Anett in Australien

Reisezeit: April 2011 - Mai 2013  |  von Annie R...

Ein Traum wird wahr: Bula Fiji: Coral Coast: The Beachouse

Ich erwache, mehr zerknautscht als alles andere. Die Nacht war traumhaft, wenn man Alpträume mag. Ich hatte abwechselnd Angst, dass ich aus dem Bett falle oder der Laptop. Dann lief dauern die dämliche Aircon und war laut und außerdem haben meine Zimmernachbarn nicht so viel davon gehalten Rücksicht zu nehmen, wenn jemand schon schläft.

Ich verlasse morgens halb neun das Bamboo also ohne Herzdrücken und nehme den Bus Richtung Stadtzentrum. Yeah, ein Local Bus, ich bin cool Der Bus hat innen Bänke, keine Fenster, dafür aber Planen die man runtermachen kann wenn es regnet. Oben zieht sich eine Schnur durch den Bus an der man ziehen muss, wenn man aussteigen will, denn dann läutet eine Klingel.

Ich frag mich die ganze Zeit ob ich richtig bin und wo ich eigentlich aussteigen muss. Aber den Busbahnhof erkenne ich dann doch auch ohne Hilfe. Bepackt wie ein Esel steige ich aus und gehe zum nächsten Fahrkartenschalter und kaufe mein Ticket zum Beachouse, meiner nächsten Station in Fiji. Und ich frag mich echt wo die vielbeschworene Fiji Time ist, denn gleich neben mir steht der Expressbus. Ein Reisebus wie zuhause und er fährt pünktlich um neun ab! Die Zeit reicht gerade noch, um mir etwas zu trinken zu holen. Und der nette indische Verkäufer erlässt mir ein paar Cent, weil ich zu wenig Kleingeld hab. Das müsste mir mal in Deutschland passieren... Also zurück um Bus, mein Gepäck wird in den Gepäckraum gehievt und wie ich im Bus sitze fällt mir auf: warum hab ich eigentlich den Rucksack auf dem Schoß und hab stattdessen die offene Tasche mit dem Laptop
unten ins Gepäckfach getan? Tja, zu spät! Ich hoffe einfach das beste...

Und los geht die Fahrt im Luxusbus mit Video und Klima und ich bin ziemlich schnell froh meine Fleecejacke mitgebracht zu haben. Der Film hat offensichtlich null Handlung, denn ich höre die ganze Zeit nur Geballer, während ich mich auf die
vorüberziehende Landschaft konzentriere. Die Fahrt durch Nadi ist unspektakulär. Es gibt nicht zu sehen außer dem Hinduistischen Schrein. Sonst ist die Stadt wenig sehenswert, eher laut und dreckig. Und außerhalb von Nadi? Wieder: Alles ist grün: Palmen, Bäume, Gras. Laut Kalender endet im Mai die Regenzeit, also kein Wunder dass alles so üppig grün ist! Wir fahren an Dörfern vorbei und man sieht, dass Fiji zwar schön aber eben doch sehr arm ist. In ein Haus kann ich hineinsehen und darin steht NICHTS. Die Leute sitzen offensichtlich auf dem Boden. Ich denke einen Moment daran zurück wie ich mir meine Möbel im Otto-Katalog ausgesucht habe und schäme mich ein bisschen daraus so ein Drama gemacht zu haben. Hier wäre man vielleicht froh, wenn man irgendeinen Schrank hätte.

Die Fahrt an der Küste entlang ist schön und man sieht deutlich wie das Riff wirklich der Insel vorgelagert ist und sich kilometerlang zieht. In Sigatoka machen wir einen etwas längeren Stopp, wei hier viele Leute ein- und aussteigen. Ich mache mir etwas Sorgen um mein Tasche, habe aber gleichzeitig noch genügend Gelegenheit das rege Markttreiben zu beobachten. Am liebsten würde ich jetzt aussteigen und mir den Markt ansehen. Auf der Straße vor der Markthalle sitzen Frauen und haben
hübsch ihr Obst aufgebaut und aus den Mandarinen kleine Türme gebaut. Ein paar Mandarinen kullern weg und ein Mädchen springt hinterher, um sie einzusammeln. Sie geht zu einem Waserhahn, spült sie ab, bringt sie zurück zu Marktfrau und

diese sucht für das Obst sorgsam einen neuen Platz auf einem der Mandarinentürme.

An einem Marktstand entdecke ich eine Frucht und bin mir sicher dass es eine Jackfruit sein muss. Auf der Straße herrscht Gewimmel. Ein junger Mann fährt eine Schubkarre am Bus vorbei in der ein großer Sack mit Reis liegt. Man weiß fast nicht wo man zuerst hinsehen soll. Aber die Reise geht weiter und irgendwann komme ich an am Beachouse. Ein Mann trägt mir meine Tasche über die Straße. Es ist unglaublich wie höflich die Leute hier sind!

Dann checke ich ein, 6 Nächte werde ich nun hier sein, weil ich auf das Special auf der Homapage reingefallen bin. 6 Nächte mit Frühstück, free Wifi und Nachmittagskaffee hielt ich für nen super Deal. Wie sich aber rausstellt sind Wifi und Kaffe und Frühtstück hier ohnehin inkludiert - na die wissen wie man die Hütte vollbekommt!

Es ist komisch alleine zu sein und ich frage mich wie ich hier jemals jemanden kennenlernen soll. Aber irgendwie klappt es doch und ich treffe auf Svenja und Cathrin, beide Deutsche. Nicht 100 % auf meiner Wellenlänger, aber ganz ok. Als es am Abend beginnt in Strömen zu regnen, sitzen wir zusammen und quatschen ein bissl. Irgendwann gesellt sich George, ein Australier zu uns. Und als die beiden deutschen Mädels gehen, nimmt Svenja aus der Schweiz ihren Platz ein. Zusammen sitzen wir, lassen uns zu Bierchen einladen, dann kommt noch Lia (Freundin von Svenja) hinzu und es ist ein richtig richtig schöner und lustiger Abend. Nach mehreren Bieren, die ich fast alle spendiert bekommen habe, gehe ich also glückseelig ins Bett.

Die nächsen Tage wechseln die Bekanntschaften, einige reisen ab und hin-und wieder sitze ich auch mal alleine herum. Aber nie so, dass es mich stört. Stören tut nur das Wetter: Es regnet nämlich immer wieder sintflutartig, so dass man rein
gar nichts machen kann. Nichtmal am Strand liegen. Und so komme ich endlich mal zum Lesen. Ich zerbreche mir schon ernsthaft den Kopf darüber, ob ich nicht früher abreisen soll und mehr Zeit auf den Inseln verbringen soll. Man munkelt das Wetter dort sei besser. Aber ich habe keine Lust meinen Geburtstag zu einem Reisetag zu machen und so bleibe ich erstmal.

Am Abend vor meinem Geburtstag möchte ich ein paar Minuten Stille am Strand geniessen, die mir aber 2 fijianische Jungs nicht gönnen. Ich sah ja so einsam aus und da wollten sie mir Gesellschaft leisten bla bla. Dass ich mir die Sterne ansehen wollte und es mir alleine ganz gut geht, interessiert die beiden nicht. Sie lassen sich nicht abschütteln bis ich mich nach einigen Minuten verabschiede. Allerdings laufe ich ihnen am gleichen Abend nochmal in die Fänge als ich mich etwas abseits mit meinem Netbook setzen möchte. Da entdecken sie mich, laden mich an ihren Tisch in einer stockdunklen Ecke ein und ich nehme die Einladung an. Weil ich nicht unhöflich sein will und nicht weiß wie ich aus der Nummer sonst rauskomme. Und da sitzen wir und quatschen. Aber ich fühle mich längst nicht so unbefangen und frei wie in Tunesien, sondern fühle mich ganz und gar nicht wohl. Und irgendwie kommen wir dann darauf, dass morgen mein Geburtstag ist und da wird mir angekündigt, dass sie den mit mir feiern wollen und sie propheizeien für den nächsten Tag endlich schönes Wetter.

Naja, zumindest mit dem Wetter hatten sie Recht! Mein Geburtstag besteht aus traumhaftem Wetter und so liege ich den ganzen Tag nur faul am Strand, geniesse die Sonne, bade im glasklaren Wasser und mache am Abend eine nette kleine Sonnenuntergangsfotosession mit Cathrin und Melanie. Keiner weiß dass mein Geburtstag ist und mir ist es Schnuppe. Ich geniesse einfach den Tag und freue mich über die Glückwünsche per Mail, Skype und Facebook

Die nächsten Tage verbringe ich dann mit Melanie, einer Deutschen, die am Abend vor meinem Geburtstag in mein Zimmer gezogen ist. Wir beide verstehen uns gut und nutzen die verbleibenden Tage. Wie es sich gehört ist am Tag nach meinem Geburtstag scheiß Wetter. Trotzdem beschließen wir den Bus nach Suva zu nehmen. Suva ist die Hauptstadt Fijis, ist gleichzeitig die größte Stadt im Südpazifik und erweist sich als nicht sehenswert. Naja, wobei ich zugeben muss dass wir so viel nicht sehen können, weil uns nur 2 Stunden bleiben bis der letzte Bus zurück fährt. Wir bummeln durch Suva und ständig wird man angehalten und gefragt wo man herkommt. Ganz geheuer ist uns das nicht, obwohl alle freundlich zu uns sind. Ein Mann zeigt uns schließlich den Weg zum Markt und dort staunen wir. Melanie und ich sehen bunte Fische, einen Stachelrochen ohne Stachel (ich wusste gar nicht, dass man die essen kann) und lassen uns fremdartige Gemüsesorten erklären.

Zum Schluss landen wir auf dem Handicraftmarket und der ist wirklich toll! Neben schrottigen Taschen und Schuhen gibt es hier Sarongs, Schmuck, Wohnungsdeko aller Art. Hier kann man noch zusehen wie geflochten und genäht wird. Ein Shoppingtraum! Um einige Fijidollar leichter machen Melanie und ich uns schließlich auf den Heimweg.

Für den nächsten, und unseren letzten gemeinsam Tag, haben wir uns etwas besonderes vorgenommen: Wir machen mit beim Jungle-Trek. Naiv wiegen wir uns in der Annahme, dass es eine Touristenversion von "Spaziergang durch den Urwald" ist. Aber wir irren uns. Und eines sei gesagt: Hätten wir gewusst was uns erwartet, hätten wir NICHT mitgemacht. Nun, ich die fijianische Sonne versteckt sich am besagten Tag hinter den Wolken. Was nicht heißen soll, dass es nicht warm ist. Nö nö, schön schwül! Allein der Weg aus dem Dorf zum Urwald ist schon schweißtreibend. Unser Guide erzählt uns jede Menge über das Dorf, über Pflanzen - und ich verstehen nur die Hälfte. Als wir an den ersten matschigen Weg kommen, erinnere ich mich, wie in Noosa mein Schuh im Schlamm steckengeblieben ist. Da zieh ich ihn doch besser mal aus. Und schwupps, bin ich bis zu den Waden im Schlamm versunken! So geht es also weiter über Stock und Stein, rutschend, schlitternd, mühsam um die Balance kämpfend. Innerhalb von Minuten bin ich durchgeschwitzt, dreckig und frage mich wie ich jemals wieder zurück zum Hostel kommen soll. Wenn ich nur vorher gewusst hätte worauf ich mich einlasse...

Wir durchqueren 2 Flüsse und meine einzige Sorge ist, dass meine Kamera mir ins Wasser fällt. Und endlich kommen wir an am kleinen Wasserfall. Ja, hier könnte ich weiterlaufen zum größeren Wasserfall. Aber ich weigere mich beharrlich. Ich und eine Amerikanerin haben genug vom Wandern und machen stattdessen lieber eine kleine Fotosession.

Am Endes des Treks bin ich dreckig wie eine Sau (und ja Schwester, schmutzig hab ich mich auch gemacht), verschwitzt wie noch nie, meine Füße tun weh, ich habe Hunger und bin müüüüüde! Das war wirklich eine Erfahrung. Und werd denkt dass es schlimmer nicht werden kann: ich dachte ja auch dass ich das Schlimmste hinter mir habe als wir endlich die glitschigen Wege verlassen hatten. Aber da habe ich nicht mit den aphaltierten Straßen Fijis gerechnet. Meine verwönnten deutschen Fußsohlen haben jedes Steinchen gespürt. In meine 3 Euro Flip Flops zu schlüpfen war himmlisch!!! ich wusste gar nicht, dass die so weich sind innen!!!

Südsee

Südsee

Dieser Geburtstag wird unvergesslich bleiben!

Dieser Geburtstag wird unvergesslich bleiben!

Ebenso unvergesslich wird diese Wanderung durch den Urwald Fijis bleiben.

Ebenso unvergesslich wird diese Wanderung durch den Urwald Fijis bleiben.

Und hinterher sah ich so aus. Nie wieder!!

Und hinterher sah ich so aus. Nie wieder!!

Marktstand in Suva

Marktstand in Suva

© Annie R..., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fernab der Heimat, große und kleine Abenteuer, neue Menschen, fremde Orte und ich allein mittendrin! Was das werden soll? Weiß ich selbst nicht, aber lest selbst! Und kommentiert fleißig in meinem Gästebuch!!! Viele Grüße aus der Ferne sendet euch *Anett*
Details:
Aufbruch: 03.04.2011
Dauer: 25 Monate
Heimkehr: Mai 2013
Reiseziele: Australien
Fidschi
Der Autor
 
Annie R... berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.