"Kommen Sie, kommen Sie!", "Schmatz ned so" und "Proszę wódki"

Polen-Reisebericht  |  Reisezeit: August 2019  |  von Martin Mitterer

Niepołopice

Von engagierten Hochschwangeren und zerstörten Stockwerken

Nachdem wir in Kraków wunderbare Tage verbringen durften, führte uns der Weg ca. 25 km nach Osten nach Niepołopice. Dort wurden wir herzlich von verschiedenen Gastfamilien aufgenommen. Für mich und uns höchst bemerkenswerkt war, dass Klaudia, die die Unterkünfte organisiert hatte, zwei bis drei Wochen nach unserer Abreise ihr zweites Kind entbinden sollte. Dafür noch einmal ein ganz herzliches "Dziękuję bardzo!" (Vielen Dank). Vor der Reise habe ich mit großem Unbehagen an diese Tage gedacht. Denn da ich nur ein paar Brocken Polnisch kann, habe ich mich gefragt, wie ich mich verständigen soll, wenn in den Familien nicht Deutsch oder Englisch gesprochen wird. Wie so oft stellte sich diese Angst als völlig unbegründet heraus, da Klaudia sehr gut Englisch und auch Deutsch sprach. Beim Abendessen und gemütlichen Zusammensitzen konnten wir dann auch feststellen, dass es einige deutsche Wörter und Wendungen in die polnische Sprache verschlagen hat - wenn auch mit für uns seltsamer Schreibweise.

Eine Kostprobe gefällt?
Dach = dach
Dingsbums = wihajster
ganz egal = ganc egal
Hochstapler = hochsztapler
Flasche = flaszka
Schlauch = szlauch
Feierabend = fajrant
Gurke = ogorek

Von der Hektik und Zerstörung

Am nächsten Tag ging es ins Schloss von Niepołopice, wo wir eine Führung durch eine möglicherweise sehr gestresste und spaßbefreite Polin erhielten. Jedenfalls wurde ihr "Kommen Sie, kommen Sie!" zu einem weiteren Runnig Gag der Reise. Als sie erwähnte, dass der gesamte 3. Stock des Schlosses um 1800 von österreichischen Truppen zerstört wurde, entlockte uns das ein Schmunzeln. Daraufhin reagierte sie verständnislos. Offenbar hatte sie von uns Scham und Bestürzung erwartet. Unser deutscher Reiseleiter war erleichtert, dass einmal nicht die Deutschen, sondern die Österreicher schuld waren. Im Laufe der Führung entglitt ihr aber dann noch einmal ein flüchtiges Lächeln.
Außerdem erzählte sie uns von einer Heldengeschichte der anderen Art. Denn ausnahmsweise wurde nicht eine holde Maid von einem tapferen Ritter gerettet. NEIN! Dieses Mal rettete ein Mädchen einen Mann mit ihrer Armbrust. So soll's sein!

Anstandsgemäß entschuldigten wir uns dann doch für den 3. Stock - wenn auch mit einem Augenzwinkern

Anstandsgemäß entschuldigten wir uns dann doch für den 3. Stock - wenn auch mit einem Augenzwinkern

Brunnen zur Heldengeschichte der anderen Art

Brunnen zur Heldengeschichte der anderen Art

Schmatz, schmatz!

Nach der hektischen Besichtigung und verdienten lody (Eis) wanderten wir zurück zu Klaudias Elternhaus, wo bereits das Mittagessen auf uns wartete. Hier durften wir eine weitere polnische Spezialität genießen: Pierogi
Wer diese gefüllten Teigtaschen nicht kennt, versäumt etwas. Eine Frau aus dem Ort hatte für uns ca. 180 Pierogi mit 7 oder 8 unterschiedlichen Füllungen gemacht. Diese reichten von Erdbeeren, Blaubeeren und Apfel-Zimt über süßen Käse bis zu Fleisch und Spinat. Je nach Füllung gab es Schlag, Schmalz oder Butter dazu. Für eine Diät also wahrlich nicht geeignet.

Pierogi mit Erdbeerfülle und Schlag

Pierogi mit Erdbeerfülle und Schlag

Jede Schüssel enthält eine andere Füllung

Jede Schüssel enthält eine andere Füllung

Wer ist Maryo?

Am Sonntag stand ein Gottesdienst auf dem Programm. Doch was wir dort erleben sollten, war höchst überraschend. Denn nicht nur, dass um 8:00, 9:00, 10:00, 11:00 und 12:00 Messen gefeiert werden. Die Kirche war auch noch gesteckt voll. Dass der Gottesdienst auf Polnisch gehalten wurde, war nur ein geringes Problem. Wer sich im Ritus der katholischen Kirche auskennt, findet sich relativ schnell zurecht. Denn das Vater unser zum Beispiel ist durch seine besondere Melodie in fast jeder Sprache erkennbar. Einzig eine Frage beschäftigte uns: Wer ist dieser "Maryo", von dem ständig die Rede war? Außerdem hieß es in Verbindung mit ihm ständig "Królowa Polski". Für ein paar war das nur eine Scherzfrage, denn damit ist die Muttergottes Maria gemeint, die auch immer mit dem Beinamen "Königin Polens" angesprochen wurde.

© Martin Mitterer, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wie viele andere Länder Europas hat Polen eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie reicht von einem einflussreichen und großen Königreich bis zu Zeiten, in denen Polen überhaupt nicht mehr existierte. Welche bedeutende Rolle hier die katholische Kirche spielte, wurde mir erst während dieser Reise bewusst. Polen ist vor allem auch eines: Ein Land mit freundlichen Menschen und großen Teilen noch unberührter Natur.
Details:
Aufbruch: 20.08.2019
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 30.08.2019
Reiseziele: Polen
Der Autor
 
Martin Mitterer berichtet seit 3 Wochen auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Martin Mitterer [?] 1569498299000
Herz­lich wil­lkom­men. Danke für euer Inte­res­se an meinen Ein­drücken aus Polen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Kom­menta­re hinter­lasst. Ich freue mich auch über An­re­gun­gen und Impulse für spätere Reisen. Denn Polen sieht mich sicher wieder.