Travel around the world mit NicFlo (Sept. 04 - Juni 05)

Reisezeit: September 2004 - Juni 2005  |  von Florian Lehner

Bolivien - Was geschah nach Bolivar?: Potosi - dunkle Seiten der (fruehen Neu)Zeit

POTOSI - Cerro Rico, der reiche Berg. Hier sollen seit dem 16.Jh., als die spanischen Conquisatoren das Land blutig eroberten, bis heute 8 Millionen (!!!) Menschen in den Bergwerken im Sklaven- und Arbeitsdienst ums Leben gekommen sein. Das Silber, das man aus den Minen gewann, koennte dazu reichen, um eine silberne Bruecke ueber den Atlantik nach Spanien schlagen zu koennen!
Als wir in dieser lebendigen Andenstadt ankamen, war uns klar, dass wir einen Besuch in ein betriebenes Bergwerk machen wollten und mussten. So buchten wir eine Tour bei einem Tourunternehmen, das von ehemaligen Bergleuten betrieben wird. Die Tour mit ca. 30 anderen Touristen begann damit, dass wir uns in die Kluft der Bergleute begaben: Gummistiefel, schwarzer Schutzanzug und Helm, dazu noch eine Kopflampe. Mit dem Einblick in das verarbeitende Gewerbe ging es los: heutzutage wird nicht mehr Silber abgebaut, sondern Zinn und Zink. Die Arbeiter schuften koerperlich hart und halten nichts von den vorhandenen Sicherheitsvorschriften, wie Tragen eines Schutzhelms oder von Schutzhandschuhen. Dann ging es auf den lokalen Markt, wo die Gruppe fuer die Bergleute Getraenke, Cocablaetter und Dynamitstangen mit Zuendschnur einkaufte. Nun ging es ab in den Schacht...am Hang des Cerro Rico. Aufgepasst, zur Seite! Ein vollbeladene Lore kam mit zwei Bergarbeitern angebraust, welche die Steine nach draussen brachten. Weitergehen! Der Gang ist dunkel, unter den Fuessen Wasser, das aus dem Gestein dringt, alte Holzbalken, die stuetzen sollen, obwohl sie selber eine Stuetze braeuchten und wo ist Sauerstoff? Vor mir biegt ein Tourist nach links und zum kurzen Verschnaufen befinden wir uns alle in einem Stollen, der zum Museum umfunktioniert wird und vom harten Leben unter Tage berichtet. Was fuer Bloedmaenner unter den Touristen muessen sich nun eine Zigarette anzuenden? Ich bekomme kaum mehr Luft und kann ihren metallischen Inhalt foermlich schmecken. Dann geht es weiter. Immer tiefer hinein, immer hoeher steigt die Temperatur, man ist nach weiteren Metern, die man in gebueckter Haltung voranschreitet, schweissgebadet. Nach einer Atempause ist es fuer Lena und NICOLE zuviel, mit dem 2.Guide kehren sie zum Ausgang zurueck wegen schweren Atemproblemen. Wir anderen gehen nun mit unserem Guide in die HOEHLE DES TEUFELS. Dort erzaehlt er uns, vor einer Stoffpuppe, die den Teufel symbolisieren soll, Hintergruende zum Leben als "Steiger": Lebenserwartung 35 Jahre, Arbeitsbeginn mit tlw. 14 Jahren als Helfer, Alkoholsucht, Finanz- und Familienprobleme, Untreue, keine andere Arbeit ABER AUCH Familientradition, Stolz, besseres Einkommen als in der Landwirtschaft und Maennerfreundschaften. Letztere koennen wir auf der weiteren Kriechtour in den tieferen Schacht sehen: Der Guide fragt uns, nach dem "Verbrecher" und dem "Hundefi..er" und bezeichnet damit die Kosenamen seiner ehemaligen Arbeitskollegen, die gerade eine vollgepackte Lore mit den blossen Haenden aus dem Schacht schieben. Wollen wir noch mehr sehen und tiefer steigen? NEIN! Es reicht uns, wir brauchen eine Trinkpause, bevor wir den beschwerlichen Rueckweg ans Tageslicht antreten... so frisch habe ich noch nie die Luft erlebt! Voellig erschoepft, verdreckt und ausser Atem schauten wir noch einer Sprengprobe am Tageslicht zu. Wie koennen diese Menschen unter diesen Bedingungen ueber 8 Stunden arbeiten? Mit Cocablaetterkauen und Alkohol, um die Schmerzen zu betaueben und wohl um nicht wahnsinnig zu werden.

Die Bergarbeiter arbeiten wie ihre Generationen vorher, nur dass sie nicht mehr von den spanischen Aufsehern ueberwacht und geschlagen werden und deren Leben von diesen abhaengig ist; doch sind sie nun Abhaengige des Geldes. Um ihre Familien ernaehren zu koennen, muessen sie in die Mine, andere Alternativen am Arbeitsmarkt gibt es nicht. Fuer Maschineneinsatz fehlt der Kooperative das Geld und die staatliche Bewirtschaftung der Mine (mit Maschineneinsatz) wurde in den 80ger Jahren abgeschafft. Nur einer der Mineros versucht soviel Geld zu sparen, dass seine Soehne nicht mehr in die Mine muessen und eine bessere Schulbildung bekommen. Ob diese Arbeit in der Mine menschenwuerdig ist ...?!
Was sagen die Toten?
Wer diskutiert mit MARX, wer mit der christlichen Soziallehre, den Humanisten der Aufklaerung ...?

Der Leser moege sich eine eigene Meinung bilden!

© Florian Lehner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am 7.September 2004 geht es los, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren fuer unser Travel around the world - Unternehmen. 1.Station soll Mumbai und Indien sein, ueber Bangladesch, Myanmar (Burma)- später gestrichen - geht es von Thailand weiter nach Australien, Fidschi, Neuseeland, Chile, Bolivien, Peru zum Workcamp-Aufenthalt in Ecuador, bevor es nach fast 10 Monaten von Bogota (Kolumbien) wieder zurueck nach Deutschland geht. Die Spannung steigt ... das Unbekannte reizt...
Details:
Aufbruch: 07.09.2004
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 28.06.2005
Reiseziele: Indien
Bangladesch
Thailand
Koh Yao Noi
Australien
Fidschi
Neuseeland
Chile
Bolivien
Peru
Macchu Picchu
Ecuador
Kolumbien
Der Autor
 
Florian Lehner berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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