Albanien 2019 - Roadtrip durch ein kaum bekanntes Fleckchen Europas

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2019  |  von Nick H.

Von Saranda nach Gjirokastra

Auf dem Weg zwischen Saranda und Gjirokastra gibt es - so finde ich - einen Pflichtstopp für jeden, der etwas für die Natur übrig hat: Syri i Kaltër, das Blaue Auge!

Es handelt sich um die wasserreichste Karstquelle des Landes (6m³/sek) und sie besticht durch ihre Schönheit. Das 12,75°C (+-0,15°C) kalte Wasser tritt aus einem Quelltopf hervor, dessen genaue Tiefe noch immer unbekannt ist. Durch den hellen Kalkstein im Hauptbecken schimmert das Wasser in etlichen Blau- und Grüntönen fast schon surreal...als liefe man durch ein riesiges Adobe Photoshop-Gemälde, bei dem die Regler für HDR, Kontrast und Sättigung auf Anschlag gedreht worden sind. Meine Bilder sind übrigens unbearbeitet.

Es herrscht ziemlicher Betrieb an der Quelle: Menschen springen von einer erhöhten Stelle hinein, fotografieren die Quelle und noch viel häufiger sich selbst an der Quelle - die "Instagrammability" des Ortes scheint gerade für die jüngeren Frauen eine "10 out of 10" zu sein!

Auch zwei von uns wagen von der Plattform den Sprung ins kühle Nass. Ihr Fazit: Kühl und nass...aber gut!

Syri i Kaltër

Syri i Kaltër

Syri i Kaltër

Syri i Kaltër

Sprung eines Mitreisenden inkl. Actioncam

Sprung eines Mitreisenden inkl. Actioncam

Weiter geht es nach Gjirokastra, aber kurz vorm Ort soll noch etwas liegen, von dem ich über dubiose Quellen gehört habe - ein echter, kleiner Geheimtipp.

Da wir nach der Pëllumba-Höhle und etlichen Bunkern inzwischen ja schon semi-professionelle Höhlenforscher sind, biegen wir beim kleinen Ort Vanister (ca. 10km südöstlich von Gjirokastra) hinter der "Kalimera Patisserie" links ab und parken unseren Wagen.

Hier irgendwo soll die "Shpella Skotini" liegen: Eine Höhle mit unterirdischem See, der zu kommunistischen Zeiten für die Landwirtschaft abgeleitet wurde. Es ranken sich diverse Legenden um die Höhle, aber wir müssen sie jetzt erst einmal finden!

Wie in jedem schlechten Horrorfilm teilen wir uns auf und jeder sucht nördlich des Orts (Richtung Goranxi) seinen eigenen Weg in die kleine Schlucht. Wie wir später sehen, hätte es sogar einen Pfad gegeben, aber querfeldein macht sowieso mehr Spaß!

Schließlich stehen wir alle mit leicht zerkratzten Beinen vor dem Eingang. Unsere mickrigen Taschenlampen beleuchten einen breiten, hinabführenden Weg. Unten stoßen wir in ziemlicher Dunkelheit tatsächlich auf den See, sehr schön! Wir sehen eine Plattform, die an eine Pumpstation erinnert und klettern über eine völlig verrostete Metalltreppe, der bereits eine Stufe fehlt. Hätten die Stufen unser Gewicht (natürlich jeder einzeln) nicht gehalten, wäre ein doppelter Beinbruch noch das Best-Case-Scenario gewesen... Richtig leichtsinnig, aber die Neugierde ist eben größer! Überall Rohre, Ventile und ein undefinierbarer, dunkler Schleim, der alles überzieht. Objektiv betrachtet gibt es sonst nicht viel mehr zu sehen, aber uns hat der kleine Abstecher sehr gut gefallen.

Eingang der Shpella Skotini (von innen betrachtet)

Eingang der Shpella Skotini (von innen betrachtet)

Unterirdischer See

Unterirdischer See

Vertrauenserweckende Treppe...

Vertrauenserweckende Treppe...

Pumpstation o.ä...?

Pumpstation o.ä...?

Undefinierbares, fieses Zeug...

Undefinierbares, fieses Zeug...

Unser heutiges Ziel - Gjirokastra - erreichen wir bereits am frühen Nachmittag, da es sich um ein malerisches Städtchen mit einigen Sehenswürdigkeiten handeln soll. Den Beinamen "Stadt der Steine" verdankt sie den vielen, kleinen Trutzburgen ähnelnden Bürgerhäusern - auch unser Hotel, das "Kalemi 2", ist hier keine Ausnahme.

Hotel Kalemi 2

Hotel Kalemi 2

Gjirokastra gilt als wichtigstes kulturelles Zentrum Südalbaniens und hier wurden u.a. der Diktator Enver Hoxha sowie der Schriftsteller Ismail Kadare geboren.

Um zunächst einen Überblick zu erhalten, erklimmen wir den Hügel, auf dem sich die Zitadelle befindet. Bereits beim Weg dorthin kommen wir an pittoresken Häusern vorbei. Berühmtere Beispiele der Stadt sind das Zekate-Haus oder das Skenduli-Haus.

Oben angekommen beeindruckt die tolle Lage der Stadt inmitten der Berge: Die albanische Version der Toskana!

Die Zitadelle verdankt ihr heutiges Aussehen Ali Pascha, doch ihre Anfänge reichen bis in die vor-osmanische Zeit zurück. Zu entdecken gibt es Museen, einen Uhrturm, ein Gefängnis, Waffen aus dem zweiten Weltkrieg u.v.m.

Wir verlassen die Burg erst wieder, nachdem wir uns sicher sind, jeden einzelnen Winkel erkundet zu haben. Definitiv ein lohnenswerter Besuch!

Haha, geil!

Haha, geil!

Den Rest des Nachmittags/Abends streifen wir durch die idyllischen, engen Gassen. Momentan wird der Gehweg der Altstadt großflächig saniert, was zwar einerseits den malerischen Eindruck etwas trübt, andererseits dafür sorgt, dass keinerlei Autos unterwegs sind. Ein fairer Deal!
Auf Empfehlung einer Person aus der Albanien-Facebook-Gruppe geht es zum Abendessen in das "Kujtim Restaurant". Danke für den guten Tipp, wir wurden nicht enttäuscht!
Schließlich landen wir vor einer Bar und trinken dort diverse Runden Bier, während uns die Wirtin Klotilda(?) Gesellschaft leistet. Sie beantwortet bereitwillig und mit einer Engelsgeduld all unsere Fragen über Land und Leute. Nachdem wir so 2-3 Stunden mit ihr verbracht haben, geben wir ihr als Aufwandsentschädigung ein großzügiges Trinkgeld. Sie muss schließlich am nächsten Morgen bereits um 7 Uhr wieder hier sein und wohnt etwas weiter draußen in den Bergen. Sie meint noch, dass wir morgen früh vor unserer Abreise vorbeikommen sollen, weil sie uns 'meat balls' für unterwegs machen kann.

Um schon einmal den kommenden Morgen vorwegzunehmen: Natürlich gehen wir bei ihr vorbei und für uns ist sonnenklar, dass wir nun ein paar ihrer Fleischbällchen kaufen. Aber falsch gedacht! Sie meint nur, dass sie kein Geld möchte, sie hätte doch gesagt, sie mache uns Proviant! Wow, was für eine Gastfreundschaft! Auch das kommt in Deutschland praktisch nicht vor.

Qeleshe (auch Plis/Plisi)

Qeleshe (auch Plis/Plisi)

Fuchsi!

Fuchsi!

© Nick H., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit sechs Mann ging es per selbst organisiertem Roadtrip für neun Tage durch Zentral-, Süd- und Ostalbanien...
Details:
Aufbruch: 05.07.2019
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 14.07.2019
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Nick H. berichtet seit 25 Monaten auf umdiewelt.