Saranda

Reisezeit: September 2004  |  von Angelika Gutsche

Saranda - eine albanische Hafenstadt

Wir fahren zurück nach Saranda. Am Ortseingang fallen viele schöne, direkt am Meer gelegene Hotels auf. Bei den meisten soll es sich um Schwarzbauten handeln. Sie stammen aus den späten 90er Jahren, als Albanien praktisch ohne funktionsfähige Regierung war, und sollen noch in diesem Jahr rigoros der Abrissbirne zum Opfer fallen.

Im Hotel erwartet uns ein Mittagsbuffet mit Fleischbällchen, Kartoffeln, Salaten, und Tzaziki, das hier aber nicht Tzaziki sondern Salscose (oder so ähnlich) heißt und nur mäßig mit Knoblauch angereichert ist. Nach der Stärkung kann uns nichts mehr halten, wir wollen uns in Saranda umsehen. Doch jetzt ist Nachmittag und fast alle Geschäfte und Cafés sind geschlossen. An der Hafenpromenade streunen Kinder, "No Mama, no Papa! One Euro - please!", werden wir angebettelt. Im Gegenzug für unseren Euro bekommen wir handgearbeitete Armbänder, die sich auch als Haargummis verwenden lassen.

Mittagessen in Saranda

Mittagessen in Saranda

Ein großes, schattiges Café in der Ortsmitte hat noch geöffnet. Der Mokka ist stark, gut und billig, die Stühle sind zerschlissen, die Bedienung sehr freundlich. Gegenüber befindet sich die Ausgrabungsstätte einer frühchristlichen Basilika. Ein Baudenkmal aus osmanischer Zeit stellt die heute von einem Wohnblock umbaute Rundkuppelmoschee dar. Heute sollen sich wieder 70% der Albaner zum Islam bekennen, 30% zum Christentum, davon 20% zur griechisch-orthodoxen Kirche.

Der Verkehr an der Kreuzung ist spärlich, doch sofort fällt ins Auge, dass praktisch nur Mercedese unterwegs sind. Im ärmsten Land Europas fährt man fast ausschließlich diese Nobelmarke. Sie kommen daher in allen Formen und Farben, nagelneu oder schon aus einem weit zurückliegenden Baujahr. Die Besteuerung fällt in Albanien für jedes Fuhrwerk gleich hoch aus, egal ob Eselskarren oder High-tech-Mercedes. Dann natürlich lieber Mercedes fahren!

Ein Taxifahrer hält und möchte uns zu einer Stadtrundfahrt animieren. Bedauernd müssen wir ablehnen. Die Zeit reicht nicht mehr. Langsam spazieren wir zum Hotel zurück. Wir kommen am örtlichen Schulgebäude vorbei, das sich in einem jämmerlich verwahrlosten Zustand befindet. Nein, ein mondäner Badeort ist Saranda noch nicht geworden. Der Bevölkerung mangelt es an vielem. Doch die Menschen sind nett, grüßen uns, ältere Männer versuchen mit uns ein Schwätzchen zu beginnen.

Doppelkopfadler auf rotem Grund: das Nationalsymbol Albaniens

Doppelkopfadler auf rotem Grund: das Nationalsymbol Albaniens

© Angelika Gutsche, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Tagesausflug an die albanische Riviera mit Besuch des antiken Buthrotum und Spaziergang durch die albanische Hafenstadt Saranda
Details:
Aufbruch: 20.09.2004
Dauer: 1 Tag
Heimkehr: 20.09.2004
Reiseziele: Albanien
Saranda
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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