Seidenstrassenprojekt

Usbekistan-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2015  |  von Herbert S.

Xiva, Khiva oder auch Chiwa: Kunja Ark - die Festung

Heute ist der offizielle Besichtigungstag. Um 9.00 Uhr startet Herr M. seine Besichtigungstour, kauft am Westtor das Gruppenticket und wir müssen einzeln 8000 Sim für eine Fotoerlaubnis löhnen; das Ticket will jedoch niemand mehr sehen/ kontrollieren. Zuerst geht es zur Festung, wo wieder einmal viel zu hohe Stufen zu bewältigen sind.

Laut historischen Beweisen begann Arang Khan im Jahre 1686 den Bau der Festung am Westtor der Ichan Kala-Altstadt. Der Ark besteht aus einem Komplex mit mehreren Höfen und beinhaltete ein Haus für den Khan und seine Familienmitglieder sowie die Diener.

Von der Vielzahl der Gebäude sind heute noch einige aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten. Die erhaltenen Gebäude sind die Empfanghalle (kurinishkhana), eine Moschee, die Münze und ein Harem. Davor existierten noch ein Waffenarsenal, eine Pulvermühle, Lagerhäuser, eine Küche, Wachquartiere, ein Stall und ein Paradeplatz. Die Zitadelle war nur durch befestigte Tore zugänglich und eine hohe Mauer trennte sie vom Rest der Innenstadt. Auch gab es einen Vorhof, in dem Besucher des Khans zu warten hatten. Im zweiten Hof gab es Kanonen. Im dritten Hof verweilten die Statthalter des Khans und nur von dort war die Tür zur Audienzhalle zu sehen. Diese drei Vorhöfe, durch die Besucher des Khans gehen mussten, existieren nicht mehr. Vor der iranischen Invasion befanden sich dort die Privatgemächer des Kahns, eine Schatzkammer und die Protokollkammer. Ein schmaler Gang führte zum Harem und ein zweigeschossiger Ayvan, der praktisch in die Festungsmauern eingelassen war, bot einen guten Blick auf die Stadt. Aus diesem Grunde war der Akshikh-bobo-Ayvan auch gleichzeitig ein hervorragender Wachturm. Es wird erzählt, dass die Herrscher Chiwas hier in warmen Nächten gerne ruhten.

Die Gebäude der Festung waren eng aneinander gebaut, doch ihr Charme kann immer noch in den Höfen mit den prächtigen Ayvans gespürt werden. Der hohe, zweisäulige Ayvan der Empfangshalle ist komplett mit Majolika dekoriert. Durch den verheerenden Einfall der iranischen Truppen im 18. Jahrhundert wurden viele Gebäude der Zitadelle zerstört und auch die Empfangshalle wurde beschädigt. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde diese durch Iltuzar Khan restauriert.

Ayvan der Empfangshalle - komplett mit Majolika dekoriert.

Ayvan der Empfangshalle - komplett mit Majolika dekoriert.

Die Decke des Ayvans ist mit goldenen Mustern auf blauem Untergrund geschmückt.

Die Decke des Ayvans ist mit goldenen Mustern auf blauem Untergrund geschmückt.

Töpfer und Holzschnitzer haben die Kultur und die Kunst geprägt

Töpfer und Holzschnitzer haben die Kultur und die Kunst geprägt

Im Norden der Moschee gibt es einen Harem, der unter Mukhammad Rahim Khan II. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Säulen der dortigen Ayvans sind mit traditionellen, geschnitzten Ornamenten überzogen. Statt einer kompletten Majolikafassade sind einzelne farbige Keramikeinsätze zu sehen. Die Wände sind mit einfachem Gips überzogen und bunt bemalt. Allgemein haben die Baumeister von Chiwa im Dekor der Ayvane ihre Vorstellungen von Schönheit verewigt.

Man kann den Gebäuden des Arks sozusagen aufs Dach steigen und ähnlich tolle Ausblicke auf Chiwa genießen wie vom Islom-Xo´ja-Minarett.

Kalta Minor - Islom-Xo´ja-Minarett - Ak-Moschee (von rechts)

Kalta Minor - Islom-Xo´ja-Minarett - Ak-Moschee (von rechts)

mäandrierende Stadtmauer (nach Norden)

mäandrierende Stadtmauer (nach Norden)

nach Süden

nach Süden

© Herbert S., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Als der venezianische Kaufmann Marco Polo 1271 nach China aufbrach, lagen mehr als drei mühselige Reisejahre vor ihm, bis er den Hof des Kublai Khan in der Nähe von Peking erreichte. Die uralte, abenteuerliche Verbindung zwischen Orient und Okzident haben wir uns aufgeteilt - hier der zweite Teil.
Details:
Aufbruch: 10.09.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.09.2015
Reiseziele: Usbekistan
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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