Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Mediaş (Mediasch)


Montag, 3.September: Blăjel (Kleinblasendorf) ► Mediaş (Mediasch) ► Valea Viilor (Wurmloch) ► Moşna (Meschen) ► Sighişoara (Schäßburg), 140 Tageskilometer
Nach langen ausgiebigen „Geschwätzern“, wie Frank immer zu sagen pflegt, verlassen wir gegen 10⁰⁰ Uhr den gastlichen Platz um uns Mediaş (Mediasch) anzusehen, selbstverständlich auch die Kirchenburg. Die Parkplatzsuche gestaltet sich schwierig. Doch letztendlich können wir die blaue Zitrone direkt am zentralen Platz in der Altstadt abstellen.

Die Kirche selbst ist sehr schön, mit einer Ausstellung sehr alter Teppiche aus aller Welt. Die Kirchenbänke haben eine faszinierende Mechanik. Man kann die Rückenlehne nach vorne oder nach hinten schwenken. Sitzen kann man so in Blickrichtung Altar oder aber auch andersherum in Blickrichtung Orgel auf der anderen Seite. Es wird gerade geprobt für ein Orgelkonzert. Zwei junge Mädchen bieten sich an eine gratis Kirchenführung zu machen. Sie gehen hier auf dem Burgberg in das deutsche Gymnasium und können so ihre Sprachkenntnisse anwenden und verbessern. Danach gehen wir in die Stadt hinunter. Die deutsche Kastell-Buchhandlung hat leider schon Mittagspause. Auf den Straßen ist es lebendig und voller Menschen. In einem kleinen Laden wird Blätterteig mit Käsefüllung frisch gebacken, da schlagen wir zu. Wir setzen uns in den Park und essen genußvoll. Hier auf dem König-Ferdinand-Platz, benannt nach dem aus Deutschland stammenden rumänischen König aus dem Hause Hohenzollern, der von 1914-1927 Rumänien regierte, fahren sinnigerweise auch die privaten Fernbusse nach Nürnberg, Düsseldorf und Frankfurt ab, wie wir auf den Werbeschildern lesen können.
Wenig später sind wir in Valea Viilor (Wurmloch).

In dieser Kirchenburg ist alles sehr liebevoll hergerichtet. Im Torgebäude gibt es einen kleinen Museumsraum, in dem einige Dinge des täglichen Lebens und interessante Dokumente ausgestellt sind. Es ist schon bemerkenswert, mit wieviel Herzblut die Menschen hier ihre Geschichte und die Traditionen den Besuchern nahebringen möchten. Aber auch hier sind die Gebäude vom Zahn der Zeit schwer angenagt. Der Glockenturm einsturzgefährdet. Wie immer aus rein fachlicher Neugier erkundet Frank den Turm, Glockenstuhl und auch den Dachstuhl des Kirchenschiffes.

Als uns die Verwalterin erzählt, daß sie vorige Woche mit ihrem Mann zusammmen nach langer Zeit wieder einmal anläßlich einer Hochzeit die großen Glocken geläutet hat, was nur von oben mit kurzem Seil bei den Glocken direkt möglich ist, zuckt Frank merklich zusammen. Die mächtigen Balken des Umgangs und des Glockenstuhls haben schon einen Teil der Mauern nach außen gedrückt. Es besteht allerdings Hoffnung auf Rettung. Die Burg von Valea Viilor wird in der Welterbeliste geführt.
Es ist wieder drückend heiß geworden. Eine Kirchenburg, eine der größeren, werden wir uns heute noch ansehen: Moşna (Meschen). Die Frau, die in der Burg wohnt, sagt, sie sei die schönste Anlage aller. Einiges, wie Verputz, Teile der Dächer, Gebäudestabilisierung, ist hier schon in Angriff genommen worden. In den Gebäuden des inneren Umgangs gibt es Ausstellungen. Die Kirche ist außergewöhnlich groß und hat schwere statische Probleme.

Die Säulen und die Seitenwände des Kirchenschiffs sind völlig aus dem Lot geraten. Die Besichtigung der Eingeweide im großen Turm und über dem Kirchenschiff muß Frank abbrechen. Durch aufkommende Windböen werden Dreck und Taubenkot aufgewirbelt, so daß er hustend wieder ans Tageslicht gekrochen kommt.

Der Wind schiebt eine Gewitterfront heran. Wir müssen zum Auto rennen. Es blitzt, donnert und regnet kurz und heftig. Links und rechts unserer weiteren Strecke sehen wir noch mehr Kirchenburgen, besichtigen diese aber nicht. Wenn es nach Frank ginge, würde er begeistert tagelang nur in diesen Gemäuern umherkriechen. Die auf regional engstem Raum geballte schier unermeßliche Menge histo-risch wertvoller Bausubstanz ist einmalig. Das alles für die Nachwelt zu erhalten, in heutiger Zeit eine wohl unlösbare Aufgabe.
Gegenüber der Altstadt von Sighişoara (Schäßburg) an einem steilen Berghang wird neben einem Ausflugslokal eine Campingwiese offeriert. Als wir oben sind bietet sich mit zunehmender Dämmerung ein toller Blick auf die Stadt.
Leider hat sich schon in der befestigten Zufahrt ein Trupp Franzosen einer geführten Tour mit ihren 15 großen Wohnmobilen niedergelassen. Wir drängeln uns durch mit nur 2mm Platz zwischen ihnen und unseren Rückspiegel und stehen allein auf der schönen großen Wiese. Auf der Restaurantterrasse gibt es junges sehr freundliches und bemühtes Personal. Wir bestellen uns ein üppiges Abendessen. Das wird dann eine komplette Enttäuschung: Die Forelle ist ausgedörrt und zerbraten, das Grillgemüse völlig ungenießbar verkohlt. Wir lassen das Essen zurückgehen. Man entschuldigt sich tausendmal, aber das was neu gebracht wird, ist nicht sehr viel besser. Wir picken das Eßbare heraus, genießen die wirklich phantastische Aussicht bis in die Dunkelheit hinein und lassen uns den Abend nicht verderben.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit