Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Transfăgăraşan


Freitag, 31. August: Seaca ► Curtea de Argeş ► Transfăgăraşan ► Karpatenbalkon, 166 Tageskilometer
Wir werden schon früh vom Straßenlärm wach. Im Motel können wir duschen. Auf dem ganzen Weg dorthin und zum Auto zurück werden wir von dem lästigen laut knäffenden hauszugehörigen Dackel begleitet. Neben dem Motel hat ein Korbmacher seinen reichhaltig bestückten Verkauf. Einen schönen großen stabilen Teppichaus-klopfer konnten wir gestern Abend dort sehr preiswert erwerben. Wir haben Mühe uns wieder in den Verkehr auf der Straße einzufädeln, obwohl wir nur rechts abbiegen möchten. Wenn man auf die Karte schaut, wird klar, warum: Die Autobahn A1 die von Wien über Budapest bis an die Karpaten bei Herrmannstadt heranführt, dann aber hier im Olttal die Karpaten als normale Straße quert, um dann auf der anderen Seite wieder als Autobahn nach Bukarest und weiter zum Schwarzen Meer zu führen, das ergibt dann diese Zustände. Wir möchten dieser Straße so schnell wie möglich entfliehen, fahren deshalb ein Stück des gestern gekommenen Weges zurück und nehmen die nächste Brücke über den Fluß. Die Dörfer liegen dicht an dicht längs der kleinen Straße. Uns verwundert, die vom Navi vorgeschlagene umständlich weite Route, also fahren wir nach Karte. Doch plötzlich eine Straßensperrung, wir müssen zurück. Hoffentlich nicht bis zur Hauptstraße. Bis Râmnicu Vâlcea können wir das vermeiden, müssen nach langem Vorfahrtanstehen dann doch für 10 Kilometer auf die E81. Mittags sind wir dann in Curtea de Argeş, eine der ältesten Städte Rumäniens. Wir halten auf dem Parkplatz zwischen Museum und Fürstenkirche.

Die 800 Jahre alte Kirche besticht durch ihre weitgehend erhaltenen Fresken im Inneren.
Wir staunen doch sehr, weil in unseren zwei Reiseführern aus einem namhaften Verlag und einem kleinen Verlag, die wir als bildungshungrige Bürger mitführen eine sehr besondere zwei Kilometer lange Kastanienallee (explezit mehrfach erwähnt) mit seinen daran angrenzenden bemerkenswerten Gebäuden beschrieben ist. Nun, diese Kastanien entpuppen sich als Linden. Nicht eine Kastanie, weit und breit.

Auch an welcher Stelle sich die einzelnen Kirchen befinden, geht weit an den Realitäten vorbei.
Wir schlendern die besagte Kastanien-Lindenallee entlang. Es gibt noch einige schöne Stadtvillen die die ehemalige Pracht dieses Boulevards erahnen lassen, aber eben auch jede Menge sozialistischer Bausünden und noch mehrere Kirchen. Die schönste davon, die Mănăstirea Curtea de Argeș befindet sich am anderen Ende der Allee umgeben von einem Park indem sich auch noch ein Klosterkomplex befindet. Das Gebäude strahlt von außen, als wäre es erst neu erbaut. Die Kirche ist die Grablege von vielen rumänischen Fürsten und Königen.

Am Eingang herrscht enormer Andrang, so daß uns die Lust zur Innenbesichtigung vergeht. Wir laufen die zwei Kilometer Linden-allee zurück, dieses Mal auf der anderen Seite der verkehrsreichen Straße. Schnell sind wir wieder aus der Stadt heraus. Ungefähr 25 Kilometer weiter erhebt sich in spektakulärer Lage auf einem Felszipfel eine Burg.

Die 1480 Stufen Aufstieg zur Draculafestung Poienari bleiben uns erspart. An der Pforte zum Treppenaufgang ein Schild in mehreren Sprachen: Aus Sicherheitsgründen Besichtigung nur mit vorange-meldeter Gruppe. Nun schrauben wir uns über Brücken und durch Tunnel auf der Südseite der Karpaten die Transfăgăraşan empor. Der nächste Fotostopp an einer seitlich gelegenen gesperrten Brücke über das Argeştal.

Dann noch ein steiles kurzes Stück bis zur Staumauer. Nun geht es wieder ziemlich eben 30 Kilometer lang um jeden Zipfel des Stausees herum. Als sich die Straße vom See abwendet, wird es auch wieder steiler und verkehrsärmer. An einem Brunnen tanken wir frisches Gebirgswasser. Nun beginnt der spektakuläre Teil dieser Hochgebirgsstraße.

An atemberaubender Stelle hat ein Trupp Pfadfinder seine Zelte aufgestellt. Mit einer Menschenkette reichen sie Brennholz von der Straße den Steilhang entlang in die Tiefe zu ihrem Lagerplatz. An der Paßhöhe gehts durch einen Tunnel. Danach: Menschen und Fahrzeuggedrängel um mehrere Restaurants und Berghotels. Rechts geht eine kleine Straße ab zu weiteren Berghütten und Hotels. Wir quälen uns an den dicht geparkten Fahrzeugen vorbei bis zum Lacul Bâlea.

Wir finden keinen Platz um unser Auto abzustellen, überall dichtes Fahrzeug und Menschengeschiebe. Die Kabinenseilbahn spuckt weitere Menschenmengen aus ihren roten Gondeln. Eigentlich dachten wir ja, hier oben einen Übernachtungsplatz zu finden, das können wir knicken. Wir haben Mühe, die zugeparkte Zufahrtsstraße wieder zurückzukommen. Das ist nichts für uns, wir fahren auf der Nordseite abwärts. Die Straße in ihrer Hochgebirgslandschaft ist schon genial. Wer jemals schon die Geirangerstraße oder den Trollstiegen gefahren ist: Das hier ist noch eine Stufe besser! Auf ca. 1000 Höhenmetern finden wir einen traumhaften Übernachtungsplatz etwas abseits der Straße. Wir nennen ihn sofort Karpatenbalkon. In dem steil abwärtsführenden nicht weiter gefalteten Tal bildet er die Kante zu einem noch steileren Absturz. Der gesamte Siebenbürger Königsboden liegt uns im Abenddunst zu Füßen.

Hier steht schon eine Familie aus Traunstein mit ihrem Zelt und ein junges Paar aus Frankreich mit einem Transporter. Später kommen noch 2 PKWs mit Dachzelt hinzu. Wir sitzen noch lange draußen und lassen uns auch vom eiskalten bösen Fallwind nicht ins Auto treiben. Mitten in der Nacht läßt uns ein gewaltiger Donnerschlag hochschrecken. Der Nachhall pendelt noch lange zwischen den beiden Talwänden. Am Morgen liegt ein gerissenes Schaf oberhalb am Hang. Die Hirten haben wahrscheinlich einen Bären mit einem Knallkörper vertreiben müssen.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit