3 Länder in 3 Wochen: Peru-Bolivien-Chile

Bolivien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2019  |  von Thalia&Christine R

24.07.2019: Uyuni

Heute bin ich (Thalia) mal wieder mit Berichterstattung dran....

Wir werden durch den Wecker um 7 Uhr geweckt. Tatsächlich habe ich über neun Stunden geschlafen. Das ist sehr gut, denn für die heutige anstehende Höhe von über 4500 Metern ist es sehr wichtig ausgeschlafen zu sein. Beim Frühstück klagt Alfredo, der übrigens starke Ähnlichkeit mit Vin Diesel hat, schon über Kopfschmerzen. Selbst in Argentinien sind die Menschen die Höhe nicht gewohnt. Ich verteile großzügig meine Coca-Blätter. Nach Chile dürfen wir sie wohl eh nicht mitnehmen.

An unserem Salz-„Hotel“ empfängt uns ein junger Bolivianer. Von unserem vorherigen Guide fehlt seit gestern Abend jede Spur. Sein Versprechen, wiederzukommen nachdem er Estelle zurück nach Uyuni gebracht hat, hat er nicht eingehalten. Also bekommen wir einen neuen Jeep mit neuem Guide bzw. Fahrer. Er heißt Richard und wirkt nett. Um 9 Uhr starten wir.

Morgens liegt hier schon etwas Schnee.

Morgens liegt hier schon etwas Schnee.

Richard schnürt unsere Rucksäcke auf dem Dach des Jeeps fest.

Richard schnürt unsere Rucksäcke auf dem Dach des Jeeps fest.

Eine Plastikplane schützt sie vor Regen oder Schnee.

Eine Plastikplane schützt sie vor Regen oder Schnee.

Nach einer halben Stunde halten wir schon wieder an einer uns unbekannten Travel Agency. Eigentlich wollten wir nur unsere Tickets für die Grenzüberquerung nach Chile kaufen und kurz die Banjos nutzen. Doch plötzlich drückt mir der Junge das Geld wieder in die Hand und große Diskussionen beginnen. Ich verstehe nur Wortfetzen. Schneesturm... Tour... abbrechen... Grenze... geschlossen...
Endlich mischen sich auch die beiden Holländer mit ihren Spanischkenntnissen ein und erklären mir das Problem. Tatsächlich soll es einen Schneesturm geben und unser letzter Tag ausfallen. Geld gibt es dann natürlich nicht zurück. Wie auch, die Travel Agency ist in Uyuni und dort wollen wir eigentlich nicht wieder zurück. Das bedeutet, dass wir schon heute Nachmittag an der Grenze zu Chile rausgeworfen werden. Diese ist wohl aber zur Zeit geschlossen. Die Gründe weiß niemand. Die Dame aus dem unbekannten Reisebüro sagt uns, dass sie aber nie länger als 24 Stunden geschlossen ist. Wir müssen also spontan schauen, ob wir passieren dürfen. Was für eine Aufregung.

Aber wir können nichts tun. Also setzen wir uns wieder in den Jeep und fahren erst einmal los in Richtung der verschiedenfarbigen Lagunen. Mit der Zeit wird uns klar, warum die Tour gegebenenfalls abgesagt werden könnte. Wir tuckern die Matschstraßen entlang, denn mittlerweile hat es angefangen leicht zu schneien. Im Jeep ist es zum Glück noch warm. Wir fahren im Slalom durch eine Schlange stehengebliebener LKWs und bahnen uns im Schneckentempo den Weg durch den mittlerweile stärker gewordene Schnee. Alles ist weiß.

Erst leichter Schneefall...

Erst leichter Schneefall...

.....dann mehr....

.....dann mehr....

Das Tempo wird langsamer. Wir können nicht sehen, wie schnell wir fahren, denn das Kombi des betagten Jeeps ist komplett tot. Man merkt, wie die Laune im Jeep sinkt. Selbst der Fahrer guckt unsicher von rechts nach links und steuert den Wagen unsicher ins weiße Nichts.

Nach einer weiteren halben Stunde und weiteren 20 cm Schnee halten wir kurz und diskutieren, wie wir weiter vorgehen wollen. Es besteht die Möglichkeit umzudrehen und morgen einen neuen Versuch zu starten oder weiterzufahren und zu versuchen über die Grenze zu kommen. Wir entscheiden uns für das Weiterfahren. Morgen wird es wettertechnisch wohl auch nicht besser aussehen und wir müssen ja schließlich irgendwie nach Santiago de Chile kommen. Besser gesagt: erst einmal nach San Pedro de Atacama.

Richard schaut immer wieder auf sein Handy und versucht zu telefonieren. Nichts. Kein Empfang. Mittlerweile sind wir schon zweieinhalb Stunden unterwegs. Irgendwann fängt Gloria an mit dem Fahrer zu diskutieren. Ich vermute schon, was jetzt kommt. Wir halten an, diskutieren noch etwa eine halbe Stunde auf spanisch und drehen dann um. Es macht keinen Sinn. Wir fahren zurück nach Uyuni. Über die Grenze kommen wir wohl die nächsten Tage auf keinen Fall und die bunten Lagunen, die auf dem Programm standen, sind heute auch alles andere als bunt.

Richard sagt, dass es heute Nacht einen Bus von Uyuni nach San Pedro de Atacama gibt. Dieser fährt angeblich über einen anderen Grenzabschnitt nach Chile. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu glauben. Also stimmen wir zu und es geht zurück nach Uyuni. Ob das die richtige Entscheidung war, weiß niemand. Die anderen aus unserer Gruppe haben mehr Zeit und wollen in ein paar Tagen noch einmal ihr Glück mit der Tour versuchen. Unser Geld bleibt dabei mit Sicherheit auf der Strecke.

Kurz bevor wir Uyuni erreichen, bekommen wir noch einmal Lunch. Wir sind erstaunt und nehmen alles mit, was wir für unser verlorenes Geld noch bekommen können.

Wir schleichen im Schritttempo weiter durch den Matsch. Kein Wunder, selbst mein Rennrad hat mehr Profil als die abgefahrenen Reifen des Jeeps. 15 Kilometer vor dem Ziel folgt das nächste Dilemma. Wir erreichen eine Ansammlung an Fahrzeugen. LKWs sowie PKWs liefern sich eine Schlammschlacht und kämpfen sich durch die zugeregneten Straßen und Erdlöcher.

Die LKWs stecken fest und versperren den Weg...

Die LKWs stecken fest und versperren den Weg...

Die Fahrer versuchen verzweifelt mit Schaufeln den Weg freizumachen...

Die Fahrer versuchen verzweifelt mit Schaufeln den Weg freizumachen...

Etliche bleiben stecken und müssen freigeschaufelt werden. Manche schaffen es. Nachdem sich ein Öltanker durch den Schlamm gekämpft hat, sind wir an der Reihe und versuchen unser Glück. Richard scheint sichtlich nervös als er den Jeep in Richtung der Pampe manövriert. Meter für Meter kämpfen wir uns vorwärts und schaffen es tatsächlich.

Um 17 Uhr erreichen wir endlich Uyuni. Für 50 Kilometer haben wir sage und schreibe 2,5 Stunden gebraucht. Wir werden wieder bei irgendeiner Tavel Agency rausgeworfen. Hier haben die anderen ihre Tour gebucht. Wir halten uns erst einmal im Hintergrund und beobachten das Spektakel. Sie bekommen tatsächlich ein Drittel des Preises erstattet. Wir versuchen es ebenfalls und halten der Dame unser Ticket unter die Nase. Obwohl wir woanders gebucht haben, bekommen auch wir einen Teil erstattet.

Nun versuchen wir unser Busticket nach San Pedro oder direkt nach Calama, von wo wir nach Santiago fliegen wollen, zu besorgen. Heute fährt natürlich kein Bus mehr. Morgen können wir für den Bus ab 13:30 Uhr noch Tickets bekommen.

Sehr umständlich, aber akkurat werden hier die Tickets von Hand ausgestellt und jeder wird in eine Liste eingetragen

Sehr umständlich, aber akkurat werden hier die Tickets von Hand ausgestellt und jeder wird in eine Liste eingetragen

Alles in Eiseskälte und dick vermummt...draußen stürmt es und die Schilder fliegen durch die Gegend.

Alles in Eiseskälte und dick vermummt...draußen stürmt es und die Schilder fliegen durch die Gegend.

Sleeper-Bus? Von wegen. Wir bekommen nur noch Plätze in den einfachen Bussen. Längst verdrängte Erinnerungen kommen wieder hoch. In China mussten wir auch für 15 Stunden zusammengepfercht mit fünfzig schmatzenden Chinesen für eine ganze Nacht in einem Zugabteil verbringen. Nun sind es jedoch nur 8 bis 10 Stunden und zum Glück tagsüber. Wir machen uns trotzdem auf das Schlimmste gefasst und wollen keinen weiteren Tag verschenken. Uyuni ist kein sonderlich idyllischer Ort, an dem man gerne seine freien Tage verbringen möchte.

Zum Abschluss gehen wir noch in das bekannte Backpacker- Café, essen Tacos mit Guacamole und buchen uns in einem relativ schicken Hotel mit Heizung ein. Nach einem Tag bei um die 0 Grad freuen wir uns riesig darüber.

Leider gab es heute mehr Text als Bilder, aber diese Tage, von denen wir diesen Urlaub zum Glück noch nicht viele erlebt haben, kommen auch vor. Wir haken ihn ab und freuen uns auf neue Erlebnisse in Chile. Zwei Tage können wir hoffentlich noch nutzen.

Du bist hier : Startseite Die Amerikas Bolivien Bolivien-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Die diesjährige Tour mit Thalia verschlägt uns auf die andere Seite der Erdkugel: nach Südamerika. Peru steht u.a. auf unserer Reise-to-do-Liste. Und da die Flüge dorthin gerade ungewöhnlich günstig sind, wird fix gebucht: Hinflug nach Lima und zurück von Santiago de Chile. Dazwischen liegen knapp 3500km--die wir zu großen Teilen mit Nachtbussen zurücklegen wollen.. Wie immer- wenn ich mit Thalia reise- wird es wieder stressig werden. Highlight der Reise: natürlich: der "Inkatrail"
Details:
Aufbruch: 05.07.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 28.07.2019
Reiseziele: Peru
Bolivien
Chile
Der Autor
 
Thalia&Christine R berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors