Vor dem Start!

Australien-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar - April 2019  |  von Gundula Henkel

Entlang der Ostküste Australiens: Umzug in unser mobiles Heim

Wir verlassen Sydney gen Süden

Es geht weiter auf unserer Reise in Australien. Sydney war ein toller Anfang. Nun wollen wir uns die Ostküste in Richtung Melbourne erschließen. Aber zunächst müssen wir unser neues „Heim“ für die nächsten 11 Tage in Empfang nehmen und einrichten. Wir hatten bereits in Deutschland einen Camper gebucht. Nicht zu groß, dass wir ihn bewegen, aber auch nicht zu klein, damit wir uns auch im Innern noch bewegen können. Als ich dann aber bei der Ausleihstation unseren Toyota Hitop sehe, habe ich angesichts unseres Gepäcks, immerhin drei Koffer, eine Reisetasche und zwei handbags doch so meine Zweifel, dass wir das Richtige für unsere Weiterfahrt ausgewählt haben.
In der Mittagssonne, an der Ausleihstation im Süden Sydneys zeigt das Thermometer inzwischen fast 40 ° C, stellen uns total coole, aber sehr liebenswürdige und nette Jungs „unser“ Auto vor. Ihr Englisch ist zwar zu verstehen, aber es geht alles sehr schnell. Wir verstauen erst einmal alles Gepäck irgendwie im Innern, schalten die Klimaanlage im Wagen auf höchste Werte und fahren los. Ich bin zuständig fürs Navigieren und fürs ständige Ermahnen: links, Siegmund, links!

Unser erstes Ziel ein Supermarket in der Nähe. Wir hatten bereits in Sydney Aldi Australia entdeckt. Große Parkplätze – genau das Richtige für unser Auto! -, tolles Angebot, sehr günstige Preise auch im Wein- und Biersegment! Hier können wir unser Auto vollladen. Zunächst aber müssen unsere privaten Sachen eingeräumt werden werden. Gott sei Dank, finden wir auf dem Parkplatz einen kleinen Schattenplatz zum Kramen und Einsortieren. Dann wird das Eingekaufte verstaut, der kleine Kühlschrank zum Laufen gebracht, Wasserflaschen überall griffbereit eingeräumt, und es kann es endlich losgehen.

Wir hatten gleich bei Ankunft in Sydney eine prepaid Karte für ein altes Samsung Handy gekauft, sodass wir mit „google maps“ unsere Routen eingeben können. Siegmund hatte bereits in Sydney die wichtigsten Campingplatz Apps heruntergeladen. Dazu wird eine Karte zum Anfassen und Nachsehen neben dem Fahrersitz platziert, nun dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Fränzis Freundin, die seit dem gemeinsamen Abitur in Sydney lebt, hat uns bei ihrem Besuch in Berlin während der Weihnachtsferien ein paar unbedingte „musts“ auf den Weg mitgegeben, die wir nun unbedingt berücksichtigen wollen.

Wir fahren also zunächst durch den Royal National Park, ein herrlich grünes Anwesen, aber wir genießen die grüne Pracht nur vom gut gekühlten Auto aus. Die Temperaturen sind weiterhin heiß! Es geht in Richtung Pazifik, weiße Strände in jeder Bucht, breit und fast unberührt liegen sie vor uns.
Erster Halt an der Seacliff Bridge: Die an den Felsen entlang und über das Wasser führende Brücke wurde 2005 eingeweiht, nachdem die parallel verlaufende Küstenstraße ständig aufgrund von Steinschlägen gesperrt werden musste. Mit Möglichkeiten des Überqueren für Auto, Rad und Fußgänger gehört die Brücke zu den Touristenattraktionen Australiens schlechthin.

Halt für die erste Nacht machen wir in Windang, einem kleinen Ort südlich von Wollogong auf einer Landzunge umgeben von Pazifik und Bucht. Starker Wind und dunkle Wolken verdrängen die Sonne bei unserer Ankunft. Schnell stellen wir unseren Camper ab, ziehen uns um und laufen zum Meer. Tosend liegt es vor uns, niemand ist am Strand. Verschwitzt wie wir sind, laufen wir ins Wasser und genießen das warme klare Wasser. Dafür hat sich das Schwitzen gelohnt. Unser erster Abend in der Natur erfährt ein jähes Ende durch einsetzenden Regen. Wir machen uns gemütlich inside, sehen einen Film, den wir rechtzeitig bei Netflix heruntergeladen hatten und verleben eine ruhige Nacht.

Der nächste Morgen weckt uns ohne Sonne. Wir frühstücken Branflakes, Milch und Obst dazu einen Nestle Kaffee. Im nahegelegenen Klub können wir ohne viel Bürokratie ins Internet gehen und Nachrichten lesen. Pelikane begrüßen uns auf unserem Spaziergang und lassen sich bei der Morgentoilette nicht stören. Diese Tiere kennen wir bisher nur aus dem Tierpark.

Wollogong ist ein hübsches Städten am Meer mit einer Fußgängerzone, die viel zum Verweilen und Schauen bereithält. Auch hier zieht es uns zum Strand. Herrliche Wanderwege an der Küste, gepflegte Anlagen zum Ausruhen, wir laufen die Küste entlang zum Leuchtturm, der sich in der Ferne majestätisch erhebt.

Unser nächster Halt ist Gerringong. Hier wurde uns ein "lookout" auf Meer und Umgebung empfohlen. Wir entdecken ein herrlich oberhalb des Ortes gelegenes Restaurant mit unschlagbaren Blick auf den Ozean. Bereits auf der Fahrt haben wir festgestellt, dass hier Wein angebaut wird. Bei einem Glas leichten Sauvignon Blanc genießen wir den Ausblick und stellen fest, dass auch die Einheimischen sich so langsam auf das Wochenende einstimmen.

Windang. Beim Morgenspaziergang

Windang. Beim Morgenspaziergang

In Wollogong

In Wollogong

Gerringong Beach

Gerringong Beach

Weiterhin kein Sonnen- und Badewetter

Unser Ziel für die Nacht ist Jervis Bay, Huskisson Beach Holiday Park, am Wasser gelegen und mit allem ausgestattet, was ein moderner Campingplatz bieten kann. Nur das Wetter spielt so gar nicht mit. Wir richten uns mit Regen auf Regen ein. Da sind wir nun am weißesten Strand der Welt, so heißt es zumindest, werden wohl in unserem Leben niemals wieder hierherkommen und sitzen in dicken Pullovern bei Regen und Sturm in einem kleinen Camper. Was hilft es?! Der australische Sauvignon Blanc schmeckt, das lokale Bier sowieso, Nüsse haben wir auch. Das reicht fürs Erste, und der Regen muss ja auch einmal aufhören.

Aber der Regen hält sich hartnäckig. Solange wir im Wagen im Warmen liegen und die Regentropfen aufs Autodach prasseln hören, ist noch alles in Ordnung, ja richtig romantisch. Aber irgendwann am Morgen müssen wir raus. Und spätestens dann, wenn die Blase drückt und es unumgänglich ist, dass das Auto direkt in den Regen verlassen werden muss, um ca 30 Meter weiter zu den Toiletten und Duschen zu gelangen, weiss ich ganz sicher, dass Camping wie auch immer nicht meine favorisierte Reiseart wird!
Auch wenn der Campingplatz direkt am Beach alles an Komfort bietet, angesichts des immer stärker werdenden Regens packen wir nach einer Tasse Kaffee und Branflakes alles zusammen und fahren weiter nach Süden.

Wir nehmen die A1, der Coastal Drive bietet ohnehin keine berauschende Aussicht. so kommen wir gut voran. Siegmund hat sich an den Linksverkehr gewöhnt, und viel zum Navigieren gibt es auch nicht zu tun. So habe ich Zeit mir die Landschaft links und rechts der Straße zu betrachten. Ein herrliches Grün in allen Schattierungen breitet sich vor unseren Augen aus. Der Regen lässt das Hellgrün der Weiden richtig saftig erscheinen. Und je weiter es nach Süden geht., um so häufiger werden die Weiden auch von Rinder- und Kuhherden begrast, mal im dunklen glänzenden Braun, dann wieder im bekannten Schwarz-Weiß. So habe ich mir Australien vorgestellt! Die schmucken Einfamilienhäuser im Bungalows-Stil, mal einfach aus Holz, mal etwas aufwendiger mit Ziegel gebaut, erinnern mich an die Orte in den New England States an der Ostküste der USA auf unserem Weg von New York zu den Niagara Falls. Hohe Konzentration verlangt immer wieder das Buchstabieren der Ortsnamen. Während die Straßennamen in den Orten vor allem die englische Herkunft verraten, sind die Orte wohl mehrheitlich nach der Sprache der Ureinwohner, der Aborigines benannt bzw. die Namen so behalten wurden. Wollogong und Ulladulla, wo wir in einem Informationszentrum unsere Reiseberichte der letzten Tage versenden werden, sind noch einfach zu merken. Aber bei den Ortsnamen Wandandian Beach, Cunjurong Point, Wollumboala Lake, Murrammarang National Park breche ich mir beim Vorlesen fast die Zunge.

© Gundula Henkel, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Koffer sind gepackt. Ziemlich ungewöhnlich für uns. Eigentlich sind wir die Spätpacker kurz vorm Losmarschieren. Doch diese Reise ist anders als alle unsere Unternehmungen zuvor. Wir sind 71 Tage in 5 Ländern unterwegs, davon gut 30 Tage in Campern in Australien und Neuseeland. Absolutes Neuland für uns ! Daher die lange Vorbereitungszeit. Mit der Routenplanung begannen wir im letzten Sommer. Ein tolles Reisebüro, Kinder und Freunde standen mit viel gutem Rat zur Seite.
Details:
Aufbruch: 21.01.2019
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 01.04.2019
Reiseziele: Singapur
Fidschi
Japan
Der Autor
 
Gundula Henkel berichtet seit 4 Monaten auf umdiewelt.
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