Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Moldau-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Chişinău


Mittwoch, 12. September: Comrat ► Chişinău, 105 Tageskilometer
Wir fahren noch mal in die Innenstadt von Comrat um Fotos zu machen. Gestern war es regnerisch und dunkel. Dann lesen wir am Ortsausgang einen Anhalter auf. Eine Unterhaltung ist leider nur über unsere dürftigen Russischkenntnisse möglich. Er ist Schlosser, und hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Zuletzt war er in einer LKW-Reparatur tätig. Er beklagt sich über das Leben hier in Moldawien, philosophiert über die Qualität der verschiedensten Automarken, die uns so begegnen. Über eines wundert er sich stark: Daß wir nicht mit einem deutschen Auto unterwegs sind. VW Crafter und Mercedes Sprinter sind für ihn die Krone des Automobilbaues. Die Straße von Comrat nach Chişinău ist neu und modern ausgebaut. Dazu gehört auch eine Verkehrsüberwachung durch Kameras über der Straße und häufige Geschwindigkeitsmessung durch stationäre Technik. Dank unseres Mitfahrers werden wir immer vorher darauf hingewiesen. Trotz aller Überwachungstechnik sehen wir auf der 100 Kilometer langen Strecke einige Unfälle mit schweren Blechschäden. Schon vor der Stadt nimmt die Verkehrsdichte enorm zu. Auf den breiten meist markierungsfreien Straßen in der Stadt kämpft jeder gegen jeden.
Unterwegs schon verabreden wir uns telefonisch mit Tatiana, die wir übers Internet kennengelernt haben. Sie spricht hervorragend Deutsch und möchte uns bei unserem Aufenthalt in der Hauptstadt behilflich sein. Zuerst setzen wir unseren Mitfahrer ab. Auch er ist ganz erstaunt, daß wir keine Bezahlung annehmen. Durch ein Mißverständnis verfehlen wir Tatiana. Sie wollte uns schon an der Stadteinfahrt abholen. Wir sind aber zu der von ihr genannten Adresse gefahren. Ein weiteres Telefonat kann das aufklären.
Die blaue Zitrone kommt auf dem Hinterhof des Deutschen Hauses „Hoffnung“ unter, für das Tatiana tätig ist. Wir bummeln mit ihr durch die Innenstadt besichtigen die Auferstehungskathedrale, die Verklärungskathedrale, wir kommen an Rathaus, Nationaltheater, Präsidentenpalast und Parlament vorbei.

Für die Kirchenbesuche habe ich mein Kopftuch dabei. Im Park neben dem Nationaltheater gibt es einen Kunst- und Antiquitätenmarkt. Allerlei Malerei, Holzarbeiten, Häkelei werden verkauft. Für unsere Begriffe doch zu kitschig. Dann schlendern wir am Ştefan-cel-Mare-Denkmal Denkmal vorbei in den Schriftstellerpark.

Ein schönes gepflegtes Gelände mit den Büsten und Tafeln von Puschkin und vielen uns unbekannten moldawischen Schriftstellern.
Es gibt nur wenig historische Gebäude in der Stadt. Die Kriegshandlungen des zweiten Weltkrieges und ein Erdbeben haben die Stadt weitgehend zerstört. Eines der wenigen erhaltenen Häuser ist ein Bankgebäude von 1900. In sowjetischer Zeit wurde es als Orgelkonzertsaal umgebaut. Es ist momentan wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Tatiana verhandelt mit den Sicherheitsleuten und wir können für wenige Minuten hinein.

Im Zuschauerraum, der ehemaligen Schalterhalle sind der Stuck und auch die Kronleuchter aus böhmischem Kristallglas original erhalten.
Auf dem Weg in ein Restaurant finden wir eine kleine Galerie, die auch Tatiana nicht kannte. Insbesondere ein Maler aus dieser Stadt erregt unsere Aufmerksamkeit. Er thematisiert die Aufarbeitung der sowjetischen Zeit in großformatigen Werken mit hypnotischer Ausstrahlung. Frank unterhält sich lange mit der Galeristin. Sie war auch schon in Deutschland. Warnemünde hatte es ihr besonders angetan.
Danach sitzen wir in einem großen moldawischen Restaurant. Tatiana empfiehlt gefüllte Blätterteigtaschen mit verschiedenen Inhalten, süß oder herzhaft. Wir möchten verschiedene probieren. Man muß aber immer drei von der gleichen Sorte als eine Portion bestellen, da sind sie vollkommen unflexibel. Wir bestellen mit Kartoffel-, Quark-, Fleisch-, Kirsch- und Apfelfüllung und wir beide haben damit 15 Stück am Hals, die natürlich nicht zu schaffen sind. Also lassen wir uns über die Hälfte davon einpacken für die nächsten Tage. Die Ruhepause tat unseren Beinen gut.

Nach dem Essen kommen wir zum Basar. Wir staunen nicht schlecht über die enorme Größe des Basarviertels. Warenberge ohne Ende: Obst, Gemüse, Gewürze, Haushaltsartikel, Elektronik, Fleischerstände. Uns erinnert das alles sehr an Marokko, nur die Handwerker fehlen.
Später werden wir in den Botanischen Garten etwas außerhalb der Stadt gefahren. Wir haben schon andere botanische Gärten in Ex-Sowjetrepubliken besucht. In der Sowjetunion gehörte es zum Selbstverständnis, daß jede größere und wichtige Stadt einen solchen hat und der wurde auch wissenschaftlich gut betreut und mit Personal ausgestattet. Das ist heute unbezahlbar. Deshalb wurde dieser hier privatisiert und schon mehrmals weiterverkauft, wie wir berichtet bekommen. So gammelt er nun vor sich hin. Die Gewächshäuser und Verwaltungsgebäude sind verfallen, ein kleiner Teil wird von einer privaten Gärtnerei genutzt. Dort können wir auch, dank der Übersetzung von Tatiana, mit jemanden sprechen.
Wir fahren zurück zum Deutschen Haus. Dort ist inzwischen Tatianas Schwester angelangt. Sie berichten uns über die Arbeit des Vereins. Dann kochen wir gemeinsam Mais vom Markt und schneiden Gurken und Tomaten auf und trinken moldawischen Wein dazu. Wir sind rechtschaffend müde. Die Dusche, die der Verein erst neu eingebaut hat, um auch einmal Gäste im Haus zu beherbergen, soll heute eingeweiht werden. Leider bringen wir die neue Therme nicht in Gang, es läuft also kein warmes Wasser.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit