Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Dobrudscha


Sonntag, 9. September: Murighiol ► Histria, 137 Tageskilometer
Schon vom frühesten Morgen an Sonne satt und Hitze. Beim Abwasch habe ich einen Schwatz mit den scheuen Schweizern neben uns. Das war wirklich ein sehr schöner Platz hier, wenn nicht abends die Mücken….
Ein kurzes Stück kommen wir aus Murighiol heraus und halten schon wieder an einer Ausgrabungsstätte – Halmyris. Es gibt hier ein kleines neues Museum. Wir sind zur Zeit die einzigen Besucher. Die rührige Mitarbeiterin holt uns zwei Stühle, stellt sie mitten in den Raum und startet einen deutschen Film über Archäologie der römischen Epoche. Es hat zwar nicht direkt etwas mit dieser Ausgrabung zu tun, aber die Richtung stimmt schon mal. Der Filmvortrag ist recht lang und Frank meint ihn auch schon einmal irgendwie gesehen zu haben. Also unterbrechen wir und schauen uns das Ausgrabungsgelände an. Die Sicherung der Gebäudeteile und Artefakte sieht nicht sehr professionell aus. Weiterfahren können wir auf dieser Strecke nicht. Es kommen noch zwei Dörfer, dann ist die Straße zu Ende. Wir müssen ein Stück zurück nach Murighiol, dann fahren wir um den See Lacul Razim.

In Sarichioi ist Markt. Das lassen wir uns nicht entgehen. Interessant sind die Werkzeug- und Gebrauchtwarenstände, da gibt es alles, was man auf dem Land so braucht. Fast hätte Frank eine Pumpe mit Kurbelantrieb für die Regentonnen erworben. Doch der Aufdruck „Made in China“ ließ ihn Abstand davon nehmen. Eine Aubergine möchten wir noch mitnehmen. Die junge Bäuerin am Stand brilliert mit einigen spanischen Worten. Das wir Deutsche sind findet sie gut. Wir bekommen die Aubergine geschenkt dazu noch Pflaumen obenauf.

Bei Enisala trohnt die Ruine der Festung Heracleea auf einem Felssporn über dem See. Eine kleine neue Straße führt bis kurz unterhalb der Burg. Hierher zu kommen hat sich wirklich gelohnt. Man hat einen phantastischen Weitblick über den Lacul Razim zum Donaudelta.

In den Dörfern hier am See fallen uns immer wieder auch kyrillisch beschriftete Schilder auf. Hier lebt die Minderheit der russisch-Altgläubigen, die Lipowaner. Bei Jurilivka gibt es etwas Abseits vom Wege, eine weitere Ausgrabungsstätte, die griechisch-römische Festungsstadt Argamum. Sie liegt ungesichert und unbeaufsichtigt am Ende eines zerfahrenen Weges. Ein ganz mystischer Platz auf einem Steilufer am See mit einigen Mauerresten der Verteidigungsanlagen und einer frühchristlichen Basilika. Das letzte Stück gehen wir zu Fuß, um die Wegebeschaffenheit zu erkunden. Hier wäre ein phantastischer Übernachtungsplatz. Leider ist der Weg an einer Stelle so ausgefahren, daß die Bodenfreiheit unserer blauen Zitrone eine Passage nicht hergibt.

Außerdem liegt an genau dieser Stelle eine zirka ein Meter lange Schlange in der Sonne. Das ist ein schlechtes Omen. So steigen wir gaaanz vorsichtig mit unseren Sandalen das Steilufer hinauf, laufen zwischen antiken Mauern und blicken über den See.

Drei große Strandseen oder Lagunen reihen sich hier am Rande des Donaudeltas aneinander. In den Lacul Sinoe kann man auf einem Landstreifen weit hinausfahren bis zur antiken Stätte Histria. Es ist schon 18⁰⁰ Uhr, als wir ankommen. Museum und Außengelände haben noch bis 20⁰⁰ Uhr geöffnet, also können wir uns alles noch ganz entspannt ansehen. Das Museum ist gut geordnet und gibt eine Übersicht über die hier gefunden Artefakte. Aber das Gebäude selbst, obwohl ein anscheinend noch junger Bau, gammelt schon vor sich hin.

Das Grabungsgelände ist sehr groß, es ist einiges freigelegt, aber man ist immer noch am Ausgraben. Zum Abschluß setzen wir uns auf die Terrasse des angrenzenden Restaurants. Das Essen ist gut, aber die ausgesprochen mufflige Kellnerin vermiest uns die Sache etwas. Wir sind die letzten Gäste, und so bleiben wir auf dem leeren Parkplatz stehen für diese Nacht.


Montag, 10. September: Histria ► Babadag ► Greci, 124 Tageskilometer

Kurz nach dem Starten klingelt das Handy: Anruf von zu Hause. Ein guter Freund von uns, der in unserer Abwesenheit nach unsere Firmengebäuden schaut ist dran. Es beginnt mit den Worten „Ich muß euch mal in euerem Idyll stören“. Im Bürogebäude ist über das Wochenende eingebrochen worden. Ein Fenster und sechs Türen wurden zerstört. Vier eingemietet Firmen sind betroffen und wir selbst auch. Alles wurde durchwühlt, aber nichts entwendet. Die Einbrecher haben anscheinend nur nach Bargeld gesucht. Polizei, Versicherung, provisorischer Verschluß, alles wurde schon organisiert. Gut, daß man Freunde hat, auf die man sich verlassen kann. Wir beschließen, so etwas kann uns die Reise nicht vermiesen, aber brauchen schon eine ganze Weile, um es einigermaßen zu verarbeiten.

Babadag hat außer der Moschee nichts besichtigungswürdiges zu bieten, also fahren wir nach kurzem Fotostopp weiter. Das Wetter ist heute sehr durchwachsen, ordentlich warm, aber mit einigen kurzen Regenschauern. Jetzt ändert sich die Landschaft. Wir fahren an den Flanken von Granitbergen entlang, die höher erscheinen als 400 m, die sie wirklich sind. Die weiten dürren, gelben Graslandschaften mit dem hellen Granitbergkämmen ergeben einen eigentümlichen Anblick.

Wir fühlen uns in die Blinkhaar-Graslandschaften in der Kalahari versetzt.
Heute kommen wir in einem schönen Obstgarten am Ortsbeginn von Greci unter. Inmitten von Apfel-, Birnen-, Aprikosen-, Pfirsich-, und Pflaumenbäumen legen wir einen faulen Nachmittag ein. Der Eigentümer bewahrt alte Obstsorten. Verschiedene Kostproben legt er uns vor. Unter anderem grün-beige schorfig unansehnliche fast kugelrunde Früchte mit zirka 5 cm Durchmesser. Unterwegs hier in der Dobrudscha haben wir schon solche an den Bäumen gesehen. Wir hielten sie für unreife Pflaumen. Nein es ist eine alte Pfirsichsorte von sehr süßem aromatischem Geschmack. Aber wegen ihres Aussehens in Supermärkten unverkäuflich. Er geht voll auf in seinem Paradies. Als wieder einmal ein Schauer niedergeht, bietet er uns einen Platz auf der überdachten kleinen Veranda seines Gartenhäuschens an. Er schaltet das Radio an und bringst uns weiteres Obst.
Wir laden ihn ein auf ein Glas Wein. Er erzählt uns, er war 20 Jahre Schweißer in Irland in einer Firma, die Hydraulikzylinder herstellt. Die Arbeit hat ihn lungenkrank gemacht. Er bekommt eine kleine Rente. Jetzt geht es ihm gut, er wäre ein glücklicher Mensch, sagt er selbst über sich. Über die Region hier weiß er uns noch viel zu berichten.
Jede Menge junger Katzen scharen sich bettelnd um uns und scheuen sich auch nicht auf den Tisch zu springen und ins Auto zu kommen.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit