Brasilien - Von Sao Luis nach Sao Paulo

Reisezeit: August - Oktober 2005  |  von Roland E.

Zugfahrt

Wie mir spaetere Gespraeche bestaetigen, geht es den Bralianern mehrheitlich gut. Sie lieben ihr Leben. Hier waechst eine selbstbewusste und starke Nation heran, die ihren weltpolitischen Platz fordert. In den Apotheken gibt es nur Generika - in Brasilien hergestellt. Es scheint, dass nichtmal die maechtigen Pharmalobbys Enfluss auf Brasiliens Politik haben. Jeder hier ist erstaunlich gut informiert, hasst Die USA und prangert die Korruption im Land an.

Ein dunkler Schatten bemaechtigt sich meines Gemuets. Ich habe viel zu wenig Dollar mitgenommen. hab ich mich so verrechnet oder ist Brasilien teurer geworden? Mein Gepaeck ist zwar wohlbehalten angekommen, aber 100 Dollar fehlen. Hab ich sie zu Hause liegenlassen? Hat sich ein Flughafenmitarbeiter seinen Lohn aufgebessert? Ich begehe eine Dummheit, denn ich vergesse, dass ich in den Ferien bin und fuege mich dem zeitpolitischen Geist und treffe massive Sparmassnahmen. So verzichte ich schweren Herzens auf 4 Tage Belem. Heute jedoch fahre ich Zug! 3 mal pro Woche verkehrt ein Personenzug von Sao Luis nach Imperatriz, Maraba und endet in Parapuebas. Eigentlich wollte ich mit dem Zug nach Imperatriz und von dort per Bus nach Belem. So reise ich nur bis Sta. Ines und kehre per Bus nach Sao Luis zurueck. Der Bahnhof ist weit ausserhalb von Sao Luis, mitten im Niemandsland. Bereits eine Stunde vor Abfahrt bildet sich eine lange Schlange vor dem Gitter, dass die Passagiere vom Perron trennt. Vor der superguenstigen 2.Klasse-Schaltern wartet ebenfalls eine lange Schlange. Ich moechte Fotos machen und reise deshalb in der teuren 1. Klasse. Sofort komm ich an separaten Schalter an die Reihe, aber bedient werd ich nicht. Die Verkaeuferin fuehrt hier und da noch ein Telefongespraech, bis ich meinen Kopf demonstrativ gelangweilt auf den Tresen lege und ein ´blablabla´von mir gebe. Es wirkt. 2 Minuten spaeter hab ich mein Ticket.

Der Zug wird mit 2 Stunden Verspaetung eingeschoben, doch um 10.00Uhr gehts los. Eine unglaubliche Anzahl beiger Wagen mit rostroten Streifen rollt an mir vorbei. Von aussen sieht der Zug heruntergekommen aus, innen ist er erstaunlich komfortabel. Noch nie hab ich einen so langen Personenzug gesehen, es sind mindestens 25 lange Wagen! Er rollt los. Die Fahrt ist sehr komfortabel, die Landschaft flach, wenig ergreifend, aber doch eindruecklich. Ab und zu halten wir in einem Bahnhof, mitten im Gruenen, weit und breit keine Stadt, aber jedesmal steigen hunderte von Leuten zu. Kurz vor Sta. Ines ist die Lok kaputt und mit 3h und 40 Minuten Verspaetung erreiche ich Sta. Ines. Auch hier steigen Menschenmassen in den Zug und alle finden irgendwie einen Platz.

Zurueck in Sao Luis versuche ich eine Begegnung mit meiner "Freundin" zu vermeiden, laufe ihr aber prompt ueber den Weg. Die 50 Real haben ihre Wirkung nicht verfehlt, denn damit hab ich wohl endgueltig ihr Herz erobert. Ich bin so abweisend wie moeglich, aber sie stoert das nicht in geringsten. Ich sage, ich geh schnell ins Hotel, verstecke mich aber in einem Restaurant. Es ist Samstagabend, aber im Zentrum ist nicht viel los. Doch kaum hatte ich bestellt, hat mich mein Albtraum auch schon gefunden. Die Kellnerin schenkt meiner "Freundin" einen bitterboesen Blick . Was soll das bedeuten? Vielleicht eifersucht, bilde ich mir ein und nehme wortlos mein Essen zu mir. Ich gehe ins Hotel um mich hinzulegen, nicht ohne meiner Freundin zu versprechen, in einer Stunde wieder aufzukreuzen. (Hab ich natuerlich nicht vor)

Um 1.30 Uhr klopft es und ich Depp oeffne die Tuere und wer faellt mir um den Hals? Mir war zum heulen zumute. Sie wollte mit mir schlafen, hier uebernachten, mich heiraten und eine Familie gruenden. Ich aber werfe sie hinaus, doch auch das kuemmert sie nicht, sie bleibt. Doch dann wird mein Ton unmissverstaendlich und sie verzieht sich, doch nicht ohne 10 Real fuer ein Taxi zu fordern (Gestern kostete es noch 50). Doch ich bin muede, sauer und verweigere. Sie geht, nicht ohne sich mit mir fuer den Sonntag zu verabreden.

ich lege mich ins Bett. Mein schlechtes Gewissen schleicht in mir hoch.

© Roland E., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Leider ohne Fotos - Ich 'verlor' meine Digicam...:(
Details:
Aufbruch: August 2005
Dauer: circa 9 Wochen
Heimkehr: Oktober 2005
Reiseziele: Brasilien
Der Autor
 
Roland E. berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.