Einmal um die ganze Welt ...

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai - Oktober 2005  |  von Sandra tiedge

Hawaii - Maui & Ohao

Den eigentlichen Anreiz fuer einen Urlaub auf Maui bzw. fuer die Weltreise an sich gab ein Haustauschangebot in der Ortschaft Kihei. Wir hatten uns in einer Tauschboerse im Internet mit unserem Haus in Suedafrika registriert. Nach etlichen Anfragen aus England erhielten wir vor mehr als einem halben Jahr endlich ein interessantes Angebot. Schliesslich fand der Tausch aus diversen Gruenden nicht statt, aber wir sind trotzdem auf Weltreise gegangen und behielten Maui auf unserer Liste.

Flughafen Honolulu, Ohao

Flughafen Honolulu, Ohao

Wir haetten es nicht fuer moeglich gehalten, doch diesmal wollte das Schicksal gegen unsere Reisestrategie spielen, naemlich nichts im Voraus zu buchen und sich immer erst vor Ort fuer einen Leihwagen oder eine Unterkunft zu entscheiden.
Bisher waren wir damit bestens gefahren, aber Hawaii war dabei, uns eines Besseren zu belehren.

Gegen 1 Uhr morgens waren wir in Honolulu, Ohao, angekommen.
Die Flughafeninformation, unsere erste Anlaufstelle, hatte uns klar zu verstehen gegeben, dass Honolulu uebers Wochenende ausgebucht sei.
Trotzdem wollten wir nicht aufgeben: mit keinem Pfennig Dollar in der Tasche, war es uns nur moeglich die gebuehrenfreien "1800" Nummern zu waehlen. Auf dem Fussboden sitzend, waelzten wir das Telefonbuch und taetigten sicher mehr als 20 Anrufe. Das Ergebnis war ernuechternd. Ausser einem Zimmer im Hyatt fuer 350$ war absolut nichts frei.
Wir hatten bereits 2.30 Uhr und da wir mehr als hundemuede waren, machten wir es uns auf den wenig bequemen Betonbaenken im oberen Stockwerk des Flughafengebaeudes gemuetlich.
Im oberen Stockwerk deshalb, weil man es uns so angeraten hatte. Es wuerden sich nachts allerlei Halunken herumtreiben, und mit unserem Gepaeck waere es besser, in der Naehe der Sicherheitszentrale zu naechtigen. Ein hervorragendes Gefuehl, ganz wie wir es von Suedafrika gewohnt sind, aber auf dieser Reise schon ein wenig verdraengt hatten.

Schliesslich schafften wir es, etwa eine Stunde zwischen unseren Gepaeckstuecken zu liegen und ein bisschen Schlaf nach zu holen. Laenger konnten wir es nicht dort aushalten. Dabei ist es fraglich, ob daran Klaus kribbelige Beine, die Unsicherheit oder die teils gesichteten Kakerlaken und Ratten die Folge waren.

Nicht wissend, die Zeit tot zu schlagen, wanderte ich auf dem Gelaende umher und fand heraus, dass wir uns immer noch auf dem internationalen Flughafen befanden.
Das Gebaeude fuer "domestic flights", total sperariert, befindet sich etwa 400m weiter.
Als die Zeit gegen Morgen heran schritt, begaben sich immer mehr Leute in Richtung dieses Gebaeudeteils. Also musste dort vielleicht schon ein Schalter geoeffnet sein. Ich informierte Klaus, wir packten unsere Gepaeckstuecke wieder auf den Handwagen und marschierten im Freien durch die immer noch dunklen Morgenstunden.

Unser Flug auf die Insel Maui, fuer den wir bereits eine Reservierung mit Pacific Wings im Gepaeck hatten, sollte uns planmaessig erst am Nachmittag herueberfliegen. Andere Fluggesellschaften, wie z.B. Aloha Airlines operierten allerdings schon ab 5.30 Uhr.
Eine kurze Frage am Schalter der Aloha Airlines ergab, dass sie noch Plaetze frei h‰tten und wir zu fast jeder gewuenschten Abflugzeit im 30 Minuten Takt zusteigen koennten. Das Problem war jedoch, dass wir uns nicht sicher waren, wie konkret unsere Reservierung mit Pacific Wings war. Konnten wir einfach bei Aloha einsteigen oder mussten wir zuerst bei Pacific stornieren? Soweit ich mich erinnern konnte, hatten wir noch keine Zahlung getaetigt, aber ob sie vielleicht doch unsere Kreditkartennummer als Reservierungssicherheit inne hielten, da war ich mir nicht allzu sicher.

Der Schalter der Pacific Wings befand sich natuerlich nicht im gleichen Gebaeude, sondern noch einmal gute 400m Fussmarsch entfernt.
Dieser oeffnete erst um 7.30 Uhr. Fuer uns uebermuedete Gestalten, eine halbe Ewigkeit.

Doch dann sprachen wir jemanden an, der immer wieder am einzigen Schalter der Airline herum geisterte. Wir erklaerten ihm unsere Situation und dann meinte er ganz trocken, es wuerde ihn wundern, wenn wir eine Reservierung haetten, denn da der Flieger der Pacific Wings nur ueber sieben Sitzplaetze verfuege, waere ihm das sicher aufgefallen. Auf unser Draengen hin, kramt er eine handgeschriebene Passagierliste fuer die heutigen Fluege aus der Schublade. Wir waren nicht vermerkt.
In der ersten Maschine seien noch Plaetze frei und sie koennten uns gerne mitnehmen, liess er uns wissen. Ob denn Mietautos in Hana, dem Zielort an der Ostkueste verfuegbar seien, fragten wir, denn wir haetten gelesen, dass Hana sehr urspruenglich sei und vom Hauptgeschehen etwa 2,5 Stunden Autofahrt entfernt ist.
Der freundliche Herr musste uns leider enttaeuschen, denn der Flughafen Hana waere nicht viel mehr als ein Landestreifen an der Regenwaldkueste und der Ort seblst wuerde nur ueber eine kleine Haeusergruppe verfuegen. Mietautogesellschaften vermute er dort nicht. Aber aufmunternt fuegte er hinzu, sie koennten uns auch zum Hauptflughafen in Kahului fliegen. Im Gegensatz zu den anderen Airlines wuerde Pacific Wings weitaus niedriger fliegen und eine schoene Sicht auf die Insel bieten. Das hoerte sich natuerlich verlockend und nach Abenteuer an.
Auf die Frage, was denn ein Flug kosten wuerde, musste er im Computersystem nachschauen, aber dieses wuerde erst um 7 Uhr hochgefahren.
Mit bester Muehe warteten wir eine weitere halbe Stunde, doch die dunklen Wolken am Himmel und den Magen ohne Fruehstueck liessen uns einen turbulenten Flug in dem Siebensitzer vermuten, und so wanderten wir schliesslich zum Aloha Ticketschalter zurueck, um uns dort zwei one way Tickets zu kaufen.

Aussicht von unserem Appartment, Lahain, Maui

Aussicht von unserem Appartment, Lahain, Maui

Keine Stunde spaeter betraten wir den Boden der Insel Maui.
Der totale Schlafentzug innerhalb der letzten 24 Stunden und die zusaetzliche Zeitverschiebung bzw. das Ueberschreiten der Datumsgrenze zehrte erheblich an unserer Kondition.
Wir muessen wie Zombies dar gestanden haben - verwunderlich, dass Vermietung "Alamo" uns ueberhaupt ein Auto anvertraut hat.

Die naechsten ca. fuenf Motels bzw. Hotels, die wir anfuhren, mussten uns auf die Frage nach einer Unterkunft enttaeuschen. Sie machten uns auch nicht gerade viel Hoffnung, da am bevorstehenden Wochenende ein Kanuwettkampf hier auf der Insel ausgetragen wird.
Wir wollten am liebsten mit dem Auto rechts ranfahren und schlafen, aber die trueben Aussichten, ueberhaupt ein Bett fuer die naechsten Tage zu finden, trieben uns weiter auf der Strasse voran.
Als wir gerade aus dem Ort Lahaina herausfuhren, erblickten wir links ein unscheinbares Gaestehaus, die zu unserem Glueck auch noch ein hervorragendes Zimmer mit Kuechenzeile frei hatten.

Sonnenuntergang, Maui, von unserer Terrasse

Sonnenuntergang, Maui, von unserer Terrasse

an Mauis Ostkueste

an Mauis Ostkueste

Sonnenuntergang auf Maui

Sonnenuntergang auf Maui

Dass wir es noch so gut antreffen, haben wir nicht zu traeumen vermocht.
So unaufgeraeumt und schmuddelig das Gaestehaus von der Strassenseite her wirkt, desto schoener zeigt es sich von seiner, dem Meer zugewandten Seite.
Das Zentrum des U-foermigen Gebaeudes bildet ein wilder tropischer Garten. Eine Steinmauer begrenzt den Weg zum Wasser. Einen Strand gibt es hier zwar nicht, aber weisse Segelboote zieren den Blick hinueber zu einer der vorgelagerten Inseln.

Wir sitzen auf der Apartment eigenen Terrasse beim Fruehstueck, aus den hauseigenen Lautsprechern ertoent leise, besaenftigende hawaiianische Traditionsmusik und wir beobachten, die immer wieder auf- und absteigenden Fallschirmsegler, die von Motorbooten in die Luefte gezogen werden.

In dieser Idylle geniessen wir nicht nur unser Fruehstueck, sondern Mutter Natur bietet uns direkt vor der Haustuer jeden Abend einen fantastischen Sonnenuntergang.
Waehrend das Meer leise Wellen gegen die Mauer vor uns schlaegt und die Masten der Segelboote sanft auf den Wogen wiegen, bilden die Wolken im Licht der untergehenden Sonne immer wieder auf ein Neues, eine solch spektakulaere Kulisse, dass diese letzten Minuten vor Hereinbruch der Dunkelheit, den Tag immer mit einem positiven Gefuehl enden lassen.
Waehrend wir eines Abends mit einem Getraenk in der Hand auf das sich verdunkelnde Meer starren, meinen wir eine Kokosnussschale vorbeischwimmen zu sehen. Doch diese entpuppt sich recht bald als eine Wasserschildkroete, die in den schaukelnden Wogen auf und abtaucht, wobei dei vermutete Nussschale ihrem Kopf. Sie ist nicht allein und in den naechsten Minuten erblicken wir mehrere dieser Lebewesen - ein fantastisches Gefuehl.

Die Hauptstrasse, die gleichzeitig das Zentrum von Lahaina bildet, ist mit Haeusern im Stil vergangener Zeiten gesaeumt. Eine angenehme Ferienstimmung kommt auf.
Bis spaet am Abend tummeln sich hier vor allem amerikanische Urlauber in den zahlreichen Souvenierlaeden, Boutiquen und Gallerien. Ehrlich gesagt, ich habe noch nie sol viele Gallerien an einem Ort, ja in einer Strasse gesehen! Ob Gemaelde, Kunstdrucke oder Fotografien, hier kann man alles kaufen, soviel der Geldbeutel hergibt.
Hawaii, speziell Maui, ist ein teures Pflaster, wie sich schnell herausstellt. Nicht nur Unterkuenfte und Restaurantbesuche liegen weit ueber dem europaeischen Durchschnitt, sondern auch einfache Lebensmittel kosten locker das Doppelte.

Gegen Sonnenuntergang bilden sich entlang der Promenade ganze Menschentrauben, um die Sonne im Meer versinken zu sehen.
Am ersten Abend verwunderte es mich sehr, warum so viele Leute einfach auf dem Buergersteig herum stehen, obwohl der goldene Ball schon laengst verschwunden ist. Nach einer Weile stellte sich allerdings heraus, dass sie alle auf das Gleiche warteten, naemlich, einen Tisch in einem der gefragten Restaurants zu ergattern.
Reservierungen scheinen entweder nicht ueblich, oder nicht erlaubt zu sein und so warten einige Leute getrost eine Stunde oder laenger auf ein freies Plaetzchen.
Diesem Prozedere koennen wir zum Glueck entgehen, weil wir die Vorzuege einer eigenen Kueche auskosten koennen.

Abendstimmung auf unserer Terrasse, The Makai Gaestehaus, Maui

Abendstimmung auf unserer Terrasse, The Makai Gaestehaus, Maui

Sandra an Lahaina's, Maui,  Promenade

Sandra an Lahaina's, Maui, Promenade

Ruderwettkampf, Maui

Ruderwettkampf, Maui

In dem sogenannten Paradies ist jede Fast Food Kette vorhanden, die man sich vorstellen moechte.
Es wird foermlich spuerbar, dass wir uns im Land der Superlativen befinden. Alles ist irgendwie schneller, grosser und weiter.
Auf Mauis Strassen fahren solch ueberdimensionale Autos, so dass unser einfacher Mietwagen - PKW richtig mickrig aussieht.
Immer wieder lesen wir Zusaetze auf Hinweisschildern oder im Inselfuehrer wie "das Beste ... , das Tollste ... , das Beruehmteste ... usw."
Natuerlich beherbergt Maui auch die laengsten, weitesten und weltberuehmtesten Straende. Jedoch leider nicht fuer unseren Geschmack. Ja, es gibt die typischen Sehnsuchtsstraende mit Palmen, die sich dem Meer zu beugen, doch wer, wie wir nun schon so viele schoene, oft einsame und natuerliche Straende rund um den Globus gesehen hat, fuer den gehoeren Mauis Straende vielleicht nicht unter die ersten zehn auf der persoenlichen Rangliste.

Auf unserer ersten kleinen Entdeckungstour entlang der Kueste Richtung Nordwesten, duerfen wir ein bisschen Wettkampfluft schnuppern.
Die Ruderfestspiele sind im vollen Gange, und am Strand tummeln sich unter den Teamzelten heimische Musikgruppen und Taenzer sowie zahlreiche Fans des jeweiligen Ruderteams.
Sobald die Mannschaften in See gestochen und das Startzeichen gegeben, beginnen ihre Teams mit Trommeln und Zurufen sie anzufeuern. Eine freudige Stimmung breitet sich aus.
Waehrend wir entlang des Strandes spazieren, passieren uns gut gebaute, sonnengebrannte Jungs in nackten Oberkoerper, oder Maedels in knappen Bikini Hoeschen.

Mit dem Auto folgen wir noch fuer etwa 50km der kurvigen Kuestenstrasse und lassen uns von den, ins Meer stuerzenden, Klippen beeindrucken.
Eher negativ beeindrucken lassen wir uns von den zahlreichen Autowracks, die einfach irgendwo am Strassenrand abgestellt wurden oder die in den Vorgaerten der Inselbewohner vor sich hin gammeln. Egal welche Route oder welche Himmelsrichtung wir anvisieren, insgesamt sehen wir sicher mehr als 200 solcher rostigen Exemplare, um die sich niemand zu scheren scheint.

Taenzer bei Ruderwettkaempfen, Maui

Taenzer bei Ruderwettkaempfen, Maui

Strand auf Maui

Strand auf Maui

auf unserer Appartmentterrasse

auf unserer Appartmentterrasse

Die Kehrseite von Maui lernen wir auf einer weiteren Tagestour kennen, naemlich auf der Strasse nach Hana.
Hana ist ein kleiner Ort an Mauis Westseite und nur ueber eine einzige, zwar geteerte, aber einspurige Strasse zu erreichen.
Die kurvenreiche Strecke schlaengelt sich durch Regenwaelder, vorbei an rauschenden Wasserfaellen und verlassenen Buchten. Nur vereinzelt finden sich kleine Haeuseransiedlungen, oder man kann nur die zugehoerigen Briefkaesten, aber nicht die Haeuser selbst, von der Strasse aus erblicken.
Dieser Inselteil gestaltet sich im Gegensatz zu seinem braun gefaerbten, mit gelben Grashuegeln gesaeumten Osten, saftig gruen. Oft regnet es aus den tief haengenden Wolken.
Natuerlich sind wir nicht die einzigen, auf dem Weg nach Hana und so passiert es, dass sich manchmal drei, vier Stossstangen aneinander reihen. Vor allem an engen Passagen und vor Bruecken staut sich der, mit 20mph vorwaerts bewegende, Autoverkehr.

Strasse nach Hana, Maui

Strasse nach Hana, Maui

Oft steigen wir fuer ein paar Fotos aus und spueren, wie frisch alles duftet.
Der leichte Nieselregen stoert schon gar nicht mehr. Vielmehr sind die mit Dunst und Wolken behangenen Regenwaldberge eine Welt fuer sich.
An einer flachen Felswand bahnt sich herab fliessendes Wasser, in stetigen Bindfaeden seinen Weg durch den dichten Farnbewuchs. Ganze Bambuskolonien kreiiren eine fantastische Baumkronenstruktur.

Wir geniessen die Fahrt und den Anblick der Natur sehr, wissen aber auch, dass wenn wir am ersten Tag nach Hana geflogen waeren, diesen Ort nicht so schnell haetten verlassen koennen.
Ausserdem herrscht hier aufgrund der Vegetation ein viel kuehleres, feuchteres Klima. Dafuer verwoehnt uns Mauis Ostseite mit seiner wohltuenden Waerme geradezu. Die Temperaturen liegen tagsueber bei etwa 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist angenehm und sogar am Abend brauchen wir weder lange Hosen, noch einen Pullover. Aber das Baden im Meer sorgt trotzdem noch fuer eine schoene Abkuehlung am Tage. Da laesst es sich prima aushalten.

Strasse nach Hana, Maui

Strasse nach Hana, Maui

Strasse nach Hana, Maui

Strasse nach Hana, Maui

Einem Urlaub auf der Insel Maui wuerde etwas Entscheidendes fehlen, waere nicht der Besuch des Kraters "Halekalea" ein weiterer Programmpunkt.
Der Wecker klingelt um 4.30 Uhr morgens und nach einer schnellen Tasse Kaffe zwischen Anziehen und Waschen befinden wir uns auf dem Weg zum einstigen aktiven Vulkan dieser Insel.
Auch wenn die Strassen um diese Uhrzeit fast wie leer gefegt sind, dauert die Fahrt doch laenger als gedacht. Als wir gerade die ersten Serpentinwindungen hinter uns lassen, steigt ueber dem Tal langsam die Sonne empor. Je naeher wir an den Krater heran kommen, um so enger verlaufen die Serpentinen und schon bald haben wir das Gefuehl ueber den Wolken zu stehen.
Auf einen Sonnenaufgang auf Mauis hoechstem Punkt muessen wir leider verzichten -da haetten wir noch frueher die mueden Knochen aus den Federn schwingen muessen.
So wie es viele der Radfahrer getan haben, die nun fertig gekleidet, mit Sturzhelm und einheitlichem Regenanzug, die Abfahrt vom Halekalea in Angriff nehmen.
Trotzdem ist die Aussicht grandios, und wir geniessen das Einatmen der kalten, erfrischenden Luft.
Die Radfahrer scheinen die Morgenfrische noch deutlicher zu spueren. Mehrere dieser organisierten Radfahrergruppen, die mit Bussen auf den Krater hinauf gefahren werden, um dann mit dem Rad den Berg hinab zu sausen, wirken mit ihrer verkrampften Haltung weniger sportlich und gleichen in ihrem Aufzug einer Gruppe Teletubbies.

Fahrt auf den Krater, Halekalea, Maui
Klaus ueber den Wolken

Fahrt auf den Krater, Halekalea, Maui
Klaus ueber den Wolken

Fahrradfahrer "Teletubbies" bei der Abfahrt vom Krater, Maui

Fahrradfahrer "Teletubbies" bei der Abfahrt vom Krater, Maui

Auf dem Halekalea, in etwa 3000m Hoehe angekommen, steht die Sonne bereits hoch. Trotzdem bekommen wir fast einen Kaelteschock, als wir aus dem Auto steigen. Da helfen unsere mitgebrachten Pullover recht wenig, und die Beine zittern weiter unter den kurzen Hosen. Andere Besucher begegnen uns mit Muetze, Schal und Handschuhen.
Wir hatten zwar mit einem Temperaturabfall gerechnet, haben diesen jedoch um Welten unterschaetzt.
Ein kurzes Aufwaermen bietet der geraeumige Infocenter, der die Taetigkeit des Vulkans und deren Folgen erlaeutert werden, und wie es deshalb zu zwei so unterschiedlichen Landschafts- und Klimabedingungen auf Maui (Ost und West) kommt.
Die silbernen Blueten der hier beheimateten Pflanze glaenzen perlmuttartig in der Mondlandschaft aus Geroell und feinen Schotter bzw. Sand.
Wir unternehmen eine kleine Wanderung zu den Kraterkegeln, die weiter unten in einem Tal liegen.
Obwohl wir keine grosse Differenz in Hoehenmetern zuruecklegen, schlaucht uns der Aufstieg erheblich. Ich haette nie gedacht, dass man auf ca. 3000m schon mit solchen Konditionsproblemen zu kaempfen haben koennte. Aber vielleicht bin ich auch nicht mehr "in Form" - das viele Autofahren in Australien hat eben doch seine Spuren hinterlassen.

auf dem Halekalea auf 3000m ueber Maui

auf dem Halekalea auf 3000m ueber Maui

Blume auf dem Halekalea, Maui

Blume auf dem Halekalea, Maui

Wanderung zu den Kraterkegeln, Maui

Wanderung zu den Kraterkegeln, Maui

Auf der Suche nach den beruehmten Surfer - Kuestenabschnitten, unternehmen wir eine weiter Entdeckungsreise in suedoestliche Richtung.
Zu unserer Enttaeuschung herrschen zu dieser Jahreszeit nicht die aus Film und Fernsehen bekannten Riesenwellen. Teilweise ist das Wasser so ruhig, dass ich mich frage, warum sich ueberhaupt Surfer da draussen tummeln, wenn sie mehr wartend im Wasser sitzen, als surfend auf einer Welle stehen.
Die meisten Leute gebrauchen die sogenannten "Longboards", mit denen nicht nur Anf‰ngern das Surfen erleichtert werden soll, sondern mit denen auch die "Gemuetlichen" unter den Profis gerne unterwegs sind.

Weiter suedlich, kurz bevor die Strasse unpassierbar wird, entdecken wir eine eher ungewoehnliche "Welle". Erscheint uns die Landschaft zun‰chst als ein riesiger umgepfluegter Acker, stellen wir schnell fest, dass hier einmal eine riesige Lawine aus gluehendem Lava geflossen ist, die sich dann ins Meer ergossen hat.
Die gesamte Gegend besteht aus schwarzem Gestein, meist riesige Platten, die aufeinander geschoben wurden und dann zerbrachen. Ein sonderbarer Anblick. Vielleicht kann man sich so den Mond vorstellen?!

Kraterkegeltal, Maui

Kraterkegeltal, Maui

Blick auf das Tal der Kraterkegel, Maui

Blick auf das Tal der Kraterkegel, Maui

ehemaliger Lavafluss, Maui

ehemaliger Lavafluss, Maui

Die sieben Tage auf Maui vergehen wie im Flug und schon bald stehen wir wieder auf dem Flughafen.
Die Autorueckgabe funktioniert mal wieder reibungslos und macht einem das Reisen wirklich angenehm.
Man faehrt auf dem Flughafengel‰nde vor, laedt sein Gepaeck aus, ueberlaesst den Schluessel dem Personal und nach wenigen Minuten erhaelt man einen elektronisch erstellten Zettel, der die Abgabe und im guenstigsten Fall "keine Maengel" sowie den Gesamtpreis bestaetigt.
Dann begeben wir uns zur Abflughalle, kaufen am Ticketschalter der Aloha Airlines ein Ticket fuer den anstehenden Flug zurueck nach Honolulu und sitzen etwa eine Stunde spaeter im Flieger. So einfach wie Busfahren!

Sonnenuntergang, Lahaina, Maui

Sonnenuntergang, Lahaina, Maui

Bergformation auf Ohao

Bergformation auf Ohao

Nach der Uebernahme des Mietwagens begeben wir uns auf die Route Richtung Norden und folgen dabei dem Kuestenverlauf.
Obwohl uns jeder angeraten hat, lieber Maui zu besuchen, da Ohao viel zu ueberlaufen und ausserdem nicht so schoen sei, sind wir nun von den gruenen, maerchenhaften Felsformationen und den Straenden Ohaos aufs Positivste ueberrascht.
Je noerdlicher wir gelangen, umso geringer wird der Autoverkehr und umso reizvoller wird die Landschaft mit ihren kleinen Fischerdorf aehnlichen Siedlungen.
Umso schwieriger wird es allerdings auch fuer uns eine Bleibe ue¸r die kommenden zwei Tage zu finden. Die meisten Unterkuenfte werden nur wochenweise vermietet. So muessen wir uns schliesslich mit einem Jugendherbergszimmer zufrieden geben, welches karg eingerichtet, aber zumindest oberflaechlich sauber ist.

auf Ohao

auf Ohao

Strand auf Ohao

Strand auf Ohao

Problematisch gestaltet sich an diesem Nachmittag die Aufbewahrung unseres Gepaecks. Der Jugendherbergsbetreiber legt uns ans Herz, nichts im Zimmer zu lassen, wenn wir nicht selbst anwesend sind. Also belassen wir unser Gepaeck im Kofferraum. Der Kofferraum traegt allerdings ebenfalls eine unuebersehbare rote Aufschrift auf weissem Untergrund, beim Parken des Auto, nichts im Kofferraum zu hinterlassen.
Irgendwie scheint uns die Insel langsam ein wenig suspekt. Als erstes sollen wir uns zum Schlafen auf dem Flughafengelaende nur in der Naehe der Sicherheistzentrale aufhalten - nun diese Warnungen!
Wir entladen unser Auto also komplett am Strandzugang bevor wir es ein paar hundert Meter weiter parken.
Unser Gelage aus Koffern und Rucksaecken sowie dem Didjeridu gleicht dabei eher einem Fluechtlingslager, als einer Sandburg.
Allerdings haben wir uns nicht nur diesen Strand ausgewaehlt, weil er leicht von der Strasse zugaenglich ist, sondern auch weil hier riesige Wasserschildkroeten an Land kommen, um in der waermenden Sonne ein Nickerchen zu halten.

Turtle Beach, Ohao

Turtle Beach, Ohao

Strandgelage am Turtle Beach, Ohao

Strandgelage am Turtle Beach, Ohao

Klaus und Riesenschildkroete beim Sonnenuntergang, Ohao

Klaus und Riesenschildkroete beim Sonnenuntergang, Ohao

Die Wasserschildkroeten stehen in keinem Vergleich zu denen auf Maui. Sie tragen einen grossen schweren Panzer auf ihren staemmigen Beinen, der wie durch eine wasserdichte Naht mit der rauen Haut verschweisst ist.
Eine dieser etwa 1 Meter langen Wasserschildkroeten gr‰bt sich gerade mit ihren Schaufelaehnlichen Beinen aus dem Meer, als sich eine Menschentraube versammelt, um dieses Urzeitlebewesen so nah wie moeglich bestaunen zu koennen.
Doch beim Bestaunen bleibt es meist nicht, deshalb ist auch eine Tierschuetzerin vor Ort, die bei all dem Jubel und Gekreische und dem Gerangel um den besten Fotospot, sich laut bemerkbar machen muss, doch bitte einen Durchgang fuer die Schildkroete zu bilden, damit sie ungehindert an den Strand kriechen kann.
Zusaetzlich traegt die Tierschuetzerin Schilder vor sich her, mit der Aufschrift "Please do not touch the turtles"! Trotzdem muss sie immer wieder Leute ermahnen, bitte Abstand zu halten. Manche wuerden sich am liebsten fuer ein Foto gleich auf die Schildkroete setzen. Ich denke mir nur, meine Guete, wir befinden uns hier nicht im Phantasialand. Was wir hier zu sehen bekommen, ist eine Seltenheit und eine natuerliche Attraktion, und wenn wir uns nicht alle ein wenig im Zaum halten koennen, dann wird es bald so etwas nicht mehr geben.

Wir verbringen den gesamten Nachmittag am Strand. Immmer wieder kommt es zu kleinen Autostaus an der vorbei fuehrenden Strasse, weil jeder wissen will, was da unten am Meer vor sich geht.
Mittlerweile liegen drei Schildkroeten im Sand und schlummern vor sich hin.
Die Menschentraube hat sich aufgeloest und nur hin und wieder kommt eine Gruppe zum Strand, um schnell ein Erinnerungsfoto zu schiessen. Die Tierschuetzerin hat bereits Feierabend, aber die Hinweisschilder stehen immer noch in unmittelbarer Naehe der Tiere. Doch leider lassen sich nicht alle Besucher nur durchs Beobachten beeindrucken und beruehren die Schildkroeten am Panzer oder gar am Kopf. Eine Frau legt sich sogar auf den Bauch neben eins dieser Tiere, und es waere nicht verwunderlich gewesen, wenn sie dem Tier auch noch einen Kuss aufgedrueckt haette.
Nachdem sich der Strand geleert hat und nur noch eine Hand voll Leute unterwegs sind, schiessen auch wir noch ein paar Erinnerungsfotos im Sonnenuntergangslicht.
Spaeter erfahren wir, dass die Wasserschildkroeten durch staendiges Beruehren von Menschenhand sterben koennen, da ihre Lymphdruesen anschwellen und ein Sekret aus Augen und Nasenoeffnung absondern.

Schildkroeten am Strand, Ohao

Schildkroeten am Strand, Ohao

"Fototapeten" Abendstimmung auf Ohao

"Fototapeten" Abendstimmung auf Ohao

Am naechsten Tag begeben wir uns nach Honolulu, weil wir dem beruehmten Waikiki Beach einen Besuch abstatten wollen. Parkmoeglichkeiten erweisen sich hier mager, und so versuchen wir, zuerst ein Hotelzimmer mit Parkmoeglichkeit zu finden.
Nach einigem Suchen, ergattern wir schliesslich eins, welches zu unserer Ueberraschung sogar ueber zwei kleine Balkone und einen Zipfel Aussicht im Wirrwarr der Hotelburgen verfuegt.
Das Hotel befindet sich nur wenige Blocks vom Waikiki Beach entfernt und so erkunden wir die Umgebung am Nachmittag zu Fuss.
Unterhalb der Strandpromenade tummeln sich hunderte von Menschen im Sand.
Eine Farbvielfalt aus Schwimmfluegeln, Luftmatratzen und Schwimmreifen schmueckt das warme Meerwasser vor den Hotels in erster Reihe.
Auf dem Gruenstreifen zwischen Strand und Strasse wird gerade ein Film gedreht und einige Passanten lassen sich vom Hauptdarsteller Autogramme geben. Wir sehen erstaunt zu. Handelt es sich etwa um Brad Pitt und wir erkennen ihn nicht?
Nein, beschwichtigt uns ein Passant, hier wird eine Fernsehserie gedreht, und die Darsteller sind gerade bei den Teenagern heiss begehrt. Beruhigt schlendern wir weiter.

Sonnenuntergang Ohao

Sonnenuntergang Ohao

Waikiki Beach, Ohao

Waikiki Beach, Ohao

Viele mutige Gaeste treiben mit Surfbrettern fern ab der farbenfroh planschenden Masse. Mit mehr oder weniger Geschicklichkeit, mit oder ohne Surflehrer ueben sie das Abpassen der Welle oder gar das erste Stehen auf dem Brett.
Auch ich ringe mich nach einer langen Ueberlegungs- und Beobachtungsphase endlich dazu durch, mir fuer eine Stunde ein Surfbrett auszuleihen. Es ist das erste Mal, dass ich so ein Ding ueberhaupt in der Hand halte, geschweige denn zu Wasser lasse.
Wie schon hundertfach beobachtet, schwinge ich mich aufs Brett und paddle mit beiden Armen hinaus zu den anderen Surfern. Ich drehe das Brett in Richtung Strand und warte so auf die erste Welle, die mir genuegend Schwung verleihen kann.
Es ist noch frueh am Morgen, denn wir sind schon zum Sonnenaufgang mit Broetchen und Kaffee hier gewesen. Trotzdem tummeln sich minuetlich mehr Surfschueler auf dem Wasser, so dass es fuer all die ungeuebten Mutigen bald schwierig wird, beim Erhaschen einer Welle, keinen Mitstreiter um zu fahren.
Ich sitze gelassen auf meinem Brett und warte, dann paddele ich wie wild drauf los, schaffe es gerade in die Hocke ueber zu gehen, und schon rollt die Welle ohne mich Richtung Strand. Also heisst es wieder raus paddeln und auf ein Neues (Nicht-)gelingen warten.

Surferpatrone "Dude", Waikiki Beach, Ohao

Surferpatrone "Dude", Waikiki Beach, Ohao

Waikiki Beach, Ohao, mit Blick auf Diamond Head rechts

Waikiki Beach, Ohao, mit Blick auf Diamond Head rechts

Sandra gegen die Wellen

Sandra gegen die Wellen

Nach 50 Minuten gebe ich auf. Meine Schultern haengen schwer und muede herunter und lassen sich nur mit Muehe zum Paddeln ueberreden und meine Bilanz sieht duester aus: nur auf einer Welle habe ich den Ansatz vom Surfgefuehl erlebt, aber auch schon bald war es mir wieder aus den Fingern geglitten.
Jetzt weiss ich, warum Surfer meist einen so durchtrainierten Oberkoerper haben und dass das, was vom Ufer leicht und geschwungen aussieht, harte Arbeit ist.

Am naechsten Tag, wir befinden uns bereits in San Francisco, fuehlt sich mein Koerper an, als wuerde ich jeden Muskel in Beinen, Bauch, Ruecken und Schulterbereich einzeln spueren.

traditionelle Tanzauffuehrung, Ohao

traditionelle Tanzauffuehrung, Ohao

stolze "Surferin"

stolze "Surferin"

© Sandra tiedge, 2005
Du bist hier : Startseite Die Amerikas USA USA-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
...nicht nur um dem Kapstaedter Winter in diesem Jahr zu entfliehen, sondern auch um in die vielen anderen Gesichter unserer Welt zu blicken. Unser Schluessel -ein flexibler Job und ein Round the world ticket der Star Alliance. Unsere Reiseroute in Stationen: Kapstadt - Koeln - Singapur - Koh Samui - Shanghai - Sydney - Maui - San Francisco - Calgary (Kanada) - Koeln - Kapstadt.
Details:
Aufbruch: 29.05.2005
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Oktober 2005
Reiseziele: Singapur
Thailand
China
Australien
Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Sandra tiedge berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.