Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Wieder in den Karpaten


Samstag, 15. September: Chişinău (Moldawien) ► Piatra Neamţ (Rumänien), 313 Tageskilometer
Am 5.Tag in Moldawien / Transnistrien müssen wir allmählich an den Rückweg denken. Dieses Mal lassen wir uns straßenzustandsmäßig beraten. Eigentlich wollten wir in Balți noch eine pensionierte moldawische Deutschlehrerin treffen, aber unser E-mail-Programm hat sich verheddert, wir kommen nicht mehr an die gespeicherten Mail-Adressen und wir haben leider noch keine Telefonnummern ausgetauscht. Das ist sehr schade.
Umfangreiche Verabschiedungszeremonien finden statt. Wir werden noch ausgiebig mit Obst und Honig versorgt. Nach drei Nächten rollt die blaue Zitrone vom Hinterhof.

Dann geht es von Chişinău aus der Stadt heraus noch auf etwas rumpeliger, aber dann auf neuer Straße nach Leuşeni an die rumänische Grenze. An diesem Grenzübergang ist bedeuten mehr los als in Giurgiuleşti, am Übergang unserer Einreise.
Es wird auf drei Spuren zügig abgefertigt. In der Nebenspur steht ein Ford Transit Selbstausbaukasten mit einem seltsamen Nummern-schild und der Länderkennung IS. Sie sind früher fertig als wir und entschwinden unseren Blicken.
Viele Straßenverzweigungen später und fast 100 km weiter kurz vor Iaşi in Rumänien treffen wir sie auf einem Landstraßenparkplatz wieder. IS bedeutet wirklich Island. Sie sind über Dänemark, Deutschland, Polen in die Ukraine und nach Moldawien gereist. Sie verbinden das Nützliche mit dem Angenehmen. Sie haben Aufträge in Polen und der Ukraine abgearbeitet und sind nebenbei auf Besichti-gungstour durch Europa. Sie sind Grafikdesigner aus Reykjavik. https://studiokleina.com/ Man trifft ständig interessante Leute. Am Grenzfluß Prut entlang fahren wir auf der rumänischen Seite nach Norden und haben weite Ausblicke über das hügelige Moldawien.

Durch die quirlige Stadt Iaşi kommen wir bis kurz vor Piatra Neamț und machen neben dem Pool im Garten einer Pension Halt für heute. Wir sind die einzigen Gäste

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Sonntag, 16. September: Piatra Neamţ ► Cozaneşti, 162 Tageskilometer Nachts haben Straßenhunde den Zugang zu dem vollständig umzäunten Garten gefunden. Die blaue Zitrone wurde von einem wahrscheinlich besonders hochstämmigen Rüden ringsum markiert. Es stinkt wie im Pumakäfig.

Mit einigen Gießkannen Wasser muß Frank die olfaktorischen Hinterlassenschaften abspülen. Bevor wir in die Stadt fahren, kaufen wir im Dorfladen ein. In Piatra Neamţ gibt es kaum nennenswerte historische Bebauung. Fast alles ist im sozialistischen Ceaușescu-Stil ersetzt worden. Wir schweben mit der "Telegondula" über die Stadt zum Gipfel Cozla.

Mit uns in der Kabine der spektakulären Seilbahn ist noch eine Frau. Als ich mit lautem Geräusch ein Klappfenster schließe, erschrickt sie sich sehr. Sie hatte wohl schon den Absturz vor Augen. Oben auf dem Berg wird von Studenten gerade mit viel technischem Aufwand ein Ballon gestartet.

Weiter geht unsere Reise durch das Bistriţa-Tal, die Karpaten aufwärts. Am Beginn des großen Stausees dann der erste Stopp. Direkt an der Staumauer ist das Wasser von einem Müllteppich bedeckt.
Am See entlang, und auch noch eine ganze Strecke nach dem See liegen viele Dörfer und Gehöfte in der Berglandschaft. Dann wird es viele Kilometer sehr einsam. Ab und an spannt sich eine kleine Fußgängerhängebrücke über die Bistriţa.

In Cozaneşti endet die heutige Tour. Wir sitzen auf einer Wiese in der Sonne und haben eine weite Sicht in die grüne Bergwelt.


Montag, 17. September: Cozaneşti ► Prislop.Paß ► Săpânţa, 207 Tageskilometer
Auch heute folgen wir zuerst dem Fluß Bistriţa weiter aufwärts. Von Iacobeni an fahren wir 50 km auf einer Straßenbaustelle. Hier wird die Straße bis zum Paß grundlegend erneuert.

Auf dem 1416 m hohen Paß genießen wir vor dem Kloster die herrliche Weitsicht. Im Gegensatz zu der recht einsamen Fahrt bis zur Paßhöhe fängt auf der anderen Seite nach wenigen Kilometern dichte Besiede-lung an. Ortschaft reiht sich an Ortschaft. In Borşa kaufen wir ein. Es ist erstaunlich, was in diesen kleinen Ortschaften für ein dichter Verkehr und Menschengetriebe herrscht. Wir finden mit Mühe einen Parkplatz. In Vişeu de Sus machen wir einen kurzen Abstecher ins Vaser-Tal.

Bei Bahnfreunden in aller Welt bekannt ist die Vaser-Talbahn, eine Schmalspurbahn zum Holztransport aus unbesiedelten Gebieten der Karpaten, die heute noch in Betrieb ist. Wieder auf der Hauptstrecke zurück, bewundern wir die neuen Holzkirchen, die in fast jedem Dörfchen nach historischem Vorbild errichtet wurden.

In Săpânţa zeigen wir wieder in ein Seitental ab. Simitirul Vesel, der fröhliche Friedhof ist eine inzwischen weithin bekannte Sehenswürdigkeit. Es herrscht dichtes Touristengetümmel. Auf dem Friedhof steht eine neue Kirche vom Feinsten, die noch nicht ganz fertiggestellt ist. Das man seit einigen Jahren eine Eintrittsgebühr für den Friedhof nimmt, scheint sich zu lohnen. Auf dem Hof eines Gasthauses am Ortsrand finden wir einen Platz für die Nacht und ein leckeres Abendessen mit Forellen aus dem Bach neben dem Haus. Wir sprechen noch mit einem Paar aus dem Saarland, die ebenfalls mit dem Wohnmobil hier sind. Das Rauschen des Wildwassers begleitet uns in den Schlaf.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit