Coulee, Cataldo & Caldera

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2016  |  von Ulrich Mattheus

Bisons und andere Vierbeiner

Zwischen 1978 und 1992 wurden im Yellowstone Nationalpark 56 Menschen von Bisons getoetet, aber nur 12 von Bären. Bisons sind, ähnlich wie Kaffernbüffel in Afrika, unberechenbar. Sie warnen nicht vor einem Angriff. Sie laufen einfach los. Wehe dem, der ihnen im Weg steht.

Zwischen 1978 und 1992 wurden im Yellowstone Nationalpark 56 Menschen von Bisons getoetet, aber nur 12 von Bären. Bisons sind, ähnlich wie Kaffernbüffel in Afrika, unberechenbar. Sie warnen nicht vor einem Angriff. Sie laufen einfach los. Wehe dem, der ihnen im Weg steht.

Bisons

Bisons waren die Lebensgrundlage vieler Stämme der First Nations. "Tatonka" (= "Büffel" in Sioux und Lakota) war Schutz, Nahrung, Werkzeug, Kleidung und Bettzeug. Alles aus einem Tier!
Yellowstone ist der einzige Ort der Vereinigten Staaten, wo das Bison (Bison bison) seit prähistorischer Zeit kontinuierlich lebte. Die Yellowstone-Bisons sind einzigartig, weil sie nicht nur die grösste Bisonpopulation auf öffentlichem Land ist, sondern auch eine der wenigen Herden, die sich nicht mit Hausrindern vermischten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Herden können die Bisons sich relativ frei im Yellowstone Park und angrenzenden Gebieten in Montana bewegen. Sie zeigen zudem auch alte Verhaltensmuster ihrer Vorfahren, zum Beispiel eine Zusammenrottung während der Brunft, jahreszeitliche Wanderungen und das Erkunden neuer Weidegebiete. Dieses Verhalten hat beträchtlich zur Erholung der Bestände beigetragen, die vor einem Jahrhundert hart an der Grenze zur Ausrottung waren.

Lamar Valley
Bei genauer Betrachtung sieht man auf der weiten Flussebene lauter schwarze Punkte. Je länger man hinblickt, umso mehr Punkte sieht man. Hunderte, vielleicht tausend oder mehr. Jeder Punkt ist ein über 600kg schweres Tier. Jeder Punkt ist ein BISON! Unglaublich, dass Bisons vor 100 Jahren an der Grenze der Ausrottung waren!

Lamar Valley
Bei genauer Betrachtung sieht man auf der weiten Flussebene lauter schwarze Punkte. Je länger man hinblickt, umso mehr Punkte sieht man. Hunderte, vielleicht tausend oder mehr. Jeder Punkt ist ein über 600kg schweres Tier. Jeder Punkt ist ein BISON! Unglaublich, dass Bisons vor 100 Jahren an der Grenze der Ausrottung waren!

Heute gibt es jedoch neue Schwierigkeiten zu überwinden. Einige Bisons sind mit Brucellose infiziert, einer bakteriellen Erkrankung, die Bisons, Hirsche, aber auch Hausrinder befallen kann. Um Konflikte mit Ranchern und anderen Personen ausserhalb des Parks zu vermeiden, arbeitet der National Park Service mit Bundesbehörden, Staatsbehörden und lokalen Stammesgesellschaften zusammen, um die Wanderungen der Bisons, die im Winter den Park teilweise verlassen, zur Zufriedenheit aller zu regeln.
Es gibt aber immer wieder auch Konflikte mit Touristen. Ich selbst habe im Park gesehen, wie chinesische Touristen in Bisonherden hineinlaufen, um Selfies zu schiessen. Die Leute haben keine Ahnung, dass sie sich dabei nicht nur den gefährlichsten Tieren des nordamerikanischen Kontinents nähern, sondern sich - falls sie die Begegnung überleben - auch noch mit ansteckenden Krankheiten infizieren können. Die Sprachbarriere verhindert Kommunikation, die hier womöglich das ein oder andere Mal lebensrettend wäre.
Von einem anderen Vorfall las ich wenige Tage, bevor ich in Yellowstone ankam. Im Spätwinter gibt es immer wieder Kälteeinbrüche mit Schnee und eisigen Winden. Eine amerikanische Familie packte kurzerhand ein Bisonkalb in ihren Kombi, um das Tier "vor der bitteren Kälte zu schützen". Die von der Familie eifrig herbeigeholten Angestellten der Nationalparkverwaltung konnten das Kalb nur noch erschiessen lassen - die Mutterkuh hätte es wegen des Fremdgeruchs nicht mehr angenommen.

Das war eine goldige Überraschung direkt am Strassenrand! Ein Bisonkalb mit seiner Mutter. Ich war sprachlos ob meines Glücks.

Das war eine goldige Überraschung direkt am Strassenrand! Ein Bisonkalb mit seiner Mutter. Ich war sprachlos ob meines Glücks.

Schwarzbären

Der amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) ist die häufigste und verbreitetste Bärenart Nordamerikas. Jedoch ist das Yellowstone Ökosystem eines der wenigen Gebiete südlich von Kanada, wo Schwarzbären mit Grizzlys koexistieren.

Von 1910 bis 1960 erlaubten Parkmanager das Füttern von Schwarzbären, obwohl der National Park Service dies nicht gerne sah. Während dieser Zeit wurden für viele Leute Schwarzbären zusammen mit Old Faithful das Symbol von Yellowstone. "Yogi Bear" ist vielen sicher noch ein Begriff. Seit 1960 versuchen Parkmitarbeiter die Schwarzbären von menschlicher Nahrung zu entwöhnen.

Mama Bear
Von 1910 bis 1960 erlaubten Parkmanager das Füttern von Schwarzbären, obwohl der National Park Service dies nicht gerne sah. Während dieser Zeit wurden für viele Leute Schwarzbären zusammen mit Old Faithful das Symbol von Yellowstone. "Yogi Bear" ist vielen sicher noch ein Begriff. Seit 1960 versuchen Parkmitarbeiter die Schwarzbären von menschlicher Nahrung zu entwöhnen.

Mama Bear
Von 1910 bis 1960 erlaubten Parkmanager das Füttern von Schwarzbären, obwohl der National Park Service dies nicht gerne sah. Während dieser Zeit wurden für viele Leute Schwarzbären zusammen mit Old Faithful das Symbol von Yellowstone. "Yogi Bear" ist vielen sicher noch ein Begriff. Seit 1960 versuchen Parkmitarbeiter die Schwarzbären von menschlicher Nahrung zu entwöhnen.

Dickhornschafe

Das bighorn sheep (Dickhornschaf, Ovis canadensis) ist eine Schafart, deren Hörner bis zu 14kg schwer werden können, während das ganze Tier bis zu 140kg schwer werden kann. Es wanderte in prähistorischer Zeit über die Beringstrasse ein und teilte sich in 3 Unterarten, zog ein in die Mythologie der First Nations und um 1900 brach die Population wegen eingeschleppter Krankheiten und Überjagung ein.
Dickhornschafe gehörten für die Apsaalooka (ein Stamm der Crow) zu den am meisten bewunderten Tieren. Die Bighorn Mountain Range war früher zentrales Stammesgebiet der Apsaalooka. Auch zwei Flüsse sind nach den Tieren benannt: der Bighorn River und der Little Bighorn. Letzterer ist berühmt geworden wegen der Schlacht am Little Bighorn. General Custer und sein 7. Kavallerieregiment wurden von einem Zusammenschluss mehrere Indianerstämme vernichtend geschlagen. Die Stammesführer Crazy Horse, White Bull und Chief Gall wurden von den Visionen eines Sitting Bull zum Sieg getragen.

Bighorn Sheep

Bighorn Sheep

Gabelböcke

Das Pronghorn (Gabelbock, Antilocapra americana) ist ein Wiederkäuer und füllt in Nordamerika die ökologische Nische der Antilopen. Es ist aber nicht mit den Antilopen und auch nicht mit Ziegen verwandt, auch wenn es oft "pronghorn antelope" oder "prairie antelope" genannt wird. Im Pleistozän gab es ca. 12 Antilocapriden in Nordamerika, 3 Arten existierten noch, als Menschen auf den Kontinent kamen. Heute ist das Prongjorn einziger Vertreter seiner Tierfamilie und die nächsten Verwandten seiner Superfamilie sind die Giraffen und das Okapi.

Pronghorn

Pronghorn

Maultierhirsche

Mule Deer (Maultierhirsch, Odocoileus hemionus) ist eine sehr verbreitete Hirschart im gesamten Westen des Kontinents. Immer wieder sahen wir nur Hirschkühe, niemals aber männliche Hirsche. Liegt das an der Jahreszeit? Wir wissen nur, dass im Winter kaum mehr als 100 Exemplare im Park leben, im Sommer aber bis zu 2500 Tiere im Park anzutreffen sind. Die gesichteten Tiere im Winter beschränken sich meist auf die Gebiete um den nördlichen Parkeingang.

Mule Deer

Mule Deer

Wapitis

Wapitihirsche (Elk, Cervus elaphus) sind das am weitesten verbreitete große Säugetier im Yellowstone Nationalpartk. Amerikanische Siedler europäischer Abstammung verwendeten das Wort „Elk“, um dieses Tier zu bezeichnen, wobei dieses Wort in Europa für den Elch verwendet wird, was bei europäischen Besuchern große Verwirrung verursacht. Das Shawnee-Wort „wapiti“, das „weißer Hirsch“ oder „Hirsch mit weißem Ende“ bedeutet, ist ein anderer Name für „Elk“. Der nordamerikanische Wapitihirsch wird als gleiche Art wie der Rothirsch in Europa betrachtet.

Elk = Wapiti

Elk = Wapiti

Rotfuchs

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) wurde seit den 1880er Jahren in Yellowstone dokumentiert. Im Vergleich zu anderen Hundeartigen ist der Rotfuchs der kleinste. Rotfüchse tragen ihr Fell je nach Jahreszeit in verschiedenen Farben, aber im Gegensatz zu Kojoten haben sie immer diesen Rotton und oft auch "schwarze Socken". Ausserdem sind Kojoten viel grösser, aber das könnte man nur im direkten Vergleich gut sehen. Die meisten Füchse in den zusammenhängenden 48 Staaten der U.S.A. sind eine Unterart des europäischen Rotfuchses. Sie wurden im 18. und 19. Jahrhundert zur Fuchsjagd und Fellzucht eingeführt, flüchteten von den Farmen und breiteten sich allmählich in Richtung Westen aus. Die Anzahl der Füchse in Yellowstone ist unbekannt, dürfte aber weit unter der Zahl der Kojoten liegen.

Rotfuchs

Rotfuchs

Grizzlies

Der Grizzly Bear (Ursus arctos horribilis) ist eine Unterart der Braunbären. Wissenschaftlich korrekt heisst er "North American brown bear". Braunbären kamen vor ungefähr 50000 Jahren vom eurasiatischen Kontinent nach Nordamerika. Vor 13000 Jahren besiedelten sie dann die heutige Fläche der USA, haben sich also nur unwesentlich vor dem Menschen auf dem Kontinent verbreitet.
im 19. Jahrhundert trennte man 86 verschiedene Braunbärenarten, 1928 blieben davon nur 7 und 1953 existierte nur noch eine einzige Art von Braunbären mit einigen Unterarten.

Mama steht in der Küche und sorgt für das Essen, während die Kleinen im Garten herumtoben. So oder so ähnlich wird die Situation schon sein. Die Grizzlybärenmutter führte ihre Jungen zum ersten mal ins Tal, nachdem sie hoch im Gebirge überwintert hatten. Das Familienglück war sehr weit weg: ich musste das grösste Teleobjektiv auspacken und später das Bild noch beschneiden.

Mama steht in der Küche und sorgt für das Essen, während die Kleinen im Garten herumtoben. So oder so ähnlich wird die Situation schon sein. Die Grizzlybärenmutter führte ihre Jungen zum ersten mal ins Tal, nachdem sie hoch im Gebirge überwintert hatten. Das Familienglück war sehr weit weg: ich musste das grösste Teleobjektiv auspacken und später das Bild noch beschneiden.

In Alaska lebe etwa 30000 Braunbären, nur 1500 leben in den 48 zusammenhängenden US-Staaten, davon etwa 600 im Yellowstone-Teton-Gebiet. 800 leben in Montana und 70-100 Exemplare im nördlichen und östlichen Idaho. Insgesamt gesehen bevölkern Braunbären in Kanada und den Vereinigten Staaten heute nur noch die Hälfte ihres historischen Lebensraums. Seit 1975 waren die Braunbären auf der Liste der bedrohten Arten, heute gibt es aber Vorschläge, den Bären aufgrund der erholten Populationen von der Liste zu streichen.

Zeichen der Zeit
Ein schlechtes Zeichen. Zeit zu verschwinden. Hier war ein Bär!

Zeichen der Zeit
Ein schlechtes Zeichen. Zeit zu verschwinden. Hier war ein Bär!

Die Geschichte vom bösen Wolf

Ich hatte grosses Glück, Grizzlys in freier Natur beobachten zu können. Mein Reisebegleiter, der schon seit seiner Kindheit immer wieder in den Park kam, hatte diesmal auch seine Grizzly-Premiere. Noch aufregender hätte ich die Sichtung von Wölfen gefunden. Der Wolf hatte und hat einen schweren Stand in den Vereinigten Staaten (wie übrigens auch in Deutschland!). Nach der Eröffnung des Nationalparks im Jahr 1872 wurden Wölfe nach und nach abgeschossen, weil man der Meinung war, dass sie die zunehmenden Touristenströme gefährden könnten und dass sie ohnehin nur Schädlinge seien. So wurde der Wolf um 1920 in dieser Region komplett ausgerottet.
1995 wurde ein 31-köpfiges Wolfsrudel von Kanada umgesiedelt nach Yellowstone. Seit dieser Zeit brach die Population der Wapitihirsche stark ein. Alle Wolfshasser, besonders die Rancher um den Nationalpark herum, fanden natürlich den Schuldigen leicht heraus: es war der böse Wolf, der ein grosse Gefahr für alle anderen Vierbeiner sei. Dies ging so weit, dass die bedrohten Wölfe wieder zum Abschuss freigegeben werden sollten. Dies ist dann auch im Frühjahr 2017 geschehen in Wisconsin, Montana und Wyoming. Sogar Wölfe innerhalb des Parks dürfen abgeschossen werden, solange sich der Jäger ausserhalb des Parks befindet. Diese Regelung wurde durchgesetzt, obwohl die Wissenschaft das Rätsel um die dezimierten Wapitihirsche löste!

Antelope Creek
Auf einer Wanderung im Yellowstone Nationalpark überquerten wir einen Bach, dessen Namen ich lange suchen musste. Schon wenige Meter von der Strasse entfernt ist alles naturbelassen. Umgestürzte Bäume werden nur beseitigt, wenn sie auf die Strasse oder auf markierte Geh- oder Wanderwege stürzen.

Antelope Creek
Auf einer Wanderung im Yellowstone Nationalpark überquerten wir einen Bach, dessen Namen ich lange suchen musste. Schon wenige Meter von der Strasse entfernt ist alles naturbelassen. Umgestürzte Bäume werden nur beseitigt, wenn sie auf die Strasse oder auf markierte Geh- oder Wanderwege stürzen.

In jahrelangen Bemühungen fanden Forscher heraus, dass nicht Wölfe, sondern Braunbären (Grizzlys) vermehrt Hischkälber reissen. Was war aber geschehen? Die Population der Braunbären ist seit Jahrzehnten stabil und auf den ersten Blick gab es keinen Grund für Bären, plötzlich so viele Hirschkälber zu reissen. Also schaute man genauer auf das Verhalten der Bären und stellte fest, dass sie kaum noch Forellen in den Flüssen fingen. Jetzt waren aber Forellen nicht in ihren Beständen geschrumpft, da Sportfischer keine entsprechenden Meldungen gemacht hatten. Eine (sehr schwierig festzustellende) Änderung der Forellenpopulationen war aber trotzdem die Ursache! Offensichtlich wurde ungefähr gleichzeitig mit dem Aussetzen des Wolfsrudels - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - eine zweite Forellenart in die Gewässer in und um Yellowstone ausgesetzt. Ich muss hier übrigens erwähnen, dass die Forellen im Einzugsgebiet des Yellowstone River die beiden grossen Wasserfälle des Flusses NICHT überwinden können. Die zweite Forellenart verdrängte nun die verwandte erste Art. Der Unterschied der beiden Arten liegt u.a. in ihrem Laichverhalten und den typischen Aufenthaltsorten der Fische. Während die herkömmlichen Forellen in kleine Bäche zum Ablaichen aufstiegen (wo sie dann von Bären gefangen wurden), tut das die eingeführte Forellenart nicht. Sie bevorzugt tiefere Gewässer wie z.B. Seen. So war diese Art dem Zugriff der Bären entzogen und sie konnte sich ungestört vermehren. So intakt wie sich das Yellowstone-Ökosystem äusserlich gibt, so empfindlich und zerbrechlich ist dieses delikate Gleichgewicht. Heute versuchen Forscher, die neue Forellenart zugunsten der alten Art zurückzudrängen, indem die abgelaichten Eier durch Elektroschockbehandlung zum Absterben gebracht werden. So hoffen die Wissenschaftler, dass Bären in den kommenden Jahrzehnten wieder ihre ursprüngliche Nahrung werden jagen können. Die Geschichte vom bösen Wolf war (wieder mal) voreilig - und falsch!

© Ulrich Mattheus, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Hä?", werden sich die meisten da fragen. Hinter diesen Begriffen stehen eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu einem Supervulkan. Von Portland/Oregon nach Moose/Wyoming im Grand Teton Nationalpark, sind es 1635 km. Unterwegs begegneten uns technische Meisterleistungen, geschichtsträchtige Orte und am Ende erwanderten wir die Caldera des ältesten Nationalparks der Welt.
Details:
Aufbruch: 18.05.2016
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 23.05.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
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