Burgund - Kernland des europäischen Mittelalters

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2018  |  von Angelika Gutsche

Wir haben viel gelernt über das dunkle Mittelalter mit der maßgeblichen Rolle, die burgundische Herzöge darin spielten, über Religionsgeschichte und die Bedeutung neugegründeter Orden und deren Klöster, über Baugeschichte und Kultur mit dem Hauptaugenmerk auf romanischer und gotischer Architektur und Kunst, aber auch über Käseherstellung und Weinerzeugung

Die Anreise

Am Bodensee

Wir fahren von München über den Bodensee nach Frankreich. Da wunderbar warmes Spätsommerwetter herrscht, legen wir am Bodensee in Kressbronn, Campingplatz Iriswiese, einen zweitägigen Stopp ein. Dort können wir erst einmal uns und den Camper sortieren und uns vom Aufbruchstress erholen.

Genug Platz für zwei Personen und zwei Hunde.

Genug Platz für zwei Personen und zwei Hunde.

Der Campingplatz ist sehr voll und der uns zugewiesene Stellplatz sehr eng. Unser kleiner Nissan ist zwischen Dauercampern eingepfercht, gerade bleibt ein Plätzchen, um Tisch und Stühle aufzustellen. Allerdings entschädigt das Baden im klaren und warmen See für den eher gewöhnungsbedürftigen Standplatz. Es gibt sogar einen Strandabschnitt, der auch für Hunde erlaubt ist. Ein Nachteil: Wirklich sehr große Steine im Uferbereich erschweren das Ins-Wasser-Gehen gewaltig. Der Campingplatzladen ist darauf eingestellt: Wer keine Badeschuhe dabei hat, kann sich hier mit neuen versorgen.

Bodensee

Bodensee

Das Wasser glitzert in der Sonne, viele Segelboote sind auf dem See unterwegs und auf der anderen Uferseite sieht man die schweizerischen Ortschaften. Über uns zieht ein Zeppelin, gestartet von der Zeppelin GmbH in Ludwigshafen, seine Bahnen. Man kann Zeppelin-Flüge von 30 bis 120 Minuten Dauer buchen, deren Routen über den Bodensee führen.

Zeppelin über dem Bodensee

Zeppelin über dem Bodensee

Langsam gewöhnen wir uns auch an die beschränkte Örtlichkeit. Urlaubsgelassenheit stellt sich ein. Die Pappeln schwanken majestätisch im Wind, die frechen Spatzen picken die Semmelbröselchen auf und Tauben bekacken unser Autodach.

Von Strandleben, Wasser und Sonne gestärkt, fahren wir zwei Tage später weiter Richtung Frankreich. Unser erstes Ziel heißt Belfort. Unsere Route über Friedrichshafen, Überlingen, Schaffhausen entwickelt sich zur reinen Nervenprobe. Eine schreckliche Fahrt! Entlang des Bodensees löst ein Stau den nächsten ab. Baustellen, Lkw-Verkehr, Umleitungen. Im Länderdreieck Deutschland, Schweiz, Frankreich wird das Vorwärtskommen noch mühsamer. Wir müssen drei Grenzen überqueren: Von Deutschland in die Schweiz, von der Schweiz zurück nach Deutschland, dann wieder in die Schweiz und endlich die Einreise nach Frankreich. Erstaunlich: Keiner der Grenzübergänge ist besetzt, man kann überall einfach durchfahren. Dabei ist die Schweiz doch kein EU-Land.

Endlich in Frankreich, lassen wir uns vom Navi durch den Ort Hésingue leiten. Wir sind genervt, denn Baustellen machen die Durchfahrt oft nicht möglich. Und dann passiert es: Vor uns eine Unterführung, das Navi zeigt geradeaus an. Ich fahre in die Unterführung ein, gottseidank langsam, denn es knirscht „raaatsch“! Klar, unser Camper war zu hoch. Rückwärtsgang einlegen, langsam zurücksetzen, die Autofahrer hinter uns fluchen, weil auch sie alle rückwärts bergauf fahren müssen. Es wird mir mächtig heiß! Endlich ist es geschafft und wir können in einer Nebenstraße wenden. Wir steuern einen Parkplatz an und begutachten den Schaden. Es ist nicht so schlimm: Die Galerie ist beschädigt und das Dach hat ein paar Schrammen. Bei der Fahrt durch das Elsass mit Dörfern mit wunderschönen Fachwerkhäusern erholen wir uns vom Schrecken.

Belfort

Unser Ziel Belfort erreichen wir erst abends nach über sechs Stunden Fahrt. Der parkähnlich angelegte Campingplatz ist nur mäßig belegt und liegt sehr hübsch an einem See mit Park. Um es gleich vorweg zu nennen: Alle im Verlauf unserer Reise angefahrenen Campingplätze waren nett angelegt und sauber, manche moderner, manche älterer Bauart, einige mit Pool. Die Preise für einen Camper/zwei Personen/zwei Hunde bewegten sich für eine Nacht zwischen 15 und 25 Euro.

Belfort Campingplatz Etang des Forges

Belfort Campingplatz Etang des Forges

Überraschung: Der Campingplatz hat einen super Swimmingpool! Die Badesachen hatte ich am Bodensee weggepackt, dachte, das war's für dieses Jahr. Jetzt werden sie wieder ausgepackt. Es hat fast 30° C – schönstes Sommerwetter. Welch ein Genuss, ein Bad im Pool nach dieser langen Fahrt.

Mit den Hunden machen wir dann einen Spaziergang in dem wirklich wunderbar angelegten Park Etang des Forges (Teich der Schmieden), der zu den Sehenswürdigkeiten von Belfort zählt.

Belfort - Park Etang des Forges

Belfort - Park Etang des Forges

Ich hatte mich schon sehr auf die französische Küche gefreut. Doch das Abendessen im Campingplatzrestaurant ist ein einziger Frust: Es dauert ewig bis ein einsames, halbrohes, fast kaltes Fleischpflanzerl mit einigen pappigen Pommes für schlappe 12 Euro serviert wird. Wenigstens gibt es am nächsten Morgen fürs Frühstück knuspriges Baquette und leckere Croissants zu kaufen.

Da ich keine versierte Frankreich-Reisende bin, erstaunen mich die Wasch- und Toilettenräume. Die Franzosen nehmen das mit den Geschlechtern wohl etwas lockerer, denn Duschen und Toiletten für Damen und Herren nebst Pinkelbecken befinden sich im selben Raum, die Kloschüsseln haben keine Brillen und das Toilettenpapier ist schmaler und dünner als in Deutschland üblich, so dass ich eine neue Falttechnik entwickeln muss.

Belfort - Befestigungsanlagen

Belfort - Befestigungsanlagen

Natürlich ist auch eine Stadtbesichtigung von Belfort fällig. Nahe des Campingplatzes gibt es eine Bushaltestelle für Fahrten ins Zentrum. Wir stehen also an der Bushaltestelle, der Bus kommt. Wir erklären der Busfahrerin, dass wir eine Fahrtkarte kaufen möchten. Das ginge über das Handy. Nur leider, mit dem deutschen Anbieter funktioniert es nicht. Dann sollten wir die Fahrkarten im nächsten Tabakladen (débit de tabac) kaufen. Und wo ist der? „Au centre-ville!“ Da müssen wir aber erst mal mit dem Bus hinkommen. Die Busfahrerin erkennt das Problem: „Montez!“ Und spendiert uns eine Gratisfahrt ins Stadtzentrum.

Wie der Name Belfort schon sagt, erhebt sich über der Stadt eine beeindruckende Festungsanlage, deren Eingang der Löwe von Belfort schmückt, der an den Widerstand bei der Belagerung der Stadt 1870/71 während des deutsch-französischen Kriegs erinnert. Das Gelände ist weitläufig, von wuchtigen Steinmauern begrenzt. Zu besichtigen sind auch ein Museum und unterirdische Gewölbe. Da es immer noch sehr heiß ist, halten wir die Besichtigung kurz.

Belfort - Burganlage

Belfort - Burganlage

Zurück in der Fußgängerzone stärken wir uns in einem libanesischen Restaurant. Also wieder nichts mit französischer Küche! Libanesisch schmeckt doch auch ganz hervorragend. Anschließend werden noch ein paar Einkäufe erledigt. Für den Abend decken wir uns in einer gepflegten Weinhandlung mit zwei Flaschen Burgunder und in einem Feinkostgeschäft mit burgundischem Käse und Salami ein. Das Abendessen wird nur leider nicht so richtig gemütlich, denn zurück am Campingplatz zieht ein Gewitter auf. Bei der Schwüle war das zu erwarten. Für das Zigarrchen nach dem Essen besetzen wir die überdachte Terrasse eines leerstehenden Bungalows.

© Angelika Gutsche, 2019
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 18.09.2018
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 30.09.2018
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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