Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Frankreich-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Vom Winter in den Frühling


Dienstag, 6. März: Heimatort ► Lorsch, 225 km
Alles ist gepackt. Wir warten nur noch auf den Eilboten mit der Versicherungskarte. Nervöse Anspannung bei Frank, er möchte nicht so spät loskommen und noch Kilometer machen. Ich sehe es gelassen. Wir haben soviel Zeit wie noch nie. Dann kommt der Kurier mit dem ersehnten Schriftstück. Wir essen noch kurz Mittag und dann ist Frank nicht mehr zu stoppen, um 14⁰⁰ Uhr kommen wir los.
Der Weg zur Autobahnauffahrt Fulda weckt noch einmal Erinnerungen in mir. Bis vor 5 Wochen bin ich hier elf Jahre lang zur Arbeit gefahren, nun nicht mehr. Heute brechen wir das erste Mal zu einer längeren Reise auf. Schön und ruhig hoffe ich.
Gegen 18⁰⁰ Uhr trudeln wir am Kloster Lorsch ein. Den Stellplatz auf der Wiese unterhalb der Klosteranlage gibt es nicht mehr, er ist an den Ortsrand verlegt worden. Das Wohnmobil neben uns, auch mit „Ossibesatzung“ möchte nach Spanien für acht Wochen. Nach einem kleinen Plausch drehen wir noch eine Runde, schauen uns die Torhalle und das Außengelände des Klosters an und den kleinen beschaulichen Ortskern. Schließlich landen wir in einem Kellergewölbe-Restaurant zu leckerem Abendessen und Wein. Ein schöner Einstieg in unsere Reisezeit. Ich genieße es. So geht der erste Tag zu Ende.

Mittwoch, 7. März: Lorsch ► Cousance (Frankreich), 554 km
Heute lassen wir es langsam angehen. Es ist schon nach 10⁰⁰ Uhr als wir uns auf den Weg machen. Sofort sind wir auf der Autobahn Richtung Süden. Freiburg, dann über den Rhein, Mulhouse, schon sind wir in Frankreich. Am heutigen Tage nehmen wir nur Autobahnkilometer unter die Räder und werden uns auch einen Übernachtungsplatz in Autobahnnähe suchen. Auf einem Autobahnrastplatz mit großem gallischen Hahn halten wir an und schauen in unseren Frankreichatlas. In der Nähe sieht es mit Übernachtungsplätzen sehr gut aus. Hier gibt es sogar die Möglichkeit über eine Brücke auf die andere Seite zu kommen. So fahren wir wieder ein Stück zurück, um an die vorige Abfahrt zu gelangen. In Cousaux gibt es einen Stellplatz an einem Feuerwehrgerätehaus, der macht einen trostlosen Eindruck. Eine Ortschaft weiter, in Cousance, das sieht schon besser aus. Kurz nach uns kommt noch jemand auf diesen Platz. Dieses Mobil nebenan ist gerade nach 2 Monaten Spanien auf dem Rückweg nach Deutschland. Das junge Paar ist mit Kleinkind und zwei Hunden auf Tour. Sie sind Gemüsegärtner und reisen in dieser Jahreszeit, weil da in der Gärtnerei noch Ruhe herrscht.

Wir spazieren ein wenig durch den Ort. Es ist kalt, die Ohren und die Hände frieren. Das treibt uns ins geheizte Auto zurück. Angemessen zum Wetter schlürfen wir schöne heiße Brühe zum Abendbrot.

Donnerstag, 8. März: Cousance ► Pont du Gard ► Remoulins (Frankreich), 374 km
Die Sonne meint es gut mit uns. Nach dem Frühstück rangieren wir an die kostenlose Ver- und Entsorgung heran. Nachdem wir die mitteleuropäische Frostzone verlassen haben, müssen wir Wasser tanken. Angesichts der Minustemperaturen noch vor ein paar Tagen, haben wir uns nicht getraut zu Hause vor Fahrtbeginn den Wassertank zu füllen und haben uns aus einem Kanister bedient.
Danach schwatzen wir noch kurz mit den Nachbarn, bekommen einige Tipps für die Reise durch Spanien und machen uns auf den Weg. Erst fahren wir die Nationalstraße N83 bis kurz vor Bourg-en-Bresse, dann auf die Autobahn Richtung Lyon, später vorbei am Lyoner Flughafen und auf der „Autoroute du Soleil“ Richtung Orange.
In Frankreich waren wir schon oft unterwegs, auch auf dieser Strecke. Aber wir haben uns noch nicht Pont du Gard angesehen. Dieses Mal fahren wir nicht daran vorbei. Positiv ist auch anzumerken, dass jetzt im frühen Frühjahr noch nicht der Andrang herrscht, wie in der Saison an solchen Touristenhotspots üblich. Jedenfalls ist auf dem großen Parkplatz am Besucherzentrum ausreichend freier Platz vorhanden. Im Museum wird an Hand von lebensgroßen Modellen die Entstehungsgeschichte des Bauwerks nachvollzogen. Wir sehen uns die eindrucksvollen Exponate und einen Film an. Anschließend machen wir eine ausgiebige Wanderung auf den Hügeln oberhalb des Aquädukts mit schönen Sichten auf das Bauwerk.

Dann steigen wir den Hügel hinunter und laufen über das Aquädukt.
In der nahe gelegenen Kleinstadt Remoulins finden wir am Fluss einen Parkplatz für die Nacht. Ein Bummel durch die engen Gassen und Durchgänge der Altstadt bringt uns etwas mittelalterliche Stimmung. Bedauerlicherweise sind einige der wirklich sehr schönen Gebäude dem Verfall preisgegeben. Wir kommen an einer Pizzabäckerei vorbei und möchten eine von den am Holzfeuer bereiteten Pizzen mitnehmen. Leider haben wir an der Pizzeria eine Begegnung mit einem gut aufgetankten aufdringlichen „Clochard“ der uns mit ungeheurer Hartnäckigkeit anbettelt und kaum abzuschütteln ist. Wir müssen umschalten von witzig-freundlich auf energisch und der Appetit auf Pizza ist uns vergangen. Wir gehen zum Auto zurück.

Freitag, 9. März: Remoulins ► Salses-le-Chateau (Frankreich) ► Figueres/Peralada (Spanien), 292 km
Am frühen Morgen ist es noch trübe, aber unterwegs wird es schnell sonnig und warm. Bis Nîmes fahren wir Landstraße, am Flughafen von Nîmes biegen wir ab auf die Autobahn. Am Etang de Leucate wechseln wir wieder auf Landstraße und fahren an der Wasserlinie entlang. Große Hinweistafeln zum „Fort de Salses“ säumen unseren Weg. Spontan wird entschieden: Das müssen wir uns ansehen. In der kleinen Ortschaft Salses-le-Chateau bremst uns eine Höhenbeschränkung auf 2m aus. Wir stellen die blaue Zitrone auf einen weiten Platz vor einer Weinkooperative ab und erkunden weiter zu Fuß. Nach einer sehr niedrigen Eisenbahnunterführung, die man auch umfahren könnte, ist die Festung schon in Sichtweite.

Eine mächtige Anlage, so zirka 1500 erbaut, wie es an der Informationstafel zu lesen ist. Am Einlass bereitet man sich gerade auf die Mittagspause vor. Nein, ein Ticket können wir erst wieder nach der Pause erwerben, wird uns beschieden, jetzt wird nur noch herausgelassen, nicht mehr hinein. Wir lieben es in solch alten Gemäuern herumzustöbern, aber dafür fast drei Stunden zu warten, ist uns dann doch zu lange. So umrunden wir das weitläufige Gelände außerhalb der Wallgräben.
Zurück am Auto essen wir zu Mittag. Aus dem Dorfladen haben wir uns frisches leckeres Baguette mitgebracht. Dann machen wir uns auf nach Spanien.
Nun geht unser Blick auf die Pyrenäen, deren höhere Gipfel alle in Dunst und Wolken gehüllt sind. Im Verlauf der Fahrt ist es immer wärmer und frühlingshafter geworden, meine Winterstiefel habe ich schon verstaut.
Nicht weit nach der französisch-spanischen Grenze steuern wir den Ort Figueres an, denn wir möchten das Dali-Museum besuchen.

Das Gebäude mit den Eiern auf dem Dach haben wir schnell gefunden, doch die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig, denn die Innenstadt ist eng und voller Verkehr. Die wenigen Plätze an den Straßenseiten sind belegt und die Tiefgaragen sind für uns höhenmäßig nicht ausgelegt. Direkt am Dali-Haus werden wir durch die Einbahnstraßenregelung in eine extrem steile Gasse mit rutschigem Pflaster geleitet. Schon allein beim geradeausfahren quietschen die Reifen. Dann entdecken wir gar nicht allzu weit entfern große, sogar gebührenfreie Parkplätze. Im Nu sind wir zum Museum zurückgelaufen. Ein schönes altes Theater mit Kuppel auf dem Dach, großen Eiern außen dran und jeder Menge „Dickmännchenbroten“ an der ganzen Fassade. Davor stehen schon recht skurrile Kunstwerke in vielfältiger Art. Es ist gerade kein allzu großer Andrang an der Kasse, also gehen wir hinein. Was hier an eigenen Werken des Künstlers aus seinen verschieden Epochen und auch an Exponaten aus seiner Sammlung gezeigt wird macht einfach gute Laune. Wie der Mann mit dem dünnen immer mal anders kreierten Schnurrbart sich selbst und seine Kunstwerke inszenierte beeindruckt uns stark. Der Kerl war schon recht verrückt. Hierher zu kommen, hat sich gelohnt.

Unser Nachtlager schlagen wir heute in Peralda, unweit von Figueres, auf einem Platz am Rande dieser kleinen sehr alten Stadt auf. Wir spazieren gleich zum Stadttor hinein. Überall stehen Schilder mit Erklärungen zu den einzelnen Gebäuden. Es ist schon sehenswert, aber es gibt keine Menschen in den Gassen, alles wirkt ausgestorben. Wir kaufen noch etwas in einer Bäckerei und spazieren vor die Stadt.
Vor der Stadt stehen große Platanen und Pappeln mit vielen Storchennestern mit Störchen und dazwischen jede Menge anderer Vögel, wie lärmende Dohlen. In den unteren Teilen der Storchennester haben kleinere Vögel ebenfalls ihr zu Hause gefunden.

Besonders bemerkenswert ist auf dem Parkplatz auf dem wir stehen, ein großes Morelo-Wohnmobil und sein Fahrer, der schon vor 18⁰⁰ Uhr im Schlafanzug über den Platz schlurft und eine Gießkanne sucht.
Die grobe Reiseplanung für Morgen wird noch erledigt und Abendbrot gegessen, dann kippen wir ins Bett.
Auch Reisen strengt an. So fallen uns bei Storchengeklapper und Dohlengekreische doch irgendwann die Augen zu.

Samstag, 10. März: Peralda ► Alicante, 710 km
Mit Storchengeklapper werden wir auch geweckt. Die Sonne scheint. Nach dem Frühstück kommt ein Auto auf den Platz gefahren und hupt. Wir denken: Wieso kommt der Bäcker erst nach unserm Frühstück? Doch plötzlich sammeln sich sehr viele Katzen um das Auto herum. Der Fahrer steigt aus und füttert sie. So ist das also in Katalonien. Nach der Womo-Entsorgung und Wasserfassen starten wir gegen viertel zehn in Richtung Autobahn.
Heute sehen wir die schneebedeckten Pyrenäengipfel im Sonnenschein. Eine Stunde und einhundert Kilometer weiter sind wir schon im Großraum Barcelona. Als das überstanden ist, haben wir wieder Augen für die Landschaft.
Es ist Frühling die Bäume blühen schon in rosa und weiß, überall schon Frühlingsblumen und die Vögel zwitschern. Da fühlen wir, die Winterzeit ist geschafft. Ein Kreislauf, der sich jedes Jahr wiederholt, aber dennoch jedes Jahr bedeutsamer für uns wird.
Nun sind wir schon an Tarragona vorbei, links das Meer, rechts die Berge. Dazwischen Weiten mit Feldern von Gemüse wie Kohl, Artischocken, auch Oliven und Orangenbäume so weit das Auge reicht. Ich freue mich schon auf den Duft der Orangenblüten. Ein schöneres Parfüm kann ich mir nicht vorstellen.
Heute sind wir ordentlich viel Kilometer gerollt. Langsam wird es Abend und wir möchten die heutige Tour beenden. In Altea rollen wir durch die Stadt. Eine schöne Gegend direkt am Meer, aus den Strandkneipen duftet es lecker. Das sieht alles sehr gut aus. Aber dann: alle möglichen Plätze sind belegt und so fahren wir weg vom Meer in die Berge, kurven auf kleinen irrgartenartigen Straßen zwischen Orangenhainen und weitläufigen Privatanwesen umher. Wir kommen an einen offiziellen Wohnmobilplatz, aber der ist verlassen und das Gittertor verrammelt. Er scheint aufgegeben. Wir sind inzwischen in der Tourismushochburg Benidorm, ganz schlecht für eine spontane Übernachtung. Eigentlich meiden wir solche Gegenden für Übernachtungen, aber es hat sich halt so ergeben. Wir versuchen es trotzdem auf einem Campingplatz abseits der Küste. Großes Erstaunen beim Personal: Ohne Reservierung? No! Wir sind so fertig und fahren planlos weiter auf einer Schnellstraße in Richtung Alicante / Santa Pola. Dann haben wir auch noch die Abfahrt verpaßt, Es wird schon dunkel, man kann auf dieser Straße nirgendwo anhalten. Jetzt können wir doch irgendwie wenden, fahren in Sichtweite am Flughafen Alicante vorbei und sind dann am Meer. Dort stehen zwei große Womos am Strand und jetzt stellen wir uns dazu und haben endlich Ruhe. Wobei das nicht das richtige Wort ist für diese Situation: Hinter uns die Schnellstraße und über das Meer kommen die Flugzeuge im Landeanflug.

Aber wir stehen direkt am Meer, haben unseren Kühlschrank und unser Bett dabei, das reicht uns heute. Wir lassen uns bei einem Strandspaziergang von der schönen milden Meeresluft umschmeicheln.

Sonntag, 11. März: Alicante ► Cala de Mijas, 568 km
Beim ersten Augenaufschlagen haben wir Sonne und Meer. Wir stehen an der Costa Blanka zwischen Santa Pola und Alicante direkt am Strand. Hier in der absoluten Urlaubergegend, die Hotelhochhäuser in Sichtweite. Frank hat vor dem Frühstück schon einen Erkundungsrundgang gemacht und einen mehrsprachig beschilderten und eingezäunten „Hundepipigarten“ am Strand entdeckt. Um halb zehn fahren wir weiter auf der Landstraße vorbei an den Salinen von Santa Pola und Torrevieja.

Schwärme von Pelikanen haben sich auf den Salzseen niedergelassen. Die lichte Weite der Salinenlandschaften wechseln sich ab mit dichter Bebauung. Noch vor Cartagena wechseln wir wieder auf die Autobahn. Die schlängelt sich bei Águilas durch fast unbesiedelte küstennahe Berge. Der Blick fällt auf riesige Folienflächen links und rechts des Weges, dazwischen immer wieder Wasserspeicher. Hier wachsen Kohlrabi, Salat, Spargel, Brokkoli, Kohl, auch Palmen und Orangenbäume sind zu sehen.
Später bei Vera, welch schöner Ortsname, wird die Landschaft lehmig und karg, sehr einsam. Dann wieder endlose Folienzelte an der Küste und durch die Berge. Hier wohnt nur Obst und Gemüse unter Plastik, kaum ein Haus ist zu sehen.
Es ist übrigens sehr stürmisch geworden. Die blaue Zitrone ist zeitweise kaum in der Spur zu halten.
Das Landschaftsbild ändert sich immer wieder. Vor Malaga sind viele Hänge terrassiert. Manche Mauern sind schon sehr alt und vieles scheint auch schon aufgegeben zu sein. Obstbäume stehen auf den Terrassen. Vielleicht hat hier früher einmal Wein gestanden. Dann fängt es an zu regnen.
Wir fahren heute bis gegen 17⁰⁰ Uhr. Endstation ist der große Parkplatz in Cala de Mijas an der Costa del Sol, den wir bereits bei unserer letzten Marokkoreise zum Übernachten genutzt haben. Alles ist beim Alten geblieben, der Platz ist noch kostenfrei.
Sehr voll hier, wir finden unseren Platz neben einem schönen alten ausgebauten Magirus-LKW aus Deutschland. Er hat einen schwedenrotbraunen Holzaufbau mit ausziehbarem Balkon und hochklappbarer Holztreppe. Der Fahrer reist allein mit zwei Hunden, hat Fahrrad und Motorrad dabei. Er wird von allen bestaunt und von vielen angesprochen. Ein kleines dickliches Männchen. Sein Auto wirkt fast monumental neben ihm.
Wir gehen noch eine Runde in den Ort und den Strand entlang. Das Wetter ist sehr wechselhaft und kalt. So sind wir dann doch froh wieder im Auto zu sein.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.