2 Jahre lang kreuz & quer durch die Americas

Kanada-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2013 - Mai 2015  |  von Anja & Wolfgang

Kanada Teil 2 ab 21.08.2013: BC von 23.08.2013 bis 29.08.2013 2140 km

Ziel: Nicht unbedingt auf dem kürzesten Weg weiter Richtung Vancouver
Wetter: Meist heiter bis sonnig, < 25º.

Wir sind wieder einmal in BC und fahren auf Hwy 37 Richtung Süden. Diese meist gut ausgebaute Strasse, Teil des über 2000km langen BC Circles, ist ideal für Einsamkeitsfanatiker, abgelegene Streckenführung, fast kein Verkehr und zumindest für uns ausser zwei schnell verschwindenden Füchsen keine Tiersichtungen.
Bei Dease Lake biegen wir auf eine 110km lange unbefestigte Stichstrasse ab, die uns zuerst zu diesen freilaufenden (Wild-?)Pferden

und dann zum Stikine Canyon führt.

Nach 110 km ist dann Telegraph Creek erreicht,

die restlichen 20 km nach Glenora einer Goldgräber Geisterstadt mit einst über 5000 Ew ersparen wir uns, die Strasse wird deutlich schlechter und morgen müssen wir ja die ganze Strecke wieder zurück. Stattdessen übernachten wir am (Bade-)Strand eines kleinen Sees am Ortsausgang von Telegraph Creek.

24.08.
Es geht die 110 km zurück durch den Stikine Canyon

und dann auf dem gleichmässig langweiligen Hwy 37 Richtung Süden, bis wir dann kurz vor Bell2 direkt am Strassenrand, quasi in Streichelnähe, diesen sehr fotogenen Schwarzbären entdecken, der sich durch uns überhaupt nicht stören lies.

Ein paar km weiter meint Mama Schwarzbär ihre beiden Kinder vor den Paparazzi durch schnelles verschwinden im Gebüsch beschützen zu müssen und dann sehen wir leider noch einen Bären, dem die Flucht vor einem Lastwagen nicht gelungen ist.
Bei Meziadin Junktion biegen wir auf den Hwy 37A ab, einer über 60km langen Stichstrasse, die uns über Stewart BC (700 Ew) nach Hyder Alaska (AK) (100Ew) führt.
Entlang der Strasse sind über 20 Gletscher zu sehen, der schönste davon, der blaue Bear Glacier

ergiesst sich in einen See direkt am Strassenrand.
Wir durchqueren Stewart (700 Ew), überqueren unkontrolliert!! die Grenze in die USA und fahren quer durch Hyder (100 Ew) bis zur Hyder Wildlife Observation Site (enthalten im NP Jahresticket, sonst $5 / Auto/Tag - 06:00 - 22:00), einem Aussichtspunkt an dem man ähnlich wie in Haines Bären beim Lachsfressen zusehen kann. Leider ist der einzige derzeit sichtbare Bär ein Vegetarier, der sich versteckt im Gebüsch von Blättern ernährt anstelle uns in die Künste des Fischfangs einzuweihen. Nun gut, versuchen wir es Morgen eben nochmal.
Die Nacht verbringen wir im Tongass National Forest.

25.08.
Schon beim Frühstückskaffe sehen wir unseren ersten Schwarzbären der hier in aller Ruhe über den Stellplatz marschiert, dagegen erfahren wir vom Ranger an der Wildlife Observation Site, die wir als erstes heute Morgen aufsuchen, sowohl gestern Abend, als auch heute Morgen ´Bärenstille´. Also fahren wir auf mittelprächtiger Staubstrasse den Salmon River entlang zum Salmon Glacier,

Teil 1 Gletscher Tor bis Linkskurve

Teil 1 Gletscher Tor bis Linkskurve

Kanadas grösster mit dem Auto erreichbaren Gletscher (wir lieben diese Superlative). Nach 20 km ist auf 1125m Summit (Gipfel) erreicht

Teil 2 Linkskurve bis zu den Wolken

Teil 2 Linkskurve bis zu den Wolken

und nach weiteren 6km, vorbei an einem kleineren Gletscher endet diese Strasse vor einer aktiven (Kupfer-?) Mine.
Auf dem Rückweg sehen wir zwei dieser Mikrobären

oder waren es doch nur Marmots (Murmeltiere), während drunten an der Wildlife Observation Site manche unentwegte nun seit Stunden auf den ersten Fischliebhaber warten.

Aber eventuell könnte diese Mühe für heute vergeblich sein, denn der nächste Vegetarier sitzt ein paar km weiter,

kurz vor Hyder am Strassenrand und geniest Blätter und Beeren.
Zurück auf dem Hwy 37, weiter Richtung Süden, der letzte Bär für heute,

bevor wir dann bei Kitwanga das Ende von Hwy 37erreichen, der uns durch seinen Bärenreichtum versöhnt hat und den wir definitiv irgendwann nochmals in S-N Richtung befahren wollen. Auf dem Yellowhead Hwy (16), den wegen all unser Umwege vor Wochen Edmonton verlassen haben, nun erst einmal Richtung Westen, bis Terrace, wo wir eigentlich beim Walmart übernachten wollten. Aber hier sehen wir nun erst zum zweiten Mal bei unserer Reise durch Kanada, dass dies vermutlich zur Füllung des nahegelegenen kommunalen CP per Stadtverordnung verboten ist. Macht nichts, wir strafen die Stadt mit Steuerentzug durch Verachtung und Einkaufsbann. Ein paar km weiter finden wir am Skeena River ein lauschiges Plätzchen.

26.08.
Weiter Richtung Westen, bis wir am Fähranleger von Prince Rupert das Ende des Yellowhead Hwy erreichen. Von hier aus geht es nur noch per Schiff weiter. Prince Rupert ist eine sehenswerte Hafen - Kleinstadt, mit ´historischem´ Rathaus -

alles über 80 Jahre alt ist historisch - und vielen über die Stadt verteilten Totempfählen,

daneben gibt es hier noch ein sehenswertes Museum und im nahegelegenen Port Edward befindet sich Kanadas älteste noch in Betrieb befindliche Salmon Cannery (=Lachseindosungsfabrik).

Den grossteil des Nachmittags verbringen wir beim Stadtbummel und hoffen, doch dass Petrus noch ein Einsehen mit unseren Plänen für morgen hat und das Wetter ein bisschen besser wird, als derzeit vorhergesagt. Hier, das Meer vor uns und Berge hinter uns, ist ja angeblich alles möglich.

27.08
Heute Morgen erst noch leichter Niesselregen, aber dann reisst der Himmel auf, die Sonne bricht durch und wir fahren wie geplant mit Adventure Tours (z.Zt. Di / Do / Sa 13h, 4 Std, CAN$115,- pP + Tax)

zum Whale Watching. Hier in der Bucht vor Prince Rupert stärken sich derzeit die Humpbacks (Buckelwale) an den vorbeiziehenden Lachsen und Heringen, bevor sie dann ins Winterlager nach Hawaii ziehen. Unsere Fahrt hinaus in die Bucht führt uns an einem Felsen vorbei der mit Robben belagert ist,

während der Fischadler dort bei unserer Annäherung das Weite sucht. -
und dann, ein erster, einzelner Wal

eine riesige Qualle,

eine Gruppe von 3 Walen.

Eine Bucht weiter dann die Überraschung des Tages, eine Gruppe von etwa 15 Walen beim Bubble Circle - würde ich in etwa als Blasenfischen übersetzen.

Die Wale tauchen ´auf Kommando´ unter, entlassen nach ca. 5-7 Minuten unter Wasser etwas Luft (Bubbles) um die über Ihnen schwimmenden Fische zu verwirren und tauchen dann in einem Kreis mit weitgeöffneten Mäulern wieder auf, in denen sich neben mehreren tausend Litern von Wasser nun auch hoffentlich zahlreiche Fische befinden. Dieses, für Humpbacks übliche Verhalten hatte auch der Kapitän in diesem Jahr zum ersten Mal beobachten können und so wurde unser Aufenthalt hier um eine weitere Beobachtungsstunde verlängert - anscheinend auch sehr zur Freude eines der Wale, der uns erst mit seiner Schwanzflosse zuwinkte und dann mit einem Sprung aus dem Wasser seine ganze Masse, Grösse zeigte.
Bei der Rückkehr nach Price Rupert wurden wir noch von einem Regenbogen begrüsst

der uns anscheinend in Erinnerung bringen wollte, dass wir uns hier im Regenwald befinden - Kommentar einer Tankwartin: wir haben hier 85% der Zeit Regen, eigentlich nur nicht in Winter, aber da ist es dann dafür bitter kalt.
Zurück auf dem Yellohead Hwy, nun Richtung Osten, entdecken wir etwa 40km vor Terrace die Exchamsiks
River Provincial Park und Boat Launch, wo für neben einer Bootslände sogar kostenlose!! WoMo Stellplätze mit Feuerstelle angelegt / ausgewiesen wurden.
Haben wir bisher auch noch nicht gesehen, üblicherweise sind diese Recreation Areas als ´Day Use Only´ deklariert und mit No Camping / No Overnight Parking Schildern dekoriert. Wir nehmen dieses Angebot dankend an und verbringen wieder einmal eine Nacht am Fluss, eigentlich hier eher ein Bach.

28.08.
Weiter auf den Yellowhead Hwy16 Richtung Osten kommen wir durch Halzelton. Wir machen wieder einmal einen kleinen Abstecher (7km) und fahren über die schöne, alte, einspurige Hagwilet Bridge,

eine der höchsten Hängebrücken in Nord Amerika, - z.Zt. aber wegen Renovierungsarbeiten für Fussgänger leider gesperrt - nach Old Hazelton.

In der ´vor-Eisenbahn Zeit´ eine wichtige Handelsstadt, Endstation für die Flussboote, die Waren, auf dem Skeena River von Prince Rupert ins Innenland brachten, heute eher als ´Totem Pole Capital of the World´ bekannt, denn hier und den umliegenden Gemeinden stehen über 50 dieser prächtig geschnitzten Holzpfähle herum. Im nahegelegenen Ksan Historical Village & Museum (E=$10)

besichtigt werden. Wohl um uns die Weiterfahrt zu verkürzen, zeigte sich 2 mal ein Fuchs am Strassenrand, aber bis wir die Kamera ausgepackt hatten war der wieder im Gebüsch verschwunden. Anders dagegen die von einem Gletscher gespeisten Twin Falls

bei Smithers, die waren bei der 20 minütigen Wanderung eher immer besser zu sehen.
Die 2-Stunden Wanderung hoch zum Gletscher heben wir uns für das nächste Mal auf, dafür besichtigen wir kurz Smithers, ein kleines charmantes Städtchen mit schweizer Touch,

alpenländisch angehauchter Architektur, eigentlich sehenswert.
Den Versuch im nahegelegenen Driftwood Canyon über 50 MillionenJahre alte Versteinerungen zu besichtigen wurde von einem kräftigen Wolkenbruch verhindert - der einzige heute, aber genau zur falschen Zeit. Fahren wir eben weiter nach Houston, Heimat der weltgrössten Sägemühle (kann zwar im Juli / August besichtigt werden, aber nur vor 17h) und der weltgrössten Fly-Rod (Fliegen-Angel - 18m).

Nach so viel Superlativen sind wir echt geschafft, wir sehen noch den scheuesten Bären auf unserer Reise bisher, - streckt vor unserem Auto kurz die Nase aus dem Gebüsch, aber bis wir gebremst haben ist er auf der anderen Strassenseite schon wieder verschwunden.
In Burns Lake übernachten wir auf dem städtischen Campground am Radley Beach Park - bis 72 Stunden kostenlos!!, eine nachahmenswerte Möglichkeit Besucher anzulocken.

29.08.
Zurück auf dem Yellowhead Hwy16 finden wir 8km vor Vanderhoof eine etwa 50km lange Stichstrasse die uns zum Fort St. James führt. Einst eine der ersten Handelsstationen der Hudson Bay Company, heute eine National Historic Site mit 5 authentisch renovierten Gebäuden und zeitgemäss gekleideten Führern.

Im Warehouse wurden uns die verschiedenen Pelze vorgestellt, die damals von den Trappern gesammelt oder von den First Nations eingetauscht wurden.

Das ganze ein wirklich besuchenswerte Angelegenheit.
Zurück auf dem Yellowhead erreichen wir Vanderhoof mit seinem Open Air Museum.

Die zwei in Broschüren stark beworbenen Wasserfälle sind etwa 100km vom Ort entfernt und liegen dazu noch für uns in der falschen Richtung, so bewundern wir nur kurz den geographischen Mittelpunkt von British Columbia

Nabel der Welt???

Nabel der Welt???

und fahren dann Richtung Prince George (84.000 Ew) weiter, wo wir am Stadtrand erst einmal die Nacht verbringen.

© Anja & Wolfgang, 2015
Du bist hier : Startseite Die Amerikas Kanada Kanada-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach mehrmonatiger Reisepause geht es endlich wieder los. Diesmal von Kanada nach Alaska, von dort über Key West bis Feuerland und zurück nach Montevideo.
Details:
Aufbruch: Mai 2013
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: 08.05.2015
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Malaysia
Mexiko
Belize
Guatemala
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Uruguay
Paraguay
Brasilien
Deutschland
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.