfernt--d.h. wir haben keinen Meter geschafft--

Diese Insel ist nur ein Katzensprung von Sowa entfernt--d.h. wir haben keinen Meter geschafft--

Papa holt sich eine Schnur und bindet einen kleinen Fisch ans Ende und geht angeln...
Tatsächlich fängt er nach kurzer Zeit einen Fisch!!

Sharon spielt mit Papas "Fang"

Sharon spielt mit Papas "Fang"

..sie paniert ihn schön mit Sand...

..sie paniert ihn schön mit Sand...

Das ist er, Der hat richtig scharfe Zähne

Das ist er, Der hat richtig scharfe Zähne

Tatsächlich geht es nach ein paar Stunden weiter. Ein Leihmotor ist nun am Boot.

Nabire in Sicht!!!!!!! Loisa dirigiert den Bootsmann an die Stelle wo er anlegen soll

Nabire in Sicht!!!!!!! Loisa dirigiert den Bootsmann an die Stelle wo er anlegen soll

Ihre Mutter wohnt fast am Strand. Sie ernten gerade riesige Jackfruits vom Baum. Von hier ist es auch nicht weit bis zum Airport

Natürlich werden wieder unzählige Fotos gemacht...

Natürlich werden wieder unzählige Fotos gemacht...

Dicke deutsche Mama und dünne Papua-Mama..

Dicke deutsche Mama und dünne Papua-Mama..

Wir holen unseren LP raus und suchen uns ein Hotel raus,welches ganz in der Nähe ist.
Gern würden wir uns nun verabschieden, aber Loisa bedeutet uns zu bleiben weil sie wohl einen Freund bestellt hat der uns mitnimmt.
Wir würden gern die paar Meter laufen, aber ich dachte sie wollten uns unbedingt zum Hotel bringen zum verabschieden.
Irgendwann kommt der Fahrer mit einem Bus und ALfa zeigt dass die Fahrt 40.000 IRP kosten soll--finde ich zwar viel--aber was solls--
Dann fahren wir wieder 2 Häuser an wo sie noch irgendwas zu erledigen hat und bei einem steigt Papa mit Sharon aus--ohne sich zu verabschieden.
Und dann sind wir am Hotel "Nusantara"--hier wollen wir uns auch verabschieden--da meint Loisa der Taxifahrer bekäme 400.000 IRP für die Fahrt--wir lachen und schütteln den Kopf. Das war eine Fahrt von 2 Minuten!

Ich drücke ihr 200.000 IRP in die Hand , dem Fahrer 50.000 IRP und dann fahren sie endlich.

Tja, das war leider enttäuschend...

Jetzt checken wir ein und gehen ins Reisebüro nebenan um einen Flug nach Jayapura für morgen zu buchen.
Fehlanzeige: ausgebucht!
Also für übermorgen und hier einen Tag abhängen....
Wir bringen unsere Wäsche endlich zur laundy--hatte ich erwähnt, dass ich diese von Manokwari wieder dreckig mitnehmen mußte? Der Zettel hat garnix gebracht--man mus "express" sagen dann bekommt man sie gegen einen kleinen Aufpreis innerhalb von 12 Stunden gereinigt--
Das machen wir jetzt aber!
Dann gehts was zum essen holen...

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir nehmen nun die lange Anreise nach Papua auf uns.Für Thalia erfüllt sich der Traum beim Tauchen mit Walhaien zu kuscheln und ich freue mich auf einen Besuch beim Volk der Dani im abgelegenen Baliem Tal in West Papua.
Details:
Aufbruch: 06.07.2016
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 09.08.2016
Reiseziele: Indonesien
Der Autor
 
Thalia&Christine R berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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