Zwei Schwarzwälder auf Bootstour

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai - Juli 2019  |  von Agnes Jenne

Weiter geht es: Rückreise ab Carcassonne

Wir haben einen schönen Lagerplatz gefunden

Wir haben einen schönen Lagerplatz gefunden

Kunst bei der Schleuse

Kunst bei der Schleuse

Badesee,  Etang du Jouarre

Badesee, Etang du Jouarre

Wir biegen in den Canal Rhone a Sete ein

Wir biegen in den Canal Rhone a Sete ein

Canal Rhone a Sete. Ein Segler auf dem Mittelmeer. Oder fährt der auf Land?

Canal Rhone a Sete. Ein Segler auf dem Mittelmeer. Oder fährt der auf Land?

Heimwärts

Wir beide sind wieder alleine unterwegs. Dach runter, wenn eine Brücke kommt, Dach rauf, nach der Brücke, weil uns die Sonne sonst gehörig zusetzt. Und fast jeden Kilometer kommt eine Brücke. Dann kommt noch das Schleusen dazu. Da sag mir einer, das wäre kein Sport.

Wenn mir mal einer gesagt hätte, dass ich den Rotwein in den Kühlschrank verfrachte, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber genau das müssen wir tun, es ist einfach kein Wetter für Glühwein.

Wir lernen viele Neuseeländer kennen, die in 20 Tagen Europa besichtigen. Und davon sind sie eine Woche auf dem Canal du Midi. Die Meisten sind in Barcelona gelandet, sehen sich 2 Tage die Stadt an und werden dann nach Toulouse verfrachtet, um dort ein Boot entgegen zu nehmen um über den Canal zu schippern. Danach geht es weiter, Paris oder Nürnberg oder weiß der Teufel wohin. Wenn wir erzählen, dass wir aus dem Schwarzwald kommen, dann meinen sie: " Oh Bavaria". Ich geb´s auf, zu erklären, dass der Schwarzwald nicht Bayern ist.

Eigentlich wollten wir bei Trebes anlegen, aber leider alles belegt. Die Charterboote nehmen zu. Es geht der Saison entgegen. Also machen wir in einem kleinen, netten Ort fest, Marseillette, und wir haben einen tollen Steg für uns alleine. Es droht sich ein Gewitter an, endlich Regen und ein bisschen Abkühlung. Marseillette hat ein Restaurant mit Bar. Dort trifft sich alles, sämtliche Touris und die Einheimischen. Ein lustiges Stimmengewirr.

Auf unserer Rückreise finden wir bei Hombs einen Badesee und der kommt uns grade gelegen. Abkühlung im Etang du Jouarree. Rein in den See, bleiben, bis man schrumpelig wird, das tut gut.

Wir treffen eine Familie aus Südafrika wieder. Dort sind Winterferien, wie wir erfahren. Stuart und Kim erzählen uns von ihrem Leben in Johannesburg.
Alle lieben Europa und freuen sich, eine Woche über den Kanal zu schippern.

Es ist Samstag und wir fahren in den Port de Robinne. Wir sollten dringend die Bilge abpumpen. Letztes Mal hat man uns genau in diesem Hafen geholfen.
Die Hafenmeisterin hat heut keine Lust, schließlich ist es heiß und Samstag. Das verstehen wir. Sie zeigt uns einen schönen Badeplatz unter der Kanalbrücke im Fluss Cesse, der schönes, kühles, klares Wasser führt. Ah, Abkühlung.
Eigentlich wollte die Hafenmeisterin um 18 Uhr auf der Capitainerie sein, aber bei der Hitze ist das zu früh.
Wir nehmen unsere Fahrräder und fahren in den nächsten Ort. Auf der Rückfahrt finden wir am Treidelpfad ein nettes Restaurant. Zurück im Hafen, endlich, die Capitainerie ist besetzt. Wir geben es auf, nach den Kanistern für das Abpumpen der Bilge zu fragen. Die Hafenmeisterin erzählt uns, dass sie in Freiburg aufgewachsen ist. Ihr Papa war beim Militär und auf dem Vauban-Gelände stationiert.
Lukas, der Sohn der Hafenmeisterin, organisiert tags darauf Kanister, Eimer und Tonnen für das Zeugs aus der Bilge. Der halbe Hafen steht dabei und gibt Ratschläge. Alles klappt.
Weiter geht die Fahrt am Sonntagnachmittag nach Capestang. bei brütender Hitze fahren wir durch einen Abschnitt, in dem lauter tote Fische sind. Keine Ahnung, was hier passiert ist. Es ist schon gruselig. Wir melden das auf der Capitainerie in Capestang.

Unser nächstes Rückreiseziel ist Beziers. Die Schleusentreppe hinunter. Wir bekommen kaum einen Liegeplatz, aber letztendlich haben wir doch noch Glück.

Juhu, es regnet. Wir sind erledigt von der Hitze, darum geht es langsam voran heute. Um 11.30 erst legen wir in Beziers ab. Es muss noch getankt werden und das im Hafen Port Cassafieres, der von Le Boat belegt ist. Wir legen im Päckchen an, d. h. wir machen an einem anderen Schiff fest und fragen auf der Capitainerie nach, ob wir tanken können. Das scheint eine größere Sache zu werden, denn die Erlaubnis zum Tanken geht über mehrere Instanzen. Nach einer halben Stunde Wartezeit bekommen wir das okay.

Weiter geht es, Vias sollte ursprünglich unser Lagerplatz für die Nacht werden. Doch da ist alles schon belegt und gleich nebenan befindet sich ein Rummelplatz. Das muss eigentlich auch nicht sein. Also geht die Reise weiter nach Agde und siehe da, im Hafen von Le Canalous finden wir ein Plätzchen und John, der alte Hafenmeister empfängt uns so freundlich und kommt sogar mit einer Kabeltrommel an, damit wir Strom bekommen. Das haben wir sonst nirgendwo erlebt. Zum Glück waren die anderen Häfen belegt.
Wir müssen uns die Altstadt von Agde noch ansehen. Agde liegt am Fluß "Herault" der zum Mittelmeer führt. Wir sehen uns die engen Gässchen ein wenig an, amüsieren uns darüber, dass 3 junge Männer eine Couch durch eine Tür zwängen wollen und beobachten das Spiel sicher eine halbe Stunde lang. Die Jungs geben nicht auf. Dann kracht es nebenan und eine junge Dame ist auf einen Poller und auf ein anderes Auto aufgefahren. Niemand macht da ein Theater. Jeder fährt ein Stückchen weiter vor und siehe da, die junge Dame hat einen Parkplatz. Was für eine bewundernswerte Lebensart.

Tags darauf lassen wir den Canal du Midi hinter uns und überqueren den Etang du Thau. Das ist wieder ein tolles Erlebnis. Fühlt sich ein bisschen an, wie auf hoher See. Und wie das schaukelt, das macht Spaß. Dabei meinte ich immer, ich werde seekrank. Keine Spur.

Wir biegen nach der Überfahrt bei Sete in den Canal Rhone a Sete ein. Toll. Der Kanal zwischen Seen, mit Seevögeln aller Art. Und ganz hinten sieht man das Mittelmeer. Herrlich.
Aigues Mortes ist unser nächstes Ziel, dort erwarten wir Gäste. Barbara und Klaus verbringen mit uns zwei Tage. Aigues Mortes ist sehenswert und die Salzseen hinter der Stadt sehen aus wie Schneeberge. Nach Gallician sind es 13 km und dort übernachten wir.

© Agnes Jenne, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der große Traum meines Mannes hat sich erfüllt. Er hat sich ein Boot gekauft, um sein Rentnerdasein mit Bootstouren aufzupeppen. Das Boot steht nun noch im Burgund, genauer in St. Jean de Losne und wartet darauf, fertig geputzt und poliert ins Wasser gelassen zu werden. Losgehen soll unsere Reise am 18. Mai 2019 auf der Saone Richtung Rhone und dann ab ans Mittelmeer.
Details:
Aufbruch: 18.05.2019
Dauer: circa 8 Wochen
Heimkehr: Juli 2019
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Agnes Jenne berichtet seit 4 Monaten auf umdiewelt.
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