Rundreise durch Südosteuropa

Moldau-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni / Juli 2018  |  von Gerd Dorn

Moldawien: Transnistrien / Tiraspol

Ankunft und Einreise

Durch Moldawien führt eine Grenze, die in wenigen Karten eingezeichnet ist. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es in der damaligen Sowjetrepublik Moldau zu Konflikten zwischen der russisch- und der rumänischsprachigen Bevölkerung. Im Ergebnis spaltete sich der östlich gelegene, stark von Russen besiedelte, Landesteil ab und bildet heute einen eigenständigen (nicht anerkannten) Staat. Transnistrien (=jenseits der Nistr) ist die rumänische Bezeichnung, die auch in Deutschland verwendet wird. Der de facto Staat bezeichnet sich selbst als Pridnestrowische Moldauische Republik oder kurz: Pridnestrowien. Die Grenzen dieses Staates findet man nur auf wenigen deutschen Landkarten.

Da Moldawien und (fast) der übrige Teil der Welt diesen Staat nicht anerkennt, gibt es auf moldawischer Seite keine Grenzkontrollen. Die Einreise wird auf transnistrischer Seite jedoch streng überwacht. Bei einem Aufenthalt von mehr als 24 Stunden muss man sich sogar auf einer Polizeidienststelle melden.
Es war nicht sehr voll am Grenzübergang, so dass wir hier lediglich etwa eine dreiviertel Stunde benötigten. Schwierig war, dass die Grenz- und Zollbeamten im Wesentlichen nur russisch sprachen, was die Kommunikation erschwerte. Auch wurden keine Bestechungsgelder gefordert, obwohl dies in zahlreichen Foren angekündigt und geschildert wurde. Lediglich eine Migrationsgebühr i.H.v. 4,00 € pro Person wurde fällig.

Schützenpanzerwagen und Armisten mit Maschinenpistolen bewachen eine Grenze, die offiziell nicht vorhanden ist

Schützenpanzerwagen und Armisten mit Maschinenpistolen bewachen eine Grenze, die offiziell nicht vorhanden ist

Tiraspol

Nach Grenzübertritt ist man nach etwa einer Stunde in Tiraspol, der Hauptstadt Transnistriens. Wir hatten uns hier ein Appartement gemietet und nachdem wir dies bezogen hatten kümmerten wir uns zunächst darum, einheimisches Geld in die Tasche zu bekommen. Laut Internet spucken die Geldautomaten, von denen ich keinen sah, nur russische Rubel oder Dollar aus. Einheimisches Geld bekommt man nur an Wechselstuben, die in der Regel bei größeren Supermärkten zu finden sind. Beim um die Ecke befindlichen Sheriff Supermarkt befand sich dann auch gleich eine Wechselstube in der wir etwa 20,00 € in pridnestrowische Rubel eintauschten. Dann in den Supermarkt und ein paar frische Lebensmittel für das Frühstück besorgt und dann standen sie da: Die Schätze Transnistriens. Ein echter Leckerbissen stellt für Kenner Cognac der Marke KVINT dar. Ist in Deutschland ziemlich schlecht zu bekommen und sehr teuer. In Tiraspol war ein ganzes Regal gefüllt. Man hatte die Wahl zwischen 3- 33-jährigen. Bei letzterem kostete die Flasche (0,25 Liter) allerdings auch etwa 30,00 €. Ich entschied mich für den 10-jährigen und konnte eine Flasche für etwa 2,50 € erwerben - ein absoluter Witzpreis für dieses edle Getränk. 8 kleine Fläschchen wanderten ins Reisegepäck und sollten uns für den Rest der Reise begleiten.

Man liest viel über Tiraspol und Transnistrien - vor allem, dass hier ein Rest des Stalinismus verblieben ist, der auch optisch erkennbar sei. Ein Besuch dieses Landes sei wie eine Reise in der Zeit, in die 70er oder 80er Jahre. "Freiluftmuseeum des Kommunismus" urteilt GEO in der Ausgabe 09/2006. Bestätigen kann ich dies nur teilweise. Man findet zwar überall Banner und Transparente mit (vermutlich) sozialistischen Sprüchen, die ich aus meiner Jugend nur allzugut kenne. Allerdings ist diese Optik durch Reklame bekannter westlicher Marken durchsetzt, die wohlvertraut erscheinen.

Alte Wahrzeichen aus sowjetischen Zeiten wurden in Transnistrien nicht entfernt und schmücken bis heute (2018) die Straßen

Alte Wahrzeichen aus sowjetischen Zeiten wurden in Transnistrien nicht entfernt und schmücken bis heute (2018) die Straßen

Die Wahrzeichen Tiraspols waren dann auch schnell fußläufig erkundet. Die Weihnachtskirche, das Suvrov Monument und natürlich das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges. Interessant war, dass hier auf zahlreichen Monitoren Originalfilmaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg liefen. Bei seinem Siegeszug hat der türkische Kebap auch vor Tiraspol nicht halt gemacht. Bekannte Nahrung ist gute Nahrung - also gab es zum Abendessen Kebap.
Es dunkelte dann auch schon, als wir gegen 21:00 Uhr zurück in der Unterkunft waren um den Tag zu beenden.

Am nächsten Morgen hatten wir einen schönen Ausblick aus der 10.Etage auf Tiraspol. Es gibt hier zahlreiche Plattenbauen aus sozialistischen Zeiten, wie man sie in vielen größeren Städten östlich der Elbe bewundern kann. Tiraspol ist allerdings eine sehr grüne Stadt und die optische Dominanz der Grünflächen und Bäume lässt Tiraspol symphatisch erscheinen.

Wir schauten noch kurz zum Haus des Sowjets. Im Internet recht hübsch dargestellt, in der Realität aber eher hässlich und fuhren dann zur zweitgrößten Stadt Transnistriens, nach Bender.

Viel Grün zwischen tristen Betonklötzen verleihen Tiraspol ein symphatisches Aussehen

Viel Grün zwischen tristen Betonklötzen verleihen Tiraspol ein symphatisches Aussehen

© Gerd Dorn, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Tour durch Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Serbien und die Ukraine
Details:
Aufbruch: 21.06.2018
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 09.07.2018
Reiseziele: Moldau
Rumänien
Bulgarien
Serbien
Ukraine
Der Autor
 
Gerd Dorn berichtet seit 31 Monaten auf umdiewelt.