Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Vom Donauufer in die Karpaten


Montag, 27. August: Slatina ► Eşelniţa, 120 Tageskilometer
Vom „Böhmerdeutschen“ bekommen wir noch ein paar Reisetipps mit handgezeichneter Skizze und dürfen uns noch im Obstgarten frei bedienen. Auf der E70 geht es bis zur Donau. In Orsova kann man nicht am Donauufer entlangfahren. Innerhalb des Ortes führt eine schmale schlechte Straße steil bergan. Auf der anderen Seite kommen wir in Eşelniţa wieder mit der Donau in Berührung.

Bei Dubova halten wir am Kloster an der Uferstraße. Eine junge Familie bittet uns, sie vor König Decabals Kopf zu fotografieren, dann knipsen sie uns. Weil wir, wie alle hier, im absoluten Halteverbot stehen, fragen wir den jungen Mann vom Bootsanleger. Nein, das Schild hat keine Bedeutung, mein Vater ist hier der Polizist, der regelt das schon. Wir machen eine Fahrt mit einem kleinen Motorboot zu einer Höhle, die nur vom Wasser her zugänglich ist. Hier auf dem Fluß hat man gute Sichten auf die Felswände und Engstellen des eisernen Tores. Die Inschrift aus Kaiser Trajans Zeit, die man aus der Felswand geschnitten und um sie vor der Überflutung der Staustufe zu retten über der neuen Wasserlinie wieder angebracht hat, befindet sich in beklagenswertem Zustand. Vor dem Kloster stehen mehrere Fischräucherschränke, dachten wir. Nein es sind Schränke die vom Kerzenruß geschwärzt sind. Die Opferkerzen werden in getrennten Schränken, jeweils für die Lebenden und die Toten aufgestellt.

Wir fahren noch ein Stück das Donauufer entlang. An einigen Stellen gehen Wanderwege von der Straße ab. Sehr gut ausgeschildert, mit Satellitenansicht als Übersichtsplan und Höhendiagramm am Beginn des Weges. Dadurch sehen wir, daß es ganz schön weit ist zu den spektakulären Aussichtspunkten auf den Uferfelsen über dem Eisernen Tor. Wir kehren zurück nach Eşelniţa. Auf dem Herweg haben wir dort einen Wegweiser zu einen in keinem Verzeichnis stehenden Campingplatz erspäht. Das junge Eigentümerpaar ist gerade am Hausneubau und sie haben auf der Wiese daneben den Platz erst vor drei Wochen eröffnet. Drei rumänische Zeltcamper-paare und ein Deutscher, der mit dem Liegerad bis nach Indonesien fahren möchte, sind hier schon zu Gast.


Dienstag, 28. August: Eşelniţa ► Horezu, 198 Tageskilometer
Wir fahren wieder nach Orsova, bleiben dann weiter auf der Donauuferstraße bis zur Staustufe „Eisernes Tor 1“. Direkt über die Staumauer verläuft die Straße mit dem Grenzübergang zur serbischen Seite. In der Staumauer selbst gibt es ein Museum. Der Einlaß ist limitiert auf 30 Personen pro Führung wegen des zu benutzenden Aufzuges. Das Bauwerk selbst gilt als sozialistische Vorzeigeindus-triearchitektur. Erbaut wurde das damals weltgrößte Flußkraftwerk von 1964 – 1972 als Gemeinschaftsleistung von Jugoslawien und Rumänien. In der Staumauer läuft man auf Marmorböden. Das Museum erscheint dann sehr übersichtlich: geologische Fakten und Daten des Eisernen Tores, ein paar archäologische Fundstücke, Besiedlungshistorie des Gebietes, die Daten der Staumauer und des Kraftwerkes, wenige Fotos vom Bau und von der Gegend vor der Anstauung des Flusses. Als Abschluß der Führung fährt man noch mit dem Lastenaufzug hinunter zur Aussichtskanzel über der Turbinenhalle. Überall herrscht strengstes Fotoverbot. Mittags sind wir dann in Dobreta Turnu Severin. Das große Museum Eisernes Tor ist leider wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Das Außengelände mit den römischen Ausgrabungen scheint aber geöffnet. Wir marschieren durch ein geöffnetes Tor und werden zurückgewiesen. Nein hier ist nicht der Eingang. Dort daneben das neue Glasgebäude komplett ohne jeglichen Hinweis oder Beschriftung ist das neue Empfangsgebäude. Wir probieren die Türen durch bis wir eine geöffnete finden. An der Kasse gibt man uns zu verstehen, es gibt hier eine deutschsprachige Kollegin, die uns führen könnte. Im Haus ist sie nicht zu finden. Eine Mitarbeiterin bricht mit uns auf, sie im Außenbereich zu suchen. Nachdem wir das Gelände einmal diagonal durcheilt haben gibt sie auf und erklärt uns alles in Rumänisch. Das bekannteste Bauwerk des Grabungsgeländes, der letzte Brückenpfeiler der Trajansbrücke steht traurig in einem großen Betonbecken.

Einige Ausgrabungen sind schon neu gestaltet, anderes befindet sich noch in der Umgestaltung. Zum Abschluß besichtigen wir noch die Ausstellungen auf den drei Etagen des neuen Empfangsgebäudes.
Bei der Weiterfahrt durchqueren wir ein nicht endendwollendes Vorstadtviertel mit kurz hintereinander folgenden absolut rechtwinkligen Straßen. Obwohl wir immer nur geradeaus fahren, sind die Vorfahrtsregeln zermürbend mit Stop, Hauptstraße, rechts vor links, wechselnd in verschiedener Abfolge über gefühlt 50 Kreuzungen dicht an dicht. Nach Dobreta Turnu Severin verlassen wir das Donautal und wenden uns den Karpaten zu. In Richtung Târgu Jiu liegen jede Menge großer Industrieruinen am Weg. Wir biegen wieder ab auf kleine Nebenstraßen. Heute kommen wir bis Horezu im Karpatenvorland. An einem Restaurant mit Ferienhütten am Ortsrand kommen wir unter. Später treffen noch ein Schweizer Paar mit einem Campingbus und drei deutsche Frauen mit Ihrem Wohnmobil ein. Wir tauschen uns aus über das woher und wohin. Die Frauen (Mutter mit Tochter und Freundin) kennen sich hier ein wenig aus, die Familie der Mutter hat rumänische Wurzeln. Beim abendlichen sitzen neben dem Auto müssen wir immer wieder einige lästige Straßenhunde vertreiben.


Mittwoch, 29. August: Horezu ► Baia de Fier, 81 Tageskilometer
Nach erfrischender Dusche und gutem Frühstück geht es weiter. Einige Sehenswürdigkeiten befinden sich ganz in der Nähe. Bei der ersten, dem Freilichtmuseum Măldăreşti, sind wir zu früh dran, es ist noch nicht geöffnet. Hier wären alte oltenische Bojarenhäuser zu zu besichtigen gewesen. Eine Stunde zu warten ist uns doch zu lange.

Kleine Details einfach am Wegesrand, wie diese Brunnenkapelle, entschädigen uns. Als nächstes gelangen wir zum Kloster Horezu mit Klosterkirche, Wohnanlagen und Friedhof. Es ist gerade Gottesdienst. Beim Eintritt in die Kirche müssen wir Frauen Kopfbedeckung tragen. Wer keine hat, kann sich neben der Eingangstür aus einem Korb ein Kopftuch nehmen. Wir lauschen den orthodoxen Chorgesängen. Bei den Ausschmückungen der orthodoxen Kirchen ist auch fast immer das jüngste Gericht thematisiert. Hier ist schon auf der Portalseite an der Außenwand ein großes Fresko, das in seiner Darstellungsweise an ein Gemälde von Bosch erinnert. Es sind alle Grausamkeiten der Hölle fantasievoll und detailreich geschildert. Die gesamte Klosteranlage befindet sich in einem hervorragenden Zustand. Alles macht einen äußerst gepflegten Eindruck. Wir treffen hier die drei Frauen vom Platz gestern Abend wieder.

Im Ortszentrum von Horezu biegen wir auf eine kleine Nebenstraße ab. Zwei Dörfer weiter steht ein Sperrschild neben der Straße. Die Schweizer gestern Abend haben erzählt, daß sie auf einer Straße ein Sperrschild einfach ignoriert haben, und dann viele Kilometer weiter vor einem großen Schotterhaufen standen und umkehren mußten. Da wenden wir lieber hier schon um und fahren nach Horezu zurück auf die Fernstraße. In einem Waldstück neben der Straße sind alle Baumstämme bunt angestrichen. Warum das so ist erschließt sich uns leider nicht.

Die weitere Strecke wird bergiger mit sehr schönen Weitsichten. Unser Blick geht auf einen gewaltigen Felsspalt in den Bergen. In Plovragi zu Fuße dieses Spalts angelangt, fahren wir immer an der Mauer der Klosteranlage entlang in die Klamm des Olteţului. Direkt am Weg ist in der hohen Felswand der Eingang der Höhle Polovragi. Das große Gittertor wird vor unserer Nase geschlossen. Einige Personen hinter dem Tor scheinen auf die Führung zu warten. Der Mann am Einlaß ist unerbittlich. Nein er läßt uns nicht dazustoßen. Nächste Führung: in zwei Stunden. Dann sehen wir uns eben die Klamm an und fahren auf der Schotterstraße ein Stück weiter.

Es wird immer schmaler und wir bekommen Bedenken, ob wir dann noch eine Gelegenheit zum Umkehren haben werden. Frank übt dann das Wenden in 10 Zügen zwischen Felswand und Abgrund. Als wir dann die blaue Zitrone spektakulär auf einem Felsüberhang abgestellt haben und den Weg weiterlaufen finden wir natürlich ausreichend Platz zum Wenden und Parken. Wir wandern noch soweit, bis der Weg sich vom Fluß abwendet und fahren dann zum Kloster Polovragi und besichtigen dieses.

Im nächsten größeren Ort Baia de Fier, wenden wir uns wieder in ein Seitental. Hier gibt es mehrere Ferienhotels, manche in Betrieb, andere schon verlassen und im Verfall. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz sehen wir immer wieder Zelte und auch Wohnwagen entlang des Flusses stehen. Nach dem Ende der Asphaltstaße fahren wir die Schotterpiste weiter und kommen in ein ärmliches sehr vermülltes Dorf ohne befestigte Straßen, anscheinend ausschließlich von Roma bewohnt. Hinter dem Dorf einige idyllische Fleckchen, jedoch mit zahlreichen wilden Hunden. Wir fahren wieder ein Stück zurück, und finden auf der anderen Flußseite, ein Stück nach der Höhle Muierilor direkt am Ufer einen Platz für die Nacht. Als wir dann so vor dem Auto sitzen und darüber rätseln was das Relief der hohen, in der Sonne liegenden Felswand mit seinen Höhlen und Löchern so an Fabelwesen darstellen könnte, kommt eine alte Frau aus dem Unterholz. Sie möchte uns einen Eimer Brombeeren verkaufen. Wir brauchen keine Brombeeren. Gleich zwei Meter neben uns hängt dichtes Gesträuch voll davon. Sie läßt nicht ab von uns. wort- und gestenreich erklärt sie uns, daß wir ja davon eine Torte backen könnten. Das werden wir dann wohl tun müssen und schöpfen eine kleine Schüssel voll Beeren vom Eimer ab. Wir geben ihr 10 Lei. Sie bedeutet uns, daß uns damit der ganze Eimerinhalt gehört. Nach weiteren vielen hin und bekommen wir die Hände geküßt, werden mehrmals bekreuzigt und sie zieht mit ihrem Eimer Brombeeren von dannen. Solche Vorgänge machen schon schwer nachdenklich. Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es schnell feucht und kalt hier im Flußtal. Als wie schon längst in den Betten liegen kommt im pechfinsteren noch ein rumänisches Paar und baut im Schein von Stirnlampen ein Zelt auf. Das „Wildcampen“ scheint hier sehr üblich zu sein.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit