Mekong

Reisezeit: Juni - September 2017  |  von Beatrice Feldbauer

Kutsche

Man kann nicht vorschlafen, damit man später weniger müde wird, man kann sich auch nicht im Voraus abkühlen, wenn man weiss, dass man später wieder völlig verschwitzt sein wird. Beides möchte ich heute aber am liebsten tun.

Darum bleibe ich nach dem Frühstück im Zimmer, schreibe die angefangenen Berichte vom Mount Popa fertig und dusche erst kurz vor Checkout, am Mittag.
Und dann setze ich mich in die grosse offene Lobby und starte das Internet. Will meine beiden Berichte heute unbedingt noch online stellen, denn wer weiss, wann ich wieder ein funktionierendes Internet habe.

Im Zimmer war es gestern und heute nicht möglich, das Internet auch nur zu starten, geschweige denn etwas Umfassenderes aufzuladen und abzuspeichern. In der Lobby funktioniert es zum Glück.

Draussen geht gerade wieder einmal ein tropischer Regen nieder, ich verpasse also gar nichts.

Für den späteren Nachmittag habe ich eine Pferdekutsche organisiert. Einmal möchte ich mit diesem traditionellen Gefährt unterwegs sein. Es ist tatsächlich ein ganz anderes Erlebnis, mit dem Einspänner in dieser archaischen Gegend unterwegs zu sein.

Ich will zum Nanphaya-Tempel. Dort wo ich vor ein paar Tagen Phyo Phyo kennen gelernt habe. Ich hatte ihr versprochen, dass ich noch einmal vorbei komme, aber wegen dem Tempel-Festival war ihr Laden in den letzten beiden Tagen geschlossen.

Sie freut sich ungemein, hat auf mich gewartet.

Und sie erklärt mir noch einmal die genauen Details der Lackarbeiten. Ich habe bei den Erklärungen in der grossen Werkstatt ein paar Daten durcheinander gebracht.

Der schwarze Lack wird von den Bäumen gewonnen, aber er ist so flüssig, dass er mit Schlamm aus dem Fluss gemischt werden muss, um ihn verwenden zu können und damit er die kleinen Unbenheiten der Bambusgefässe ausgleichen kann. Die einzelnen Schichten müssen im Keller getrocknet werden. Sie brauchen die Feuchtigkeit der Erde, aber keine Sonne.

Fünf Tage dauert der Trocknungsprozess und die Gegenstände werden bis zu 12 mal lackiert, das heisst 24 Arbeitsgänge, wenn die Gegenstände innen und aussen lackiert sind. Dann sind sie schwarz, glänzend.

Zum Eingravieren werden sie allerdings wieder mit einem Pulver beschichtet, denn der intensive schwarze Glanz würde den Augen beim Gravieren schaden.

Die Arbeit des Gravierens wird zwischen Frauen und Männern aufgeteilt. Die Männer sind für die Zeichnungen zuständig, die grossen Konturen, während die Frauen sich um die kleinen Details kümmern.

Für die Farben werden Mineralien genommen. Ganz fein gemahlenes Steinmehl. Jede Farbe hat einen eigenen Arbeitsprozess.

Sie zeigt mir die Qualitätsunterschiede bei weniger als 12 Lackierungen und mit nur einer Farbe. Alles was nicht in den drei Grundfarben rot, grün oder gelb ist, wurde mit Chemie angereichert und nicht in einem Traditionsbetrieb hergestellt, denn diese weichen nicht von den Originalfarben ab.

Auch die Freundinnen vom Stand nebenan wollte auf die Foto

Auch die Freundinnen vom Stand nebenan wollte auf die Foto

Gern hätte sie mir ihre Werkstatt gezeigt, doch wegen des Festivals wird in diesen Tagen nicht gearbeitet. Sie erzählt, dass sie für die Familie zuständig sei, die einzige, die den Verkauf unter sich hat. Ihre Schwester, die sonst auch oft hier ist, betreut die Mutter, die im Moment fast nicht mehr laufen kann, weil sie die Hüfte gebrochen hat. Ihr Bruder ist verheiratet und kümmert sich um seine eigene Familie. Von ihrem Vater erzählt sie nichts.

In den Sommermonaten, wenn mehr Touristen hier sind, lässt sie sich auch gern als Guide engagieren, denn sie mag den Kontakt mit Fremden.

Ich bitte sie, mir den Preis für die kleinen Schälchen zu sagen. Ich will nicht um den Preis feilschen, ich bin als Freundin gekommen und nicht als Touristin.

Und tatsächlich, es funktioniert, wir sind uns einig und ich kaufe ihr ein paar ab. Wir werden auch in Zukunft per Facebook in Kontakt bleiben.

Sie ist übrigens bisher die einzige, die Internet hat, alle bisherigen Guias, auch die jungen Männer in Yangon können sich das nicht leisten, haben höchstens ein einfaches Handy.

Internet ist in diesem Land noch nicht sehr verbreitet. Auch dass man in jedem Lokal WiFi hat, ist seit Yangon nicht mehr selbstverständlich. Nur noch Hotels können das anbieten, haben aber sehr schlechte Verbindungen.

Ich habe versprochen, sie in meinem Blog extra zu erwähnen. Und sie würde sich natürlich riesig freuen, wenn irgendwann jemand daher käme, und auf diesen Bericht Bezug nehmen würde. Ihr Laden ist bei der Pagode links, gleich nach dem Treppenaufgang. Man kann nach ihr fragen, sie nennt sich Phyo Phyo und spricht tatsächlich sehr gut Englisch.

Diese Treppe führt hinauf zum Tempel. Oben links im zweiten Laden findet man Phyo Phyo

Diese Treppe führt hinauf zum Tempel. Oben links im zweiten Laden findet man Phyo Phyo

Phyo Phyo, im Facebook findet man sie unter dem Namen: Suyiphyo Suyiphyo

Phyo Phyo, im Facebook findet man sie unter dem Namen: Suyiphyo Suyiphyo

Es geht schon gegen Sonnenuntergang, als ich mit der Pferdekutsche zurück zum Hotel fahre. Auf der Sunset-Pagode versammeln sich wieder die Touristen, obwohl heute tatsächlich überhaupt keine Sonne mehr sichtbar ist. Trotzdem ist die ganze Landschaft in eine eigenartige Farbe getaucht.

Als ob ein Maler den Pinsel in den Farbtopf getaucht und allem eine rotbraune Färbung gegeben hätte. Gemütlich geht es über die weichen Wege, wir sind fast eine ganze Stunde unterwegs.

Ein wunderschöner letzter Abend.

Im Hotel komme ich eben rechtzeitig zur Happy Hour und bestelle einen Rum sour. Und bekomme gleich zwei serviert. Darum hat mich also der Kellner so fragend angesehen, als ich extra den Happy Hour-Drink bestellt hatte. Dazu geniesse ich die Seafood-Suppe und dann ist es schon bald Zeit, zum Abschied nehmen. Nur noch rasch in den Pool zum Abkühlen dann holt mich der Shuttle um halb acht Uhr ab. Es geht mit dem Nachtbus weiter. Ob ich schlafen kann?

Bevor ich das Hotel und damit den Internetzugang verlasse, kommt noch eine Meldung von Phyo Phyo: thank you so much for your help.

Es gäbe in Bagan übrigens noch eine weitere Möglichkeit, die Pagoden zu besichtigen. Und zwar werden in den Trockenzeiten Ballonfahrten zum Sonnenaufgang organisiert. Eine halbe Stunde dauert eine solche Fahrt und bestimmt ist das ein ganz besonderes Erlebnis. Unten die Landschaft mit den unzähligen Pagoden, oben die farbigen Ballone.

Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass ich eine solche Fahrt machen könnte, aber im Moment steigen sie nicht in den Himmel. Zuviel Wind und zuwenig Touristen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es ist Zeit für etwas Neues. Für eine neue, mir völlig unbekannte Weltgegend. Spontan, ohne Planung, nur mit einer Idee: den Mekong sehen. Abflug am 16. Juni nach Bangkok. Ab dann wird es spannend. Freue mich, wenn auch diesmal wieder Freunde, Kunden und Bekannte virtuell mitreisen. Man kann den Reisebericht übrigens auch abonnieren, dann erhält man immer ein Mail, wenn ich etwas neues geschrieben habe.
Details:
Aufbruch: 16.06.2017
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 21.09.2017
Reiseziele: Thailand
Laos
Vietnam
Kambodscha
Myanmar
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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