Seidenstrassenprojekt

Usbekistan-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2015  |  von Herbert S.

Andijan

Über Andijan habe ich schon vor der Buchung des Ausflugs ins Ferganatal in einem weiteren Welt-Artikel gelesen. Aber die dort geschilderte Gefahr liegt lange zurück, führt aber möglicherweise immer noch zu den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes.
"Nur hinter vorgehaltener Hand erzählen die Menschen, dass Korruption, staatliche Bevormundung und ein Klima der Einschüchterung das Leben behindern. Wer in dieser Gegend im staatlich kontrollierten Tourismusgeschäft seinen Unterhalt verdienen will, gibt sich in aller Regel glühend staatstreu.
Seit mehr als 20 Jahren führt der inzwischen 74-jährige Islam Karimowdas muslimische Land mit harter Hand. Traurige Berühmtheit erlangte das Ferganatal durch das Massaker von Andischan. 2005 schlug das Militär einen Aufstand von Islamisten gegen die Staatsführung nieder. Mehrere hundert Menschen wurden dabei getötet."

Um 9.00 Uhr holt uns Feruza wieder ab und nach ihrem Vorschlag, den sie gestern mit den Worten 'es steht mir zwar nicht an, das Programm abzuändern' gemacht hat, nachdem sie wohl gemerkt hat, dass wir inzwischen hinreichend Medresen und Mausoleen besichtigt haben, fahren wir nicht nach Namangan sondern nach Andighan. Im Vorort Quva gibt es Ausgrabungen, die seit 5 Jahren nicht fortgeführt werden, es ist zwar eine Dachkonstruktion erstellt worden, aber die Abdeckung fehlt, und man kann schon erkennen, dass die Erosion schon Teile der Lehmmauern beschädigt hat. Stattdessen steht dort eine überdimensionale Statue von Achmat al Fargoni - einem Schriftsteller.

Danach geht es weiter nach Andijan - einer recht großen Industriestadt, in der die Autos der Marke Daewoo produziert wurden. Nach dem Aufkauf der Daewoo-Autosparte durch General Motors im Jahre 2007 fahren nun statt Daewoos- GM-Modelle im Land umher. Auch wir sind mit einem der 5 Modelle (Spark, Nexia, Cobalt, Lacetti, Malibu) unterwegs.

schmale Strassen werden aufgelöst und durch breite ersetzt, der Eigenheimbau ist standardisiert und sieht in vielen Städten gleich aus

schmale Strassen werden aufgelöst und durch breite ersetzt, der Eigenheimbau ist standardisiert und sieht in vielen Städten gleich aus

die Schafherden müssen allerdings auch jetzt noch über die neuen breiten Strassen

die Schafherden müssen allerdings auch jetzt noch über die neuen breiten Strassen

Der Reiseführer sagt zwar, dass Touristen bislang eher selten dorthin fahren, aber er empfiehlt den Besuch vor allem, wenn man eine traditionell usbekische Gesellschaft erleben möchte.
Daher hat Feruza uns wohl auch den Bobur-Park, den sie mit uns besucht. An den Park angeschlossen ist das Bobur-Museum, in dem die Lebensgeschichte Baburs (auch Bobur) dargestellt wird.

Nach dem Besuch von Park und Museum frage ich Feruza nach der kleinen Festung (Kerbeck), die ich im Reiseführer gefunden habe. Aber sie kennt sie nicht; trotzdem setzt sie alles daran uns dorthin zu fahren. Der Fahrer erkundigt sich mehrfach und bald stehen wir vor der Pforte.

Babur-Literatur-Museum in der ehem. Festung

Babur-Literatur-Museum in der ehem. Festung

Er trommelt jemanden heran, der an die Pforte klopft. Es kommt ein Mann – am Kopf verletzt – öffnet die Pforte und läßt uns hinein, obwohl die Festung mit kleinem Literaturmuseum heute geschlossen ist. Das Vorhängeschloss für das Verlies jedoch öffnet er für uns. Zu zwei gruselige Kammern können wir hinabsteigen.

Verlies

Verlies

Ansonsten bringt die Festung nicht viel. Ich bin ein wenig enttäuscht, dass damit das Programm für heute erledigt ist. Das mag daran liegen, dass wir nicht mit der Seilbahn im Park gefahren sind, weil Ulrike sie nicht mag und sie auch einen etwas alten 'gebrechlichen' Eindruck machte. Man hätte auf der Rückfahrt nach Fergana gut und gern den Umweg über Namangan machen können.
Wir verlassen die Stadt mit ein paar Eindrücken von modernen Hotels und Geschäftsstrassen und dem Nachweis, dass es hier auch genügend Industrie gibt.

© Herbert S., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Als der venezianische Kaufmann Marco Polo 1271 nach China aufbrach, lagen mehr als drei mühselige Reisejahre vor ihm, bis er den Hof des Kublai Khan in der Nähe von Peking erreichte. Die uralte, abenteuerliche Verbindung zwischen Orient und Okzident haben wir uns aufgeteilt - hier der zweite Teil.
Details:
Aufbruch: 10.09.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.09.2015
Reiseziele: Usbekistan
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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