Burgund - Kernland des europäischen Mittelalters

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: September 2018  |  von Angelika Gutsche

Parc Regional du Morvan

Gerade dann, als wir den Parc Regional du Morvan erreichen, verdunkelt sich der Himmel immer mehr und bald gießt es in Strömen. Gemein. Der Morvan, ein Ausläufer des Zentralmassivs, besteht aus riesigen Wäldern, davon achtzig Prozent Mischwald. Hier wachsen hauptsächlich Eichen und Buchen, aber auch Pappeln, Eschen und andere Baumarten. Das Gebiet ist wasserreich: Neben Waldseen durchfließen die Yonne mit ihren Nebenflüssen Cure, Serein und Armançon, die Loire und die Saône die Berge.

Über Lorme erreichen wir den See Pannesière. Wir steuern den Campingplatz Municipale Montigny-en-Morvan an, der leider keine Mobilhomes zu vermieten hat. Die wären bei dem schlechten Wetter schon angesagt. Wir machen uns auf die Suche nach zwei weiteren Campingplätzen in der Region, die aber um diese Jahreszeit bereits geschlossen sind. Pech! Nachdem wir den ganzen Nachmittag bei strömenden Regen durch die zwar wunderschöne, doch heute sehr nasse Bergwelt des Morvan mit Mischwald und Farnen gegondelt sind, landen wir völlig entnervt wieder an unserem Ausgangspunkt, dem Municipale Motigny-en-Morvan. Wir finden einen schönen Stellplatz unter einem großen Eichenbaum.

Parc Regional du Morvan

Parc Regional du Morvan

Und siehe da: Der Himmel hellt auf, die Regenwolken verziehen sich und wir können zu einem Spaziergang am Pannesière-Stausee aufbrechen. Der See hat sehr wenig Wasser. Die Angler erzählen uns, es habe dieses Jahr sehr, sehr wenig geregnet. Es herrsche Wasserknappheit. Zum Abendessen können wir schon wieder im Freien sitzen, allerdings wird es bald recht frisch und wir verziehen uns in den Camper.

Lac Pannesière - Niedrigwasser

Lac Pannesière - Niedrigwasser

Der nächste Morgen ist kalt! Nur 7 °C. Wir frühstücken in dicken Jacken. Wie auf jedem französischen Campingplatz bekommt man auch hier zum Frühstück frisches Baquette und Croissants. Heute ruft der Bäcker mit lauter Hupe zum Einkauf. Außer uns sind nur wenige Einheimische zum Angeln am See. An jedem Gewässer, an dem wir waren, egal ob Teich, Fluss oder See, überall haben Franzosen ihre „Schnürln gwaschn“, wie man in Bayern sagt. Angeln ist – neben Boule – der französische Volkssport. Unsere Nachbarn praktizieren beides, vormittags angeln, nachmittags Boule.

Als die Sonne höher steigt und die Luft wärmt, steigen aus dem See Nebelschwaden auf. Die Badesaison ist endgültig vorbei, die Badesachen bleiben eingepackt. Wir verbringen den Tag mit Spaziergängen und ausruhen.

Lac Pannesière

Lac Pannesière

Zur Brotzeit gibt es einen burgundischen Käse namens Epoisses. Was haben wir uns da für einen Stinker in den Kühlschrank gelegt! Wir lesen, der Fettanteil beträgt fünfzig Prozent. Deshalb schmeckt er so lecker. „Erfunden“ wurde der Epoisses im 15. Jahrhundert – wann sonst – von den Zisterziensern, „ein deftiger Käse mit gewaschener Rinde“ in gelb, eine Spezialität Burgunds. Ein anderer sehr leckerer Käse ist der Duc de bourgogne. Unbedingt probieren.

© Angelika Gutsche, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir haben viel gelernt über das dunkle Mittelalter mit der maßgeblichen Rolle, die burgundische Herzöge darin spielten, über Religionsgeschichte und die Bedeutung neugegründeter Orden und deren Klöster, über Baugeschichte und Kultur mit dem Hauptaugenmerk auf romanischer und gotischer Architektur und Kunst, aber auch über Käseherstellung und Weinerzeugung
Details:
Aufbruch: 18.09.2018
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 30.09.2018
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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