Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Transalpina


Donnerstag, 30. August: Baia de Fier ►Transalpina ► Seaca,
160 Tageskilometer

Als sich der Frühnebel aus dem Tal verzogen hat frühstücken wir draußen. Die rumänischen Nachbarn, die noch nachts ihr Zelt aufgebaut haben, winken herüber. Sie sind schon vom Frühstücks-tisch aufgestanden und laufen los. Neben uns werden Kühe vorbeige-trieben, die Hirten grüßen uns freundlich. Fünf Kilometer nach unserem Start sind wir wieder im Ortszentrum von Baia de Fier. Hier treffen wir auch unsere Zeltnachbarn wieder. Sie haben zügigen Schrittes die Strecke zu Fuß bewältigt. An der zentralen Kreuzung gibt es einige kleine Läden in denen wir uns versorgen. Denn für die nächsten 150 km durch die Karpaten dürfte es mit Einkaufsmöglich-keiten sehr rar bestellt sein. Wir kommen durch einen weiteren kleinen Ort, berühren dann Novaci nur peripher und sind dann auf der legendären Transalpina. Am Anfang steht gleich ein Sperrschild mit irgendwelchen Daten. Bergrennen werden darauf angekündigt, zum Glück nicht heute. Ab jetzt geht es steil bergauf mit häufigen Fotostopps.

Leider hängen an dieser Gebirgsseite dichte Wolken, im Nu sind wir mittendrein und mit der Aussicht ist es vorbei. So bewegen wir uns im zähen Nebel der Wolkendecke vorsichtig von einem weißen Strich der Fahrbahnmarkierung zum nächsten. Ab und an reißt der Vorhang auf und Sonnenstrahlen dringen hindurch. Einige Höhenmeter weiter sind wir dann ganz über den Wolken. Wir befinden uns nun schon über der Baumgrenze. An einem langgezogenen Bergkamm angelangt, stehen viele Händler mit Korbwaren, Souvenirs, Langos, selbst Eingemachten, Käse, Säften. Abseits der Straße wachsen jede Menge Preißelbeeren. Neben uns hält ein Mercedes Allradwohnmobil aus Landshut. Sie haben hier oben in der Nähe übernachtet. Wir unterhalten uns eine Stunde mit dem Paar über ihre und unsere Reisen. In dieser Zeit zieht der Himmel vollständig klar und es wird richtig warm. Abend werden wir dann merken, daß wir uns die Nasen verbrannt haben. Wir verabschieden uns nicht ohne Reisetipps ausgetauscht zu haben und fahren mit unserem hier gekauften Käse und Heidelbeersirup weiter. Nachdem der kleine Wintersportort Rânca durchquert ist, schwingt sich die Straße noch einmal höher hinauf. Bei 2145m ist die Paßhöhe erreicht. Bis dahin immer wieder Fotohalt mit grandiosen Aussichten in unendliche Weiten der Karpatenbergwelt.

Jede Menge Vieh, Schafe, Ziegen, Kühe, sind zu sehen. Nach dem Paß geht es in weiten Serpentinen abwärts. In einem stark bewaldeten Quertal biegen wir ab von der Transalpina und bewegen uns entlang des Vidrastausees. Im Wald stehen überall Zelte und vereinzelt auch Wohnwagen. Entlang der Straße werden Stiegen mit Pfifferlingen, Körbe mit Beeren und Honig angeboten. Auf diesen ca.80 km der 7A begegnet uns selten ein Fahrzeug. Später passieren wir noch zwei weitere Stauseen. Nach dem Ort Brezoi stoßen wir im Olttal auf die E81, die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Rumänien. Von der totalen Waldeinsamkeit in brüllenden Verkehr geworfen, müssen wir diesen Schock erst mal verarbeiten. Rechts neben der Straße steht ein kleiner Wegweiser: Wasserfall. Wir biegen sofort ab und landen gleich auf einem kleinen Parkplatz. Sofort kommt jemand zu uns und möchte Eintrittsgeld. Wir befinden uns im Cozia Nationalpark und hier ist eine Gebühr von 12 Lei zu entrichten. Der Wasserfall wäre nicht weit, ca. zwei Kilometer, aber mit dem Auto dürfen wir hier nicht weiter, bekommen wir als Auskunft. So wandern wir an dem Gebirgsbach entlang. Es ist schattig hier in dem kleinen Tal, aber enorm schwül-warm. Aus den zwei Kilometern werden dann fünf und wir wollen angesichts der vorgerückten Spätnachmittagsstunde schon umkehren, da rauscht uns der Wasserfall entgegen. Wieder am Auto, sind wir vollkommen durchgeschwitzt müssen sämtliche Kleidung wechseln und uns erst einmal frischmachen. Vor der Weiterfahrt bittet uns ein rumänisches Paar, sie bis zu Kurort Călimăneşti mitzunehmen. Das machen wir dann auch. Die Fahrstrecke ist nur kurz, wir kommen deshalb nicht weiter ins Gespräch. Es ist schon spät, wir sind zu fertig, um noch weiterzufahren. Bei Seaca finden wir ein Motel wo wir auf einer Wiese hinter dem Haus direkt am Flußufer des Olt stehen können. Zwar ein ganzes Stück entfernt von der Straße, aber der Geräuschpegel der Stoßstange an Stoßstange fahrenden LKWs ist hier im Tal schon enorm. Wir lassen uns von der Motelküche verwöhnen. Vor dem Einschlafen kommt dann doch Ohropax zum Einsatz.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit