Reise um die Welt

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2018 - September 2019  |  von Sabine C

Von Montpellier nach Perpignan : Radeln im überschwemmten Land

Weiter trotz Starkregen

Als ich in der letzten Woche wegen Sturm, Regen und Überschwemmungsgefahr eine wetterfeste Unterkunft hatte, ahnte ich noch nicht, dass es nicht aufhört. Auf die Wettervorhersage vertrauend, hielt ich den Dienstag für einen guten Tag, weiterzufahren. Und nach einer Woche, war ich auch froh, dass es weitergeht.

Zunächst schien sich die Vorhersage zu bewahrheiten. Ein paar Wolken am Morgen, aber auf der anderen Seite aufhellender Himmel. Mein Garminkabel war leider noch nicht angekommen und ich hoffte noch die Post abwarten zu können. Just in dem Moment, als ich mich entschlossen hatte ohne das Kabel zu fahren und es mir nachschicken zu lassen, setzte Starkregen ein. Nur ein Schauer dachte ich, wartete etwas, holte die Regensachen heraus und machte mich bei nachlassendem Regen auf den Weg. Die Navigation musste das Smartphone mit Komoot übernehmen, da ich die Strecken mangels Kabel nicht übertragen konnte. Der Weg führte mich an den Kanal zum Radfernweg. Eigentlich ein schöner Weg. Der nicht asphaltierte Weg neben dem Kanal war so aufgeweicht und voller Pfützen, dass er nicht fahrbar war. Zum Glück konnte ich auf eine Straße abbiegen. Aber dann ging's wieder an den Kanal. Nach ein paar Metern gab ich auf und suchte mir mit Google Maps eine Straße zum weiterfahren. Trotz Powerbank und Stromerzeugung mit Nabendynamo hätte mein Smartphone auch in absehbarer Zeit keinen Strom mehr gehabt. Die Navigation mit der Komootsoftware ist besser als mit dem Garmin, aber sie verbraucht leider zu viel Energie.
Nun war ich auf der Straße nach Via. In Via schien mir alles hoffnungslos. Entweder auf der Rue Nationale fahren oder sich einen Weg über kleine Straßen suchen. Immer wieder stehen bleiben, schauen, zurückfahren. Und dann setzte wieder Starkregen ein. Zum Glück hatte ich die Regensachen anbehalten. Ich fuhr zurück nach Agde zum Bahnhof. Vielleicht gleich mit dem Zug nach Girona und das Hotel in Narbonne stornieren? An Zelten gar nicht zu denken.

Am Bahnhof von Agde erfuhr ich dann, dass keine Züge nach Narbonne fahren, weil alles überschwemmt ist. Was nun? Eine schnelle Entscheidung wollte ich nicht treffen. Vielleicht würde sich die Lage ja noch entspannen.
Irgendwann kam ein weiterer Tourenradler am Bahnhof an. Es stellte sich heraus, dass er Spanier ist und den Canal du Midi vom Atlantik zum Mittelmeer geradelt ist. Er musste auch nach Narbonne und hatte vor, mit dem Zug nach Beziers zu fahren und von dort zu radeln. Der Zug sollte 15:16 Uhr fahren. Also hätte man noch ca. 3 Stunden vor Einbruch der Dunkelheit um die gut 30 km zu fahren. Ich bin nicht die Schnellste und mit dem Reiserad und Gepäck erst recht nicht. Nach kurzer Überlegung habe ich mich dann angeschlossen. Als ich den Bahnsteig erreicht hatte - vier Taschen ab vom Rad, Taschen auf den Bahnsteig tragen, Rad auf den Bahnsteig tragen, Taschen wieder ans Rad - half mir ein junger Mann, der auch mit Rad unterwegs war und erklärte, dass nun ein TGV käme und das Rad nicht in den TGV darf. Aber er würde das Rad trotzdem mitnehmen. Man müsse halt am Ende vom Zug einsteigen. Wären ja nur 10 Minuten. Nun waren wir also schon zu dritt für den schnellen Einstieg in den TGV.
Der völlig überüllte Zug kam. Die Leute standen schon bis zur Tür. An der nächsten Tür nur ein Rad, also wir mit unseren drei Rädern noch rein. Räder übereinander!!!
Sprachlich war ich zu dem Zeitpunkt schon völlig durcheinander. Mit dem Spanier englisch reden, jetzt wieder französisch...

Aber es hat geklappt! In Beziers aus dem Zug und gleiche Prozedur mit dem Rad und den Taschen..
Und dann in den Berufsverkehr. Zum Glück haben wir uns entschieden die Rue Nationale zu fahren. An der l'Aude waren weite Landstriche überschwemmt. Nebenstraßen hätte man gar nicht fahren können, weil alles überschwemmt war. Die Brückenbögen waren kaum noch zu sehen. Leider habe ich von diesem Tag keine Bilder. Der Anblick der überschwemmten Felder - Weinfelder- ist verstörend.
Wir mussten uns ganz schön sputen, um rechtzeitig anzukommen.
Am Ende hat alles geklappt und ich bin froh, dass ich es so gemacht habe und in Narbonne bin.

Verregneter Start

Verregneter Start

In Narbonne am Bahnhof: Jaime mit der guten Idee von Beziers  aus nach Narbonne zu radeln

In Narbonne am Bahnhof: Jaime mit der guten Idee von Beziers aus nach Narbonne zu radeln

Bis Perpignan - die letzte Etappe in Frankreich

Als ich morgens das beladene Rad aus dem Zimmer schob, wusste ich plötzlich, woher die Rückenschmerzen am Abend zuvor kamen: Von der Schlepperei am Bahnhof. Heute war zum Glück nur Radeln angesagt. Zunächst aus Narbonne heraus über einige Kreisel und die Nationalstraße, aber dann zum Glück über kleinere Straßen. Schon bei Betrachtung der Strecke auf Komoot, sah ich, dass es diesmal 'wellig' werden würde - mit einigen Rampen. Tags zuvor hatte ich das Gefühl, das das Rad vorne etwas instabil ist. Heute habe ich die Lenkertasche nicht so stark beladen und damit ging es besser. Das Rad ist erstaunlich gut zu fahren mit den Taschen am Vorderrad. Das hätte ich nicht vermutet. Außerdem ist es sehr wendig. Trotzdem habe ich erhebliche Probleme bei Steigungen über 6%. Das geht für kurze Rampen, aber nicht auf längeren Steigungen. Vielleicht kommt ja noch etwas Kondition dazu.
Am Anfang war die Strecke wirklich schön, aber mit sehr steilen Abschnitten. Ich bin schnell dazu übergegangen, zu schieben. Mein Ziel war eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h. Um schneller voranzukommen, wäre ich gerne unten an den Etangs weitergefahren, aber die Straßen war wegen Überschwemmung gesperrt. Die Route führte mich wieder auf die Nationalstraße. Als endlich eine kleinere Straße kam, stand ich bald vor einem reißenden Fluss, der über die Straße floss und musste umkehren. Nach eingehendem Studium der Route, schaltete ich das Navi aus und fuhr die restlichen 50 km auf der Rue Nationale. Nicht schön und auch nicht so sicher, aber heute die einzige Möglichkeit durchzukommen. Das Hochwasser stand auch heute noch in den Feldern, wenn auch nicht mehr so hoch.
Perpignan hat mich wirklich überrascht. Es macht auf mich den Eindruck einer reichen Stadt und das Katalanische ist spürbar. Die Straßenschilder sind zweisprachig. Es gibt spanische und katalanische Gastronomie. In der Innenstadt gibt es sehr viele edle Geschäfte und selbst die Gegend um den Bahnhof ist nicht so elend.
Morgen verlasse ich Frankreich. Bis jetzt bin ich gut mit meinem Französisch durchgekommen, wenn ich auch keine komplizierten Gespräche führen kann. Viele Worte Kommen von selbst. Da brauche ich gar nicht drüber nachdenken. Im Spanischen fehlt mir dieser Fundus. Ich bin gespannt!

Hier endete meine Route

Hier endete meine Route

Überschwemmte Weinfelder

Überschwemmte Weinfelder

Da unten wäre ich gerne langgefahren, aber die Straßen waren wegen Überschwemmungen gesperrt

Da unten wäre ich gerne langgefahren, aber die Straßen waren wegen Überschwemmungen gesperrt

Perpignan

Perpignan

© Sabine C, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Verkehrsmittel werden Fahrrad, Schiff, Zug und Bus sein. Es ist ein langgehegter Traum von mir, die Welt zu umrunden und dabei kein Flugzeug zu benutzen.
Details:
Aufbruch: 30.09.2018
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: September 2019
Reiseziele: Deutschland
Frankreich
Spanien
Marokko
Brasilien
Argentinien
Uruguay
Live-Reisebericht:
Sabine schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Sabine C berichtet seit 4 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/24):
Marion 1544765856000
Liebe Sabine, ich lese jeden neuen Bericht von Dir mit großer Be­geis­te­rung und schaue mir die tollen Fotos an. Also mir wäre das Campen so alleine nichts. Da be­wun­de­re ich Deinen Mut. Hier geht der Advent in den En­dspurt und die Tage werden kälter, so dass wir viel­leicht doch weiße Weih­nach­ten er­le­ben.
Dir eine gute, sichere Wei­ter­rei­se. Viele Grüße aus Esch­born
Antwort des Autors: Wünsche Euch auf jeden Fall weiße Weihnachten. Und du hast recht, ich kann mir auch was besseres vorstellen, als alleine mit ein paar Hunden auf einem Campingplatz zu sein. Aber es gibt Schlimmeres...,
Erika 1544139016000
Hallo Sabine, endlich habe ich Zeit mich bei Dir zu melden. War alles ziem­lich auf­re­gend hier die Wohnung in Santi­a­go ein­zu­rich­ten. Weisst du jetzt schon den Termin, wann du in Santi­a­go bist. Ich weiss es auch nicht mehr genau, benö­tigst du unsere Ad­res­se.
Meine Tochter wird in den nächsten drei Wochen vo­raus­sich­tlich um­zie­hen.­
Ich wünsche Dir wei­ter­hin eine schöne Reise. Hört sich ja auch bei dir alles sehr span­nend an. Ich fahre ja hier auch alles mit dem Rad, aber das ist ganz schön gef­ährlich. Ich glaube, hier hassen die Au­to­fah­rer die Rad­fah­rer­.
Vie­le Grüße
­
E­ri­ka
Antwort des Autors: Hallo Erika, schön, dass du dich meldest. Da hast Du ja eine Menge zu tun gehabt. Ich werde so Mitte März in der Region um Santiago de Chile sein und bin dann natürlich froh, wenn ich eine Adresse habe, an die ich eventuell Ersatzteile schicken kann. Wir können über Whatsapp in Kontakt bleiben. Schöne Grüße Sabine
Elke 1543600564000
Hallo Sabine, schön dass du nach dem an­fänglichen Un­woh­lsein in BA dann doch noch­
viel von der Stadt sehen kon­ntest. Ich be­wun­de­re deine Kom­mu­ni­ka­tion und wie schnell du immer An­schluss fin­dest. Du schreibst von dem herr­lichen Duft der Linden und auf den Bildern im Park sieht auch alles wun­derschön grün aus. Zu Hause regnet es gerade, es ist trüb und kalt, aber eben nicht so kalt das es für eine Schnee­decke reicht. Halt unser typisches No­vem­ber­wet­ter. Am Woche­nen­de ist 1. Advent und seit gestern haben nun alle Weih­nach­tsmärkte in der Region geö­ffnet und die Menschen be­fin­den sich wie immer im Weih­nach­tsstress. Wir fahren am 20. Dez­me­ber ins Tan­nhei­mer Tal und hoffen eine schöne weiße und besin­nliche Weih­nacht. Dir wünsche ich eine un­fal­lfrei­e Wei­ter­fahrt mit dem Rad und ich bin schon ges­pannt wie es wei­ter­geht. Viele Grüße Elke
Antwort des Autors: Hallo Elke, vielen Dank für deine Nachricht. Ich wünsche Euch Schnee im Tannheimer Tal und eine gute Zeit dort. Das Skifahren werde ich diesen Winter schon vermissen. Viele Grüße Sabine