Von Guatemala nach (N)Irgendwo

Guatemala-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2005 - April 2006  |  von Tillou Abrescio

"...lasst uns freudig in die Ferne ziehn und gleich Vögeln dem Hier und dem Jetzt entfliehen."

Sprachschule in San Pedro am Lago de Atitlán

- 2. Oktober -
so... sitze gerade in einem internet café in san pedro und verfasse mal die ersten zeilen. bin gestern in guatemala angekommen, allerdings leider ohne mein gepaeck. naja, bin dann trotzdem mit taxi, bus und boot nach san pedro gefahren. nachdem ich dann dort die schule gefunden hatte war da leider niemand (war wegen des gepaeck-hickhacks auch leider schon 7 uhr). naja, einen passanten gefragt und ihm mit haenden und fuessen mein problem erklaert. der hat dann die nachbarn gefragt, die ihm ein paar namen genannt haben. nach ein bisschen suchen und weiterfragen im gassendjungel von san pedro haben wir dann schliesslich eine lehrerin der schule gefunden. da ich kaum spanisch und keiner ein wort englisch konnte dauerte es einige zeit die situation zu erkaeren, weil beide dachten ich wuerde schon in der schule oder einem hotel wohnen, da ich kein bzw. kaum gepaeck bei mir hatte. auf jeden fall konnte die lehrerin mir dann immerhin sagen, dass es diesen abend nicht mehr gehen wuerde in die schule einzuziehen, aber wohl morgen ab 8 uhr. also bin ich dann in ein hotel.
heute morgen dann zur schule, leider wieder niemand da (gibts ueberhaupt noch andere schueler?). hmm... hatte die lehrerin nicht "manjana manjana" gesagt und meinte damit viellicht uebermorgen, bzw. inwischen morgen? tja, schaut aus, als muesste ich heute nacht nochmal ein "hotel" (naja, das wo ich gestern war kann man eigentlich nicht so nennen, aber war fuer den preis ok) in anspruch nehmen. immerhin konnte ich in der schule (in den innenhof konnte man rein) die adresse selbiger herausfinden (hoffentlich ist es die richtige), die muss ich naemlich noch der fluggesellschaft mitteilen, damit die das gepaeck hierher schicken.

joa, aber sonst geht es mir gut
bis demnaechst, bilder kommen auch spaeter nochmal.

- 10. Oktober -
Ja... wo soll ich anfangen... nach einer woche ohne strom gingen gestern abend die lichter wieder an, aber von vorne: das problem mit dem ort der schule hat sich noch am sonntag nachmittag geloest: die verwaltung ist im gebaeude schraeg gegenueber untergebracht. so konnte ich dann am montag gleich mit dem unterricht starten (und abends kam dann zum glueck auch mein gepaeck). der unterricht findet im garten der schule in der naehe des seeufers statt, zumindest hat er das noch am montag und dienstag. am mittwoch morgen hab wir dann wegen dem vielen regen abgebrochen... ab gesehen von viel regen und viel wind ist san pedro bei dem hurrican ziehmlich glimpflich davongekommen. es liegt relativ sicher, da hier kein fluss ist der ansteigen kann und auch der hang des vulkanes wohl nicht steil genung ist damit es zu einem erdrutsch kommen kann. viele fluechtlinge aus den umliegenden orten kamen hier her und leben jetzt zum grossteil in den beiden kirchen des ortes. es handelt sich (natuerlich) groesstenteils um arme, die bei dem unwetter teilweise ihr ganzes hab und gut verloren haben. sehr bedrueckend.
aber die pedroianer (weiss nicht, ob die bezeichnung richtig ist) machen das beste draus, viele helfen so gut sie koennen und spenden nahrung, essen, unterkunft, kleider, ...
am freitag war in der "nirwana" bar hier "flashlightnight" um den opfern zu helfen. jeder hat seine taschenlampe (gab ja kein strom) und essen/kleidung etc. fuer die opfer mitgebracht, was dann in einer grossen tonne gesammelt wurde, und teile der einnahmen von den getraenken wurden gespendet. dazu gabs sehr gute percussion live musik und eine feuershow, war echt gut!

ja, ansonsten bin ich in der schule gerade der einzige schueler (bis letzten freitag waren noch zwei schweden da, eine aus upsalla), aber man lernt auch so jede menge leute kennen. die meisten ganz nett, manche richtig cool und auf mache kann man verzichten, wie ueberall eben am zweiten tag hab ich nen italiener kennengelernt, der seit 5 jahren in mittelamerika als musiker unterwegs ist. der ist echt nett und man kann sich super mit ihm unterhalten (vor allem bei einfachen sachen in spanisch und bei komplizierteren in englisch) und mit den gitarren jammen dann hab ich vorgestern noch einen halb deutschen, halb daenen getroffen, der mitbesitzer einer der bars hier ist, auch bei den pfadfindern war und 2 jahre am amazonas als reiseleiter gearbeitet hat.
und gestern bin ich dann in eine gastfamilie gezogen. die sind alle sehr nett, der vater ist im ort hier grundschullehrer. gestern spaetnachmittags haben wir dann harry potter geguckt (natuerlich auf spanisch), hab quasi nix verstanden (aber ich kannte ihn ja schon)... naja...
ok, weiss nicht, wann ich das naechste mal schreibe, weiss auch noch nicht genau ob ich noch eine oder zwei wochen hier bleibe, mal schaun. bis dahin euch alles gute

- 12. Oktober -
mir ist gerade noch eine idee gekommen. da hier spenden dringend gebraucht werden, koennt ihr zeitnah und ohne umwege gerne der gegend hier (den nachbardoerfern) spenden zukommen lassen. schickt mir einfach eine email in der ihr schreibt wie viel, ihr koennt mir das geld dann ueberweisen.
ich kann das geld hier direkt an die richtigen stellen weiterleiten; einer der schuldirektoren ist in dem kommitee, welches die hilfe fuer die umliegenden doerfer organisiert. das geld wird fuer verschiedenste dinge gebraucht: die verpflegung der fluechtlinge, die medizinische und hygienische versorgung der bevoelkerung und helfer in den betroffenen orten (stark erhoehte krankheitsgefahr), den wiederaufbau von schulen, ...
auch wenn ihr nur wenig spendet wird die wirkung wegen des krass anderen preisniveaus hoch sein.

sonnenuntergang in atlanta

sonnenuntergang in atlanta

blick aus meinem hotelfenster am sonntag morgen nach links...

blick aus meinem hotelfenster am sonntag morgen nach links...

... und nach rechts (noch ist das wetter gut)

... und nach rechts (noch ist das wetter gut)

der hafen von san pedro

der hafen von san pedro

Flory, meine Lehrerin (hier noch in der schule im garten, ab donnerstag war der untterricht dann im gebaeude)

Flory, meine Lehrerin (hier noch in der schule im garten, ab donnerstag war der untterricht dann im gebaeude)

der garten der schule: lauter kleine "klassenzimmer=haeusschen" in der pause gabs immer eine lokale leckerei (zum beispiel maisfladen mit guacamole und zwiebelringen belegt) und arroz con leche, das ist wie milchreis nur fluessiger zum trinken und mit vanilleschoten aufgekocht.

der garten der schule: lauter kleine "klassenzimmer=haeusschen" in der pause gabs immer eine lokale leckerei (zum beispiel maisfladen mit guacamole und zwiebelringen belegt) und arroz con leche, das ist wie milchreis nur fluessiger zum trinken und mit vanilleschoten aufgekocht.

ein bach? nein, mein taeglicher schulweg...

ein bach? nein, mein taeglicher schulweg...

wahrend ich in den ersten tagen noch dachte, gut dass meine wanderschuhe frisch eingefettet sind, bin ich dann irgendwann nur noch mit kurzen hosen und sandalen untenrum und pulli, juja und regenschirm obenrum aus dem haus.

wahrend ich in den ersten tagen noch dachte, gut dass meine wanderschuhe frisch eingefettet sind, bin ich dann irgendwann nur noch mit kurzen hosen und sandalen untenrum und pulli, juja und regenschirm obenrum aus dem haus.

an den naechsten zwei tagen wars noch wesentlich krasser, aber da hab ich mich nicht mit der kamera rausgetraut, weil der regen von der seite kam.

an den naechsten zwei tagen wars noch wesentlich krasser, aber da hab ich mich nicht mit der kamera rausgetraut, weil der regen von der seite kam.

mein zimmer in der schule

mein zimmer in der schule

der innenhof der schule

der innenhof der schule

... und die schule von aussen.

... und die schule von aussen.

- ca. 13. Oktober -
die familie in der ich jetzt lebe ist echt nett. es ist eine recht kleine familie, Felix, Gloria und die tochter Maria. vom balkon des hauses, auf dem ich gerade sitzte, hat man einen fantastischen ausblick auf den see.
an ein paar dinge hier werde ich mich allerdings nicht gewoehnen koennen. wenn es essen gibt werde ich gerufen und wenn ich dann in die kueche komme steht da ein teller mit essen drauf und ich soll mich hinsetzen und anfangen zu essen. kurz nachdem ich angefangen habe kommt der familienvater hinzu, setzt sich auf die gegenueberliegende tischseite (ist ein quadratischer tisch) und bekommt sein essen. wiederum kurze zeit spaeter setzen sich dann mutter und tochter zusammen an eine der verbleibenden tischseiten und fangen an zu essen. hinzu kommt noch, dass z.b. gestern beim abendessen Felix und ich bohnen und den reis vom mittag bekommen haben, waehrend Gloria und Maria nur brot gegessen haben. das kann ich irgendwie aber auch schlecht kritisieren ohne das auch ohne mich vorhandene familiengefuege in frage zu stellen und fuer eine folgende diskussion langt mein spanisch noch laengst nicht. naja...
zu essen gibt es viel gemuese, vor allem bohnen, und stapelweise tortillas, ca. 10 cm durchmesser habende fladen, die ausschliesslich aus mais bestehen. wenn auch vermutl. aus den lebensumstaenden entstanden, ist es ein praktisches system: alles essen kommt gleich auf die teller (da es eh nie zu viel ist) und man isst eben so viele tortillas dazu, dass man satt wird.

Felix, ein Kind, das zufaellig gerade da war und Maria. Gloria mochte sich nicht fotografieren lassen.

Felix, ein Kind, das zufaellig gerade da war und Maria. Gloria mochte sich nicht fotografieren lassen.

© Tillou Abrescio, 2005
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 30.09.2005
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 01.04.2006
Reiseziele: Guatemala
Mexiko
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Der Autor
 
Tillou Abrescio berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.