Reise ans Ende der Welt: Neuguinea,von Walhaien und Steinzeitmenschen...

Indonesien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli / August 2016  |  von Thalia&Christine R

28.07.2016: Jayapura, Krankenhaus

Heute soll meine Op sein. Nach dem Frühstück, was für mich ausfällt—warum auch immer—ich glaube die denken, OP bedeutet immer Vollnarkose und damit nix essen und trinken…da ich selber unsicher bin, verzichte ich aufs trinken—Appetit habe ich eh keinen—
Es gibt eine Ärztevisite—nein mehrere—es kommen einige Gruppen von Ärzten und Schwestern, die sich jeden Patienten ansehen und besprechen, wie bei uns—nur dass dies hier vor den Augen aller geschieht. Ich bekomme einen Zettel, den ich unterschreiben soll, als Einwilligung für die OP—aber erst wenn auch Thalia unterschrieben hat, wird operiert.
Thalia erscheint, und übernimmt die hier üblichen Tochterpflichten...
Kein Mensch kann sich allein waschen mit den Infusionen. Ich habe gestern die Flasche einmal zu tief gehalten, als ich eine Schwester gesucht habe—die Folgen waren SEHR schmerzhaft!!
Hier habe ich übrigens ein neues englischen Wort gelernt: “Pain” = Schmerz
Das gebrauche ich hier sehr oft—obwohl ich wahrlich keine Memme bin. Aber auch das Einspritzen des Antibiotikums in die Vene verursacht “pain” wenn die das zu schnell machen. Das muss ich immer kundtun, dann sind sie vorsichtiger—
Gegen Mittag werde ich abgeholt, vor mir schon einige andere mit “richtigen” Ops.
Vor dem OP-Saal stehen die Angehörigen die auf die frisch operierten warten. Das sind schon einige—eine Menschentraube -etwa 15 Stück…hier muss dann auch Thalia warten.
Im ersten Raum sammeln sich diejenigen die fertig sind und diejenigen die es noch vor sich haben. Hier werde ich umgebettet, auf eine andere, schmalere Liege—wieder nur mit Plastikmatratze, muss mich ausziehen und bekomme einen grünen Kittel. Aber nur übergelegt, nicht angezogen—Alle Ärzte und Schwestern tragen hier grün, haben einen Mundschutz und einen grünen Haarschutz auf.Die Frauen tragen trotzdem noch ihre Kopfbedeckung darunter, das muss ja sehr unbequem sein…

Natürlich falle ich hier wieder auf und werde 1000x gefragt was ich denn hier in Papua mache und was ich gemacht habe…usw…
Ich bin hier der Fall “Cellulitis” das heißt wohl “Blutvergiftung” auf indonesisch—auch kein attraktiver Name…unzählige Male wird mein Bein besichtigt und ein “aahh” und “ooohhh” ist zu hören…ja—ich verstehe ja…Ein Arzt ist besonders interessiert. Er stellt sich als “Wendy” vor ihn kann ich unterscheiden, weil er eine Brille trägt—ansonsten sind alle gleich aus in den grünen Outfits und Mundschutz--er war auch schon in Deutschland, weil er dort einen Freund hat in Düsseldorf und er kommt Ende des Jahre wieder.
Irgendwann gehts dann in den nächsten Raum. Hier ist es ruhiger—Ich frage nach dem Namen der Ärztin,die mich operiert, sie heißt Dr. Santi-
Dann wieder ein Raum weiter. Hier wird ein Gyn-Stuhl für mich umgebaut, darauf komme ich dann. Ich kann mich kaum von der Plastikmatratze lösen, so klebe ich darauf fest mit meinem nackten Körper.
Aber hier liegt jetzt eine dünne Unterlage. Meine Arme werden im rechten Winkel weit von mir gestreckt, das ist nicht so bequem.
Links bekomme ich einen Pulsmesser und rechts ein Blutdruckmessgerät.
Über mir grelle Scheinwerfer und vor mir links 2 Bildschirme, ich sehe mein Knie und kann die OP beobachten, das möchte ich aber nicht.
Zum Glück werden diese nun ausgeschaltet. Dr. Santi ist da und begrüßt mich. Sie fragt ob es besser geworden ist, was ich bejahen kann. Fieber ist zumindest weg und etwas Schmerz auch. Sie weist mich nochmals darauf hin, dass die Prozedur etwas schmerzhaft ist. Weniger der Schnitt, mehr das Ausspülen.
Was hilft mir das nun noch? Jetzt muss ich durch—ich sage ihr, dass ich evtl ein paar Laute von mir gebe. Sie lacht und findet es ok.
Aber immer wieder stellt auch sie noch persönlich Fragen: “wie wir denn auf Papua kommen, wo wir schon waren, was wir in den Arfak-mountains gesehen haben, wo man in Germany tauchen kann….”
Dann legt sie los. Das beschreibe ich nicht näher. Nur so viel: es tat sehr weh! Und es gab keine lokale Betäubung!
Egal—fertig und ausgestanden. Sie legte sogar noch eine Drainage (ist das korrekt?) die tat besonders weh und fertig—
Sie erklärt mir, dass sie noch eine Bakterienkultur anlegen läßt, und in 2 Tagen das Ergebnis hat.Außerdem darf ich hier noch 3 weitere Tage bleiben.
Nun geht es wieder etappenweise zurück. Wieder neue Gesichter—nein Stimmen—Gesichter kann ich ja nicht erkennen---Fragen und irgendwann wieder Dr. Wendy mit der Brille und dann sehe ich auch Thalia in dem Grün-Menschen-Gewusel---
Sie hilft mir mit einer Schwester wieder beim Anziehen und ich werde zurückgefahren. Aus dem Op-Bereich wird mir nachgewunken…die Schmerzen habe ich schon vergessen…
Jetzt esse und trinke ich erstmal etwas. Der Raum ist nun gefüllt mit einigen frisch operierten…
Die Frau neben mir hatte wohl eine Unterleibs-OP. Ihr Mann betreut sie rührend. Ich sehe wie die Schwester ihm erklärt, wie der Urinbeutel geleert wird. Auch das ist Aufgabe der Angehörigen. Ich finde es ganz schön hart, aber die Ehemänner sind hier tatsächlich in dieser Hinsicht anders.

Blick zur linken Seite....Bettwäsche, Kissen usw muß man sich natürlich auch hier selber mitbringen...

Blick zur linken Seite....Bettwäsche, Kissen usw muß man sich natürlich auch hier selber mitbringen...

Kurzer Einblick auf mein engstes Umfeld, die Mutti gegenüber schläft immer abwechselnd bei dem Sohn im Bett oder auf dem Boden, nie mehr als 2 Stunden am Stück...

Kurzer Einblick auf mein engstes Umfeld, die Mutti gegenüber schläft immer abwechselnd bei dem Sohn im Bett oder auf dem Boden, nie mehr als 2 Stunden am Stück...

Die andere Seite...viele Leute haben sich Ventilatoren mitgebracht, denn es ist drückend heiß

Die andere Seite...viele Leute haben sich Ventilatoren mitgebracht, denn es ist drückend heiß

Ich habe es mal wieder ausführlich geschrieben, weil ich weiß, dass einige meiner Freundinnen mit medizinischen Berufen das interessiert. Vielen Lieben Dank an dieser Stelle, ihr Lieben, die ihr mich so gut per WhatsApp unterstützt habt, als es mir so schlecht ging. Eure Worte waren so gut und wertvoll für mich.
Jetzt ist es hier 1 Uhr nachts, aber ich habe vorhin geschlafen und bin nun munter. Das Licht brennt hier sowieso die ganze Nacht.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir nehmen nun die lange Anreise nach Papua auf uns.Für Thalia erfüllt sich der Traum beim Tauchen mit Walhaien zu kuscheln und ich freue mich auf einen Besuch beim Volk der Dani im abgelegenen Baliem Tal in West Papua.
Details:
Aufbruch: 06.07.2016
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 09.08.2016
Reiseziele: Indonesien
Der Autor
 
Thalia&Christine R berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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