Titicacasee

Reisezeit: Mai - August 2005  |  von Michael B.

Südamerika: Puno und Titicaca See

Unser Bus nach Puno hat 1,5 Stunden Verspaetung, aber wir haben ja genug Zeit. Dies soll nicht die letzte Verspaetung in Peru sein, das wichtigste hier ist wie wir Denken Geduld und Flexibilitaet, das wird dann durch Land(schaft) und Leute mehr als genug kompensiert.

Der Bus quaehlt sich Stunde fuer Stunde bei attemberaubenden Ausblicken die Berge hoch und wir kommen schliesslich auf 3.830 m in Puno an. Ebenfalls haben wir erste wunderschoene Blicke auf den Titicaca See, der tiefblau in der Sonne schimmert.
In Puno leben ca. 120.000 Menschen und die teils grosse Armut der Bevoelkerung in Peru ist hier auf den Strassen deutlich zu spueren.

Untergekommen sind wir im Ferrocarril, einem ueber 100 Jahre alten, sehr einfachen Eisenbahn-Hotel, das aber eine echte Heizung (!!!) besitzen soll. Man muss wissen, dass es in Puno tagsueber um diese Jahreszeit zwar angenehme 15-20 Grad hat, es Nachts aber unter dem Gefrierpunkt ist, wir sind ja schliesslich auf 3.800 m.
Das Ferrocarril hat wirklich einen einzigartigen Charme, das Personal besteht scheinbar ausschliesslich aus sehr netten alten Herren um die 60 Jahre oder aelter (sollte sich Deutschland mal ein Beispiel dran nehmen ), die uns alle sehr an den Butler von "Dinner for one" erinnern. Als wir ein Telefonat fuehren wollten, wurde die Verbindung ueber eine "Steckkasten" mit so Verbindungsstrippen hergestellt, den wir zuletzt in Schwarz-Weiss-Filmen gesehen haben. Wirklich sehr urig hier. OK, die Heizung geht dann doch nicht ("Entschuldigung, ist schon laenger kaputt")und Warmwasser gibt es nur fuer rationiert fuer maximal 10 Minuten am Tag, aber das haertet uns nur ab Irgendwie sind wir scheinbar auch die einzigen Gaeste hier, sodass wir die volle Aufmerksamkeit der lieben Herren geniessen, es ist halt Nebensaison.

Abends erleben wir in der Stadt ein wenig Folklore der Bevoelkerung (Puno gilt auch als Folklorehauptstadt), die mit lauter Musik und Masken durch die Strassen tanzen.
Bei einem Gespraech erfahren wir, dass die Uros, die Ureinwohner, die jetzt auf schwimmenden Schilfinsel auf dem Titicaca See leben, gerade seit heute in einem Streik getreten sind. Die Uros wollten wir mit einer Tour eigentlich morgen einen Besuch abstatten, das ist etwas schade. Aber wir haben volles Verstaendnis, denn auch Uros muessen schliesslich mal streiken. Wie wir erfahren haben die Uros als Streik mit ihren Schilfbooten eine Blockade auf dem Titicaca See eingerichtet, sodass man vom Hafen von Puno nicht mehr auf den See fahren kann. Die Uros protestieren gegen Steuern, die sie an die Regierung bezahlen sollen fuer die Benuztzung von Strassen etc., die sie aber, da sie ja fast ausschliesslich auf dem Wasser leben, eigentlich gar nicht nutzen.
Nun ja, wir denken uns erstmal, dass die Uros ruhig ein wenig streiken sollen und die Welt morgen vielleicht schon besser aussieht und beschliessen den Abend mit einem saftigen Stueck Alpaca vom Grill mit Coca-Tee.

Am naechsten Tag sind die Uros immer noch im Streik und blockieren weiter die Seezufahrt von Puno. Aber mit ein wenig Einfallsreichtum gelingt es unserem Tourguide einige Kilometer um das Ufer herumzufahren und von einem kleinen Fischerhafen, oder nennen wir es besser einen Steg, ein paar sehr abgelegene Inseln der Uros von hinten anzufahren, die nicht mitstreiken und sich ueber uns Touristen freuen.
Auf der Inseln wird uns erklaert wie die Uros, oder besser gesagt die Nachfahren der Uros (sie nenne sich selbst Kotsuna ("Seemenschen")) die Insel allein mit Schilfpflanzen bauen und wie sie dort leben.

Ankunft auf einer schwimmenden Insel (Isla Flotantes) auf dem Titicaca See bei den Uros
Arrivee sur une ile flotante (Isla Flotantes) des UROS, peuple du Lac Titicaca

Ankunft auf einer schwimmenden Insel (Isla Flotantes) auf dem Titicaca See bei den Uros
Arrivee sur une ile flotante (Isla Flotantes) des UROS, peuple du Lac Titicaca

Die Boote der Uros sind ebenfalls aus Schilf gebaut
Bateau traditionel des UROS

Die Boote der Uros sind ebenfalls aus Schilf gebaut
Bateau traditionel des UROS

Ein kleiner Uro-Nachfahre auf seiner Schilf-Insel
Un petit Uro sur son ile.

Ein kleiner Uro-Nachfahre auf seiner Schilf-Insel
Un petit Uro sur son ile.

Es ist wirklich faszinierend anzusehen wie die Menschen es schaffen hier zu leben und sich perfekt in die Natur integrieren. Ca. 35 der schwimmenden Inseln unterschiedlicher Groesse gibt es heute noch auf dem Titicaca See.

Danach stechen wir von den Insel noch auf nach Taquile (1 km breit, 7 km lang, 40 km von Puno entfernt), einer recht grossen Insel im Titicaca See, die viele Traditionen bewahrt hat und sehr viel Landwirtschaft auf Terassen betreibt. Jedoch leben die Menschen hier auch viel vom Tourismus. Auf der Insel stricken die Maenner, und nur diese, sehr schoene Muetzen. Einen verheiratenen Mann erkennt man an einer roten Muetze, unverheiratete an einer rot-weissen Muetze.
Von der Insel haben wir ebenfalls einen wunderschoenen Blick auf Bolivien, der Titicaca See gehoert ca. 50/50 zu Peru bzw. Bolivien, auch wenn die Peruaner sagen Ihnen gehoere 60% und Bolivianer dies ebenfalls behaupten

Hafen von der Insel Taquile
Un des ports de l'ile Taquile

Hafen von der Insel Taquile
Un des ports de l'ile Taquile

Blick auf Bolivien von Taquile aus.
Vue de Taquile sur la Bolivie

Blick auf Bolivien von Taquile aus.
Vue de Taquile sur la Bolivie

Puenktlich zum Sonnenuntergang verlassen wir den in vielen Farben glitzernenden Titicaca See in Richtung Puno. Der vergessenen und nicht aufgetragene Sun-Blocker wird von der Hochlandsonne gnadenlos mit einem saftigen Sonnenbrand bestraft.

Sonnenuntergang am Titicaca See, Sieht warm aus, hat aber nur ca. 5 Grad Wassertemperatur
Couche de Soleil sur le Lac Titicaca, temperature de l'eau environ 5 degres.

Sonnenuntergang am Titicaca See, Sieht warm aus, hat aber nur ca. 5 Grad Wassertemperatur
Couche de Soleil sur le Lac Titicaca, temperature de l'eau environ 5 degres.

Den Abend vor der Abreise erfahren wir, dass die Uros den Streik verschaerft haben und nicht nur die Seezufahrt, sondern jetzt auch einen Teil der Bahnstrecke mit Steinen Richtung Cuzco blockiert haben. Uros, was ist los mit Euch? Wir wollten doch morgen mit der guten alten Eisenbahn nach Cuzco reisen. Nun ja, wir warten den naechsten Tag ab und bummeln noch ein wenig durch die Innenstadt wo wir zwei vermeintliche Super-Schnaeppchen, Alpaca-Pullover fuer nur 30 Sol (7,50 Euro) das Stueck taetigen. Acryl-angereichertes Alpaca-Wolle wie sich spaeter herausstellen wird. Nun ja, wir sind halt keine Woll-Profis.

© Michael B., 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Willkommen zu unserer kleinen Weltreise von Anfang Mai bis Ende August 2005. Wir wünschen viel Spass bei der Lektüre, Sarah und Michael
Details:
Aufbruch: Mai 2005
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: August 2005
Reiseziele: Argentinien
Chile
La Serena
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Peru
Titicacasee
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Der Autor
 
Michael B. berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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