Der Wahn geht los

Reisezeit: September 2010 - April 2011  |  von kathrin schmeling

mackay

Ich sehe gerade, dass mein Bericht schon online gestellt wurde und bin ganz entzueckt von der Technik, die mal funktioniert.
Nachdem ich heute morgen behauptet habe, dass wir jetzt weiter fahren wuerden, wurde ich gewaltig auf die Tatsachen des Lebens hingewiesen.
Wir luden froehlich unsere Rucksaecke ins Auto ein, denn gestern konnten wir es nicht mehr ertragen und mieteten uns in ein Loch ein. Es stank bestiaslisch in unserem nur 60 Dollar teuerem Raum, von dem die Tapeten abglitten, wie frisch rangepappt und schlecht gekleistert.
Doch wir waren begeistert, denn es war groesser, als unser Auto!
Wie gesagt, wir waren heute morgen euphorisch, dieses regnerische Kaff verlassen zu koennen, doch als ich versuchte den Motor anzulassen, stellt ich mit Schuldgefuehlen fest, dass ich das Licht angelassen hatte und die Batterie wieder leer war.
Ich haette heulen koennen, so frustriert war ich. Wie bloede kann ich sein?
Mike, ein Bauarbeiter, der gerade irgendwelche Palmen abriss, damit demnaechst die neue Bruecke gebaut werden kann, half uns.
Wir erzaehlten ihm von unserer Panne und er baute flink unsere Batterie aus, damit er sie heute ueber Nacht bei sich zu Hause aufladen kann. Verrueckt, nech?!
Wir sind also mit Mike morgen um 6.30 verabredet, damit er sie uns wieder einbaut, bevor er arbeiten geht.
No worries, made!
Wer von euch hat schon mal so viel Hilfsbereitschaft erlebt?
Ich kenne Menschen, die mich zur Autowerkstatt gefahren haben, aber keinen, der mal eben meine Batterie ueber Nacht auflaed, wenn er nicht zufaellig ein engster Freund von mir ist.
Australier sind unglaublich!

Wir haetten natuerlich auch die Juciwerksatt anrufen koennen, doch mal abgesehen, dass das wieder 125 Dollar kosten wuerde, war es uns auch einfach zu peinlich, denn das waere in 8 Tagen der zweite Anruf fuer den selben Scheiss gewesen.

Wir waren also den ganzen Tag gefangen in Mackay und es goss den ganzen Tag ueber. Dem Wetterbericht zu Folge, wird es vielleicht MIttwoch (heute ist Montag) etwas besser, doch man weiss nicht so genau.
Ich trage Hose und Regenjacke und die verflixten Flipflops, wie alle hier.
Eine Australierin sagt zu mir: "Das Wetter ist doch gar nicht so schlimm, solange wir Flipflops tragen koennen". Was soll ich dazu sagen?
Ich traeumte vom blauen Himmel und Hitze.

Auch in Cairns ist nur schlechtes Wetter zu erwarten.
Klimawandel, sagen viele.
Wir haben beschlossen der Langeweile was entgegenzusetzen und haben begonnen eine Musikalidee auszuschreiben, die wir aufnehmen wollen. Uns begegnen so viele Merkwuerdigkeiten, dass es sich vielleicht lohnt, etwas kreatives daraus zu machen. Was sollen wir auch sonst tun? In den Pubs, Cafes und Restaurants ist es eiskalt, weil sie Aircondition anhaben und draussen giesst es. Es ist ungemuetlich.

Dummerweise entpuppten sich unsere Sandfloehe als echtes Problem. Sie vermehren sich stuendlich und wir kratzen uns wie die Affen.
Dorien hat mir ein Flohalsband angedreht, mit der Behauptung, dass sie scharenweise Menschen gesehen haette, die so was tragen. Ich bin die einzige, die damit rumrennt!

Ich hoffe, dass wir morgen dieser Stadt entkommen koennen. Unser Plan ist, ins Outback zu fahren, damit es vielleicht waermer wird.
Wer glaubte denn so was? Die Sandfliegen kann man angeblich aus der Bettwaesche schuetteln, Ich sehe uns schon morgen frueh mit den Unterhosen wedeln.
Ihr seht, alle meine Hoffnungen bauen auf Maike, wer immer er auch ist.

Auch heute haben wir uns gegen das Flohauto entschieden und sind in einer Backpackerabsteige gelandet (Doppelbett). Doch auch hier geniesse ich das Licht, den funktionierenden Kuehlschrank und den aufrechten Gang. Und unseren Wein, den wir uns zum Trost gekauft haben.

Irgendwie kommt mir das alles wie ein Schnapsidee vor. Wir wollten wie Thelma und Luise (mit besserem Ende) durch Australien fahren, doch irgendwie kaempfen wir staendig mit Naturgewalten oder unserer Dummheit. Im Film ist eben alles groesser.
Doch ich will ja nicht jammern.
Es koennte bestimmt alles noch schlechter sein.

So, meine Lieben. Es gibt zwar noch tausend Dinge zu erzaehlen, doch ich werde mich jetzt nochmal dem Wein widmen.
Machts gut! Ich kratz mich in der Zwischenzeit ein bisschen und trink auf euch!

Die Reise
 
Worum geht's?:
Noch drei Tage und dann geht es los. Nach Bali. Sechs Wochen habe ich dort Zeit, dann geht es weiter nach Australien, Neuseeland und Thailand. Mit fliegenden Händen packe ich meine Wohnung zusammen, telefoniere, suche, organisiere parallel zu allem. Bali. Als ich vor ein paar Tagen im Buchladen einen Reiseführer über Bali durchblätterte, bin ich fast umgefallen, weil es so schön ist. Unfassbar, dass ich bald in dieser Schönheit stehen soll.
Details:
Aufbruch: 22.09.2010
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 08.04.2011
Reiseziele: Indonesien
Australien
Neuseeland
Thailand
Kambodscha
Vietnam
Der Autor
 
kathrin schmeling berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.