Seidenstrassenprojekt

Usbekistan-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2015  |  von Herbert S.

Nukus in Karakalpakstan

Aufstehen 4.30 Uhr, Abfahrt 6.00 Uhr und Flug nach Nukus. 7.40-9.55 Uhr Wir fliegen mit einer Iljuschin IL 114-100 - einer Propellermaschine russischer Bauart. Bis auf die Tatsache dass im Prinzip keine Sitzreihen nummeriert sind (sie sind sinnigerweise hinter den Rückenlehnen angebracht - und sorgen für Verwirrung) bringt uns die Maschine ruhig nach Nukus.

Flughäfen darf man ja nicht fotografieren - aber das Businnere

Flughäfen darf man ja nicht fotografieren - aber das Businnere

Dort erwartet uns GottseiDank ein größerer Bus, so dass jeder Ausdehnungsmöglichkeiten hat. Gegen 11.00 Uhr können wir die Zimmer im Jipek Joli (bedeutet soviel wie Seidenstraße) beziehen und fahren kurz darauf die kurze Strecke zum Museum der Savitsky-Kollektion. Überhaupt scheint M...uns keine 100 m – Strecke zuzumuten, wenn im Programm nicht Spaziergang steht. Oder hat man uns etwa besser im ...

Karakalpakistan ist eine autonome Republik im Westen Usbekistans am Aralsee. Sie hat etwa 1,5 Mill. Einwohner und eine Fläche von ca. 165000 km². Die Hauptstadt ist Nukus.
Ein weiterer Zeitungsartikel mit der Überschrift 'Nur Hardcore-Traveler kennen Karalpakstan' spricht von einem 'dunklen Fleck auf der Landkarte und der Geschichtsschreibung' und schildert anschaulich die Probleme des Teilstaates: "Die Reise in dieses frühe zivilisatorische Kernland wartet heute mit einigen unerwarteten Highlights auf. Dazu zählt das Moderne Museum von Nukus, nahe dem Aralsee im heutigen Usbekistan. Es gilt als zweitbeste russische Sammlung moderner Kunst außerhalb der Eremitage von St. Petersburg, was ob der abgeschiedenen Lage völlig absurd ist.
Direkt neben Nukus befindet sich der schaurig-imposante Friedhof von Mizdakhan, eine riesige Totenstadt, direkt an der Grenze zu Turkmenistan. Dieser weltweit atmosphärisch einmalige Ort scheint, wie die ganze Gegend, ein Geheimnis zu hüten, denn er wird in keinem Reiseführer oder im Internet auch nur ansatzweise erwähnt."

Letzteres stimmt inzwischen nicht mehr! An manchen Strellen wird sogar noch ein Ausflug von Nukus an den Aralsee propagiert, aber den sollte man nach der Lektüre von National Geographic Artikel 'Es war einmal ein See' tunlichst unterlassen.

Savitsky's Museum in Nukus

Savitsky's Museum in Nukus

Fotografieren verboten !! Schade, aber einiges kann man trotzdem dem Internet entnehmen. Die verpflichtend zu engagierende Museumsführerin stellt zunächst anhand eines Reliefmodells die autonome Provinz namens Karakalpakstan mit eigener Sprache vor und erläutert die Probleme des Aralsees, dem man wegen der Bewässerung der Baumwollfelder zu Sowjetzeiten die Wasserzufuhr durch den Amu Darja genommen hat. M.. scheint etwas konsterniert zu sein, dass wir alle uns auf die englischen Ausführungen der Führerin konzentrieren und er quasi arbeitslos wird.

Wie so oft ist die Sammlung der Leidenschaft eines einzelnen Menschen zu danken. Igor Sawitzki, ein Moskauer Künstler, kam im Jahre 1950 im Rahmen einer archäologisch-ethnographischen Expedition der Akademie der Wissenschaften der UdSSR nach Karakalpakstan. Zwar widmete er sich sorgfältig seiner eigentlichen Aufgabe, nämlich der Registrierung und Beschreibung der Funde des antiken Choresm - und vieles, das damals freigelegt wurde, bildet die Grundlage der heutigen archäologischen Sammlung, ging aber zugleich ethnographischen Forschungen nach. Sawitzki sammelte Exponate der dekorativen und angewandten Kunst des halbnomadischen Volkes der Karakalpaken für Museen und Wissenschaftseinrichtungen in Moskau und Leningrad. Ab 1957 sammelte er intensiv: Schmuck, Teppiche, herrlich bestickte Kleidung, Jurtenausstattungen, Pferdezaumzeuge und Sättel. All dies schien schon archaisch, hatte doch die Sowjetzeit die Mechanisierung und Technologisierung von Arbeit und Leben mit sich gebracht. Wie so oft erwies sich, daß die Träger dieses Reichtums den sammelnden Enthusiasten nicht verstanden, was Sawitzki aber nicht hinderte, weiter zusammenzutragen und für die Nachwelt zu bewahren. Und so bleibt die wunderbare karakal-pakstanische Sammlung des 18. bis 19. Jahrhunderts, die ein tiefes Verständnis dieses Volkes ermöglicht, die Verbindungen aufzeigt mit den benachbarten Turkmenen und Kasachen, weniger mit
den seßhaften Usbeken. Da gilt es vieles zu entdecken. Besonders auffällig ist dies bei den Juweliererzeugnissen genannter Völker, die erstaunliche Gemeinsamkeiten aufweisen: archaische Formen, strenge Symmetrie, Klarheit der Konturen, expressive Kraft und die Vorliebe für Silber.

aus: Wollenweber-Franke, Usbekistan

Die Sammlung des Museums besteht aus drei Teilen, der archäologischen,
der ethnographischen Abteilung
und der Galerie, die aus Werken von Savitsky und den verschiedensten Malern seiner Zeit besteht, die der Sowjetunion nicht recht passten.
Eine ganze Reihe Bilder auas dieser Galerie sind auf einer anderen Internetseite zu finden.
Außerdem bewundern wir die verschiedensten Skulpturen – teils aus Baumstücken, teils aus Keramik.
Die interessanteste Abteilung ist für uns die ethnographische, da man Schmuck, der dem aus dem Oman ähnelt, sowie Alltags- und Festtagskleidung bewundern kann. Auch bei den Bildern kommen zahlreiche Assoziationen zu Impressionisten und den Modernen. Leider darf man wieder mal nicht fotografieren, so dass man sich auf Abbildungen von der Internetseite des Museums beschränken muß. Die Vielfalt ist so überwältigend, dass wir nach knapp 2 Stunden im Prinzip nicht mehr aufnahmefähig sind. Aus der Frankfurter Allgemeinen stammt ein Artikel über Nukus aus dem Jahre 2002, der neben vielen europäischen Kunstzeitschriften in einer Vitrine ausliegt. leider kann ich ihn im Archiv der FAZ nicht mehr finden.


Während der Mittagspause interessiert mich der Artikel über den Aralsee nun doch sehr : "Der Aralsee liegt an der Grenze von Kasachstan zu Usbekistan. Er wurde über Jahrtausende hinweg von zwei großen Flüssen gespeist, dem Amu Darja und dem Syr Darja. Der See hatte nie einen Abfluss; das Wasser floss hinein und es verdunstete, auf diese Art blieb der Wasserstand im natürlichen Gleichgewicht.

Schon als Alexander der Große das Gebiet 334 v. Chr. eroberte, hatten die beiden Flüsse eine lange Geschichte als Lebensadern Zentralasiens. Später waren der Aralsee und sein ausgedehntes Flussdelta ein wichtiger Streckenpunkt an der Seidenstraße, die von China nach Europa führte. Tadschiken, Usbeken, Kasachen und andere Volksgruppen siedelten dort seit antiken Zeiten, und bis in die jüngste Vergangenheit lebten sie auch nicht schlecht als Bauern, Fischer, Hirten, Händler und Handwerker. Das änderte sich, als aus dem vormali¬gen Turkestan im Jahr 1925 die Usbekische Sowjetrepublik wurde. Damals beschloss Josef Stalin, die mittelasiatischen Sowjetrepubliken in riesige Baumwollplantagen zu verwandeln. Die Region war jedoch zu trocken für den Anbau einer solch durstigen Pflanze. Die Sowjets machten sich deshalb an eines der ehrgeizigsten Ingenieurprojekte der Weltgeschichte: Auf Tausenden von Kilometern hoben Millionen Hände Bewässerungskanäle aus, um das Wasser der Flüsse Amu Darja und Syr Darja in die umgebende Wüste umzuleiten.
1987 war der Wasserspiegel des Aralsees so weit gesunken, dass er sich in zwei Gewässer teilte: einen nördlichen See in Kasachstan und einen viel größeren südlichen im usbekischen Karakalpakistan. Der südliche See verlandete 2002 so stark, dass aus ihm noch mal zwei wurden, ein östlicher und ein westlicher See. Im Juli 2014 war der östliche See völlig ausgetrocknet." aus National Geographic (Verweis siehe oben)

Um 15.00 Uhr geht es dann ca. 30 km nach Südwesten zur Gräberstadt Mizdach Chan aus dem 9. Bis 11. Jahrhundert über ländliches Gebiet mit kleinen Dörfern.

Neben den Dörfern tauchen schon erste Hügel mit eigenartigen Gebäuden auf.
Erst vor einem Monat schrieb jemand in einem Blog: "Was ist denn das auf dem Hügel dort? – Eine Stadt? Oder eine Fatamorgana? Goldene Kuppeln, Halbmonde, unzählige Türmchen – eine Kulisse wie aus 1001 Nacht. Bald ist uns klar, dass es sich um besondere Friedhöfe handelt, die sich in der Nähe jeder Siedlung befinden – meist auf einem Hügel gelegen. Wir erkunden solch eine Gräberstadt namens Mizdach Chan – eine Anlage aus dem 9. Jahrhundert. (Mizdakhan cemetery skyline, with its melange of Kazakh, Turkmen and Uzbek graves and mausoleums.) Gegenüber ist die Gjaur Kala zu sehen. Die mittelalterlichen Gräber weisen Symbole aus dem Buddhismus, Islam, Zoroastrismus und dem christlichen Nestorianismus auf. Auf vielen Gräbern liegen siebenstufige Leitern, eine schamanische, mongolische Tradition, die den Eingang von der einen in die andere Welt symbolisiert. Auch kann man hier aufgeschichtete Steine sehen (meist 7), die uns an die Tradition der Mani-Wunsch-Steine aus dem Buddhismus erinnern. Wir können uns kaum dazu entschließen, diese prachtvolle Totenstadt wieder zu verlassen, so fasziniert sind wir von der Entdeckung immer wieder neuer Symbole und Grabinschriften." aus dem Blog Prachtvolle Totenstädte
Es ist also nicht so, dass niemand die Gegend kennt oder bereist - es ist auch kein Geheimnis mehr.

Mizdach Chan

Mizdach Chan

Nächstes Ziel ist die Festung Gjaur Kala aus dem 4. Jahrhundert vor Christus.
Viel weiß man über sie nicht.

Gjaur Kala

Gjaur Kala

Kaum sind wir wieder an der Stadtgrenze von Nukus angekommen, finden wieder die obligatorischen Kontrollen am Straßenrand statt. Wir werden aber davon verschont.

an den Ausfallstraßen finden regelmäßige Kontrollen statt - unser Bus bleibt normalerweise davon verschont

an den Ausfallstraßen finden regelmäßige Kontrollen statt - unser Bus bleibt normalerweise davon verschont

Um 19.00 Uhr geht es zu dem Restaurant von Jipek Joli 1, - diesmal 200 m mit dem Bus (!) - wo auch die im Führer angegebene Jurte im Hof steht.

die Modelljurte im Hof des Jipek Joli sollte uns noch viel zu denken geben, denn davon hätten wir später nur träumen können.

die Modelljurte im Hof des Jipek Joli sollte uns noch viel zu denken geben, denn davon hätten wir später nur träumen können.

heute gibt Beschbarmak, es stellt sich als eine Art Tafelspitz heraus mit Gemüse und einer Art in Brühe gekochter Lasagneblätter. Alles ist recht lecker und auch mengenmäßig völlig ausreichend.

heute gibt Beschbarmak, es stellt sich als eine Art Tafelspitz heraus mit Gemüse und einer Art in Brühe gekochter Lasagneblätter. Alles ist recht lecker und auch mengenmäßig völlig ausreichend.

Für den Rückweg von ca. 200 m bemühen wir den (schon) schlafenden Busfahrer wieder. M.. wollte morgen gegen 10.00 Uhr starten, auf allgemeinen Wunsch wird der Starttermin jedoch auf 9.00 Uhr vorverlegt.

© Herbert S., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Als der venezianische Kaufmann Marco Polo 1271 nach China aufbrach, lagen mehr als drei mühselige Reisejahre vor ihm, bis er den Hof des Kublai Khan in der Nähe von Peking erreichte. Die uralte, abenteuerliche Verbindung zwischen Orient und Okzident haben wir uns aufgeteilt - hier der zweite Teil.
Details:
Aufbruch: 10.09.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.09.2015
Reiseziele: Usbekistan
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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