2 Jahre lang kreuz & quer durch die Americas

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2013 - Mai 2015  |  von Anja & Wolfgang

USA - Alaska - ab 02.08.2013: AK2 14.08 - 21.08.2013 1750km +1T YT(520 km)

Ziel: Weiter im Gegenuhrzeigersinn durch Alaska, zu den Gletschern von Valdez, zurück nach Tok und auf dem Alaska Highway Richtung Süden nach Haines und Skagway
Wetter: an 3 Tagen teilweise kräftiger Dauer-Regen, ansonsten heiter bis sonnig, < 25º

Wir verlassen Anchorage und fahren auf den Glenallen Highway Richtung Osten, kommen zum Matanuska Glacier

fahren dort zum Gletscherpark (in Pfrivatbesitz) und beschliessen, dass uns die Besichtigung dort zu Fuss keine $ 20 pP Wert ist.
Kurz vor Glenallen dann ein erster Blick auf die Wrangell Mountains,

eine Kette von 4 knapp 5000m hohen Bergen und folgen dann dem Richardson Highway Richtung Süden. Vorbei an Copper Center, das wir erst auf dem Rückweg besichtigen werden und dem Worthington Glacia State Park

wo der Gletscher kostenlos betreten werden kann, über den Thompson Pass (800m), an den Bridal Vail Falls und den Horsetail Falls

Führt uns der Weg nach Valdez, unserem Ziel für heute. Hier buchen wir noch schnell eine Glacier & Wildlife Cruise auf der Lu-Lu Belle

(ca. 7 Std., $120 pP) deren Kapitän und Führer aus Leidenschaft uns von anderen Mitreisenden sehr empfohlen wurde. Wir suchen uns noch einen Platz für die Nacht und harren der Dinge.

15.08.
Um 10:30 sind wir am Pier, erhalten unsere ´Sicherheitsbelehrung´ und pünktlich um 11h legen wir ab. Bereits kurz nach dem Hafenbecken sehen wir eine Gruppe von See-Ottern, die auf dem Rücken liegend den Morgen geniessen.

Kurz darauf sehen wir diesen Weisskopf-Adler (Golden Eagle), Amerikas Wappentier

und eine Gruppe Seelöwen beim Verdauungsschlaf.

Wir fahren an immer mehr Eisschollen vorbei, die zum Teil mit See-Ottern belegt sind

und erreichen dann den Columbia Gletscher (hier: Luft 0º, Wasser 0,3º),

Nordamerikas zweitgrössten Tidal Glacier = ein Gletscher, der sich ins Meer ergiesst und durch seine Abbrüche Eischollen und Eisberge produziert.

Wir haben über eine Stunde Gelegenheit, dem Gletscher beim ´krümeln´ zu beobachten, bevor es zurück nach Valdez geht.
Hier noch ein Blick auf den Ölhafen,

wo der 800 Meilen lange Pipeline endet, die uns auf dem Weg zum Polarkreis begleitet hat.
Leider haben wir heute, wie schon die Boote der letzten drei Tage, keine Wale gesehen - die sind bereits unterwegs in die wärmeren Gewässer um Hawaii und Mexico - dafür sehen wir im Hafen diesen frisch gefangenen Heilbutt (ca. 40kg.).

Der Tagessieger von heute mit über 80kg ist bereits zerlegt und abtransportiert.

16.08.
Unser Weg zurück auf dem Richardson Highway führt uns wieder über den Thompson Pass

bis zur Einmündung des Edgerton Highways. Diesem folgen wir bis Chitina, einst Erzverladestation, heute fast eine Geisterstadt. Hier überqueren wir den Copper River und fahren nun auf einer mässig gepflegten Staustrasse in den Südteil des Wrangell-St. Elias Nationalparks.
In diesen Park, mit 20.500 Quadratmeilen, den grössten der USA, etwa 6* so gross wie Yellowstone und damit auch grösser als die Schweiz führen nur 2 Strassen, die südliche McCarthy Road, die nach 60 Meilen nahe der Kennecott Mine in McCarthy endet und die nördliche Nabesna Road, die nach 42 Meilen bei der Nabesna Mine endet. Der Rest dazwischen enthält u.a. 9 der 16 höchsten Berge in USA und den grössten Tidewater Gletscher (Hubbart-) Nord-Amerikas ist nur zu Fuss oder per Flugzeug erreichbar.
Die McCarthy Road verläuft im Wesentlichen auf der Eisenbahnstrecke die einst zum Abtransport des Kupfererzes aus der Kennecott Mine angelegt wurde. Nachdem die Mine ausgebeutet war, wurden einfach die Geleise entfernt, das Bahnbett aufgeschottert und schon war die Strasse fertig. Sogar der Kuskulana River / Canyon

wird einspurig auf der alten Bahnbrücke überquert, nur das mittlerweile recht baufällig erscheinende hölzerne Gilahina Viadukt

wird umfahren. Kurz vor McCarthy ist die Strasse dann zu Ende, der Nizina River wird auf einer Fussgängerbrücke überquert. Die nächsten 5 Meilen hoch zu den Kenencott Mines können nur noch zu Fuss oder per Shuttlebus ($5,- einfach / pP ) zurückgelegt werden.

Ein Teil der Gebäude dieser ehemaligen Minenanlage ist bereits zur Besichtigung freigegeben, der Großteil der Anlage wird derzeit aber noch stabilisiert / renoviert. Wir entschliessen uns auf Anraten eines Parkrangers zu einer 4 Meilen Rundwanderung zum Root Gletscher

und können sogar bequem aufs weisse Eis vordringen. Weil die Sonne immer noch scheint gehen wir gleich noch die 5 Meilen zurück nach McCarthy und machen dort im Golden Saloon noch eine kleine Bierprobe.

Da man in diesem Park überall frei stehen darf, fahren wir noch zurück auf den Aussichts-Parkplatz bei der Kuskulana Brücke.

17.08.
Zurück über die Brücke nach Chitina und dort auf dem Edgerton Hwy zurück zum Richardson Hwy. Unterwegs bei einer Farm diese Alaska Yaks fotografiert,

die uns sehr an ihre tibetischen Verwandten erinnerten. Im stark beworbenen Copper Center fiel uns nur diese ca. 60 Jahre alte Kirche auf,

Im nahegelegenen Visitor Center des NP schauen wir uns einen 22 minütigen Film an, in dem gezeigt wird, was im NP an Bergen Gletschern, Tieren jenseits der 2 Strassen sonst noch so alles zu sehen ist.
Tipp für Nachfahrer: Dieser Film wird jeweils zur vollen Stunde gezeigt und sollte unbedingt angesehen werden.
Bei Gulkana den Richardson Hwy wieder verlassen um auf dem Tok Cutoff Hwy Richtung Osten fahren. In der Ranger-Station bei Slana, am Beginn der Nabesna Road, der nördlichen Strasse in den Wrangell-St. Elias Nationalpark erhalten wir diese CD mit einer detaillierten Beschreibung der Sehenswürdigkeiten / Berge /Tiere am Strassenrand.

Leider hat uns mittlerweile das seit Tagen angekündigte Regenwetter eingeholt, so dass heute dank tiefhängender Wolken nicht viel zu sehen, zu erkennen ist. Wir fahren trotzdem die 40 Meilen lange Schotter-Strecke ab, wobei auch 3 seichte Bäche durchquert werden müssen. Auf dem Weg zurück schlagen wir dann bei MM 28 auf dem kostenlosen!! Kendesnii Campground (10 Plätze mit Picknick Table und Feuerstelle), nahe der Twin Lakes unser Nachtlager auf und hoffen auf besseres Wetter für Morgen.

18.08.
Leider hat sich das Wetter über Nacht nicht gebessert,

so dass wir den NP ohne jegliche Tiersichtung relativ enttäuscht verlassen - Kommentar des Rangers, als wir die CD wieder abgeben: Die sind alle noch droben auf dem Berg...
Wir fahren auf dem Tok Cutoff Hwy weiter nach Tok, gehen dort ins Visitor Center und die restlichen Infos für den Süden Alaskas abzuholen und erleben beim Verlassen des Visitor Centers den Schock des Tages: Unser 11000km alter, rechter Hinterreifen ist platt - und wie sich später herausstellt dank schleichendem Luftverlust so beschädigt dass er nur noch zum Wegwerfen taugt - sch... öner Sonntagnachmittag. Ein passender Reifen ist leider in der Kleinstadt nicht aufzutreiben, so dass wir ab jetzt eben mit einem ähnlichen Reifen herumfahren (195 statt 205 und 92H statt 94T). 2 Stunden später und um $110 ärmer fahren auf dem Alaska Highway Richtung Süden, überqueren im mittlerweile strömenden Regen die Grenze nach Canada (Yukon) und finden am Donjek River einen SP für die Nacht.

19.08.
Das Wetter bessert sich etwas, jedoch bleibt die Sicht auf die naheliegenden Gletscher und Berge der Kluane Nationalparks und der Tatshenshini Wilderness Area sehr eingeschränkt.

Diese Parks, verbunden mit dem Wrangell-St. Elias Nationalpark sind zum 37.000 Quadrat-Meilen grossen UNESCO WeltKulturerbe erklärt und beinhalten u.a. das weltgrösste Eisfeld ausserhalb der Polarkappen.
Wir müssen uns jedoch vorerst mit dieser Elchkuh am Strassenrand begnügen,

bevor wir Haines Junction mit seiner reich dekorierten Kreuzung zum Haines Cutoff

und Yukons meist-fotografierter Kiche erreichen.

Auf dem Haines Cutoff Richtung Süden überqueren wir zuerst den 60. Breitengrad und sind somit wieder einmal in BC, wo wir von der dortigen Strassenpatrouille auch sofort angemessen begrüsst werden.

Wir überqueren den 1070 m hohen Haines Summit, sehen endlich mal ein paar Gletscher aus der Nähe,

und überschreiten die Grenze zu Alaska.
19 Meilen nördlich von Haines erreichen wir die Chilkat Bald Eagle Preserve.

Hier treffen sich jeden Spätsommer hunderte dieser Weisskopf-Fischadler um die vorbeiziehenden Lachse zu begrüssen. In der Tourist Info werden wir auf die örtliche Micro Brauerei aufmerksam gemacht, die sich im nahegelegenen Dalton City - einer ´Westernstadt´ auf den Fair Grounds befindet.

Hier finden wir zum ersten Mal ein Verzeichnis der Micro-Brauereien Alaskas und müssen stolz feststellen, das wir bereits 6 der insgesamt 22 auch so gefunden haben - vor allem, da sich der Grossteil der restlichen Brauereien abseits unserer Route befindet.
Den frühen Abend verbringen wir in der Chilkoot Lake Recreation Area (nicht zu verwechseln mit dem Chilkat River!!!, da sind die Adler) um den berühmten ´fischenden Grizzly Bären´von Haines beim Abendessen zuzusehen.
Papa Bär holt sich am Wehr die Lachse frisch aus dem Fluss,

während Mama Bär nach Klein Bär Ausschau hält,

der sich mal kurz im Gebüsch versteckt hat.

Wir verbringen einen bärenfreien Abend bei Lachsfischern am Chilikat River.

20.08.
Heute Morgen gehen wir in der Public Library für eine Stunde ins Internet und fahren danach zum Ferry Terminal wo wir eine Überfahrt nach Skagway, unserem vorerst letzten Ziel in Alaska buchen. (Di - So. 12:30, 1Std. Fahrzeit, $31pP + $41 für Fahrzeuge <5m).
Im Hafen von Skagway liegen 5 dieser Kreuzfahrtungetümer vor Anker

und entsprechend gross ist der Touristenrummel in einer Stadt mit 900 Einwohnern und durchschnittlich 900.000 Sommertouristen pro Jahr.
Einst war Skagway das Tor zum Klondike, jeder der Goldsucher startete hier auf seinem beschwerlichen Weg über den White Pass - und dieser Schneeräumer veranschaulicht deutlich, welche Schneemengen im Winter da droben auf ca. 800m Höhe liegen.

Die Stadt selbst, klein, kompakt, modernisiert, völlig dem den Boots-Touristenmassen angepasst,

neben einer Micro Brewery eigentlich fast nur Tour-Anbieter, Schmuck- und Kunst-gewerbe-läden.
Im nahegelegenen Dyea war der Ausgangspunkt des Chilikoot Trails, der über den Chilkoot Pass zum Klondike führte. Diese Stadt wurde jedoch 1898 mit Fertigstellung der Eisenbahnverbindung von Skagway nach Whitehorse aufgegeben. Diese historische Eisenbahnlinie - `The Scenic Railway of the World´ ist immer noch (wieder?) in Betrieb, ($120 einfach, Kombitouren bis $229 H/R werden angeboten).
Erlebnishungrige Wanderfreunde können dagegen auf dem Chilikoot Trail 33 Meilen weit die Erfahrungen der Goldgräber nachempfinden, der ehemalige White Pass Trail ist dagegen über weite Strecken mittlerweile unpassierbar.
Persönlich hat uns Dawson City YT am deren Ende der Klondike Trails wesentlich besser gefallen.

21.08.
Heute Morgen ein letzter Blick auf Skagway wo bereits die nächsten drei Kreuzfahrer im Hafen liegen und dann im Nebel, in tiefliegenden Wolken parallel zur Eisenbahnlinie hoch auf den ca. 800 m hohen Pass. Die Landschaft da droben wäre eigentlich unheimlich schön, lauter kleinere und grössere Seen, aber die Sicht ist teilweise unter 50m.
Bei Fraser BC überqueren wir die Grenze zu Kanada

und nach den üblichen Fragen nach Aufenthaltsdauer, Alkohol, Waffen und Tiere an Bord sind wir wieder zurück in Kanada.
Hier beenden wir unseren Bericht über Alaska, wir wollen zwar nochmal für ein paar Stunden zurück nach Hyder, AK, aber das wird dann unter BC veröffentlicht.

Zusammenfassung:

Alaska wirbt mit Slogans wie: "Teilt Alaska, dann ist Texas der drittgrösste Staat der USA"
- und Texas ist schon deutlich grösser als Deutschland.
Oder: "Wir haben auch 4 Jahreszeiten: Juni, Juli, August und Winter".
Oder: Wir haben nur 3 Jahreszeiten: "Letzter Winter, Regenzeit und kommender Winter".
Alaska, ein unendlich weites Land, grosse Teile davon nur mit dem Schiff oder Flugzeug erreichbar, die Hauptstrassen zwar meist asphaltiert, aber dank dem Permafrostboden laufend in Reparatur, also auch hier kilometerweise Staub, Steine, Rollsplit.
Wir haben hier einen der trockensten und wärmsten Sommer der letzten 15 Jahre erleben dürfen, haben 5700 km zurückgelegt, haben dabei in 3 Wochen die meisten der ´guten´ und auch ein paar der nicht ganz so ebenen Strassen abgefahren und auch wir haben dabei den hier schon fast obligatorischen Reifen verloren.
Alaska, ein Land von dem man sagt: "Entweder kommst Du nur einmal her, oder Du wirst süchtig".
Für uns steht ganz klar fest:
Wir müssen hier noch einmal her.

© Anja & Wolfgang, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach mehrmonatiger Reisepause geht es endlich wieder los. Diesmal von Kanada nach Alaska, von dort über Key West bis Feuerland und zurück nach Montevideo.
Details:
Aufbruch: Mai 2013
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: 08.05.2015
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Malaysia
Mexiko
Belize
Guatemala
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Uruguay
Paraguay
Brasilien
Deutschland
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.