Ein Jahr am anderen Ende der Welt - Work & Travel Australien+Neuseeland

Reisezeit: September 2009 - Juli 2010  |  von Lisa Waldherr

Neuseeland: Erst die Arbeit...

"einmal swampys, immer swampys?"

allerdings hatten wir uns das ganze nicht ganz so dramatisch vorgestellt...spring creek klang irgendwie so nett und idyllisch und hach, einfach schoen halt
in picton haben wir dann dem busfahrer bescheid gesagt, dass wir nach spring creek wollen, wie gut, denn als wir dort nach ca. 30 min schliesslich ankamen, haben wir festgestellt, dass es dort garkeine bushaltestelle gibt
wir haben echt gedacht, wir sind irgendwie in nem schlechten film, als wir das ortsschild zu spring creek und kurz danach "den ort" ansich gesehen haben...
wir waren natuerlich die einzigen, die ausgestiegen sind, der busfahrer laesst uns raus, versucht uns noch, mut zu machen und sagt, wir sollen einfach immer an das geld denken, gibt uns unser gepaeck, steigt ein und faehrt weiter...
und dann standen sie da, die drei zurueckgelassenen und vollbepackten maedels, wie bestellt und nicht abgeholt, mitten in der pampa, dieses mal wirklich am arsch der welt, in einem ort, wos rechts einen supermarkt und einen pub und links unser hostel und ungefaehr 12 haeuser gab..."und da sollten wir nun also die naechsten 5 wochen bleiben", haben wir uns alle gedacht und waren uns einig, dass wir, waeren wir alleine hier angekommen und ausgestiegen, erstmal ne runde geheult haetten.

unser anfang dort war auch zugegeben nicht ganz so einfach und toll...wir sind da vollbepackt durch die tuer reinmarschiert und standen sozusagen direkt im aufenthaltsraum vom hostel und dort hingen alle auf den couchen rum noch mit nem fetten kater vom samstag abend davor, keinen hats eigentlich so wirklich interessiert, dass neue da sind, allerdings wussten die von der rezeption gleich, wer wir sind und haben uns ausgestattet mit geschirrboxen, uns bissl was uebers hostel erzaehlt und uns dann unsere zimmer gezeigt, es waren naemlich nur noch 3 betten in verschiedenen zimmern frei, eins im maedels 6er zimmer, eins in nem 4er und eins im 11er...dann haben wir natuerlich ausgelost, aylin musste leider ins 11er, sabrina ins 4er und ich ins maedelszimmer, das war eigentlich ganz nett mit 3 argentinierinnen und 2 deutschen maedels und nem eigenen bad mit dusche und klo...trotzdem fanden wirs natuerlich schade, dass wir nicht alle zusammen in nem zimmer waren...aber was will man machen, wir waren ja total froh, dass ueberhaupt noch betten frei waren fuer uns.

das hostel an sich war eigentlich total schnuckelig, war nicht so wie alle anderen hostels bisher, sondern total persoenlich und eher wie so ne grosse wg, mit 3 kuechen, nem grossen aufenthaltsraum, vielen kleineren raeumen, ner veranda, nem hintergarten, wo man auch zelten kann und ner riesigen haengematte, also eigentlich total nett.
eigentlich haben wir dann, nachdem wir unsere zimmer bezogen haben, den ganzen nachmittag damit verbracht, auf swampy, den chef, zu warten und darauf zu warten, dass uns jemand sagt, wann wir am montag anfangen koennen und wies eigentlich alles aussieht. irgendwann kam der dann auch tatsaechlich und da haben wir dann erstmal erfahren, dass wir zwar n ziemlich guten contractor erwischt haben, der fast am meisten von allen zahlt, dass es allerdings in keinem auto mehr wirklich platz fuer uns gibt und wir uns mal jemanden suchen sollen, der uns mitnehmen kann, na super^^
irgendwie haben wir uns am anfang auch ueberhaupt nicht wohlgefuehlt und als ich da die erste nacht in meinem bett lag haette ich fast ein bisschen heimweh bekommen, hab mir dann ueberlegt, dass es wahrscheinlich ne bessere idee ist, einfach mal zu schlafen und abzuwarten, schliesslich muss man sich ueberall erst einleben, bevor man sich richtig wohlfuehlt.
und so war es dann auch
nachdem wir am ersten tag von swampy zur arbeit gefahren wurden und ein paar mal ziemlich verloren rumstanden, teilweise bei anderen mitgefahren und sogar mal getrampt, was wir uns eigentlich alle nie haetten vorstellen koennen, aber zu dritt wars dann schon in ordnung und wir waren wenigstens daheim mit unseren 3498347 taschen vom einkaufen

im endeffekt waren unsere 5 wochen, die wir im swampys verbracht haben, dann doch wirklich eine sehr schoene und witzige zeit, die wir bestimmt nicht so schnell vergessen werden, achja, uebrigens sitze ich gerade im swampys auf der couch, weil wir unbedingt ueber das osterwochenende nochmal zurueck kommen wollten, bevors dann weiter auf die nordinsel geht...wer haette das am anfang gedacht?.-D also wir auf jeden fall nicht, wir fandens ja am anfang eigentlich richtig scheisse und haben uns ueberhaupt nicht vorstellen koennen, dass es uns hier irgendwann mal gefaellt und alle haben uns schon von anfang an immer gesagt, ja, ihr kommt ihr nie wieder weg oder immer wieder zurueck, das ist wie ein sumpf, swampys eben, einmal swampys, immer swampys...und wir nur so, ja, klar, arsch lecken, das glaubst aber auch nur du, als ob wir hier jemals wieder zurueckkommen, sobald wir hier unseren letzten arbeitstag haben sind wir hier so schnell weg, so schnell koennt ihr garnicht gucken
manchmal kommts eben doch ein bisschen anders als man denkt
auf jeden fall haben wir natuerlich immer ganz fleissig gearbeitet, nachdem wir an unserem ersten tag von unserer supervisorin erstmal komplett ignoriert wurden und nur die zange zum arbeiten in die hand gedrueckt bekommen haben ohne dass wir ueberhaupt wissen, was wir denn jetzt mit der zange auf dem weinfeld anfangen sollen...das haben uns dann zum glueck die anderen erklaert, insgesamt waeren wir beim arbeiten immer so um die 15 leute, ein paar kiwis und der rest eigentlich fast nur deutsche und noch ein paar iren.
unser alltag unter der woche sah eigentlich immer ziemlich gleich aus, wir mussten jeden morgen zwischen 5 und 6 aufstehen, sind daher auch immer abends total frueh ins bett, so zwischen 9 und 10, was ich ja wirklich ueberhaupt nicht gewoehnt bin, so spaet wie ich daheim immer ins bettchen geh^^, ham dann total muede gefruehstueckt, uns unser vesper fuer die arbeit gerichtet, unsere schicke arbeitskluft angezogen und dann ab raus in die kaelte und aus feld, jeden tag zwischen 8 und 12h arbeiten, gegen ende haben wir eigentlich jeden tag ueberstunden gemacht und sogar samstags gearbeitet, zwar haetten wir am liebsten jedes mal ganz laut "nein" geschrien, als nini, unsere supervisorin, uns gefragt hat, ob wir laenger arbeiten wollen, aber dann haben wir doch immer daran gedacht, was wir alle schoenes mit dem geld machen koennen und dann anstattdessen natuerlich freudig juhuuu gerufen

morgens war es immer viel zu feucht und kalt auf dem feld, waehrend man mittags in der hitze und bei gefuehlten 40 grad fast eingegangen ist...die arbeit war auch nicht gerade sehr anspruchsvoll oder gar eine geistige herausforderung^^ wir haben alles moegliche gemacht, teilweise haben wir wirklich 10h lang nur blaetter aus den pflanzen rausgerupft (damit man die fruechte besser sieht), ganz oft mussten wir n paar fruechte rausschnippeln, so 3, 5 oder 10 pro pflanze, damit die anderen genug platz zum wachsen haben, dann haben wir netze hochgezogen und zusammengeklipst und das waren eigentlich so unsere aufgaben im grossen und ganzen fuer die 5 wochen. wir durften uns zum glueck unterhalten, es waren immer mehrere in einer reihe, und wir durften auch musik hoeren. trotzdem ist man, wie ihr euch bestimmt vorstellen koennt, nach 8h einfach nur wie n idiot sinnlos blaetter zu rupfen, fast durchgedreht und gleichzeitig noch mehr verbloedet, als wir wahrscheinlich nach so langer zeit eh schon sind^^...ausserdem konnte man irgendwann seine musik in- und auswendig, selbst wenn man die ganze zeit getauscht und sich neue geholt hat und irgendwann hatte man eigentlich auch schon ueber sein ganzes leben und alles moegliche nachgedacht und genug ueber den sinn des lebens philosophiert, dass es vermutlich fuer die naechsten 3 jahre reicht und deswegen hat man dann irgendwann nach 10h in der 4. woche eben einfach ueber nichts mehr nachgedacht und nur einfach gearbeitet und gehofft, dass bald feierabend ist unsere supervisorin, die am anfang wirklich sehr gruselig und unfreundlich war (war ungefaehr so breit wie hoch, hatte immer ihre cap und sonnenbrille an, grimmig vor sich hingeguckt und ca. 20 zigaretten pro minute geraucht, lautstark geruelpst und ja, sehr sympathisch so alles in allem eigentlich) hat sich dann nach und nach mit uns angefreundet und auch sogar angefangen, sich mit uns zu unterhalten, und insgesamt ham wir uns eigentlich mit allen gut verstanden, warn die meiste zeit am quatschen, an manchen tagen mehr, an manchen weniger, haben rumgebloedelt, wettrennen gemacht und uns mit trauben abgeworfen, das war schon immer sehr witzig und wie gesagt, man gewoehnt sich eigentlich an alles, auch an das fruehe aufstehen, seit langem mal wieder n richtiger arbeitsalltag, irgendwann hat man einfach doe routine drin und dann ist das ganze auch nur halb so schlimm, trotzdem haben wir eigentlich jede woche die tage gezaehlt und uns darauf gefreut, wanns dann endlich losgeht mit reisen.

achja, bevor ich das vergesse, wir hatten ja eigentlich schon unser spaceship gebucht, weil wir nie im leben gedacht haetten, dass wir in dem kaff, in das wir zum arbeiten sind, irgendjemanden finden, der sein auto verkauft...so wars dann allerdings und in der zweiten woche haben wir unser mietauto gecancellt, die anzahlung sogar wieder zurueck bekommen und von einem paerchen im hostel einen mitsubishi magna fuer 1500 dollar erstanden inklusive matratze, bettwaesche und campinggeschirr, dachten, wir haben das megaschnaeppchen gemacht (was sich allerdings spaeter als ein ziemlicher irrtum rausgestellt hat, aber dazu spaeter...) und uns natuerlich megagefreut, das erste mal wirklicher besitzer von einem auto zu sein und endlich wieder flexibel sein und ueberall hinfahren zu koennen, wo und wann man will und ausserdem konnten wir dadurch, dass wir dann uns zu dritt in das auto zum schlafen gequetscht haben (koennt ihr euch das vorstellen? alle haben uns nur eine woche gegeben^^) auch nochmal an unterkunft sparen, weil das natuerlich billiger war als ein bett im zimmer. ganz stolz haben wir dann unseren kauf hugo genannt und uns megagefreut
abends nach dem arbeiten gabs eigentlich nicht mehr wirklich viel freizeit, als wir am anfang noch nicht so viele ueberstunden gemacht haben, waren wir nach der arbeit oft noch im fluss baden und da bisschen chillen, ansonsten hats eigentlich meistens nur zum duschen, essen, vielleicht noch ein bisschen karten spielen oder auf der couch chillen, und zum frueh ins bett gehen gereicht, das war dann manchmal schon ein bisschen deprimierend, wenn man den ganzen tag eigentlich nur am arbeiten war und fuer garnichts anderes zeit hatte, manchmal hats nichtmal mehr zum einkaufen gereicht und wir mussten bis zum wochenende warten, aber andererseits konnte man ja auch in spring creek eh nicht viel machen und das geld haben wir so oder so gebraucht, also was will man machen

dafuer waren unsere wochenenden umso besser gleich am ersten wochenende war ne faschingsparty hier und obwohl wir am anfang eigentlich garkeine lust hatten, weil wir auch noch nicht alle so gut kannten, ist die richtig richtig gut und witzig geworden und dann hatten wir eigentlich an jedem wochenende wilde parties, jede menge spass und gespraechsthema fuer die ganze naechste woche beim arbeiten, wer mit wem und was und wie und ueberhaupt^^ und haben dadurch natuerlich auch nach und nach alle im hostel und einfach richtig viele nette neue leute kennengelernt und uns immer mehr wie zu hause gefuehlt ansonsten sind wir am wochenende meistens auch immer in die stadt gegangen, in die buecherei, wos internet umsonst gab, alle einkaeufe erledigen und n bisschen rauskommen, haben dann an einem wochenende auch mal ne flusswanderung gemacht in so ner schlucht, die total schoen war und an einem wochenende wollten wir eigentlich fuer zwei tage nach kaikoura fahren, der wochenendtrip wurde allerdings morgens um 5 am naechsten tag, als wir gerade den perfekten uebernachtunsplatz direkt am strand gefunden hatten, von der polizei abrupt beendet, die an unser fenster geklopft haben und uns mitgeteilt haben, dass wir uns moeglichst schnell aus dem staub machen sollen aufgrund einer tsunamiwarnung von chile und uns moeglichst bald ueber dem meeresspiegel befinden sollten. also haben wir eigentlich mitten unser nacht unser zeug gepackt, uns ins auto gesetzt und sind mitten in der nacht die 200km wieder zurueck nach spring creek gefahren, somit waren wir aus der gefahrenzone raus^^ und auf jeden fall wieder rechtzeitig zum arbeiten montags da, falls wirklich was passiert waere. in chile gabs auch verletzte und tote, das habt ihr bestimmt in deutschland auch mitbekommen, aber in neuseeland hat eigentlich niemand was mitbekommen, naja, dumm gelaufen, aber kaikoura lag eh auf unserer reiseroute, deswegen war das ganze nicht so schlimm.
und auch wenn wir dann diese bloeden weinfelder und auch das hostel und alles manchmal verflucht haben und am liebsten gleich loswollten, so haben wir uns doch total eingelebt, uns wie zu hause gefuehlt und auch einfach das swampys, vor allem natuerlich aufgrund von den vielen netten leuten, die wir kennengelernt haben und die netten abende, wochenenden, kochrunden und haengemattensessions, die wir veranstaltet und miteinander verbracht haben, total liebgewonnen und wollten dann am ende irgendwie fast garnicht mehr weg und haben auch, nachdem wir an unserem letzten arbeitstag sehr passenderweise mit "one moment in time" mit staubwolken vom feld geduest sind, am allerersten tag von unserem roadtrip, das swampys schon vermisst und wollten am liebsten wieder zurueck, haben erstmal gemerkt, wieviel luxus wir dort hatten, den wir jetzt beim rumreisen mim auto nicht hatten und konntens wirklich garnicht glauben, dass die leute, die uns am anfang gesagt haben, wie toll es hier sei und dass wir immer wieder zurueckkommen wuerden, recht behalten sollten. aber die zeit rannte uns davon, wir mussten weiterziehen und das swampys erstmal fuer drei wochen hinter uns lassen. auf gings, hit the road, unser roadtrip kann beginnen!!!

© Lisa Waldherr, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Jetzt geht er nun endlich in Erfüllung...mein langjähriger Traum von einer Reise ans andere Ende der Welt, so weit weg wie nur irgendwie möglich, mit dem Abi in der Tasche und den Zukunftsvorstellungen und Studienplänen schon im Kopf noch einmal alles hinter sich lassen, die Freiheit und Unbeschwertheit genießen und die Welt entdecken, bevor der Ernst des Lebens beginnt:)
Details:
Aufbruch: 14.09.2009
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 24.07.2010
Reiseziele: Australien
Neuseeland
Fidschi
Der Autor
 
Lisa Waldherr berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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